Samtpappel (Abutilon theophrasti, Medik. 1787)

Samtpappel (Abutilon theophrasti Medik.) ist ein einjähriges Malvengewächs aus Zentralasien und Westchina. Die Landwirtschaft hat sie auf mehrere Kontinente verbreitet. Jeder Bestand kann Tausende Samen bilden, die im Boden über fünfzig Jahre keimfähig bleiben. Das erschwert die Bekämpfung in Mais und Soja. In China seit der Antike als Faserpflanze kultiviert, wird sie heute vor allem als reguliertes Ackerunkraut in Nordamerika und Europa überwacht.

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Wissenschaftlicher NameAbutilon theophrasti
GattungAbutilon
OrdnungMalvales

Samtpappel, Lindenblättrige Schönmalve, Chinesischer Hanf und Velvetleaf

Identität
Toxizität
Ungiftig : Menschen, darunter Kinder, Katzen, Hunde und Tiere · Unbekannt : Pferde
Pflegeaufwand
Hoch
Pflanzenart
Einjährige Kräuterpflanze · Invasive Unkraut
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Einjährig
Herkunft
ChinaZentralasien
Lebensraum
Gestörte Böden, Mais- und Sojafelder, Brachen, Baustellen, Straßenränder, Obstgärten, Weinberge und Gärten
Jahresverlauf
Blütezeit
Sommer
Erntezeit
Herbst
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Blüte von Juli bis September; anschließend reifen die Früchte
Vermehrung
Aussaat
Klima & Wasser
Tolerierter Temperaturbereich
Windverträglichkeit
Samen und Früchte werden durch Wind, Wasser und Landmaschinen verbreitet
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Bodenarten
Gestörter Boden, Ackerboden, Straßenrandboden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.

Außenbereich
Straßenrand, Feldrand, Baustelle, Obstgarten
Erscheinungsbild
Höhe60–240 cm
Blätter
Grün
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbOrangeGröße1.5–2.5 cm
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
BraunSchwarz
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Samtpappel (Abutilon theophrasti): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

POWO verortet das natürliche Areal der Samtpappel in Zentralasien und Westchina. Durch die Landwirtschaft, besonders als Textilfaserpflanze, gelangte sie auf mehrere Kontinente. Heute wird sie als Ackerunkraut in Nordamerika und Mitteleuropa überwacht. In Frankreich tritt sie nur örtlich auf.

  • Heimisch2
  • Eingeführt3
  • Invasiv4
  • China
  • Zentralasien
  • Europäisches Frankreich
  • Neuseeland
  • Japan
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada
  • Schweiz
  • Mitteleuropa

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Samtpappel (Abutilon theophrasti Medik., 1787), auch Lindenblättrige Schönmalve oder Chinesischer Hanf, ist eine akzeptierte Art der Gattung Abutilon in der Familie der Malvengewächse, den Malvaceae. POWO führt den Namen auf Medikus im Jahr 1787 zurück und verortet das natürliche Areal vor allem in Zentralasien und im westlichen China. 1

Das französische Naturinventar INPN verwendet vor allem den Namen abutilon de Théophraste. Tela Botanica bestätigt Vorkommen in Frankreich, unter anderem in Aquitanien und auf Korsika. Das Artepitheton theophrasti ehrt den griechischen Botaniker Theophrast. Der französische Beiname für chinesische Jute verweist dagegen auf die frühere Verwendung als Textilfaser. 2 3

Für Gärten Westeuropas ist die Art nicht empfehlenswert. Ihre Samen können über fünfzig Jahre im Boden ruhen, weshalb sich ein einmal entstandener Bestand nur schwer beseitigen lässt. Ihre Bedeutung liegt vor allem in der Geschichte als chinesische Faserpflanze und in ihrer heutigen Rolle als überwachtes Unkraut im großflächigen Ackerbau. 7

Erkennung

Aufrecht, behaart und wenig verzweigt wächst der Stängel der Samtpappel gewöhnlich auf 60 cm bis 1,20 m heran. Unter günstigen Bedingungen sind etwa 2,40 m möglich. Die breiten, herzförmigen Blätter tragen einen weichen Haarfilz, der den deutschen Namen erklärt. Beim Zerreiben verströmen sie einen ausgeprägten Geruch, der die Bestimmung zusätzlich unterstützen kann. 4

