Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula, )
Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) ist eine ausdauernde fleischfressende Pflanze aus der Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae) und die einzige Art der Gattung Dionaea. Sie stammt aus einem kleinen Gebiet der Küstenfeuchtgebiete von North Carolina und South Carolina. Das Ende jedes Blattes bildet eine Klappfalle, die sich in einer Zehntelsekunde schließt, wenn zwei Fühlborsten kurz nacheinander gereizt werden.
WeiterlesenVenusfliegenfalle und Venus flytrap
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Dionaea muscipula liegt in einem kleinen Teil der Küstenebenen von North Carolina und South Carolina, etwa im Umkreis von 100 km um Wilmington. Eingebürgerte Bestände aus alten Anpflanzungen werden aus Florida und den Mooren von New Jersey gemeldet. Andernorts wird sie als Zierpflanze von Sammlern kultiviert.
- Heimisch2
- Eingeführt2
- USA (North Carolina)
- USA (South Carolina)
- USA (New Jersey)
- USA (Florida)
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula J.Ellis, 1773), englisch Venus flytrap, ist der Name einer ausdauernden fleischfressenden Pflanze aus der Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae). Eine ausgewachsene, gut belichtete Rosette wird ohne Blütenstiel 5 bis 15 cm hoch und 8 bis 18 cm breit. Sie bildet die einzige Art der monotypischen Gattung Dionaea. Nahe Verwandte sind der Sonnentau (Drosera) und die Wasserfalle (Aldrovanda vesiculosa). Aus der Klebefalle eines gemeinsamen Vorfahren entwickelte sich die bewegliche Klappfalle von Dionaea. 1 6
Der Gattungsname verweist auf Dione, die Mutter der Venus in der griechisch-römischen Mythologie. Das lateinische Epitheton muscipula bedeutet „Mausefalle“; die überlieferte Worterklärung verbindet musca für Fliege mit decipula für Falle. John Ellis beschrieb die Pflanze 1768 in einem Brief an Linné, bevor die gültige botanische Veröffentlichung 1773 folgte. Bereits 1759 hatte Arthur Dobbs, Kolonialgouverneur von North Carolina, sie als „Catch Fly Sensitive“ erwähnt. 7
Erkennung
Gewöhnlich trägt die Rosette 4 bis 7 Blätter. Jedes besteht aus einem abgeflachten, fotosynthetisch aktiven Blattstiel und einer anschließenden Klappfalle. Direktes Sonnenlicht färbt deren Innenseite dunkelrot; im Schatten bleibt sie grün. Beim Schließen greifen die gezähnten Randborsten ineinander und bilden einen Käfig. Sehr kleine Beutetiere können entkommen, sodass die Pflanze keine Energie für ihre vollständige Verdauung aufwenden muss. 2 3
Auf jedem Fallenlappen sitzen drei steife Fühlborsten. Eine einzelne Berührung löst nichts aus: Innerhalb von etwa zwanzig Sekunden müssen zwei Borsten oder dieselbe Borste zweimal berührt werden. Diese doppelte Auslösung spart Energie, weil ein einzelner Regentropfen oder ein verwehter Fremdkörper gewöhnlich unbeachtet bleibt. Ein wiederholter Reiz durch bewegte Beute schließt die Falle in ungefähr einer Zehntelsekunde. Das gehört zu den schnellsten bekannten Pflanzenbewegungen. 7 6
Nach nur 3 bis 6 Fangzyklen wird dieselbe Falle schwarz und stirbt ab. An ihre Stelle tritt ein neues Blatt. Ohne Blütenstiel erreicht die Rosette bei guter Belichtung eine Höhe von 5 bis 15 cm. 3
Nützliche Taxonomie
Innerhalb der Gattung Dionaea ist nur eine Art anerkannt. Sechs historische Namen aus der botanischen Literatur des 19. Jahrhunderts sind vom akzeptierten Namen zu unterscheiden:
- Dionaea corymbosa Raf., historisches Synonym
- Dionaea sensitiva Salisb., historisches Synonym
- Dionaea sessiliflora Raf., historisches Synonym
- Dionaea uniflora Raf., historisches Synonym
- Drosera sessiliflora Raf., historisches Synonym
- Drosera uniflora Raf., illegitimer Name
Heute spielen diese sechs Bezeichnungen im Handel keine Rolle mehr; sie begegnen lediglich in alten Katalogen und Herbarien. Beim Kauf und bei der Recherche bleibt der akzeptierte wissenschaftliche Name Dionaea muscipula der verlässliche Bezugspunkt. 1
