Einjähriger Beifuß (Artemisia annua, L. 1753)

Einjähriger Beifuß (Artemisia annua) ist eine stark aromatische einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), die aus den halbtrockenen Steppen des gemäßigten Asiens stammt. Weltweit bekannt wurde sie durch Artemisinin: Der Malariawirkstoff wurde 1972 aus ihren Blättern isoliert; seine Entdeckung wurde 2015 mit dem Nobelpreis gewürdigt.

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Wissenschaftlicher NameArtemisia annua
GattungArtemisia
OrdnungAsterales

Einjähriger Beifuß, Sweet wormwood, Sweet annie, Qing hao und Huang hua hao

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, darunter Kinder · Unbekannt : Katzen, Hunde, Pferde und Tiere
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Einjährige Kräuterpflanze · Kräuterartig aromatisch
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Einjährig
Herkunft
ChinaMongoleiIranSüd- und Mitteleuropa
Lebensraum
Halbtrockene Steppen, Berghänge, salzige steinige Böden, Brachen und Wegränder; regional bis 3.700 m
Jahresverlauf
Blütezeit
SommerHerbst
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Vollständiger Zyklus von der Keimung bis zur Frucht in einer Saison
Vermehrung
Aussaat, Basissteckling
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, sobald der Stängel verholzt ist
Luftfeuchtigkeit
30–60 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Armer Boden, Sandiger Boden, Entwässerter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Außenbereich
Straßenrand, Kontrolliertes Brachland, Sonniger Rand
Pflanzgefäße
Großes Becken, Terrakotta
Erscheinungsbild
Höhe50–200 cmBreite30–100 cm
Blätter
Grün
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbGrünGröße0.2–0.25 cm
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Braun
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
BraunGrün
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

POWO nennt ein weites natürliches Areal von Nordafrika bis ins gemäßigte Eurasien, mit einem Vielfaltsschwerpunkt in den halbtrockenen Steppen Nordchinas, der Mongolei und Zentralasiens. Weit darüber hinaus eingeführt und eingebürgert, verbreitete sich die Pflanze in Europa, Nordamerika und bis nach Argentinien, auch durch den großflächigen Anbau für Artemisinin.

  • Heimisch4
  • Eingeführt4
  • China
  • Mongolei
  • Iran
  • Süd- und Mitteleuropa
  • Europäisches Frankreich
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada
  • Argentinien

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Einjähriger Beifuß (Artemisia annua L., 1753) ist eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und der Gattung Artemisia. POWO akzeptiert die Art unter diesem wissenschaftlichen Namen und verweist auf Linnés Veröffentlichung von 1753. Der deutsche Name benennt ihre auf eine Saison begrenzte Lebensdauer. 1

Von Nordafrika bis ins gemäßigte Eurasien reicht nach POWO das große natürliche Areal, mit einem Vielfaltsschwerpunkt in den halbtrockenen Steppen Nordchinas. Auf die asiatische Herkunft spielt der französische Name „absinthe chinoise“ an. Die Pflanze ist dennoch von Wermutkraut (Artemisia absinthium) zu unterscheiden, einer anderen Art derselben Gattung. 1 3

Weltweite Bekanntheit brachte ihr Artemisinin, ein 1972 aus den Blättern isolierter Wirkstoff gegen Malaria. Englische Namen wie Sweet wormwood und Sweet annie bezeichnen dieselbe Pflanze. Auch Qing hao, der traditionelle chinesische Name, wird in diesem Zusammenhang verwendet. Unterschiedliche Namen stehen hier somit für dieselbe botanische Art. 4

Erkennung

Ein aufrechter, kahler Wuchs von 50 cm bis 2 m Höhe kennzeichnet Artemisia annua. Der braune oder violette Stängel verzweigt sich vor allem in seiner oberen Hälfte. Beim Anbau zur Artemisinin-Gewinnung können gut mit Nährstoffen versorgte Pflanzen annähernd zwei Meter hoch werden. 4 3

Die 3 bis 5 cm langen Blätter sind hellgrün und in sehr feine, beinahe federartige Abschnitte geteilt. Beim Zerreiben tritt ein deutlicher Kampferduft hervor. Das viel feinere Laub gegenüber Beifuß ist ein rasch erkennbares Merkmal, das schon vor der Blüte zur Bestimmung beiträgt. 4

Zwischen August und Oktober stehen zahllose kleine gelbgrüne Blütenkörbchen in lockeren Rispen entlang der Zweige. Mit 2 bis 2,5 mm Breite sind sie sehr unscheinbar. Nach der Fruchtbildung stirbt die gesamte Pflanze ab. Darin unterscheidet sie sich deutlich von den ausdauernden Arten ihrer Gattung, die im folgenden Jahr erneut austreiben. 2 4

