Ballonblume (Platycodon grandiflorus, )
Ballonblume (Platycodon grandiflorus) ist eine krautige Staude der Campanulaceae aus Ostasien und die einzige Art ihrer Gattung. Ihre Blütenknospen blähen sich vor dem Öffnen wie kleine Ballons auf. Daraus entfalten sich große, sternförmig ausgebreitete, blauviolette Glockenblüten.
WeiterlesenBallonblume, Großblütige Ballonblume, Chinesische Glockenblume, Platycodon, Balloon flower und Doraji
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal reicht vom russischen Fernen Osten über Nordostchina und die Koreanische Halbinsel bis Japan. Als Gartenpflanze wird die Art weit darüber hinaus in gemäßigten Gebieten Europas und Nordamerikas kultiviert, ohne dort als invasiv zu gelten.
- Heimisch5
- Russischer Ferner Osten
- China
- Südkorea
- Nordkorea
- Japan
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Ballonblume (Platycodon grandiflorus (Jacq.) A.DC., 1830), auch Chinesische Glockenblume genannt, ist eine krautige Staude der Campanulaceae. Plants of the World Online führt sie als einzige akzeptierte Art der Gattung Platycodon. Die Gattung ist somit monotypisch: Neben dieser Art wird keine weitere anerkannt. 1 7
Nikolaus von Jacquin beschrieb die Pflanze 1777 zunächst als Campanula grandiflora. Alphonse de Candolle stellte sie 1830 in die neue Gattung Platycodon. Das Autorenkürzel (Jacq.) A.DC. hält beide Schritte fest. Der Gattungsname verbindet die griechischen Wörter platys, breit, und kodon, Glocke, und beschreibt die beim Öffnen weit ausgebreitete Blütenkrone. 1 8
Erkennung
An der aufgeblähten Blütenknospe lässt sich die Ballonblume schon vor dem Aufblühen sicher erkennen. Die noch geschlossene Knospe bildet eine ballonartige Tasche. Dieses Stadium fehlt den gewöhnlichen Garten-Glockenblumen der Gattung Campanula. Sowohl der deutsche Name Ballonblume als auch das englische Balloon flower beziehen sich auf dieses auffällige Merkmal. 7 5
Geöffnet erscheint eine breite, sternförmige Glocke mit fünf verwachsenen Kronlappen. Je nach Sorte misst die Blüte 4 bis 8 cm im Durchmesser. Die typische Art blüht blauviolett, während gärtnerische Auslesen auch weiße und rosa Blüten tragen. Aufrechte Stängel besitzen blaugrüne, gezähnte Blätter in wechselständiger bis quirliger Anordnung. Angeschnitten geben sie Milchsaft ab, wie andere Glockenblumengewächse auch. 2 5
Eine fleischige, tief reichende Pfahlwurzel trägt die je nach Sorte 30 bis 90 cm hohe Pflanze. Ein weiteres charakteristisches Merkmal zeigt sich jedes Jahr: Der Wurzelstock treibt spät im Frühjahr aus, oft erst nach den benachbarten Beetstauden. Das kann den falschen Eindruck erwecken, die Pflanze habe den Winter nicht überlebt. 5 2
Nützliche Taxonomie
Unter verschiedenen Namen wurde dieselbe Pflanze geführt, bevor sich das heutige Binomen durchsetzte: Platycodon glaucus (Thunb.) Nakai, Platycodon chinensis Lindl. & Paxton und Platycodon sinensis Jacques & Hérincq. POWO ordnet sie heute sämtlich als Synonyme von Platycodon grandiflorus ein. 1
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Name Platycodon homallanthinus. Er bezeichnet keine Variante der Ballonblume, sondern ist ein Synonym der anderen Gattung angehörenden Campanula expansa. Solche Überschneidungen erinnern an die frühere taxonomische Unübersichtlichkeit, die erst durch neuere Revisionen bereinigt wurde. 1
Für eine eindeutige Zuordnung bleibt das akzeptierte Binomen Platycodon grandiflorus entscheidend. POWO erkennt innerhalb der monotypischen Gattung Platycodon keine weitere Art an. Sobald die Gattung anhand ihrer Merkmale feststeht, lässt sich daher auch die Art eindeutig benennen. 1 8
Lebensraum und Verbreitung
Vom russischen Fernen Osten reicht das ursprüngliche Areal über Nordostchina und die Koreanische Halbinsel bis Japan. POWO fasst die Verbreitung als Gebiet vom südöstlichen Sibirien bis Japan und China zusammen. 1 8
Sonnige, grasige Hänge, Berg- und Tieflandwiesen sowie lichte Waldränder bilden die natürlichen Standorte. Gemeinsam ist ihnen ein Boden, aus dem Regenwasser gut abfließen kann. Sonne und durchlässiger Boden sind deshalb auch die wesentlichen Voraussetzungen für die Gartenkultur. 5 2
Europäische und nordamerikanische Gärten gemäßigter Gebiete nutzen Platycodon grandiflorus vor allem als Zierstaude. Trotz ihrer langen und weiten Verbreitung in Kultur wird sie dort nicht als invasive Art gemeldet. 5 6
Lebenszyklus und Blüte
Je nach Klima und Sorte dauert die Blüte von Juli bis September. Bienen und Hummeln öffnen die aufgeblähten Knospen beim Blütenbesuch. Anschließend bildet sich eine Kapsel mit zahlreichen kleinen Samen. Blüte und Samenreife folgen damit innerhalb derselben Vegetationsperiode aufeinander. 5 2