Lebensraum und Verbreitung
Rund 100 km um Wilmington umfasst das kleine natürliche Areal in den Küstenebenen, überwiegend im Osten von North Carolina und South Carolina. Die Pflanze wächst bei voller Belichtung in Sumpfkiefernsavannen und Mooren. Ihre Böden sind sauer, sandig und arm an Stickstoff und Phosphor. 1 3
Regelmäßige Feuer erhalten die Savanne der Venusfliegenfalle. Ohne sie überwachsen Sträucher und hohe Gräser die niedrigen Rosetten und nehmen dem Boden das Licht. Außerhalb des natürlichen Areals sind eingebürgerte Bestände aus alten Pflanzungen bekannt, insbesondere in Florida und in den Mooren von New Jersey. 8
Auf der Roten Liste der IUCN steht die Art als gefährdet (Vulnerable). Entwässerung, Bebauung und das Ausbleiben regelmäßiger Brände haben die Wildbestände seit den 1970er-Jahren im gesamten natürlichen Areal verringert. 5 8
Fangmechanismus, Blüte und Vermehrung
Nach dem Schließen geben Drüsen im Inneren der Falle Verdauungsenzyme ab. Die Verdauung dauert 5 bis 10 Tage. Anschließend öffnet sich die Falle wieder und gibt den leeren Insektenpanzer frei. Jeder Schließvorgang beansprucht ihren Mechanismus: Nach 3 bis 6 Zyklen wird das Gewebe schwarz und schließt sich nicht mehr. 7 2
Im Frühjahr erscheinen kleine Gruppen weißer Blüten auf einem blattlosen Stiel, deutlich oberhalb der Fallen. Dieser räumliche Abstand schützt bestäubende Insekten davor, in die Fallen derselben Pflanze zu geraten. 3
Wildpflanzen vermehren sich durch Samen und die natürliche Teilung des Rhizoms. In Kultur liefert eine Rhizomteilung innerhalb einer Saison eine identische Pflanze. Nach Aussaat vergehen 4 bis 5 Jahre bis zur ersten Blüte. Die meisten im Gartenhandel verkauften Pflanzen stammen aus In-vitro-Vermehrung. 3
Nutzen und Risiken
Gesammelt und kultiviert wird die Venusfliegenfalle vor allem als Zierpflanze: im Terrarium, im Kalthaus oder an einem hellen Platz auf einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Für Menschen und Haustiere ist keine Giftigkeit bekannt. Die ASPCA stuft sie als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde ein. 4 3
Besonders gefährdet sind die natürlichen Pflanzenbestände. Nach jahrzehntelanger Wilderei für den Gartenhandel wurde die Wildentnahme in North Carolina 2014 zur Straftat. Die IUCN führt die Art weiterhin als gefährdet. Handelspflanzen stammen fast ausschließlich aus In-vitro-Vermehrung. Wer vor dem Kauf diese Herkunft prüft, vermeidet die Unterstützung von Wilderei. 5 8
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Die gärtnerische Auswahl umfasst mehrere etablierte Sorten und seltenere Formen, die nach Farbe oder Fallenform selektiert wurden. Akai Ryu hat vollständig dunkelrotes Laub. B52 und South West Giant besitzen deutlich größere Fallen als die Wildform. Bei Dentate Traps sind die Randborsten gezähnt statt fadenförmig. Trotz dieser Farb- und Größenunterschiede gehören alle zu Dionaea muscipula. 2
Häufige Verwechslungen betreffen getrocknete oder künstliche Nachbildungen, die als Kuriositäten oder Schlüsselanhänger verkauft werden und mit lebenden Kulturpflanzen nichts zu tun haben. Unter den echten fleischfressenden Pflanzen teilen Sonnentau (Drosera) und Schlauchpflanzen (Sarracenia) den Moorlebensraum. Sie fangen Beute jedoch mit Klebstoff beziehungsweise passiven Schlauchfallen und besitzen keine beweglichen Klappfallen. 6
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Dionaea muscipula J.Ellis
- Royal Horticultural Society, Dionaea muscipula, Venusfliegenfalle
- North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, Dionaea muscipula
- ASPCA, Venus Fly Trap, Angaben zur Giftigkeit
- IUCN Red List, Dionaea muscipula, Bewertung (2000)
- Royal Botanic Gardens Kew, Venusfliegenfalle: Wie funktioniert sie?