Gelborange Blüten mit fünf Kronblättern erreichen ungefähr 1,5 bis 2,5 cm Durchmesser. Sie erscheinen einzeln oder in kleinen Gruppen in den Blattachseln. Die Blütezeit reicht vom Sommer bis zum beginnenden Herbst. 4

Besonders auffällig ist die gerippte, kranzförmige Frucht mit zwölf bis fünfzehn Kammern. Diese verholzen und tragen am oberen Rand spitze Fortsätze. Während der Reife wechselt die Frucht von Grün über Braun zu Schwarz. Jede Kammer enthält mehrere graue, nierenförmige Samen. Damit liefert die Frucht ein zuverlässigeres Erkennungsmerkmal als die Blütenfarbe allein. 5

Taxonomie und Namen

Als eindeutiger wissenschaftlicher Bezug dient Abutilon theophrasti Medik. POWO ordnet demselben Taxon mehrere Synonyme zu: Abutilon avicennae Gaertn., Abutilon pubescens Moench, Malva abutilon (L.) E.H.L.Krause und Sida abutilon L.. Der letzte Name beruht auf der ältesten Beschreibung innerhalb dieser Namensgruppe. 1

Mitunter werden zwei botanische Varietäten genannt, Abutilon theophrasti var. chinense und var. nigrum. Ihre Unterscheidung stützt sich vor allem auf die Samenfarbe; für das Erkennen der Art im Gelände ändert diese Unterteilung wenig. 1

In der Datenbank der EPPO trägt die Art den Code ABUTH. Dieses Kürzel dient dem pflanzengesundheitlichen Monitoring auf europäischer Ebene und ergänzt den wissenschaftlichen Namen als standardisierte Kennung. 7

Lebensraum und Verbreitung

Zentralasien und Westchina bilden das natürliche Areal der Samtpappel. Anschließend verbreitete die Landwirtschaft sie auf mehrere Kontinente, insbesondere wegen ihrer als Textilmaterial nutzbaren Faser. Der ursprüngliche Anbau erklärt damit einen Teil ihrer heutigen weiten Verbreitung außerhalb des Herkunftsgebiets. 1

Die Art besiedelt gestörte Böden: Brachen, Baustellen, Straßenränder, Obstgärten und Weinberge, vor allem jedoch Mais- und Sojafelder. Für Frankreich nennt Tela Botanica Aquitanien und Korsika, ohne die Pflanze als flächendeckendes Ackerunkraut des Landes darzustellen. 5 3

Eine 2014 veröffentlichte Untersuchung beschreibt ihre Ausbreitung in Mitteleuropa. Landwirtschaftliche Handelsbeziehungen tragen dazu bei; die Entwicklung ähnelt der aus Nordamerika bekannten Dynamik. 8

Die EPPO fasst das natürliche Areal weiter und schließt die Mongolei ein. Sie weist zugleich darauf hin, dass die Pflanze andernorts weiterhin gezielt als Zier- oder Heilpflanze angebaut wird. Diese Nutzung steht im Gegensatz zu ihrer Wahrnehmung als problematisches Unkraut in Nordamerika. 7

Lebenszyklus und Samenbildung

Nach der Keimung im Frühjahr blüht die Samtpappel von Juli bis September und stirbt beim ersten Frost ab. Ihr gesamter Lebenszyklus vollzieht sich somit innerhalb einer einzigen Vegetationsperiode; die einzelne Pflanze überdauert den Winter nicht. 5

Je nach Bedingungen bildet ein Exemplar 700 bis 17.000 keimfähige Samen. Diese können im Boden ruhen und noch nach über fünfzig Jahren keimen. Selbst eine Passage durch den Verdauungstrakt eines Tieres beendet ihre Keimfähigkeit nicht unbedingt. Deshalb bleibt der im Boden liegende Samenvorrat auch nach dem Entfernen der sichtbaren Pflanzen ein langfristiges Problem. 4 5

Ein einmaliges tiefes Pflügen löst dieses Problem nicht. Es verteilt vor allem ruhende Samen neu und befördert einen Teil an die Oberfläche. Dort können sie bei geeigneten Temperaturen keimen und erneut einen Bestand aufbauen. 5

Historische Nutzung und Giftigkeit

Schon etwa zweitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung wurde die Samtpappel in China als Faserpflanze angebaut. Durch Rösten gewann man eine juteähnliche Faser für Seile, grobe Gewebe und Papier. 4

