Lichtnussbaum (Aleurites moluccanus, )
Lichtnussbaum (Aleurites moluccanus) ist ein großer immergrüner Baum der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) aus dem indopazifischen Raum. Menschen verbreiteten ihn schon früh bis zu den Pazifikinseln; auf Hawaii ist er als Kukui seit 1959 offizieller Staatsbaum. Gelappte Jugendblätter, eine silbrige Krone und ölreiche Samen mit sehr harter Schale kennzeichnen die Art. Die rohen Kerne sind giftig; geröstet werden sie traditionell als Lebensmittel verwendet.
WeiterlesenLichtnussbaum, Kukuinuss, Kemirinuss, Kerzennuss, Kukui und Kemiri
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Weltweite Verbreitung
Das ursprüngliche Areal von Aleurites moluccanus ist schwer genau abzugrenzen, weil Menschen die Art sehr früh im gesamten indopazifischen Raum verbreiteten. Heute reicht ihre Verbreitung von Indien und Südchina über Südostasien und Papua bis zu zahlreichen Pazifikinseln. Frühe Seefahrer führten sie dort lange vor der Ankunft der Europäer als Nutzpflanze ein.
- Heimisch5
- Eingeführt3
- Indonesien
- Malaysia
- Indien
- Südchina
- Papua-Neuguinea
- Französisch-Polynesien
- Hawaii
- Australien (Queensland, Northern Territory)
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Lichtnussbaum (Aleurites moluccanus (L.) Willd., 1805) bezeichnet einen immergrünen Baum der Euphorbiaceae mit vier auffälligen Merkmalen: silbriger Krone, tief gelappten Jugendblättern, rötlichen Sternhaaren an jungen Trieben und einem Samen mit sehr harter Schale. Ausgewachsene Bäume erreichen 20 bis 30 m. Der rohe Kern wirkt stark abführend, wird jedoch geröstet gegessen. Die Samen der früher ebenfalls zu Aleurites gestellten Tungölbäume bleiben dagegen auch gekocht giftig. Carl von Linné beschrieb die Art 1753 als Jatropha moluccana; Carl Ludwig Willdenow stellte sie 1805 in die Gattung Aleurites. 1 6
Vom altgriechischen aleuron, „Mehl“, leitet sich der Gattungsname ab. Er bezieht sich auf den weißlichen Sternhaarfilz an jungen Trieben und Blattunterseiten, der wie eine Schicht Mehl wirkt. Der französische Name „Bancoulier“ geht auf Bengkulu zurück, eine Stadt und Provinz auf Sumatra und historisches Handelszentrum für Nüsse und Öl. 5
Regionale Namen spiegeln die vielfältigen Nutzungen wider. Auf Hawaii heißt der Baum Kukui und ist seit 1959 offizieller Staatsbaum. Candlenut, ebenso wie die deutsche Bezeichnung Kerzennuss, verweist auf die Verwendung als Lichtquelle. In Indonesien und Malaysia bezeichnet Kemiri den gerösteten, in der Küche verwendeten Kern; daran knüpft der Name Kemirinuss an. Auch Kukuinuss ist eine gebräuchliche Bezeichnung. 2
Erkennung
Mit einer breit ausladenden oder überhängenden Krone wächst der Lichtnussbaum unter günstigen Bedingungen auf 20 bis 30 m heran. Seine Borke ist graubraun. Junge Pflanzen tragen tief eingeschnittene Blätter mit 3, 5 oder 7 Lappen; an erwachsenen Bäumen sind sie einfacher geformt, eiförmig bis herzförmig und 14 bis 23 cm lang. 2 3
Für die Erkennung aus der Ferne ist der Sternhaarfilz verlässlicher als allein der Umriss der Krone. Anfangs erscheinen die Haare rötlich, später weißlich. Sie bedecken junge Triebe und Blattunterseiten und verleihen der Krone den silbrigen Ton, der sich vom dunklen Grün benachbarter Tropenbäume abhebt. 3
Kleine weiße Blüten stehen in endständigen Rispen. Männliche Blüten messen ungefähr 5 mm, die größeren weiblichen etwa 9 mm im Durchmesser. Die fleischige Steinfrucht wird 4 bis 6 cm breit und besitzt einen oder zwei Teilbereiche, jeweils mit einem etwa 2 cm großen, hartschaligen Samen. Dessen weißer Kern ist reich an Öl. 3
Nützliche Taxonomie
POWO/WCVP führt Aleurites moluccanus (L.) Willd. als akzeptierten Namen; das Basionym lautet Jatropha moluccana L.. Ältere Gartenliteratur verwendet häufig Aleurites moluccana. Diese Schreibweise wird nomenklatorisch heute nicht beibehalten, ist aber im Ölhandel weiterhin anzutreffen. 1
