Bleistiftstrauch (Euphorbia tirucalli, )
Bleistiftstrauch (Euphorbia tirucalli L., 1753) ist ein sukkulenter Strauch der Euphorbiaceae aus dem östlichen und südlichen Afrika. Er trägt fast nie Blätter; seine zylindrischen, bleistiftdünnen Triebe übernehmen die Photosynthese. Der milchige Saft reizt Haut und Augen stark. Die beliebte Zierpflanze verlangt deshalb einen vorsichtigen Umgang.
WeiterlesenBleistiftstrauch, Milchbusch, Gummihecke, Pencil cactus und Petroleum plant
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© Foto
Leticia Jiménez Hernández · CC BY-NC
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Alan Manson · cc-by
Taken Jan 16, 2001 by Tela Botanica − Liliane Roubaudi (cc-by-sa)
Taken Jan 8, 2022 by Lesja Murga (cc-by-sa)
Taken May 7, 2014 by Tela Botanica − Céline PIRAT (cc-by-sa)
Taken Oct 18, 2020 by malcolm stander (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Euphorbia tirucalli umfasst das östliche und südliche Afrika sowie Madagaskar, auf lehmigen oder steinigen Böden. Als lebende Hecke wurde die Pflanze in vielen Tropengebieten eingebürgert. Auf einigen Inseln, darunter Kuba und Hawaii, gilt sie inzwischen als invasiv.
- Heimisch5
- Eingeführt2
- Invasiv2
- Kenia
- Tansania
- Mosambik
- Südafrika
- Madagaskar
- Indien
- Brasilien
- Kuba
- Hawaii
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Bleistiftstrauch (Euphorbia tirucalli L., 1753) gehört zur Gattung Euphorbia in der Familie Euphorbiaceae. Linné legte den Namen bereits 1753 fest; Plants of the World Online führt ihn weiterhin als akzeptierte Kombination. 1
Französische Namen wie „bois de lait“ und das auf den französischen Antillen gebräuchliche kreolische „kréyon“ beziehen sich auf den weißen Milchsaft beziehungsweise die bleistiftartigen Triebe. Der Saft tritt bereits bei kleinsten Verletzungen aus. Auch die deutsche Bezeichnung Milchbusch greift dieses auffällige Merkmal auf. 2
Hinter dem alten französischen Namen „euphorbe antivénérienne“ steht eine traditionelle medizinische Verwendung, von der heute abgeraten wird. Die Pflanze ist giftig; ihre Zubereitungen sind keine sicheren Heilmittel. 5
Erkennung
Seine zylindrischen, hellgrünen, bleistiftdicken Triebe bilden dichte, korallenartige Büschel. Trotz des kakteenähnlichen Aussehens wächst Euphorbia tirucalli als buschiger Strauch oder kleiner Baum. 3 4
Nur an jungen Trieben erscheinen winzige, 1 bis 2,5 cm lange Blätter, die rasch wieder abfallen. Die grünen Triebe selbst übernehmen ganzjährig den größten Teil der Photosynthese. Das fast vollständige Fehlen von Laub entspricht daher der normalen Entwicklung und ist kein Krankheitszeichen. 4
Topfpflanzen überschreiten selten 1 bis 2 m Höhe. Im Herkunftsgebiet kann der Bleistiftstrauch dagegen einen buschigen, bis 9 m hohen Baum mit 2 bis 3 m Ausladung bilden. 3
Winzige gelbe Cyathien stehen im Frühjahr und Sommer an den Zweigspitzen. Diese blütenartigen Strukturen fallen neben den dominierenden grünen Trieben kaum auf. 3
Nützliche Taxonomie
Unter dem akzeptierten Namen Euphorbia tirucalli werden fünf taxonomische Synonyme zusammengefasst. Sie helfen bei der Zuordnung älterer Verkaufsetiketten und Literaturangaben:
- Euphorbia rhipsaloides Welw. ex N.E.Br., ein älterer Name;
- Euphorbia laro Drake, ein taxonomisches Synonym;
- Euphorbia viminalis Mill., eine frühere Bezeichnung;
- Arthrothamnus tirucalli (L.) Klotzsch & Garcke, eine frühere Kombination;
- Tirucalia tirucalli (L.) P.V.Heath, eine weitere Kombination.