Zur Vermehrung dient überwiegend die Aussaat im Frühjahr auf der Substratoberfläche. Bis zu einer reichlichen Blüte sind etwa zwei Jahre einzuplanen. Teilung ist möglich, bleibt jedoch riskant, weil eine durchtrennte Pfahlwurzel oft schlecht wieder anwächst. Sie wird daher eher für Sorten genutzt, deren Eigenschaften bei Aussaat nicht zuverlässig erhalten bleiben. 6 2
Ein eingewachsener Wurzelstock treibt jährlich erneut aus, allerdings mit der typischen Verzögerung im Frühjahr. Manchmal liegt er mehrere Wochen hinter Nachbarstauden zurück. Eine Markierung am Saisonende schützt den noch ruhenden Stock vor versehentlichem Umgraben. Bei winterlich durchlässigem Boden reicht die Frosthärte bis USDA-Zone 3. Kalte Dauernässe lässt die Pfahlwurzel wesentlich früher faulen, als Frost allein ihr schadet. 5
Nutzen und Sicherheit
Sonnige Beete, Einfassungen und Steingärten bilden die wichtigsten Einsatzorte dieser Zierstaude. Auch große, tiefe Töpfe eignen sich, sofern die Pfahlwurzel ausreichend Raum erhält. Zwergsorten passen zu Gefäßpflanzungen, höhere Formen lassen sich als Schnittblumen nutzen. 2 5
Eine lange Tradition besitzt die Wurzel als Lebensmittel und Heilpflanze in Ostasien. In Korea heißt die zubereitete Wurzel Doraji. Wässern und Blanchieren vermindern ihre durch Platycodin-Saponine bedingte Bitterkeit. Die traditionelle ostasiatische Medizin nutzt sie als schleimlösendes Mittel gegen Husten. 6 7
Für Katzen und Hunde wird Platycodon grandiflorus nach den verfügbaren Angaben als ungiftig eingestuft; für Pferde bleibt die Datenlage ungewiss. Große Mengen roher Wurzel können dennoch durch die enthaltenen Saponine den Verdauungstrakt reizen. Für den Verzehr ist daher die überlieferte Zubereitung maßgeblich, statt die Wurzel unverarbeitet zu essen. 6
Sorten und Verwechslungen
Bei der RHS verzeichnete Gartenauslesen zeigen unterschiedliche Wuchsformen. Mariesii bildet kompakte, reich blühende Horste für Einfassungen und große Gefäße. Die Gruppe Apoyama umfasst noch niedrigere alpine Zwergformen, die sich besonders für Steingärten eignen. 3 4
Handelsserien wie Fuji und Astra bieten innerhalb derselben Art hohe Schnittblumenformen und niedrige Einfassungssorten. Ihre wichtigsten Blütenfarben sind Blau, Weiß und Rosa. Die als f. albiflorus beschriebene natürliche Weißform zeigt, dass Farbvariation auch wild vorkommt und nicht ausschließlich aus gärtnerischer Züchtung stammt. 2 1
Am ehesten droht eine Verwechslung mit gewöhnlichen Campanula-Arten. Die vor dem Öffnen ballonartig aufgeblähte Knospe und die weiter sternförmig ausgebreitete Krone trennen die Ballonblume deutlich von diesen verbreiteten Gartenverwandten. Hinzu kommt ihre Zugehörigkeit zu einer Gattung mit nur einer anerkannten Art. 7 1
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Platycodon grandiflorus (Jacq.) A.DC.
- Royal Horticultural Society, Platycodon grandiflorus
- Royal Horticultural Society, Platycodon grandiflorus Mariesii
- Royal Horticultural Society, Platycodon grandiflorus Apoyama Group
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Platycodon grandiflorus
- Plants For A Future, Platycodon grandiflorus
- Wikipedia EN, Platycodon
- NCBI Taxonomy, Platycodon grandiflorus
Häufig gestellte Fragen
Warum ähnelt die Knospe der Ballonblume einem Ballon?
Vor dem Öffnen der Blütenblätter bläht sich die Knospe mit Luft auf. Unter den kultivierten Glockenblumengewächsen kennzeichnet dieses Merkmal die Art und erklärt den Namen Ballonblume.
Kann man eine eingewachsene Ballonblume teilen?
Die Teilung bleibt riskant, weil die Pfahlwurzel Schnitte und Verpflanzen schlecht verträgt. Für die Vermehrung liefert die Aussaat im Frühjahr bessere Ergebnisse.
Ist die Ballonblume für Katzen oder Hunde giftig?
Die verfügbaren Angaben stufen sie für Katzen und Hunde als ungiftig ein. Die Wurzel enthält jedoch Saponine, die beim rohen Verzehr großer Mengen den Verdauungstrakt reizen können.
Warum treibt meine Ballonblume im Frühjahr so spät aus?
Der späte Austrieb ist arttypisch und erfolgt oft nach den meisten anderen Beetstauden. Eine Markierung verhindert, dass man die Pflanze für abgestorben hält und versehentlich ihren Standort umgräbt.
Kann man die Wurzel der Ballonblume essen?
Ja. In Korea wird sie als Doraji nach Wässern und Blanchieren gegessen. Diese Zubereitung vermindert die durch Saponine verursachte Bitterkeit. In der traditionellen ostasiatischen Medizin wird sie außerdem als schleimlösendes Mittel verwendet.
Was unterscheidet die Ballonblume von gewöhnlichen Campanula-Arten?
Platycodon grandiflorus gehört zu einer eigenständigen, monotypischen Gattung. Die aufgeblähte Knospe und die weiter sternförmig geöffnete Blütenkrone unterscheiden sie von den üblichen Garten-Glockenblumen.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.



