Echte Feige (Ficus carica, )
Echte Feige (Ficus carica) ist ein sommergrüner Obstbaum der Maulbeergewächse (Moraceae) aus Westasien und dem östlichen Mittelmeerraum. Sie wird wegen ihrer Feigen angebaut, fleischiger Fruchtstände, die Syconien heißen. Als einer der ältesten domestizierten Obstbäume eignet sie sich für trockene, sonnige Gärten.
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Ficus carica reicht von Kleinasien über den Nahen Osten bis zum westlichen Himalaya. Im gesamten Mittelmeerraum wird die Feige seit so langer Zeit kultiviert, dass sie dort auch weithin eingebürgert ist. Ursprüngliche Wildbestände und aus Gärten verwilderte Vorkommen lassen sich deshalb mitunter nur schwer unterscheiden.
- Heimisch4
- Eingeführt3
- Türkei
- Iran
- Pakistan
- Afghanistan
- Griechenland
- Kalifornien (Vereinigte Staaten)
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Echte Feige (Ficus carica L., 1753) ist ein sommergrüner Obstbaum der Gattung Ficus aus der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae). Ihr natürliches Areal reicht von der Türkei bis Nordindien und Pakistan. Jahrtausendelanger Anbau führte außerdem zu einer weiten Einbürgerung im Mittelmeerraum. Ihre Domestikation reicht mehr als 11.000 Jahre zurück und zählt damit zu den ältesten bekannten Beispielen eines kultivierten Obstbaums. 1 8 6
Was als Feige gegessen wird, ist botanisch ein Syconium, ein fleischiger, urnenförmiger Fruchtstand. Im Inneren liegen zunächst die von außen unsichtbaren Blüten und später die eigentlichen Früchte mit den Samen. Der Artname erinnert an Karien, eine Landschaft Kleinasiens, deren Feigen bereits im Altertum bekannt waren. Diese besondere Verbindung von Blütenstand und späterem Fruchtstand unterscheidet die Feige von vielen anderen Obstarten. 3 8
Erkennung
Eine breite, buschige Krone und glatte graue Rinde prägen den Baum oder Großstrauch. Häufig erreicht er 3 bis 8 m Höhe und eine vergleichbare Breite. In kühlem Klima oder bei Kultur im Kübel bleibt er deutlich kleiner. Der Standort und die Art der Kultur beeinflussen somit den Wuchs beträchtlich, ohne die grundlegenden Merkmale der Art zu verändern. 5 3
Breite, ledrige und raue Blätter sind tief in drei bis fünf Lappen eingeschnitten. Wird ein Blatt abgerissen oder ein Zweig geschnitten, tritt sofort weißer Milchsaft aus. Dieser Saft ist ein wichtiges Merkmal der Gattung Ficus. Zusammen mit der Blattgestalt erleichtert er die Erkennung auch dann, wenn der Baum noch keine Früchte trägt. 4 3
Die Blüten selbst bleiben dem Blick verborgen. Sie sitzen im Inneren des geschlossenen, fleischigen Behälters, der zur Feige heranwächst. Je nach Sorte wechselt dessen Farbe während der Reife von Grün zu Braun oder Violett. Die Früchte werden häufig 3 bis 8 cm lang; Form und Farbe allein reichen wegen der Sortenvielfalt jedoch nicht zur sicheren Bestimmung aus. 8 5
Nützliche Taxonomie
Als Typusart der Gattung Ficus steht Ficus carica einer Gruppe mit mehr als 800 tropischen und subtropischen Arten voran. Zahlreiche ältere botanische Namen und infraspezifische Bezeichnungen gehören in ihren Zusammenhang. Folgende Namen sind für die Einordnung hilfreich:
- Ficus carica var. caprificus (Risso) Tschirch, Bocksfeige
- Ficus carica subsp. carica, nominotypische Unterart
- Ficus caprificus Risso, älterer Name
- Ficus sylvestris Gaudin, historisches Synonym
- Ficus kopetdaghi Pachom., historisches Synonym
Für die Pflanzung ist besonders caprificus bedeutsam. Der Name bezeichnet die Bocksfeige, eine funktionell männliche Form, die die bestäubende Feigenwespe beherbergt. Wer sie mit einer Obstsortenfeige verwechselt, pflanzt einen Baum ohne essbare Feigen. Im südlichen Erwerbsanbau erfüllt sie stattdessen eine Aufgabe bei der Bestäubung bestimmter Fruchttypen. Der akzeptierte Artname Ficus carica bleibt für beide Formen der gemeinsame Bezugspunkt. 1 7
Lebensraum und Verbreitung
