Waldmeister (Galium odoratum, (L.) Scop. 1771)

Waldmeister (Galium odoratum) ist eine ausdauernde krautige Rhizompflanze aus der Familie der Rubiaceae, deren natürliches Areal das gemäßigte Eurasien und Algerien umfasst. In frischen, schattigen Wäldern bildet er dichte Teppiche. Kennzeichnend sind die Blattquirle und der Heuduft, der erst beim Trocknen entsteht.

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Wissenschaftlicher NameGalium odoratum
GattungGalium
OrdnungGentianales

Waldmeister, Wohlriechendes Labkraut, Echter Waldmeister, Maikraut, Maienkraut und Sweet woodruff

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, darunter Kinder · Ungiftig : Katzen, Hunde und Tiere · Unbekannt : Pferde
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Kräuterlebhaft · Blühende Staude
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
FrankreichVereinigtes KönigreichDeutschlandSchwedenRusslandAlgerien
Lebensraum
Frische, schattige Buchen- und Eichenwälder auf humosen, kalkhaltigen bis neutralen Böden
Jahresverlauf
Blütezeit
Frühling
Erntezeit
Frühling
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
7/10
Reifezeit
Unter günstigen Bedingungen in 1 bis 2 Vegetationsperioden dichter Teppich
Vermehrung
Teilung, Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut im geschützten Wald; Laub wird bei heißem, trockenem Wind matt
Luftfeuchtigkeit
55–85 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Feuchter Boden, Reicher Boden, Kalkhaltiger Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

An einen Platz mit indirektem Licht oder in einen schattigen Raum stellen.

Schatten bis Halbschatten; verkümmert in voller Sonne
Außenbereich
Pflanzung im Schatten, Gartenbeet, Offener Boden
Pflanzgefäße
Großes Becken
Erscheinungsbild
Höhe15–45 cmBreite30–60 cm
Blätter
Grün
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
WeißGröße0.4–0.7 cm
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Waldmeister (Galium odoratum): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

POWO nennt als natürliches Areal von Galium odoratum das gemäßigte Eurasien von Europa bis Sibirien sowie Vorkommen bis Algerien. In Großbritannien gilt er beim BSBI als Zeiger alter Waldstandorte, besonders in Buchenwäldern. Nach Nordamerika eingeführt, ist er dort stellenweise eingebürgert, vor allem im Nordosten, ohne rechtliche Einstufung als invasive Art.

  • Heimisch6
  • Eingeführt1
  • Frankreich (europäischer Teil)
  • Großbritannien
  • Deutschland
  • Schweden
  • Westrussland
  • Algerien
  • Nordamerika (Nordosten)

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Waldmeister (Galium odoratum (L.) Scop., 1771) ist eine ausdauernde krautige Rhizompflanze aus der Familie der Rubiaceae und wird 15 bis 45 cm hoch. POWO und GBIF führen ihn als akzeptierte Art der Gattung Galium. Linné veröffentlichte das Basionym Asperula odorata 1753; Giovanni Antonio Scopoli kombinierte es 1771 neu. 1 2

Ein charakteristischer Duft nach frisch geschnittenem Heu entwickelt sich erst beim Trocknen des Laubs, nicht an der frischen Pflanze. Das aromatische Cumarin wird erst frei, wenn die Blattzellen aufgebrochen und entwässert sind. Eine gerade gepflückte Pflanze kann deshalb noch geruchlos sein. Auch der englische Name sweet woodruff verweist auf den Duft. 4 9

Erkennung

Aufrechte vierkantige Stängel bilden einen dichten Teppich. Die lanzettlichen Blätter stehen in Quirlen zu sechs bis neun. Diese auffällige Anordnung hilft, Waldmeister auch außerhalb seiner Blütezeit zu erkennen. 4 3

Lockere Trugdolden an den Stängelspitzen tragen Blüten von nur 0,4 bis 0,7 cm Durchmesser. Jede besteht aus vier weißen, am Grund verwachsenen Kronblättern. Die kleinen Sterne öffnen sich je nach örtlichem Klima von April bis Juni. 3 6

Frische Blätter riechen fast überhaupt nicht. Erst getrocknet oder nach dem Zerreiben angewelkt entfalten sie ihren Heuduft. Wer beim Reiben frisch gepflückter Blätter sofort einen intensiven Geruch erwartet, kann die zeitverzögerte Duftentwicklung leicht übersehen. 4

