Borretsch (Borago officinalis, )
Borretsch (Borago officinalis) ist eine einjährige krautige Pflanze der Raublattgewächse (Boraginaceae) aus dem westlichen und zentralen Mittelmeerraum. Steife Borsten bedecken Stängel und Blätter. Seine blauen Sternblüten werden stark von Bienen besucht; die nach Gurke duftenden Blätter sind nur in mäßigen Mengen zum Verzehr geeignet.
WeiterlesenBorretsch, Boretsch, Gurkenkraut, Kukumerkraut, Borage und Starflower






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Weltweite Verbreitung
Borago officinalis stammt aus dem westlichen und zentralen Mittelmeerraum. Durch den häufigen Anbau als Würzkraut und Bienenweide hat sich die Art im gemäßigten Europa und auf anderen Kontinenten eingebürgert. Diese eingeführten Vorkommen sind vom natürlichen Areal zu unterscheiden.
- Heimisch3
- Eingeführt5
- Spanien
- Italien
- Marokko
- Frankreich
- Vereinigtes Königreich
- Deutschland
- USA
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Borretsch (Borago officinalis L., 1753) ist eine einjährige krautige Pflanze der Boraginaceae. Zur selben Familie gehören Vergissmeinnicht und Beinwell. Das Artwort officinalis erinnert an die frühere Verwendung als Arzneipflanze: Borretsch wurde sowohl als Würzkraut als auch als vermeintlich linderndes Heilmittel angebaut. Der historische Name beschreibt damit eine Nutzungstradition und ersetzt keine heutige Bewertung seiner Inhaltsstoffe. 1 4
Heute prägt er vor allem den blühenden Gemüsegarten. Seine blauen Sternblüten und die jungen Blätter mit Gurkengeschmack dienen als essbare Dekoration. Zugleich zählen die Blüten zu den häufig von Bienen besuchten Gartenblumen. Steife Haare bedecken die gesamte Pflanze und machen ihre Oberfläche deutlich rau. Dieses borstige Erscheinungsbild ist bereits vor der Blüte gut erkennbar. 2 6
Erkennungsmerkmale
Zunächst entsteht eine Rosette aus eiförmigen bis lanzettlichen, runzeligen Blättern mit weißlichen Borsten. Danach wachsen hohle, verzweigte Stängel auf 30 bis 90 cm Höhe. Die Pflanze wird etwa 23 bis 45 cm breit, bei guter Nährstoffversorgung auch breiter. Beim Zerreiben verströmt das Laub einen ausgeprägten Gurkengeruch, der auch den Namen Gurkenkraut erklärt. 3 6
Am deutlichsten sind die blauen Blüten von 2 bis 3 cm Durchmesser. Ihre Krone bildet einen fünfzackigen Stern, aus dessen Mitte schwarze Staubblätter als kleiner, nach unten gerichteter Kegel hervorragen. Knospen und Blüten stehen in Wickeln: Diese gekrümmten Blütenstände entrollen sich nach und nach. Beim Öffnen wechselt die Farbe häufig von Rosa zu Blau, weil sich der Säuregrad in den Kronblättern verändert. 2 4
In den meisten Gärten reicht die Blütezeit von Juni bis August. Danach entstehen kleine braune, trockene Früchte. Sie ermöglichen die Selbstaussaat, durch die im folgenden Jahr neue Pflanzen am selben Ort erscheinen können. Die einzelne Pflanze lebt dagegen nur eine Vegetationsperiode. 3 2
Taxonomische Einordnung
Linnés Beschreibung von 1753 verwendete bereits den heute akzeptierten Namen Borago officinalis. Die kleine Gattung Borago galt lange als monotypisch. Mehrere ältere Namen unterhalb des Artranges werden heute nur noch als Synonyme geführt. Dazu gehören die folgenden historischen Bezeichnungen:
- Borago officinalis var. alba Gray, ein historischer Varietätsname;
- Borago officinalis var. coerulea Alef., eine ältere Benennung;
- Borago officinalis var. variegata Alef., ebenfalls ein Synonym;
- Borago officinalis var. saxicola Rouy, ein weiterer historischer Name;
- Borago officinalis var. stenopetala Ducell. & Maire, heute synonym geführt.
