Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris, L. 1753)

Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris L.) ist ein ausdauernder Farn der Pteridaceae mit nahezu weltweiter Verbreitung, die auch Südfrankreich einschließt. Er wächst an feuchten Kalkfelsen, alten Mauern und Wasserfällen. Seine fächerförmigen Fiederblättchen sitzen an einem schwarzen, haarfeinen Blattstiel.

Weiterlesen
Wissenschaftlicher NameAdiantum capillus-veneris
GattungAdiantum
OrdnungPolypodiales

Gewöhnlicher Frauenhaarfarn, Frauenhaarfarn, Frauenhaar, Venushaar, Southern maidenhair fern und Venus hair fern

Identität
Toxizität
Ungiftig : Menschen, Katzen, Hunde und Tiere · Vorsicht : Kinder · Unbekannt : Pferde
Pflegeaufwand
Mäßig
Pflanzenart
Farn · Rhizomatös · Lithophyt
Blattart
Halbimmergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
FrankreichSpanienItalienGriechenlandVereinigtes KönigreichVereinigte StaatenMexikoJapan
Lebensraum
Sickerfeuchte Kalkfelsen, alte feuchte Mauern, Ränder von Wasserfällen und heiße Quellen
Jahresverlauf
Jahreszeit
Frühling
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
3/10
Reifezeit
2–5 Jahre bis zum voll entwickelten Horst
Vermehrung
Aussaat, Teilung
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gering; trockene Zugluft schädigt die feinen Wedel
Luftfeuchtigkeit
60–90 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Kalkboden, Reiche Erde
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Vollschatten

An einen Platz mit indirektem Licht oder in einen schattigen Raum stellen.

Halbschatten bis Vollschatten, niemals direkte Sonne
Innenbereich
Helles Badezimmer, Veranda
Abstand zum Fenster
Etwa 30 cm vor einem hellen Fenster ohne direkte Sonne
Außenbereich
Schattiger Innenhof, Gartenmauer
Pflanzgefäße
Terrakotta, Abflusstopf
Erscheinungsbild
Höhe15–40 cmBreite20–50 cm
Blätter
Grün
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Wuchsform
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Schwarz

Weltweite Verbreitung

Adiantum capillus-veneris ist nahezu weltweit verbreitet: in Süd- und Westeuropa, im Mittelmeergebiet, in Afrika, im gemäßigten Asien bis Japan sowie in weiten Teilen Amerikas. Im europäischen Frankreich ist die Art im Süden und an milden Atlantikküsten heimisch und gilt dort nicht als eingeführt.

  • Heimisch8
  • Eingeführt1
  • Frankreich
  • Spanien
  • Italien
  • Griechenland
  • Vereinigtes Königreich
  • Vereinigte Staaten
  • Mexiko
  • Japan
  • Australien

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Gewöhnlicher Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris L., 1753), auch Frauenhaar oder Venushaar genannt, ist ein ausdauernder Farn der Gattung Adiantum aus der Familie Pteridaceae. Carl von Linné beschrieb ihn 1753, mehr als ein Jahrhundert bevor die viktorianische Farnmode die ersten gärtnerischen Formen hervorbrachte. 1 5

Das lateinische capillus veneris bedeutet „Haar der Venus“ und verweist auf den schwarzen, haarfeinen Blattstiel. Er glänzt dunkel und unterscheidet sich von den hellgrünen oder braunen Stielen anderer im Handel pauschal als „maidenhair fern“ angebotener Farne. Beim Kauf fällt dieses Merkmal schneller auf als die zwischen den Arten oft ähnliche Blattform. 3 6

Erkennung

Locker aufgebaute Horste bestehen aus gebogenen, 15 bis 40 cm langen, zwei- bis dreifach geteilten Wedeln. Blattstiel und Blattspindel sind schwarz, glänzend und fadenförmig. Die hellgrünen Fiederblättchen sind fächerförmig, am oberen Rand gerundet und gelappt und wirken im Gegenlicht beinahe durchscheinend. 4 2

Weder Blüten noch Früchte entstehen bei dieser Art, wie bei allen Farnen. Dadurch unterscheidet sie sich von ähnlich aussehenden Blütenpflanzen in Töpfen. Die Sori sitzen unter dem umgeschlagenen Rand fruchtbarer Fiederblättchen, ohne eigenständiges Indusium. Das hilft, lediglich geschlitztes Laub anderer Pflanzen auszuschließen, die irrtümlich unter diesem Namen verkauft werden. 2 5

