Kava (Piper methysticum, G.Forst. 1786)

Kava (Piper methysticum G.Forst.) ist ein verzweigter Strauch der Piperaceae, der im westlichen Pazifik wegen seiner Wurzel angebaut wird. Aus ihr entsteht ein traditionelles Getränk mit entspannender Wirkung. Die sterile Kulturpflanze wird ausschließlich durch Stecklinge vermehrt; regelmäßiger Konsum ist beim Menschen mit einem dokumentierten Leberrisiko verbunden.

Weiterlesen
Wissenschaftlicher NamePiper methysticum
GattungPiper
OrdnungPiperales

Kava, Kava-Kava, Rauschpfeffer, 'Awa, Yaqona und Sakau

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen · Ungiftig : Katzen, Hunde und Tiere · Unbekannt : Pferde
Pflegeaufwand
Mäßig
Pflanzenart
Blattart
Immergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
VanuatuSanta-Cruz-Inseln (Salomonen)
Lebensraum
Feuchte Standorte an Fließgewässern auf durchlässigen, steinigen Böden, vom Meeresspiegel bis 800 m Höhe
Jahresverlauf
Jahreszeit
Sommer
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
3/10
Reifezeit
Nutzbare Wurzel nach 1 Jahr bei nicht edlen, bis 5 Jahren bei edlen Sorten
Vermehrung
Stecklingsvermehrung von Stängeln mit Knoten
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gering, Schutz vor starkem Wind nötig
Luftfeuchtigkeit
70–90 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Gut entwässerter und warmer Boden, Reicher Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

An einen Platz mit indirektem Licht oder in einen schattigen Raum stellen.

Jung halbschattig, etablierte Pflanzen vertragen mehr Sonne
Innenbereich
Warmhaus
Außenbereich
Schattiger Innenhof
Pflanzgefäße
Großes Becken, Abflusstopf
Erscheinungsbild
Höhe200–400 cmBreite100–200 cm
Blätter
Grün
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
Grün
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Wuchsform
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Kava (Piper methysticum): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Piper methysticum reicht laut POWO von den Santa-Cruz-Inseln im Salomonen-Archipel bis Vanuatu. Nach der Domestikation verbreiteten frühe Seefahrer die Pflanze im gesamten westlichen Pazifik. Heute wird sie dort weit über ihr ursprüngliches natürliches Areal hinaus angebaut.

  • Heimisch2
  • Eingeführt1
  • Vanuatu
  • Santa-Cruz-Inseln (Salomonen)
  • Hawaii

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Kava (Piper methysticum G.Forst., 1786) ist ein verzweigter Strauch der Familie Piperaceae. Angebaut wird er wegen seiner Wurzel, die bei alten Pflanzen bis 7 kg wiegen kann. Im Unterschied zu seinem nahen wilden Verwandten Piper wichmannii bildet Kava fast nie keimfähige Samen. Er ist eine sterile Kulturpflanze, die ausschließlich durch Stängelstecklinge vermehrt wird, nicht durch Aussaat. 1 5

Der Name stammt aus dem Tongaischen und Marquesanischen und bedeutet „bitter“. Er bezieht sich auf den Geschmack der zum Getränk verarbeiteten Wurzel. Dasselbe Wort bezeichnet sowohl die Pflanze als auch das traditionelle Wurzelgetränk, das im westlichen Pazifik wegen seiner entspannenden Wirkung konsumiert wird. 1 7

Erkennung

Mehrere Stängel mit 1 bis 3 cm Durchmesser wachsen aus einem dicken, verholzten Rhizom und bilden einen verzweigten Strauch. Gewöhnlich erreicht Kava 2 m, besonders kräftige Exemplare werden bis 4 m hoch. An den Stängelknoten erscheinen knotige Luftwurzeln. Dieses Merkmal teilt die Art mit zahlreichen anderen Vertretern der Gattung Piper. 5 7

Die großen Blätter stehen wechselständig und sind herzförmig, wie bei vielen Arten der Gattung. Geerntet wird die Wurzel mit zwei deutlich verschiedenen Bereichen: Die Kronenwurzeln liefern breite, mit Holzscheiben verglichene Stücke. Die Seitenwurzeln sind feiner als die Kronenwurzeln, enthalten jedoch mehr Kavalactone. Für die genutzte Wurzelware sind daher nicht allein Größe und Dicke entscheidend. 7

Im Anbau blüht und fruchtet Kava im Gegensatz zu vielen anderen kultivierten Piper-Arten nur selten. Bei einer bereits gut entwickelten Pflanze kann das nahezu vollständige Fehlen von Blüten und Früchten die Bestimmung stützen. Es gehört zu den auffälligen Merkmalen dieser seit Langem vegetativ vermehrten Kulturpflanze. 5

