Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa, )
Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) ist ein sommergrüner Baum aus der Familie Paulowniaceae, der aus Zentral- und Ostchina sowie von der Koreanischen Halbinsel stammt. Seit 1834 ist er in Europa eingeführt. Auffällig sind seine violetten Blüten vor dem Laubaustrieb, die riesigen gegenständigen Blätter und sein außergewöhnlich rasches Wachstum.
WeiterlesenBlauglockenbaum, Kaiserbaum, Kaiser-Paulownie, Paulownia, Princess tree und Kiri
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Taken May 4, 2022 by Alboss (cc-by-sa)
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Taken Aug 28, 2019 by Hendrikje Murillo (cc-by-sa)
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Paulownia tomentosa umfasst Zentral- und Ostchina sowie die Koreanische Halbinsel, mit felsigen Hängen und sonnigen Waldrändern. Seit 1834 in Europa eingeführt, verbreitete sich die Art als Zierbaum und später als forstlich interessantes Gehölz. Ihre Einbürgerung wird in mehreren Ländern beobachtet; andernorts gilt sie bereits als invasiv.
- Heimisch2
- Eingeführt1
- Invasiv3
- China
- Südkorea
- Frankreich (europäisches Festland)
- Schweiz
- Vereinigte Staaten
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa (Thunb.) Steud., 1841), auch Kaiserbaum genannt, ist ein sommergrüner Baum aus der Familie Paulowniaceae. Carl Peter Thunberg beschrieb die Art zunächst 1784 als Bignonia tomentosa. Ernst Gottlieb von Steudel stellte sie 1841 in die Gattung Paulownia. Damit gehören der ursprüngliche Name und die heute verwendete Kombination zur selben Art. 1 5
Der Gattungsname erinnert an Anna Pawlowna von Russland, die Tochter von Zar Paul I. Philipp Franz von Siebold widmete ihr diesen Namen 1835. Das lateinische tomentosa bedeutet sinngemäß „mit langen, verfilzten Haaren bedeckt“ und bezieht sich auf den dichten Filz an der Blattunterseite. 8
Erkennung
Herzförmige, gegenständige Blätter von 20 bis 40 cm Länge kennzeichnen den Blauglockenbaum. Beide Blattseiten sind behaart; an kräftigen Ausschlägen werden die Blätter besonders groß. Aufrechte, bis 30 cm lange Blütenrispen öffnen sich im Frühjahr vor dem Laubaustrieb. Die violetten Blüten stehen dadurch am noch kahlen Baum und fallen besonders deutlich auf. 3 8
Die einzelnen röhrigen, leicht erweiterten Blüten sind ungefähr 5 cm lang, violett bis lila und innen dunkelpurpurn gefleckt sowie cremefarben gestreift. Ihr Duft wird mit Vanille verglichen. Danach bilden sich eiförmige, verholzte Kapseln von 3 bis 4 cm Länge. Sie wechseln von Grün zu Braun, bleiben einen großen Teil des Winters am Baum und entlassen schließlich winzige geflügelte Samen, die der Wind verbreitet. 4 8
Nützliche Taxonomie
Für die Art gilt Paulownia tomentosa (Thunb.) Steud. als akzeptierter Name; innerhalb der mehrere Arten umfassenden Gattung steht sie mit ihrer Nominatvarietät. Daneben ist Paulownia tomentosa var. tsinlingensis als eigene Varietät anerkannt und auf das Qinling-Gebirge in Zentralchina beschränkt. Ältere Namen wie Paulownia imperialis Siebold & Zucc. gelten heute als illegitime Synonyme der Nominatart. 1
Im Pflanzenhandel ist diese Abgrenzung besonders relevant: Hybriden wie Paulownia elongata x fortunei werden wegen ihres raschen Wachstums für Biomasseplantagen angeboten. Es handelt sich dabei nicht um Paulownia tomentosa. Der ähnliche Wuchs und eine wenig präzise Werbung können bei Käufern ohne botanische Vorkenntnisse jedoch denselben Eindruck erwecken. 1
Lebensraum und Verbreitung
Als Pionierbaum besiedelt die Art in Zentral- und Ostchina sowie auf der Koreanischen Halbinsel felsige Hänge, Schutthalden und sonnige Waldränder. Bereits 1834 gelangte sie in den Jardin des Plantes in Paris, 1840 nach Großbritannien und 1843 in die Vereinigten Staaten. Von diesen frühen Einführungen aus verbreitete sie sich weithin als Zierbaum. 8 9
Die Weltnaturschutzunion IUCN bewertet die Art weltweit als nicht gefährdet. Ihr Verhalten vor Ort hängt jedoch vom Klima und vom Umgang mit den Beständen ab. In der Schweiz, den Vereinigten Staaten und Australien gilt sie als invasiv: Stockausschläge und zahllose Samen erlauben ihr, Uferbereiche ohne Konkurrenz zu besiedeln. In Frankreich führt das zuständige Informationszentrum für invasive gebietsfremde Arten sie als „zu beobachten“. Dort ist sie bereits in einigen Auwäldern des Nordens, Ostens und Zentralmassivs eingebürgert, meist aus städtischen Pflanzungen verwildert. 7 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Tausende winziger geflügelter Samen liegen in jeder verholzten Kapsel. Öffnet sich die Frucht im Winter, kann der Wind sie über weite Strecken tragen. Zum Keimen brauchen die Samen Licht. Bei der Aussaat bleiben sie deshalb auf der Substratoberfläche liegen und werden nicht mit Erde bedeckt. 4 9