Warme Felsfluren, Garrigue und trockene Säume sind typische natürliche Standorte von Kleinasien über den Nahen Osten bis zum westlichen Himalaya. Auf armen Böden kann die Echte Feige als Pionierbaum wachsen. Selbst Felsspalten mit wenig Erde bieten ihr mitunter genügend Halt und Wurzelraum, um sich dort zu etablieren. 1 4
Im Mittelmeergebiet überlagern sich seit Jahrtausenden Anbau und Einbürgerung. Daher ist die Trennung ursprünglicher Bestände von verwilderten Gartenbäumen gelegentlich schwierig. Kalkhaltiger, nährstoffarmer Boden wird vertragen, sofern Wasser gut abfließen kann. Staunässe schadet stärker als Trockenheit; dieser Vergleich ist bei der Wahl eines Gartenstandorts ebenso wichtig wie die Sonneneinstrahlung. 4 3
Aus Gilgal im Jordantal stammen ungefähr 11.400 Jahre alte verkohlte Feigen. Sie zählen zu den ältesten bekannten Hinweisen auf einen vom Menschen angebauten Obstbaum. Am selben Fundort sind diese Zeugnisse älter als die dort belegte Getreidedomestikation. Die außergewöhnlich lange Kulturgeschichte erklärt mit, weshalb die heutige Verbreitung ursprüngliche und durch Menschen beeinflusste Vorkommen eng miteinander verbindet. 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Eine winzige Wespe, Blastophaga psenes, ermöglicht die Kaprifikation. Sie dringt in das geschlossene Syconium ein, legt dort Eier und bestäubt die innenliegenden Blüten. Diese enge wechselseitige Beziehung betrifft besonders die im südlichen Erwerbsanbau genutzten Typen Smyrna und San Pedro. Zur Bestäubung werden Zweige der Bocksfeige in die Obstanlagen gehängt. 7
Viele Gartensorten, darunter Madeleine des deux saisons und Sultane, sind dagegen parthenokarp. Sie setzen Früchte ohne Bestäubung an, sodass ein einzelner Baum tragen kann. Zweimal tragende Sorten liefern zunächst im Sommer größere Blütenfeigen am vorjährigen Holz. Danach folgen von Ende August bis Oktober Herbstfeigen am diesjährigen Holz. Ob beide Ernten ausreifen, hängt auch von der Länge der warmen Jahreszeit ab. 7 3
Im Anbau werden Feigen überwiegend durch Stecklinge vermehrt. Ein 20 bis 30 cm langes Stück ausgereiften Holzes kann innerhalb einiger Wochen im Topf oder im Boden Wurzeln bilden. Bei größeren vorhandenen Pflanzen kommt auch Abmoosen infrage. Beide Verfahren erhalten die Eigenschaften der ausgewählten Sorte, während bei Aussaat auf die Entwicklung eines neuen Sämlings gewartet werden müsste. 2 4
Verwendung und Risiken
Reife Feigen werden frisch oder getrocknet als Obst gegessen. Ihr Fruchtfleisch ist für Menschen essbar. Der Baum zählt zu den ältesten kultivierten Obstarten und liefert auch Vögeln und Insekten gegen Ende des Sommers Nahrung. Bereits ein einzeln stehendes Exemplar kann daher sowohl für die Ernte als auch als Nahrungsquelle im Garten Bedeutung haben. 8 3
Das Risiko geht vom Milchsaft aus. Er enthält Furanocumarine, darunter das lichtsensibilisierende Psoralen. Nach Hautkontakt und anschließender Sonnenbestrahlung kann eine Phytophotodermatitis entstehen: Rötungen, Verbrennungen und Blasen treten mitunter erst Stunden später auf. Betroffen sein können Menschen ebenso wie Katzen, Hunde und Pferde. Beim Schnitt sind Handschuhe sinnvoll; mit Milchsaft benetzte Haut sollte gewaschen werden. Die Essbarkeit reifer Früchte ist von dieser Wirkung des Pflanzensafts zu unterscheiden. 3 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Durch Stecklinge erhaltene Obstsorten unterscheiden sich etwa in Erntefolge und Klimaverträglichkeit. Madeleine des deux saisons und Sultane sind in Frankreich verbreitete, zweimal tragende Sorten. Brown Turkey gilt im englischsprachigen Raum als bewährte Wahl für Kübel und kühlere Bedingungen. Vor dem Kauf sollten die angegebene Winterhärte und die Frage nach einer oder zwei Ernten geprüft werden, damit die Sorte zum Standort passt. 2
Besonders wichtig ist die Abgrenzung zur Bocksfeige, Ficus carica var. caprificus. Ihre Feigen sind nicht essbar; sie dient als Wirt der bestäubenden Wespe. Sie sollte deshalb nicht anstelle einer Obstsortenfeige gepflanzt werden. Auch andere winterverträgliche Zierficus können Milchsaft und gelapptes Laub besitzen, ohne essbare Feigen zu liefern.