Verlässlicher Bezugspunkt bleibt der akzeptierte Name. Mehrere Synonyme wurden je nach Region und Epoche unter verschiedenen Handelsbezeichnungen geführt, bezeichneten aber stets dieselbe Art. 1
Lebensraum und Verbreitung
Trockengebüsche und bewaldete Savannen im östlichen und südlichen Afrika bilden den natürlichen Lebensraum. Die Art wächst auf lehmigen oder steinigen Böden bis 2.000 m Höhe. Auch Madagaskar zählt zu den anerkannten Herkunftsgebieten. 1 5
Weite Teile der Tropen, darunter Indien, Südostasien und Südamerika, beherbergen eingebürgerte Bestände. Dort diente die Pflanze lange als undurchdringliche lebende Hecke, deren reizender Milchsaft das Vieh zurückhielt. 5 3
Auf tropischen Inseln wie Kuba und Hawaii ist die eingeführte Art aus Gärten entwichen und tritt inzwischen invasiv auf. Offene Flächen kann sie rasch besiedeln. Im französischen Mutterland bleibt ihre Kultur auf Sammlungen und Töpfe beschränkt; den Winter verbringt sie geschützt außerhalb des Freilandbodens. 5
Zwischen nützlicher Hecke im Herkunftsgebiet und unerwünschtem Eindringling andernorts liegen erhebliche regionale Unterschiede. Derselbe Milchsaft, der in Kenia eine Viehherde hinter einer Hecke hält, kann auf sich selbst überlassenen tropischen Inselbrachen wie auf Kuba oder Hawaii zur Ausbreitung dichter Bestände beitragen. 5
Lebenszyklus und Vermehrung
Temperaturen unter 15 °C bremsen das Wachstum deutlich; im Winter kommt es fast zum Stillstand. Mit zunehmender Wärme und Helligkeit im Frühjahr setzt es wieder ein. 4
Zur Vermehrung in Kultur dienen fast immer Triebstecklinge. Nach dem Schnitt muss die Wunde mindestens 24 Stunden an der Luft trocknen und verheilen, bis kein Milchsaft mehr austritt. Anschließend kommt der Steckling in durchlässiges, nur leicht feuchtes Substrat. 5
Eine Aussaat ist ebenfalls möglich, im Hausgarten aber selten. Bis zu einer brauchbaren Jungpflanze vergehen Monate, während ein Steckling bereits nach 3 bis 6 Wochen bewurzelt ist. 5
Nutzen und Risiken
Die größte Gefahr des Bleistiftstrauchs besteht bei Augenkontakt mit dem Milchsaft. Spritzer können schwere Verätzungen und eine mehrere Tage anhaltende vorübergehende Blindheit verursachen. Beim Schneiden und bei der Stecklingsvermehrung sind Handschuhe und Schutzbrille erforderlich. 5 4
Für Hunde, Katzen und Pferde stuft die ASPCA die Art als giftig ein. Das Kauen auf den Trieben reizt Mund und Magen. Diese Wirkung bei oraler Aufnahme wird als weniger schwerwiegend als die Gefahr für die Augen beurteilt. 6
In ostafrikanischen Gebieten mit endemischem Burkitt-Lymphom aktiviert der Milchsaft den lytischen Zyklus des Epstein-Barr-Virus und schwächt die dagegen gerichtete spezifische Immunabwehr. Euphorbia tirucalli wird deshalb als Umwelt-Kofaktor dieser Erkrankung untersucht, ohne deren unmittelbare Ursache zu sein. 7
Der Reichtum des Milchsafts an triterpenischen Kohlenwasserstoffen begründete bereits in den 1970er-Jahren Forschungen zur Nutzung als Biokraftstoff. Der Chemiker Melvin Calvin nannte die Art damals „Petroleum plant“. Neuere agronomische Versuche bestätigen nutzbare Kohlenwasserstofferträge auf Böden, die für andere Kulturen ungeeignet sind. 8
Sorten und verwandte Pflanzen