Der akzeptierte Artname Borago officinalis bleibt deshalb der feste Bezugspunkt. Gartennamen wie Alba für weiß blühende Pflanzen oder Bill Archer für panaschiertes Laub bezeichnen gärtnerische Auslesen und keine eigenständigen Arten. Für die Zuordnung ist diese Unterscheidung zwischen taxonomischem Namen und Sortenbezeichnung wesentlich. 1 7
Lebensraum und Verbreitung
Im westlichen und zentralen Mittelmeerraum liegt die ursprüngliche Heimat. Borretsch wächst dort auf Brachen, an Ackerrändern und auf gut durchlässigen Sandböden in voller Sonne oder leichtem Halbschatten. Sein Lebenszyklus entspricht einer einjährigen Pflanze gemäßigten Klimas, deren Entwicklung vor allem in die warme Jahreszeit fällt. 1 3
Der verbreitete Anbau als Würzkraut und Bienenweide führte zur Einbürgerung weit außerhalb der Heimat, unter anderem in großen Teilen des gemäßigten Europas und in Nordamerika. Die Art wird für die breite Spanne USDA 2 bis 11 angegeben. Starker Frost kann dennoch junge Pflanzen zerstören; die weite Klimaspanne darf daher nicht als uneingeschränkte Frostfestigkeit jedes Entwicklungsstadiums verstanden werden. 3 2
Dank seiner leichten Selbstaussaat bleibt Borretsch oft dauerhaft im Garten vertreten. Nach einer einzigen Aussaat erscheinen häufig in den nächsten Jahren selbstständig neue Pflanzen. In Frankreich wird er deshalb jedoch nicht als invasiv angesehen. Diese Angabe beschreibt den französischen Kontext und keinen allgemeinen rechtlichen Status für andere Länder. 2 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Innerhalb einer Saison durchläuft der einjährige Borretsch Keimung, Rosettenbildung, rasches Strecken der Blütenstängel, Fruchtbildung und Absterben im Herbst. Wegen seiner Pfahlwurzel verträgt er Umpflanzen schlecht. Die Direktsaat am endgültigen Standort ist deshalb günstiger als späteres Versetzen bereits entwickelter Jungpflanzen. 2 3
Die Vermehrung erfolgt ausschließlich über Samen. Nektarreiche Blüten werden vor allem von Bienen bestäubt und füllen nach deren Besuchen rasch neuen Nektar nach. Das erhält den beständigen Insektenbesuch aufrecht. Reife Früchte fallen zu Boden und keimen im folgenden Jahr; so setzt sich der Bestand durch neue Individuen fort. 6 4
Wer die Ausbreitung begrenzen möchte, entfernt verblühte Blütenstände vor der Samenreife. Umgekehrt ermöglichen einige stehen gelassene Samenstände das Wiedererscheinen im nächsten Jahr. Die verbleibenden Blüten versorgen Bestäuber zugleich bis gegen Saisonende mit Nahrung. 2
Verwendung und Risiken
Als Bienenweide und in kleinen Mengen als Küchenkraut findet Borretsch seine wichtigsten Anwendungen. Blaue Blüten schmücken Salate, kühle Getränke und Desserts. Junge Blätter mit Gurkengeschmack werden roh oder gekocht gegessen; in verschiedenen Mittelmeerküchen dienen sie auch als Blattgemüse. Die kulinarische Tradition betrifft also mehrere Pflanzenteile, verlangt aber Zurückhaltung. 3 4
Der Verzehr muss mäßig bleiben. Borretsch enthält Pyrrolizidinalkaloide, die bei hoher oder wiederholter Aufnahme die Leber belasten können. Blätter und Blüten sollten daher nur gelegentlich und in kleinen Mengen gegessen werden. Bei Samenöl kommt ausschließlich ein Produkt infrage, das nachweislich frei von diesen Alkaloiden ist. Die Gewinnung aus Samen allein genügt nicht als Sicherheitsnachweis. 6 5