Nützliche Taxonomie

POWO ordnet die akzeptierte Art Artemisia annua L. innerhalb der Korbblütler der Tribus Anthemideae zu. Diese Gruppe umfasst die meisten Arten der Gattung Artemisia. Der wissenschaftliche Name bietet daher eine eindeutige Zuordnung auch dort, wo verschiedene Trivialnamen nebeneinander verwendet werden. 1

Ein gemeinsamer Gattungsbezug bedeutet keine botanische Gleichheit: Beifuß (Artemisia vulgaris) und Wermutkraut (Artemisia absinthium) sind andere Arten. Einjähriger Beifuß besitzt deutlich feiner zerteiltes, helleres Laub als diese ausdauernden Verwandten. Ebenso wichtig ist der Lebenszyklus: Er vollendet sein Leben in einer Saison, während die beiden anderen Arten jährlich aus demselben Wurzelstock wieder austreiben. 3

Lebensraum und Verbreitung

Das natürliche Areal erstreckt sich laut POWO von Nordafrika bis ins gemäßigte Eurasien. Ein Vielfaltsschwerpunkt liegt in den halbtrockenen Steppen Nordchinas, der Mongolei und Zentralasiens. Dort besiedelt die Art Berghänge, salzige Böden und steinige Flächen. Je nach Region steigt sie bis auf 3.700 m Höhe. 1

Für Frankreich führt das INPN die Art als eingebürgerten Neophyten. Das bedeutet eine Einführung nach 1500; sie wird dort nicht als einheimisch geführt. Zugleich gehört sie nicht zu den überwachten invasiven gebietsfremden Arten. Diese Einordnung beschreibt den französischen Status und ist keine allgemeine Aussage für sämtliche Länder ihres heutigen Vorkommens. 5 6

Über ihr ursprüngliches Gebiet hinaus hat sich die Pflanze in Europa, Nordamerika und bis nach Argentinien eingebürgert. Dazu tragen sowohl ihre Fähigkeit zur Besiedlung von Brachen als auch der großflächige landwirtschaftliche Anbau zur Artemisinin-Gewinnung bei. Natürliche Ausbreitung und menschliche Kultur haben ihre heutige Verbreitung gemeinsam geprägt. 4

Lebenszyklus und Vermehrung

Ihr Lebenszyklus ist streng einjährig. Die winzigen Samen wiegen nur einige Dutzend Mikrogramm und keimen im Frühjahr in warmem, durchlässigem Boden. Danach bildet die Pflanze rasch den aufrechten Stängel und beginnt im Spätsommer zu blühen. Die nächste Generation entsteht aus neu keimenden Samen, nicht durch einen erneuten Austrieb derselben Pflanze. 3

Meist wird im Frühjahr ausgesät. Ausgewählte Linien mit hohem Artemisinin-Gehalt vermehrt man dagegen eher durch Stecklinge. Bei Aussaat schwankt der Wirkstoffgehalt stark zwischen den einzelnen Nachkommen; vegetative Vermehrung dient dazu, die Eigenschaften ausgewählter Pflanzen zuverlässiger zu erhalten. 7

Der Artemisinin-Gehalt erreicht gewöhnlich zu Beginn der Blüte sein Maximum. Deshalb richtet sich die landwirtschaftliche Ernte auf dieses enge Entwicklungsfenster aus. Vollblüte und Fruchtbildung sind nicht der entsprechende Zielzeitpunkt, auch wenn die Pflanzen dann weiterhin gut sichtbar auf dem Feld stehen. 7

Entdeckung und Verwendung von Artemisinin

Ein mehr als 1.600 Jahre alter Text der traditionellen chinesischen Medizin beschrieb bereits einen kalten Aufguss von qing hao gegen Fieber. Diese historische Beschreibung lenkte die Arbeit von Tu Youyous Team in den Jahren 1971–1972 auf die Isolierung von Artemisinin. Die Überlieferung war somit ein Ausgangspunkt der Wirkstoffsuche. 4

Gegen Plasmodium falciparum, den Erreger besonders schwerer Malariaformen, erwies sich Artemisinin als hochwirksam. Für die Entdeckung und ihre Bedeutung bei der Malariabekämpfung erhielt Tu Youyou 2015 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Der geteilte Preis würdigte Arbeiten gegen parasitäre Erkrankungen und galt der Forscherin, nicht der Pflanze selbst. 8