Ein kurz kriechendes Rhizom verdichtet den Horst Jahr für Jahr, anstatt einen einzelnen Haupttrieb zu bilden. Ein kleiner, kompakter Einzelhorst ist daher oft noch jung. Eine über mehrere Dutzend Zentimeter ausgebreitete Kolonie weist dagegen auf eine längere Besiedlung ihres Untergrundes hin. 4

Taxonomie und Namen

Botanische Sicherheit bietet der Name Adiantum capillus-veneris L. POWO/WCVP ordnet diesem akzeptierten Namen zahlreiche Formen und Varietäten als Synonyme zu. Mehrere wurden im 19. Jahrhundert während der viktorianischen Begeisterung für Zierfarne veröffentlicht. 1 8

Historische Bezeichnungen wie Daphnites, Magnificum und Polyhymnia veröffentlichten W. Bull und Lowe zwischen 1871 und 1875. Hinzu kamen Grande und Imbricatum, die Pynaert um 1890 beschrieb. Alle fünf bezeichnen Unterschiede im Einschnitt oder in der Dichte des Laubes, keine eigenständigen Arten. 1 8

Besonders leicht entsteht eine Verwechslung mit Adiantum raddianum, der im französischen Handel ebenfalls „cheveu de Vénus“ heißen kann. Praktisch hilft die Substratverträglichkeit: A. capillus-veneris verträgt Kalk und alkalischen pH, während A. raddianum neutrale bis leicht saure Topferde und dauerhafte Zimmerkultur benötigt. 2 6

Lebensraum und Verbreitung

Nahezu weltweit reicht die Verbreitung von Süd- und Westeuropa einschließlich Südfrankreichs über Afrika und das gemäßigte Asien bis in weite Teile Amerikas. Im mediterranen und atlantischen Teil Europas ist dieser Farn heimisch, also keine eingeführte Art. 2 3

Typische Standorte sind schattige, sickerfeuchte Kalkfelswände, alte feuchte Mauern, Brunnenränder und die Umgebung von Wasserfällen. Zwei isolierte nordamerikanische Populationen weit nördlich des Hauptareals wachsen nahe heißen Quellen. Dort gleicht die örtliche Erdwärme ein ansonsten zu kaltes Klima aus. 2 4

Weltweit stuft die IUCN Adiantum capillus-veneris als nicht gefährdet ein. Das große Areal und die Fähigkeit, verstreute feuchte Kleinstlebensräume zu besiedeln, erklären diese vergleichsweise günstige Bewertung. 1

Kultur im Haus und im Freien

Kennzeichnend für diese Art ist ihre Kalkverträglichkeit. Neutrale bis alkalische Erde eignet sich besser als saures Substrat, anders als bei vielen Zierfarnen, die saure Bedingungen benötigen. Die RHS ordnet ihr Winterhärte H3 zu: An geschützten Standorten verträgt sie leichte Fröste bis etwa −5 °C. In den kalten Wintern Mitteleuropas ist dieser Schutz besonders zu beachten. 2 4

Für die Zimmerkultur braucht der Farn gefiltertes Licht, hohe Luftfeuchtigkeit und eine Mindesttemperatur um 12 °C. Direkte Sonne verbrennt die dünnen Fiederblättchen schnell. Zu trockene Luft lässt sie innerhalb weniger Tage braun werden, lange bevor sich das Substrat trocken anfühlt. 3 4

Im Garten bilden eine schattige Mauer, ein frischfeuchter Steingarten oder ein Platz an einem Gewässer den natürlichen Lebensraum am besten nach. Missouri Botanical Garden nennt keine ernsthaften Schädlings- oder Krankheitsprobleme für die Art. Misserfolge beruhen fast immer auf Austrocknung oder zu viel Sonne und nur selten auf Parasiten. 4

Lebenszyklus und Vermehrung

Ohne Blüten und Früchte erfolgt die geschlechtliche Vermehrung vollständig über Sporen unter den umgeschlagenen Rändern fruchtbarer Fiederblättchen. Die Aussaat reifer Sporen auf sterilisiertem, humosem Substrat bei milder Wärme entspricht dem natürlichen Zyklus am ehesten. Meist keimen sie innerhalb von sechs Wochen; bis zum ausgewachsenen Horst vergehen anschließend zwei bis fünf Jahre. 3

Durch Rhizomteilung im Frühling oder Herbst lässt sich diese Wartezeit deutlich verkürzen: Ein sichtbarer Horst entsteht in wenigen Wochen statt erst nach den Jahren der Sporenanzucht. Dafür besteht beim Anwachsen ein höheres Risiko. Jedes Teilstück braucht aktive Wurzeln und ein lebensfähiges Rhizomstück; zu kleine Stücke trocknen bei geringer Luftfeuchtigkeit rasch aus. 3 2