Zur Namensgeschichte gehören folgende Synonyme:
- Aleurites trilobus J.R.Forst. & G.Forst., historisches Synonym
- Aleurites javanicus Gand., historisches Synonym
- Aleurites pentaphyllus Benth., historisches Synonym
- Camirium cordifolium Gaertn., historisches Synonym
- Mallotus moluccanus (L.) Müll.Arg., historisches Synonym
- Rottlera moluccana (L.) Scheff., historisches Synonym
Heute umfasst Aleurites nur noch zwei akzeptierte Arten. Die Tungölbäume Aleurites fordii und Aleurites cordata wurden in die eigenständige Gattung Vernicia überführt. Die frühere Zuordnung erklärt, weshalb Tungöl und Lichtnussöl sprachlich noch verwechselt werden, obwohl sie von Pflanzen aus zwei verschiedenen Gattungen stammen. 1
Lebensraum und Verbreitung
Frühe menschliche Verbreitung erschwert die Abgrenzung des ursprünglichen Areals: Im indopazifischen Raum lassen sich wilde und sehr alte eingeführte Bestände kaum sicher auseinanderhalten. Das heutige Vorkommen reicht von Indien und Südchina über ganz Südostasien bis zu den Pazifikinseln und dem australischen Queensland. 2
In tropischen Regen- und Monsunwäldern besiedelt Aleurites moluccanus vor allem Höhen unter 300 m. Häufig wächst er an Waldrändern oder auf gestörten Flächen, die er rasch besetzt. Für eine dauerhafte Ansiedlung benötigt die Art mehr als 2.000 mm Jahresniederschlag. 2
Die Flora des australischen Northern Territory führt den Lichtnussbaum als eingeführt und weist ihn in mehreren Bioregionen des tropischen Nordens nach. Seefahrer brachten ihn lange vor der Ankunft der Europäer als Nutzpflanze auf viele Pazifikinseln; dort ist er heute vielfach eingebürgert. Auf der Roten Liste der IUCN gilt er als nicht gefährdet, begründet mit seinem großen Areal und dem Fehlen bekannter erheblicher Bedrohungen. 8 4
Lebenszyklus und Vermehrung
Jährliche Triebzuwächse bis 1,5 m kennzeichnen das schnelle Wachstum bei günstigem Klima. Endständige Rispen tragen sowohl männliche als auch weibliche Blüten, deren Größe sich unterscheidet. Nach der Bestäubung entwickeln sich aus den weiblichen Blüten die charakteristischen Steinfrüchte; während der Reife bildet sich der ölreiche Samenkern aus. 2
Die außerordentlich harte Schale schützt den Samen, erschwert aber seine Keimung. In der Natur kann eine Verletzung oder ein Temperaturwechsel die Schale schwächen. Ein traditionelles Verfahren nutzt diesen Effekt: Die Samen werden mit trockenen Blättern bedeckt, die Blätter verbrannt und die noch heißen Samen unmittelbar in kaltes Wasser getaucht, sodass die Schale reißt. Damit steigt die Keimrate auf über 30 %, während unbehandelte Samen nur sehr schlecht keimen. 2
In Australien locken herabgefallene Samen Nagetiere an, darunter die Weißschwanz-Riesenratte. Diese knacken die harte Hülle, um an den Kern zu gelangen. Zerbrochene Schalen am Boden können daher auf einen Lichtnussbaum hinweisen, noch bevor seine silbrige Krone sichtbar wird. 3
Nutzen und Risiken
Rohe Lichtnusskerne enthalten Saponine, Phorbol und Toxalbumine und sind giftig. Beim Verzehr verursachen sie eine ausgeprägt abführende Wirkung. Langes Trocknen oder Rösten zerstört einen großen Teil dieser Verbindungen und macht den Kern essbar; für die Küche wird ausschließlich entsprechend vorbereitetes Material verwendet. 2
Geröstete und zerstoßene Kerne dienen in Indonesien und Malaysia als Kemiri zum Andicken von Currys und Saucen. Auf Hawaii entsteht daraus mit Salz die Paste ʻInamona, eine traditionelle Zutat von Poke. Das Öl wird bei einer Pressausbeute von 42 bis 60 % gewonnen und unter anderem in Indonesien und auf Fidschi für Haut- und Haarkosmetik verwendet. 2