Nützliche Taxonomie

Der 1786 veröffentlichte Name Piper methysticum G.Forst. ist innerhalb der Piperaceae akzeptiert. WCVP verzeichnet daneben Piper methysticum L.f. 1782 als ungültigen Namen. Dieser ältere Name ist vom gültigen Namen Forsters zu unterscheiden; die Autorenangabe ist deshalb für eine genaue taxonomische Zuordnung wesentlich. 1

Eng verwandt ist Piper wichmannii C.DC., das als wilder Vorfahr gilt und bei POWO als eigene akzeptierte Art geführt wird. Arbeiten zur analytischen Chemie dokumentierten eine Zugehörigkeit beider Taxa zu derselben Art. Das erklärt, weshalb Piper methysticum var. wichmannii in der Synonymie von Piper wichmannii erscheint und nicht unter dem kultivierten Kava. 2 6

Für die Bestimmung im Gelände kann diese enge Verwandtschaft irreführend sein. Eine ähnlich aussehende Wildpflanze kann zu Piper wichmannii gehören. Sie wäre damit fruchtbar und chemisch anders zusammengesetzt als der eigentliche kultivierte Kava, obwohl der äußere Eindruck zunächst eine große Ähnlichkeit vermittelt. 2

Lebensraum und Verbreitung

Zwischen den Santa-Cruz-Inseln im Salomonen-Archipel und Vanuatu liegt das von POWO angegebene natürliche Areal. Für eine heute im gesamten westlichen Pazifik kultivierte Pflanze ist dieses Ursprungsgebiet vergleichsweise klein. Das natürliche Areal und die viel größere Verbreitung durch den Anbau müssen deshalb auseinandergehalten werden. 1

Nach der Domestikation verbreiteten frühe Seefahrer Kava im westlichen Pazifik. Zu den bis heute fest etablierten Anbaugebieten gehören Hawaii, die Föderierten Staaten von Mikronesien, Fidschi, Samoa und Tonga. Die weite heutige Verbreitung ist somit wesentlich das Ergebnis menschlicher Nutzung und Weitergabe von Pflanzmaterial. 7

Feuchte Standorte, häufig nahe an Fließgewässern, bieten Kava geeignete Bedingungen. Die Art wächst vom Meeresspiegel bis 800 m Höhe auf durchlässigen, steinigen Böden. Junge Pflanzen bevorzugen Schatten. Etablierte Exemplare vertragen mehr Sonne, benötigen sie aber nicht zwingend. Die Lichtansprüche verändern sich somit mit der Entwicklung des Strauchs. 5

Lebenszyklus und Vermehrung

Als sterile Kulturpflanze wird angebauter Kava ausschließlich über Stängelstecklinge mit Knoten weitergegeben. Die geschlechtliche Fortpflanzung durch Samen bleibt im Anbau eine Ausnahmeerscheinung. Der weiterhin fruchtbare wilde Vorfahr Piper wichmannii unterscheidet sich darin deutlich von den kultivierten Kava-Linien. 7 6

Bis zur Erntereife vergehen je nach Kultivar sehr unterschiedliche Zeiträume. Edle Sorten brauchen bis 5 Jahre, bevor ihre Wurzeln vollständig nutzbar sind. Die als nicht edel oder Tudei bezeichneten Sorten erreichen diesen Zustand bereits nach etwa 1 Jahr. Bei besonders alten Pflanzen kann die erntereife Wurzel bis 7 kg wiegen. 7 5

Nutzen und Risiken

Für das traditionelle Getränk wird die frische oder getrocknete Wurzel zerstoßen oder gerieben. Anschließend wird sie mit Wasser oder Kokosmilch vermischt. Durch Filtern der Mischung in einem Tuch entsteht das Getränk. Die Verwendung bezieht sich damit auf eine verarbeitete Wurzelzubereitung und deren Inhaltsstoffe. 5 4

Zu den wichtigsten Wirkstoffen gehören die Kavalactone, von denen 18 Moleküle identifiziert sind. Sechs machen zusammen etwa 96 % der pharmakologischen Aktivität aus: Kavain, Dihydrokavain, Methysticin, Dihydromethysticin, Yangonin und Desmethoxyyangonin. Mit ihnen werden Entspannung und ein Taubheitsgefühl im Mund verbunden. In klinischen Studien wurden über mehrere Wochen Tagesmengen von 105 bis 210 mg untersucht. 7 4