Seitdem stützt sich der landwirtschaftliche Anbau von Artemisia annua auf ausgewählte Sorten. Das Schweizer Institut Mediplant entwickelte zunächst Artemis, später Apollon. Hinzu kommen wirkstoffreiche klonale Linien aus gemeinsamen Programmen mit amerikanischen Universitäten. Diese Auslesen sollen den Ertrag stabilisieren, der bei gewöhnlicher Samenvermehrung natürlicherweise schwankt. 7

Nutzen und Risiken

Medizinische und landwirtschaftliche Nutzung stehen im Vordergrund. Die geregelte medizinische Anwendung beruht auf gereinigten Artemisinin-Derivaten. Die getrocknete Pflanze selbst hat einen zu wechselhaften Wirkstoffgehalt für eine verlässliche Dosierung. Eine Arzneimittelanwendung lässt sich daher nicht mit dem Gebrauch beliebigen getrockneten Pflanzenmaterials gleichsetzen. 4

Empfindliche Personen können nach Blattkontakt eine Kontaktdermatitis entwickeln. Der im Spätsommer reichlich gebildete Pollen ist als allergieauslösend bekannt. PFAF empfiehlt darüber hinaus besondere Vorsicht während der Schwangerschaft, da bei hohen Dosen ein Risiko beschrieben wird. Diese Einschränkungen bleiben auch bei einer traditionell verwendeten Pflanze relevant. 3

Für Haustiere liegt in den herangezogenen Quellen keine gesicherte tiermedizinische Einstufung der Giftigkeit vor. Bei Katzen, Hunden und Pferden bleibt der Status daher unklar und verlangt Vorsicht; fehlende Daten sind keine Bestätigung der Unbedenklichkeit.

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Nur wenige Ziersorten sind für diese vor allem zur Wirkstoffgewinnung angebaute Art bekannt. Artemis und Apollon, die beiden Mediplant-Sorten, werden am häufigsten genannt. Daneben bestehen neuere klonale Linien, deren Bedeutung ebenfalls im Anbau für Artemisinin und weniger in einem besonderen Zierwert liegt. 7

Drei ähnlich wachsende Pflanzen von Brachen können zu Verwechslungen führen. Beifuß (Artemisia vulgaris) treibt jedes Jahr aus demselben Wurzelstock und hat gröber zerteiltes Laub. Wermutkraut (Artemisia absinthium) ist an beiden Blattseiten silbergrau und wirkt deutlich matter als der hellgrüne Einjährige Beifuß. Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) ähnelt ihm im Wuchs, hat aber weniger fein zerteilte Blätter und beim Zerreiben kaum einen aromatischen Geruch. Diese Merkmale erlauben die Unterscheidung trotz ähnlicher Silhouette und verwandter Namensbestandteile.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Einjähriger Beifuß dasselbe wie Wermutkraut?

Nein. Artemisia annua und Artemisia absinthium gehören zur selben Gattung und duften ähnlich nach Kampfer, sind aber verschiedene Arten. Einjähriger Beifuß hat hellgrünes, sehr fein zerteiltes Laub und lebt nur eine Saison.

Hilft Einjähriger Beifuß gegen Malaria?

Das aus seinen Blättern isolierte Artemisinin ist ein von der WHO anerkannter Malariawirkstoff in dosierten Arzneimitteln, insbesondere Artemisinin-Kombinationstherapien. Die getrocknete Pflanze selbst enthält schwankende, nicht standardisierte Mengen und wird nicht zur Selbstbehandlung empfohlen.

Warum wird Einjähriger Beifuß mit dem Nobelpreis verbunden?

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2015 ging an Tu Youyou für die Entdeckung von Artemisinin aus Artemisia annua, nicht an die Pflanze selbst. Ihre Arbeit knüpfte an einen alten chinesischen medizinischen Text an.

Wie erkennt man Einjährigen Beifuß vor der Blüte?

Sehr fein zerteiltes, fast federartiges Laub und der milde Kampferduft beim Zerreiben sind die verlässlichsten Hinweise, lange bevor die kleinen gelbgrünen Blütenkörbchen erscheinen.

Ist Einjähriger Beifuß in Frankreich invasiv?

Er gilt dort als eingebürgerter Neophyt, der nach 1500 eingeführt wurde und vom INPN nicht als einheimisch geführt wird. Er gehört jedoch nicht zu den überwachten invasiven gebietsfremden Arten.

Kann man Einjährigen Beifuß mit Ambrosia verwechseln?

Ja, beide wachsen mit ähnlichem Erscheinungsbild auf Brachen. Ambrosia artemisiifolia hat weniger fein zerteiltes Laub ohne den ausgeprägten aromatischen Duft des Einjährigen Beifußes. Ihr Pollen ist deutlich stärker allergieauslösend.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.