Nach dem Verlust sämtlicher Wedel ist ein Horst nicht zwangsläufig abgestorben. Bleibt das Rhizom fest, ermöglichen das Abschneiden trockener Teile und regelmäßiges Gießen häufig einen Neuaustrieb von der Basis. Ein brüchiges oder geschwärztes Rhizom zeigt dagegen einen endgültigen Verlust an. 4

Nutzen und Giftigkeit

Heute steht die Zierverwendung im Vordergrund, früher spielte der Farn auch eine pharmazeutische Rolle. In Europa wurden seine Wedel für Frauenhaarsirup, französisch „sirop de capillaire“, aufgegossen. Bis ins 19. Jahrhundert war dies ein verbreitetes Volksmittel gegen Husten und Halsbeschwerden; später wurde daraus vor allem ein aromatischer Sirup für Getränke. 3

Auch nordamerikanische und iranische Heiltraditionen berichten von Anwendungen gegen Insektenstiche oder Verdauungsbeschwerden. Diese Angaben sind rein historisch und begründen keine heutige Behandlungsempfehlung. 3

Für Katzen, Hunde und Menschen ist kein Giftstoff dokumentiert, auch nicht im Zusammenhang mit dem versehentlichen Verzehr weniger Fiederblättchen. Bei Pferden bleibt der Status ungeklärt. Im Zweifelsfall ist daher Vorsicht angemessen, keine pauschale Entwarnung. 7

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Ältere gärtnerische Namen wie Daphnites, Magnificum oder Polyhymnia bezeichnen keine getrennten Arten. Es handelt sich um im 19. Jahrhundert ausgewählte Laubformen, die in der heutigen botanischen Synonymie weiterhin Adiantum capillus-veneris zugeordnet sind. 1

Drei verwandte Arten verursachen besonders häufig Verwechslungen: Adiantum raddianum ist tropischer und weniger kalkverträglich; Adiantum pedatum besitzt handförmige Wedel und ist bei Kälte winterhärter; Adiantum venustum stammt aus dem Himalaya, wächst niedriger und behält sein Laub im Winter stärker. 2 6

Beim Kauf helfen drei Kontrollen: ein schwarzer Blattstiel, ein gesundes Rhizom mit aktiven Wurzeln und keine Schild- oder Wollläuse an den Wedelbasen. Die vollständige wissenschaftliche Bezeichnung bleibt der einzige verlässliche Anhaltspunkt bei pauschalen Etiketten wie „maidenhair fern“, unter denen mehrere Adiantum-Arten angeboten werden. 2

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Wächst der Gewöhnliche Frauenhaarfarn in Frankreich wild?

Ja. Im Süden und an manchen milden Küsten ist die Art heimisch. Sie besiedelt dort feuchte Kalkfelsen, alte Mauern sowie Bereiche an Wasserfällen und Brunnen.

Ist dieser Farn für Katzen und Hunde giftig?

Für Katzen, Hunde und Menschen ist kein Giftstoff dokumentiert. Der Status für Pferde bleibt ungeklärt; bei Unsicherheit ist deshalb Vorsicht angebracht.

Wie unterscheidet er sich von Adiantum raddianum?

Adiantum capillus-veneris verträgt neutrale bis alkalische Böden und wächst gern auf Kalk oder alten Mauern. Die tropischere Art Adiantum raddianum bevorzugt dagegen humusreiche, neutrale bis leicht saure Erde und dauerhafte Zimmerkultur.

Woher kommt der Name Venushaar?

Das wissenschaftliche Artepitheton capillus-veneris bedeutet wörtlich Haar der Venus. Es beschreibt den schwarzen, fadenförmigen Blattstiel, der in der älteren botanischen Tradition mit dem feinen Haar der Göttin verglichen wurde.

Kann dieser Farn ganzjährig draußen bleiben?

In wintermilden Regionen verträgt die Pflanze kurze leichte Fröste an geschützten Mauern. Andernorts sind eine Topfkultur mit Überwinterung im Haus oder Winterschutz vorsichtiger.

Wofür wurde Frauenhaarsirup verwendet?

In Europa wurden die aufgegossenen Wedel bis ins 19. Jahrhundert als Volksmittel gegen Husten und Halsbeschwerden eingesetzt. Später diente der Sirup hauptsächlich als aromatischer Getränkezusatz.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.