- Encyclopaedia Britannica, Venusfliegenfalle
- U.S. Fish & Wildlife Service, Venus Flytrap — Under Endangered Species Act review, Juni 2017; Internet Archive, 21. Mai 2021
Häufig gestellte Fragen
Ist die Venusfliegenfalle für Katzen oder Hunde gefährlich?
Nein. Die ASPCA führt Dionaea muscipula als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde. Einzig ein mechanisches Einklemmen ist möglich, wenn ein Jungtier eine Pfote oder die Schnauze in eine aktive Falle steckt.
Warum schließt sich eine Falle manchmal ohne Insekt?
Ein Fremdkörper, ein Wassertropfen oder ein neugieriger Finger kann zwei Fühlborsten berühren und eine leere Falle auslösen. Erkennt sie keine Bewegung einer Beute, öffnet sie sich meist innerhalb eines Tages wieder. Jede unnötige Schließung verbraucht jedoch einen ihrer 3 bis 6 möglichen Fangzyklen.
Kann ich die Venusfliegenfalle mit Leitungswasser gießen?
Nur wenn es sehr weich und kalkfrei ist. Mineralstoffe und Chlor im Leitungswasser schädigen die feinen Wurzeln. Für eine dauerhafte Kultur eignen sich Regenwasser, Osmosewasser oder demineralisiertes Wasser.
Muss ich die Fallen der Venusfliegenfalle füttern?
Im Freien oder im Gewächshaus reichen die vorhandenen Insekten aus. Im Zimmer kann gelegentlich ein kleines lebendes Insekt fehlende Beute ersetzen. Fleisch und Flüssigdünger gehören nicht in die Falle, weil sie diese faulen lassen.
Warum geht meine Venusfliegenfalle jeden Winter zurück?
Oft fehlt die nötige Winterruhe. Die Pflanze braucht mehrere Monate Ruhe bei unter 10 °C. Wird sie ganzjährig warm und beleuchtet gehalten, erschöpft sie sich allmählich innerhalb von zwei oder drei Vegetationsperioden.
Was unterscheidet Dionaea muscipula vom Sonnentau?
Beide Gattungen gehören zu den Sonnentaugewächsen und haben einen gemeinsamen evolutionären Ursprung. Sonnentau fängt Beute mit klebrigen Tentakeln, Dionaea dagegen mit einer beweglichen Klappfalle. Die Venusfliegenfalle ist die einzige Art ihrer Gattung.
Darf man eine wilde Venusfliegenfalle ausgraben?
In ihrem natürlichen Areal ist das nicht erlaubt. In North Carolina ist die Entnahme wilder Pflanzen seit 2014 eine Straftat. Die IUCN stuft die Art als gefährdet ein. Pflanzen aus dem Gartenhandel stammen aus In-vitro-Vermehrung, nicht aus Wildentnahme.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