Nach dem Schnitt treibt der Blauglockenbaum außerdem kräftig aus Stock und Wurzeln aus. Gärtner nutzen diese Fähigkeit beim Auf-den-Stock-Setzen, auch stooling genannt, um besonders große Jugendblätter zu erhalten. Wo die Art invasiv ist, erschwert dieselbe Eigenschaft ihre Beseitigung. Die Blüten locken Bienen an; der daraus gewonnene Honig ähnelt Akazienhonig. 8
Nutzen und Risiken
In Europa wird der Blauglockenbaum vor allem wegen seiner frühen Blüte als Ziergehölz gepflanzt. Jährliches Auf-den-Stock-Setzen dient außerdem der Erzeugung besonders großer Blätter. Zugleich wird die Art als rasch wachsende Forstbaumart untersucht, sowohl für die Holzproduktion als auch zur Kohlenstoffbindung angesichts des Klimawandels. 8
Das auffallend leichte Holz liegt in seiner Dichte zwischen Balsa und Pappel. Es verzieht sich kaum und widersteht Feuer gut. In Japan und China werden daraus traditionell Truhen, Möbel und Musikinstrumente gefertigt, etwa Koto und Biwa. Seine Nutzung reicht damit über den Zierwert des lebenden Baums hinaus. 9 3
Für Katzen und Hunde ist nach den verfügbaren Angaben keine Giftigkeit bekannt; bei Pferden bleibt die Datenlage unsicher. Blätter und Blüten werden traditionell gelegentlich gegessen. Zugleich enthält der Baum Stoffe, die in hoher Dosis reizend wirken können. Eine solche Nutzung beschränkt sich deshalb auf gelegentlichen Verzehr. 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Am häufigsten wird der Blauglockenbaum mit dem Trompetenbaum verwechselt, der einen ähnlichen Wuchs und ebenfalls große Blätter hat. Die Blattstellung trennt beide zuverlässig: Beim Blauglockenbaum stehen je zwei Blätter gegenständig, beim Trompetenbaum je drei in Quirlen. Auch die Blüte hilft: Beim Blauglockenbaum ist sie violett und erscheint vor den Blättern; beim Trompetenbaum ist sie weiß und folgt im Sommer auf den Laubaustrieb. 8
An den Früchten lässt sich die Unterscheidung zusätzlich absichern. Der Blauglockenbaum trägt starre, eiförmige Kapseln von 3 bis 4 cm, der Trompetenbaum lange, dünne Hülsen von teils mehr als 30 cm. Als gesonderte botanische Varietät ist Paulownia tomentosa var. tsinlingensis anerkannt. Namen wie Lilacina und das frühere Paulownia imperialis sind dagegen gärtnerische oder historische Bezeichnungen ohne eigenen taxonomischen Rang. 1
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Paulownia tomentosa (Thunb.) Steud.
- Royal Horticultural Society, Paulownia tomentosa, Pflanzenbeschreibung
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Paulownia tomentosa
- Plants For A Future, Paulownia tomentosa
- INPN / MNHN, Paulownia tomentosa
- Centre de ressources espèces exotiques envahissantes, Paulownia tomentosa in Frankreich
- IUCN Red List, Paulownia tomentosa, Gefährdungsbewertung
- Wikipedia FR, Paulownia tomentosa
- Wikipedia EN, Paulownia tomentosa
Häufig gestellte Fragen
Ist der Blauglockenbaum in Frankreich invasiv?
In Frankreich wird er als zu beobachtende Art geführt, nicht als ausdrücklich invasive Art. In einigen Auwäldern im Norden, Osten und im Zentralmassiv ist er eingebürgert; Ausgangspunkt sind meist verwilderte Exemplare aus städtischen oder anderen Zierpflanzungen.
Wie unterscheidet man den Blauglockenbaum vom Trompetenbaum?
Am zuverlässigsten ist die Blattstellung: Beim Blauglockenbaum stehen die Blätter paarweise gegenüber, beim Trompetenbaum zu dritt in Quirlen. Hinzu kommen violette Blüten vor dem Laubaustrieb beim Blauglockenbaum und weiße Sommerblüten nach dem Laubaustrieb beim Trompetenbaum.
Warum wächst der Blauglockenbaum so schnell?
Er zählt zu den am schnellsten wachsenden Bäumen gemäßigter Gebiete. Besonders Triebe aus einem auf den Stock gesetzten Stamm können in einer Saison mehr als drei Meter wachsen. Diese Wuchskraft erklärt auch seine Fähigkeit zur Selbstaussaat und zum Stockausschlag in Gebieten, in denen er als invasiv gilt.
Hat das Holz des Blauglockenbaums einen besonderen Wert?
Ja. Es zählt zu den leichtesten Handelshölzern, vergleichbar mit Balsa oder Pappel. In Japan und China dient es zur Herstellung von Truhen, Möbeln und traditionellen Musikinstrumenten wie dem Koto.
Ist der Blauglockenbaum für Haustiere giftig?
Die verfügbaren Daten nennen keine bekannte Giftigkeit für Katzen und Hunde. Bei Pferden bleibt wegen fehlender zuverlässiger Daten Vorsicht geboten. Auch die Nutzung der Blätter als Lebensmittel erfordert Zurückhaltung, denn in größeren Mengen enthaltene Stoffe können reizend wirken.
Woher stammt der Name Paulownia?
Die Gattung ehrt Anna Pawlowna von Russland, Tochter von Zar Paul I. Philipp Franz von Siebold widmete ihr den Namen 1835. Das Artepitheton tomentosa beschreibt den dichten Filz auf der Blattunterseite.
Kann man den Blauglockenbaum mit Biomassehybriden verwechseln?
Ja. Handelsübliche Hybriden wie Paulownia elongata x fortunei werden für die rasche Biomasseproduktion angeboten. Trotz ähnlichen Wuchses und missverständlicher Werbung handelt es sich dabei nicht um Paulownia tomentosa.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