Als historische Lichtquelle wurden die Nüsse auf Hawaii auf eine Palmblattrippe gesteckt und nacheinander abgebrannt; jede brannte ungefähr eine Viertelstunde. Darauf bezieht sich der englische Name Candlenut. Das Holz diente auch zum Bau von Einbäumen, die Rinde lieferte einen rotbraunen Farbstoff für traditionelle Rindenstoffe. 9
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Neben dem Lichtnussbaum ist Aleurites rockinghamensis die zweite heute akzeptierte Art der Gattung. Ihr Areal ist auf Papua-Neuguinea und den Nordosten Queenslands beschränkt. Die früher unter A. moluccanus geführte var. rockinghamensis wird inzwischen als diese eigenständige Art behandelt; entsprechende Samenetiketten sollten deshalb vor dem Kauf geprüft werden. 1
Besonders häufig wird der Lichtnussbaum mit Vernicia fordii und Vernicia cordata, den Tungölbäumen, verwechselt. Sie standen früher als Aleurites fordii und Aleurites cordata in derselben Gattung. Beide Öle wurden industriell genutzt, doch nur Lichtnussöl ist zum Verzehr geeignet. Tungöl stammt aus bereits bei Kontakt giftigen Samen und darf niemals gegessen werden. 1
Bei Literaturrecherchen ist die Endung des Artnamens eine weitere Fehlerquelle: Aleurites moluccana auf alten Gartenetiketten oder im Ölhandel bezeichnet dieselbe Pflanze wie der akzeptierte Name Aleurites moluccanus. Die abweichende Schreibweise kennzeichnet keine andere Art.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Aleurites moluccanus (L.) Willd.
- Plants For A Future, Aleurites moluccanus
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Aleurites moluccanus
- IUCN Red List, Aleurites moluccanus Bewertung (2017)
- Tela Botanica, Aleurites moluccanus
- Integrated Taxonomic Information System, Aleurites moluccanus
- USDA GRIN Global Taxonomy, Aleurites moluccanus
- eFlora of the Northern Territory (Australia), Aleurites moluccanus
- USDA PLANTS Database, Aleurites moluccanus Artprofil
Häufig gestellte Fragen
Ist der Lichtnussbaum dasselbe wie der Tungölbaum?
Nein. Die Tungölbäume Vernicia fordii und Vernicia cordata gehörten früher zur Gattung Aleurites, bilden heute aber eine eigene Gattung. Ihr bereits bei Kontakt giftiges Öl darf niemals verzehrt werden, anders als das Öl des Lichtnussbaums.
Sind die Nüsse des Lichtnussbaums giftig?
Roh ja. Sie enthalten Saponine, Phorbol und Toxalbumine mit ausgeprägt abführender Wirkung. Rösten oder langes Trocknen zerstört einen großen Teil dieser Stoffe; der vorbereitete Kern wird als Kemiri oder ʻInamona gegessen.
Warum heißt der Lichtnussbaum auf Englisch Candlenut?
Der Name verweist auf eine alte hawaiische Nutzung: Auf eine Palmblattrippe aufgereihte Nüsse brannten nacheinander und dienten als Lampe. Auch das aus den Früchten gewonnene Öl wurde in steinernen Öllampen verbrannt.
Stammt der Lichtnussbaum aus Hawaii?
Nein. Frühe polynesische Seefahrer führten ihn als Nutzpflanze ein; er ist auf dem Archipel nicht heimisch. Unter seinem örtlichen Namen Kukui wurde er 1959 zum offiziellen Staatsbaum von Hawaii.
Woran erkennt man einen Lichtnussbaum aus der Ferne?
Seine silbrige Krone hebt sich von den übrigen Bäumen des tropischen Kronendachs ab. Weißliche Sternhaare an jungen Trieben und Blattunterseiten lassen die Krone hell und wie bestäubt erscheinen.
Lässt sich der Lichtnussbaum außerhalb der Tropen halten?
Im Freiland nur schwer. Er verträgt keinen Frost und benötigt die USDA-Winterhärtezonen 10 bis 12. In gemäßigtem Klima überlebt er nur im Kübel mit Winterquartier oder im beheizten Gewächshaus.
Bezeichnen Aleurites moluccanus und Aleurites moluccana dieselbe Pflanze?
Ja. Moluccana ist eine ältere, im Ölhandel und in Gartenkatalogen noch verbreitete Schreibweise. Der heute botanisch akzeptierte Name lautet Aleurites moluccanus.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