- Ficus carica var. caprificus ist die Bocksfeige mit ungenießbaren Früchten;
- Ficus palmata ist eine nahe verwandte Art, die gelegentlich als Unterlage oder Pollenquelle dient;
- Zierficus teilen Milchsaft und gelapptes Laub, was bei jungen, noch nicht fruchtenden Pflanzen Verwechslungen begünstigt.
Der buschige Wuchs, der Milchsaft und die birnenförmige Feige, die von Grün zu Braun oder Violett reift, bilden zusammen die zuverlässigsten Hinweise auf Ficus carica. Kein einzelnes Merkmal ersetzt den Blick auf diese Kombination, besonders wenn ein junger Baum noch keine reifen Früchte entwickelt hat. 3 5
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Ficus carica L.
- Royal Horticultural Society, Ficus carica (F), Feige
- North Carolina State Extension, Ficus carica
- Plants For A Future, Ficus carica
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Ficus carica
- ScienceDaily, zu Kislev, Hartmann & Bar-Yosef 2006, frühe domestizierte Feigen im Jordantal
- International Society for Horticultural Science, Kaprifikation und ihr Einfluss auf den Ertrag
- Encyclopaedia Britannica, Feigenpflanze und Feigenfrucht
Häufig gestellte Fragen
Ist die Echte Feige giftig?
Reife Feigen sind essbar. Der Milchsaft enthält jedoch lichtsensibilisierende Furanocumarine. Hautkontakt mit anschließender Sonnenbestrahlung kann bei Menschen und Haustieren Phytophotodermatitis mit Verbrennungen und Blasen auslösen.
Braucht ein Feigenbaum einen Bestäuber?
Parthenokarpe Gartensorten wie Madeleine des deux saisons oder Sultane setzen ohne Bestäubung Früchte an. Die Bestäubung durch Blastophaga psenes ist nur bei bestimmten Anbautypen erforderlich, insbesondere im südlichen Erwerbsanbau.
Warum reifen keine Herbstfeigen?
Spätfrost kann junge Knospen für die Herbsternte schädigen; möglicherweise ist die Sorte auch nicht zweimal tragend. Ein zu kühles Klima oder eine kurze Wachstumszeit verhindern ebenfalls die Reife vor der ersten Kälte.
Welchen Boden und Standort braucht die Echte Feige?
Sie bevorzugt volle Sonne und verträgt arme, trockene und kalkhaltige Böden, wenn sie gut durchlässig sind. Staunässe schadet ihr stärker als Trockenheit, die eingewachsene Pflanzen gut vertragen.
Wann werden Feigen geerntet?
Zweimal tragende Sorten liefern im Sommer eine erste Ernte am vorjährigen Holz, danach Herbstfeigen am neuen Holz von Ende August bis Oktober. Reife Feigen neigen sich am Stiel und lassen sich leicht ablösen.
Welche Pflanzen ähneln der Echten Feige?
Besonders leicht wird sie mit der Bocksfeige, Ficus carica var. caprificus, verwechselt. Diese trägt keine essbaren Feigen und beherbergt die bestäubende Wespe. Andere winterverträgliche Zierficus besitzen ebenfalls Milchsaft und gelappte Blätter.
Woher stammt die Echte Feige?
Ihr natürliches Areal reicht von der Türkei bis Nordindien und Pakistan. Im Mittelmeerraum wird sie seit Jahrtausenden angebaut und ist dort weithin eingebürgert. Verkohlte Feigenfunde sind mehr als 11.000 Jahre alt.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




