Habanero (Capsicum chinense, )
Capsicum chinense ist ein Halbstrauch aus der Familie der Solanaceae und stammt aus dem Amazonasbecken. Trotz seines Artnamens hat er keine botanische Verbindung zu China. Die Art umfasst einige der schärfsten weltweit angebauten Chilis und trägt mehrere Blüten je Knoten statt einzelner Blüten.
WeiterlesenHabanero, Scotch Bonnet, Bondamanjak, Aji und Habanero pepper
In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.
Volle Sonne, gleichmäßige Wärme





© Foto
(c) Stefano, some rights reserved (CC BY-NC-SA) · cc-by-nc-sa
Wikimedia Commons · CC BY-SA or Public Domain
Wikipedia · CC BY-SA
Taken Nov 18, 2022 by Netanel H (cc-by-sa)
Taken May 10, 2021 by Monteiro Bianca (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Capsicum chinense liegt im Amazonasbecken, von Südguyana bis Nordbrasilien und Südwestsuriname. Domestikation und gartenbauliche Verbreitung, besonders über die Karibik und Yucatán, erweiterten das Anbaugebiet weit über diese südamerikanische Herkunft hinaus.
- Heimisch3
- Eingeführt1
- Guyana
- Suriname
- Brasilien (Norden)
- Karibik
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Capsicum chinense (Capsicum chinense Jacq., 1777), bekannt etwa als Habanero, auf den Antillen auch als Bondamanjak, ist ein Halbstrauch der Gattung Capsicum aus der Familie der Solanaceae. Neben Capsicum annuum, Capsicum baccatum, Capsicum frutescens und Capsicum pubescens zählt er zu den fünf domestizierten Arten der Gattung. 1 7
Der Artname chinense führt noch immer viele Gartenfreunde in die Irre. Nikolaus Joseph von Jacquin veröffentlichte ihn 1777, nachdem er ein Exemplar von einem chinesischen Händler erhalten hatte und fälschlich von einer Herkunft aus China ausging. Tatsächlich stammt die Pflanze aus dem tropischen Südamerika, Tausende Kilometer von Asien entfernt. 6 8
Erkennung
Zur Abgrenzung von Capsicum annuum ist die Blüte das zuverlässigste Merkmal: Capsicum chinense trägt 2 bis 5 weiße Blüten pro Knoten, die gewöhnliche Gemüsepaprika dagegen nur eine. Die kleinen, fünfzähligen Blütenkronen stehen gruppiert in den Blattachseln. 6 9
Auch die einfachen, kräftig grünen Blätter helfen bei der Bestimmung. Ihre Spreiten sind oft runzelig oder gewellt, anders als das glatte Laub einer gewöhnlichen Gemüsepaprika. Habanero-Sorten bilden kompakte Büsche von etwa 50 cm Höhe. Wüchsigere Sorten können bei gleichmäßigem Tropenklima über 1,5 m erreichen. 6 8
Bei den Früchten reicht die Formenvielfalt von kleinen glatten Beeren mit 6 mm Durchmesser bis zu runzeligen, länglichen Früchten von 10 cm Länge. Diese Unterschiede in Form und Größe erklären, warum die Farbe allein niemals für eine sichere Artbestimmung genügt. 8
Nützliche Taxonomie
POWO erkennt Capsicum chinense Jacq. als akzeptierten Namen an. Mehrere historische Namen bezeichnen dieselbe Art oder sehr ähnliche Formen. Einer wurde bereits 1768 von Philip Miller beschrieben, was die umfangreiche Synonymie mit erklärt: 1 2
- Capsicum sinense Murray (botanisches Synonym)
- Capsicum annuum var. chinense (Jacq.) Alef. (botanisches Synonym)
- Capsicum cerasiforme Mill. (botanisches Synonym)
- Capsicum dichotomum Vell. (botanisches Synonym)
- Capsicum luteum Lam. (botanisches Synonym)
- Capsicum toxicarium Poepp. (botanisches Synonym)
Trotz der vielen Namen bietet das akzeptierte Binomen einen beständigen Bezugspunkt. Gartenbauliche Gruppen wie Habanero, Scotch Bonnet oder Ají dulce bezeichnen Nutzungsgruppen und Fruchtformen, keine eigenständigen Taxa. 3 4
Lebensraum und Verbreitung
Nach den geografischen Angaben von POWO reicht das natürliche Areal im Amazonasbecken von Südguyana über Nordbrasilien bis Südwestsuriname. Capsicum chinense wächst dort im Unterwuchs und an feuchten Waldrändern. Dieser Lebensraum erklärt den Bedarf an gleichmäßig tropischen Bedingungen im Anbau. 1
Durch Domestikation und gartenbauliche Verbreitung erweiterte sich das Anbaugebiet weit über Südamerika hinaus, insbesondere in die Karibik und auf die Halbinsel Yucatán. Dort wurde die Art zu einer wichtigen Nahrungspflanze. Der Name Habanero verweist auf Havanna als Handelsstation für Chilis auf dem Weg nach Europa und nicht auf einen kubanischen Ursprung der Pflanze. 6 5
Lebenszyklus und Vermehrung