Das am besten dokumentierte Risiko betrifft die Leber. Die medizinische Literatur beschreibt 50 bis 100 Fälle klinisch bestätigter Leberschädigung. Müdigkeit, Übelkeit und Gelbsucht traten 2 bis 24 Wochen nach Beginn des Konsums auf; einige Verläufe waren schwer oder tödlich. Wegen dieses Risikos schränkten Deutschland, die Schweiz und Kanada den Verkauf ein oder verboten ihn und lockerten die Maßnahmen später teilweise. Die rechtliche Einordnung hängt vom jeweiligen Land ab. 4 3

Langanhaltender, intensiver Konsum ist außerdem mit einer reversiblen Hauterkrankung der Beine verbunden. Sie bildet sich zurück, wenn der Konsum reduziert wird. Dieses Hautbild gehört zu den beschriebenen Folgen eines ausgedehnten Gebrauchs und ist vom gesondert dokumentierten Leberrisiko zu unterscheiden. 3

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Hunderte traditioneller Kultivare werden bei Kava zwei großen chemischen Gruppen zugeordnet. Edle Sorten wie Melomelo aus Vanuatu sowie Isa und Mahakea aus Hawaii weisen ein als günstiger eingeschätztes Kavalactonprofil auf als Tudei-Sorten. Für sie werden weniger Nebenwirkungen berichtet. Die Sortenzugehörigkeit ist daher auch für die Bewertung der genutzten Wurzeln bedeutsam. 7 6

Tudei-Sorten, die nicht edlen Kultivare, werden nach etwa 1 Jahr erntereif, während edle Sorten bis 5 Jahre benötigen. Sie enthalten jedoch mehr Flavokavaine, also Verbindungen, die mit dem dokumentierten Leberrisiko beim Menschen in Zusammenhang stehen. Die kürzere Kulturzeit geht somit mit einem anderen chemischen Profil einher. 7 4

Besonders relevant sind Verwechslungen mit zwei verwandten Arten. Piper wichmannii ist der fruchtbare wilde Vorfahr von Kava. Piper excelsum, der neuseeländische Kawakawa, besitzt trotz seines ähnlichen Namens keine psychoaktiven Eigenschaften. Zur großen Gattung Piper gehört außerdem Schwarzer Pfeffer (Piper nigrum), dessen kulinarische Verwendung deutlich von der Nutzung des Kava abweicht. 7

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Sind Kava und Schwarzer Pfeffer dieselbe Pflanze?

Nein. Kava (Piper methysticum) und Schwarzer Pfeffer (Piper nigrum) gehören zur selben Gattung Piper, sind aber zwei getrennte Arten. Sie werden für unterschiedliche Zwecke angebaut: Kava wegen seiner Wurzel, Schwarzer Pfeffer wegen der getrockneten Früchte.

Bildet Kava Samen?

Im Anbau fast nie. Kava ist eine sterile Kulturpflanze, die seit Generationen ausschließlich über Stängelstecklinge mit Knoten vermehrt wird. Sein wilder Vorfahr Piper wichmannii ist dagegen weiterhin fruchtbar.

Ist Kava giftig?

Die verfügbaren Angaben führen Kava als ungiftig für Katzen und Hunde. Beim Menschen ist der regelmäßige Konsum von Wurzelzubereitungen mit einem dokumentierten, bisweilen schweren Leberrisiko verbunden.

Was unterscheidet edle Kava-Sorten von Tudei?

Edle Kultivare besitzen ein günstigeres Kavalactonprofil und verursachen weniger berichtete Nebenwirkungen. Tudei, die nicht edlen Kultivare, werden schneller erntereif, enthalten aber mehr Flavokavaine, die mit einem stärker dokumentierten Leberrisiko verbunden sind.

Woher stammt Kava?

Sein natürliches Areal reicht von den Santa-Cruz-Inseln im Salomonen-Archipel bis Vanuatu. Nach der örtlichen Domestikation vor etwa 3.000 Jahren verbreiteten frühe Seefahrer die Pflanze im Pazifik.

Ist Kava legal?

Der rechtliche Status unterscheidet sich je nach Land. Mehrere Staaten haben den Verkauf wegen des dokumentierten Leberrisikos eingeschränkt oder verboten und manche Beschränkungen später teilweise gelockert. Maßgeblich ist daher die jeweils geltende örtliche Rechtslage.

Woran erkennt man eine Kava-Pflanze?

Der verzweigte Strauch besitzt große herzförmige Blätter und knotige Luftwurzeln. Dass Blüten und Früchte fast vollständig fehlen, unterscheidet Kava von anderen im Garten angebauten Piper-Arten.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.