'Rosea', unter den Handelsnamen Sticks on Fire und Firesticks verkauft, ist in Gartencentern wesentlich häufiger zu finden als andere Sorten. Ihre Triebe wechseln unter Kälteeinfluss, voller Sonne oder mäßigem Wassermangel von Gelb über Orange zu Rot. 3
Bei Sukkulentensammlern findet sich außerdem die Kammform 'Cristata' mit zu einem gewellten Fächer verwachsenen Trieben. Sie beruht auf einer gärtnerischen Mutation und ist keine anerkannte botanische Varietät. 5
Wegen der fehlenden Blätter und Dornen wird die Art gelegentlich mit einem Säulenkaktus oder anderen afrikanischen sukkulenten Wolfsmilcharten verwechselt. Bei Euphorbia trigona sind die Triebe jedoch kantig und besitzen drei oder vier Seiten; beim Bleistiftstrauch sind sie rund. 4
Drei Merkmale ermöglichen die Erkennung auch ohne Blüten oder sichtbaren Milchsaft: Dornen fehlen, runde Triebe erreichen im warmen Freiland bis 9 m Höhe, und Blätter sind während des größten Teils des Jahres nicht vorhanden.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Euphorbia tirucalli L.
- INPN / MNHN, Euphorbia tirucalli, Milchbusch
- Missouri Botanical Garden, Plant Finder, Euphorbia tirucalli
- NC State Extension, Euphorbia tirucalli (Pencil Tree)
- Plants For A Future, Euphorbia tirucalli
- ASPCA, Pencil Cactus, Eintrag zur Giftigkeit
- British Journal of Cancer / Nature, Aktivierung des lytischen EBV-Zyklus durch Milchsaft von Euphorbia tirucalli
- PLOS ONE, Umfassende Charakterisierung von Euphorbia tirucalli als Biokraftstoffquelle
Häufig gestellte Fragen
Ist der Bleistiftstrauch ein Kaktus?
Nein. Trotz seiner dornenlosen sukkulenten Triebe gehört er zu den Euphorbiaceae und nicht zu den Kakteengewächsen. Die Verwechslung beruht auf seiner Gestalt und den früh abfallenden Blättern, nicht auf seiner botanischen Einordnung.
Warum hat der Bleistiftstrauch fast keine Blätter?
Die grünen zylindrischen Triebe übernehmen den größten Teil der Photosynthese. Die wenigen winzigen Blätter erscheinen nur an jungen Trieben und fallen rasch ab. Ihr Fehlen ist kein Krankheitszeichen.
Ist der Milchsaft des Bleistiftstrauchs gefährlich?
Ja, besonders für die Augen: Er kann schwere Verätzungen und vorübergehende Blindheit verursachen. Die ASPCA führt die Art auch als giftig für Hunde, Katzen und Pferde, wenn diese an den Trieben kauen.
Wie vermehrt man den Bleistiftstrauch?
Durch Triebstecklinge. Ein abgeschnittenes Teilstück mindestens 24 Stunden trocknen lassen, bis kein Milchsaft mehr austritt. Anschließend in durchlässiges, nur leicht feuchtes Substrat stecken.
Warum werden die Triebe der Sorte 'Rosea' rot?
Kälte, volle Sonne und leichter Wassermangel verstärken die Färbung dieser als Sticks on Fire oder Firesticks verkauften Sorte. Im Schatten und bei guter Wasserversorgung wird sie wieder grüner oder gelber.
Welche Mindesttemperatur verträgt der Bleistiftstrauch?
Unter 5 °C beginnen die Triebe zu leiden; bei Frost können sie dauerhaft schwarz werden. Die Art eignet sich für USDA-Zonen 10 bis 12 und verträgt anhaltende Kälte nicht.
Woher stammt der Bleistiftstrauch?
Sein natürliches Areal umfasst das östliche und südliche Afrika sowie Madagaskar. Später wurde er in weiten Teilen der Tropen eingebürgert und tritt örtlich invasiv auf, etwa auf Kuba und Hawaii.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