Junge Blätter und Samen dienten außerdem als Nahrung. In der traditionellen chinesischen Heilkunde wurde die Pflanze gegen Ruhr und bestimmte Augenleiden eingesetzt. Historische Nahrungsnutzung und medizinische Überlieferung sind dabei unterschiedliche Verwendungsbereiche. 6

Für Menschen, Katzen und Hunde wird keine Giftigkeit bei Aufnahme angenommen. Bei Pferden bleibt der Status dagegen mangels ausreichender Daten unklar. Diese Datenlücke darf nicht mit einer bestätigten Unbedenklichkeit für Pferde gleichgesetzt werden. 6

Landwirtschaftliche Folgen und Regelungen

In Mais und Soja konkurriert die Samtpappel stark um Licht, Wasser und Stickstoff. Bleibt die Bekämpfung bis nach dem Vierblattstadium der Kultur aus, kann der Ertrag deutlich sinken. Nach ihrer Zerstörung setzt die Pflanze außerdem einen Stoff frei, der die Keimung mancher benachbarter Kultursamen verzögert oder hemmt. 4

Mehrere US-Bundesstaaten, darunter Colorado, Iowa, Oregon und Washington, führen sie als schädliches Unkraut. Im King County des Bundesstaates Washington untersagt die örtliche Quarantäneliste sogar den Verkauf. Diese Angaben beziehen sich auf die genannten amerikanischen Zuständigkeitsgebiete. 6 5

Praktisch steht das Ausreißen oder Mähen vor der Fruchtbildung im Vordergrund. Tiefes Pflügen allein genügt nicht, weil sowohl neue Samenbildung als auch das Hochholen älterer Samen begrenzt werden müssen. 5

Verwechslungen und Umgang in Frankreich

Samtige, herzförmige Blätter junger Samtpappeln erinnern an manche Malven oder Gartenhibisken. Die gerippte Frucht mit zahlreichen Kammern fehlt diesen Zierpflanzen jedoch. Sie ist verlässlicher als die Blütenfarbe, weil ihre charakteristische Bauweise nicht von Exemplar zu Exemplar wechselt. 5

In Frankreich sind die dokumentierten Vorkommen weiterhin örtlich begrenzt, insbesondere auf Aquitanien und Korsika. Das unterscheidet die Situation von der Schweiz und Mitteleuropa, wo die landwirtschaftliche Ausbreitung umfassender dokumentiert ist. 3 8

Für eine verlässliche Bestimmung gilt überall derselbe Grundsatz: Vor einem Befund im Gelände ist der wissenschaftliche Name zu prüfen. Umgangssprachliche Pflanzennamen bleiben von Region zu Region weniger eindeutig und können unterschiedliche Vorstellungen auslösen. 2

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist die Samtpappel giftig?

Für Menschen, Katzen und Hunde wird keine Giftigkeit bei Aufnahme angenommen. Für Pferde fehlen ausreichende Daten. Junge Blätter und Samen dienten in China und Kaschmir sogar als Nahrung.

Warum ist die Samtpappel auf Äckern problematisch?

Sie konkurriert stark mit Mais und Soja um Licht, Wasser und Stickstoff. Erfolgt die Bekämpfung nicht vor dem Vierblattstadium der Kultur, kann der Ertrag deutlich sinken.

Wie lange bleiben die Samen keimfähig?

Sie können mehr als fünfzig Jahre im Boden ruhen und selbst eine Darmpassage durch Tiere überstehen. Der Samenvorrat lässt sich deshalb nur schwer erschöpfen.

Woher stammt die Samtpappel?

Ihr natürliches Areal liegt in Zentralasien und Westchina. Durch die Landwirtschaft verbreitete sie sich weiter, besonders wegen ihrer juteähnlichen Textilfaser.

Kommt die Samtpappel in Frankreich vor?

Sie ist dort örtlich nachgewiesen, unter anderem in Aquitanien und auf Korsika. Ihr Vorkommen erreicht dort nicht das Ausmaß der Schweiz oder Mitteleuropas.

Wie unterscheidet man sie von Malven und Gartenhibiskus?

Junge Pflanzen können mit ihren samtigen, herzförmigen Blättern ähnlich wirken. Verlässlicher ist die gerippte Frucht mit zwölf bis fünfzehn Kammern, die diesen Zierpflanzen fehlt.

Wofür wurde die Samtpappel früher genutzt?

In China wurde sie seit der Antike wegen ihrer juteähnlichen Faser angebaut. Sie diente auch als Nahrung und als traditionelles Mittel gegen Ruhr und bestimmte Augenleiden.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.