In tropischem Klima entwickelt sich Capsicum chinense als ausdauernder Halbstrauch, dessen Basis nach mehreren Kulturjahren teilweise verholzt. In gemäßigtem Klima fehlt die nötige Winterwärme. Daher wird die Art einjährig angebaut oder frostfrei überwintert. 8 9
Bis zur ersten Ernte vergehen nach der Aussaat gewöhnlich 120 bis 150 Tage, länger als bei Capsicum annuum. In kühlen Klimaten ist deshalb eine frühe Aussaat unter Schutz nötig. Vermehrt wird fast ausschließlich durch Samen. Die Nachkommen einer Hybridsorte tragen im Folgejahr nicht immer wieder dieselben Früchte. 8
Nutzen und Risiken
Als Würzmittel werden die Früchte roh, in Saucen oder Marinaden in der karibischen Küche, auf Yucatán und in mehreren südamerikanischen Ländern verwendet. Manche Sorten gehören zu den schärfsten je gemessenen Chilis: Pepper X erreichte 2023 einen Rekordwert von 2,69 Millionen Scoville-Einheiten. Andere, etwa Ají dulce, besitzen dasselbe fruchtige Aroma ohne Schärfe. 6
Veterinärmedizinisch gilt Capsicum chinense für Katzen und Hunde als nicht giftig. Das Risiko liegt in den Capsaicinoiden, die in scharfen Früchten konzentriert vorkommen. Bei Kontakt reizen sie Mund, Augen und Haut. Größere verzehrte Mengen führen bei Kindern zu Verdauungsbeschwerden. 9
Vor allem die inneren Scheidewände und die Plazenta um die Samen enthalten Capsaicinoide, weniger das Fruchtfleisch selbst. Werden diese Gewebe vor der Zubereitung entfernt, nimmt die Schärfe gegenüber einer vollständig verwendeten Frucht deutlich ab, ohne das Aroma zu verändern. 9 8
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Habanero, Scotch Bonnet, Bhut Jolokia (Geisterchili), Carolina Reaper und Pepper X gehören zu den bekanntesten Sorten der Art und wurden alle auf Schärfe ausgewählt. Der karibische Ají dulce bleibt dagegen trotz eines sehr ähnlichen Aromaprofils mild. 6
Zwischen Sorten derselben Art wechselte der weltweite Schärferekord mehrfach: zunächst Bhut Jolokia, dann Carolina Reaper aus South Carolina und schließlich Pepper X mit 2,69 Millionen Scoville-Einheiten im Jahr 2023. Diese Abfolge zeigt, dass die Sortenauslese die Schärfe wesentlich stärker verändert als die geografische Herkunft der Pflanze. 6
Bei der Bestimmung sind folgende Verwechslungen häufig:
- Capsicum annuum, vor allem an nur einer Blüte pro Knoten zu unterscheiden;
- Capsicum frutescens, häufig aufrechter wachsend, mit kleinen, ebenfalls aufgerichteten Früchten;
- Capsicum baccatum, südamerikanischer Ají mit gefleckter Blütenkrone.
Die genaue Sortenbezeichnung ist beim Kauf hilfreicher als Fruchtfarbe oder Fruchtform. Beide Merkmale schwanken zu stark für eine sichere Artbestimmung. Entscheidend bleibt die Blütenzahl je Knoten: 2 bis 5 bei Capsicum chinense, 1 bei Capsicum annuum. Die Fruchtfarbe ersetzt dieses Merkmal niemals. Der wissenschaftliche Name zusammen mit der Sortenbezeichnung bleibt über verschiedene Märkte hinweg die verlässlichste Angabe. 8 3
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Capsicum chinense Jacq.
- International Plant Names Index, Capsicum chinense
- GBIF Backbone Taxonomy, Capsicum chinense
- Wikidata, Capsicum chinense (Q311071)
- Wikipedia FR, Habanero
- Wikipedia EN, Capsicum chinense
- Wikipedia ES, Capsicum chinense
- Plants For A Future, Capsicum chinense
- NC State Extension, Capsicum chinense
Häufig gestellte Fragen
Gehören Habanero und Cayenne zur selben Art?
Nein. Cayenne gehört gewöhnlich zu Capsicum annuum. Habanero, Scotch Bonnet und die meisten sehr scharfen Chilis gehören dagegen zu Capsicum chinense.
Warum trägt Capsicum chinense einen Namen mit der Bedeutung „aus China“?
Jacquin benannte die Art 1777 in der irrigen Annahme, sie stamme aus China, nachdem er ein Exemplar von einem chinesischen Händler erhalten hatte. Tatsächlich stammt sie aus dem Amazonasbecken in Südamerika.
Ist Capsicum chinense für Katzen und Hunde giftig?
Nein, Capsicum chinense ist im veterinärmedizinischen Sinn nicht giftig. Scharfe Früchte können Mund und Verdauungstrakt reizen, verursachen aber keine Vergiftung beim Tier.
Wie unterscheidet man Capsicum chinense von Capsicum annuum im Garten?
Das zuverlässigste Merkmal ist die Zahl der Blüten pro Knoten: zwei bis fünf bei Capsicum chinense, gegenüber nur einer bei Capsicum annuum.
Gibt es milde Sorten von Capsicum chinense?
Ja. Ají dulce ist ein verbreitetes Beispiel mit demselben fruchtigen Aromaprofil wie Habanero, jedoch ohne dessen Schärfe.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.