Für Katzen, Hunde und Pferde stuft die ASPCA Borretsch wegen derselben Alkaloide als giftig ein. Das tatsächliche Risiko hängt von der aufgenommenen Menge ab. Bloßer Kontakt oder ein gelegentlicher Bissen ist selten schwerwiegend; eine umfangreiche Aufnahme sollte dennoch vermieden werden. 8 6
Sorten und ähnliche Pflanzen
Gärtnerische Formen bleiben Teil derselben Art. Alba blüht weiß, während Bill Archer und Variegata cremefarben panaschiertes Laub besitzen und vorwiegend als Zierpflanzen dienen. Beim Kauf helfen der wissenschaftliche Name, die erwartete Blütenfarbe und der einjährige Wuchs bei der Einordnung. Diese Merkmale sind aussagekräftiger als eine dekorative Handelsbezeichnung allein. 2 1
Ähnliche behaarte Raublattgewächse können zu Verwechslungen führen:
- Symphytum officinale, Echter Beinwell, wird höher und trägt glockenförmige Blüten.
- Echium vulgare, Gewöhnlicher Natternkopf, besitzt aufrechte blaue Blütenstände und einen steiferen Wuchs.
- Pentaglottis sempervirens, Immergrüne Ochsenzunge, ist mehrjährig und bildet kleinere blaue Blüten.
Entscheidend bleibt die fünfzackige Sternblüte mit dem schwarzen Staubblattkegel an einem gekrümmten Wickel. Diese Kombination kennzeichnet Borago officinalis unter den häufigen Raublattgewächsen der Gärten und hilft, die äußerlich ähnlichen behaarten Pflanzen sicherer voneinander zu unterscheiden. 7 4
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Borago officinalis L.
- Royal Horticultural Society, Borago officinalis - Borretsch
- Missouri Botanical Garden, Borago officinalis
- Encyclopaedia Britannica, Borretsch
- Plants For A Future, Borago officinalis
- North Carolina State Extension, Borago officinalis
- Tela Botanica, Borago officinalis L.
- ASPCA, Borretsch (Borago officinalis) Giftpflanzenprofil
Häufig gestellte Fragen
Ist Borretsch essbar?
Blaue Blüten und junge Blätter mit Gurkengeschmack werden roh oder gekocht gegessen, aber nur in mäßigen Mengen. Die enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide sprechen gegen hohe oder wiederholte Aufnahme.
Ist Borretsch für Tiere giftig?
Die ASPCA stuft Borretsch als giftig für Katzen, Hunde und Pferde ein. Pyrrolizidinalkaloide können die Leber belasten; größere aufgenommene Mengen sollten vermieden werden.
Warum zieht Borretsch so viele Bienen an?
Seine Blüten bilden reichlich Nektar und füllen ihn nach einem Besuch rasch wieder auf. Das macht ihn für Honigbienen und Wildbienen besonders attraktiv.
Kommt Borretsch jedes Jahr wieder?
Die einjährige Pflanze stirbt nach der Fruchtbildung. Sie sät sich jedoch reichlich selbst aus und erscheint deshalb oft im Folgejahr an derselben Stelle.
Mit welchen Pflanzen wird Borretsch verwechselt?
Vor allem mit anderen behaarten Raublattgewächsen wie Beinwell (Symphytum) und Natternkopf (Echium). Die blauen Sternblüten mit schwarzen Staubblättern sind das zuverlässigste Unterscheidungsmerkmal.
Muss Borretsch gedüngt werden?
Gewöhnlicher Gartenboden genügt. Ein Überschuss an Stickstoffdünger erzeugt viel Laub und weniger Blüten; damit sinkt auch der Wert als Bienenweide.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