Nützliche Taxonomie

Als historischer Name begegnet Asperula odorata L. weiterhin in gärtnerischer Literatur und in der Pflanzenheilkunde. Linné veröffentlichte dieses Basionym 1753, lange vor Scopolis Überführung in die Gattung Galium im Jahr 1771. Tela Botanica verzeichnet es im französischen nomenklatorischen Register neben dem akzeptierten Namen Galium odoratum. 1 2 8

Ältere Floren enthalten außerdem homotypische oder illegitime Synonyme:

  • Chlorostemma odoratum (L.) Fourr., homotypisches Synonym;
  • Asperula odora Salisb., illegitimer Name;
  • Galium matrisylva F.H.Wigg., illegitimer Name;
  • Asterophyllum asperula K.F.Schimp. & Spenn., historisches Synonym.

Für die eindeutige Zuordnung bleibt Galium odoratum der akzeptierte Name innerhalb der Rubiaceae in der Ordnung der Gentianales. 1

Lebensraum und Verbreitung

Nach POWO liegt das natürliche Areal im gemäßigten Eurasien, von Europa bis Sibirien; Vorkommen werden bis nach Algerien angegeben. 1

Großbritanniens BSBI führt Waldmeister als Zeiger alter Waldstandorte, vor allem in Buchenwäldern auf neutralen Kalkböden bis sauren Braunerden. Dichte Bestände deuten dort häufig auf Flächen hin, die seit Jahrhunderten ununterbrochen bewaldet sind. 7

Ausgeprägter Schatten ist für das Gedeihen wesentlich. In voller Sonne verkümmert Waldmeister rasch, während viele andere Gartenbodendecker direkteres Licht vertragen. Nach Nordamerika eingeführt, ist er dort stellenweise eingebürgert, besonders in veränderten Waldstandorten im Nordosten, ohne rechtliche Einstufung als invasive Art. 7 4

Lebenszyklus und Vermehrung

Unter der Waldstreu wachsen vor allem kriechende Rhizome, über die sich die Pflanze vegetativ ausbreitet. Bei günstigem Boden kann so in ein bis zwei Vegetationsperioden ein geschlossener Teppich entstehen. 5 4

Kleine Fliegen und einzeln lebende Bienen übernehmen die wenig spezialisierte Bestäubung. Sie erreichen den Nektar der sternförmigen Blüten gut. Die anschließende trockene Achäne trägt Hakenhaare, haftet an Tierfell und ermöglicht damit einen Samentransport weit über die Mutterpflanze hinaus. 3

Durch Teilung eines Waldmeisterhorstes im Frühjahr entsteht im Garten rasch ein etablierter Bestand. Auch Direktsaat ist möglich. Bis zur Keimung vergehen jedoch drei bis sechs Wochen, während ein Rhizomstück fast unmittelbar weiterwachsen kann. 5

Nutzen und Risiken

Maiwein erhält sein Aroma vom Heuduft angewelkter Waldmeistertriebe. Dafür werden junge, vor der Blüte geerntete Triebe kurz angewelkt und in Weißwein eingelegt. Diese Zubereitung ist ein charakteristischer kulinarischer Gebrauch der Pflanze. 9 5

Bei hohen Dosen gibt das duftverantwortliche Cumarin Anlass zur Vorsicht. Deutschland untersagte seine Verwendung in industriellen Süßwaren bereits 1974 nach Untersuchungen mit toxischen Wirkungen an Ratten und Mäusen. Entsprechende Belege beim Menschen lagen für übliche Küchenmengen nicht vor. 9 5

Zu feuchte Trocknung kann zur Bildung des gerinnungshemmenden Dicumarols aus Cumarin führen. PFAF rät von übermäßigen Mengen ab, insbesondere während der Schwangerschaft oder bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente. Für Katzen und Hunde ist bei üblicher Nutzung keine Giftigkeit dokumentiert. 5

Getrocknetes Laub dient außerdem als Mottenschutz zwischen Wäschestücken. Dieser alte Gebrauch reicht in Mitteleuropa zeitlich weiter zurück als die kulinarische Verwendung. 9

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Anerkannte gärtnerische Sorten werden für Waldmeister nicht geführt. Im Handel zirkuliert die Wildform, gelegentlich noch unter der Bezeichnung Asperula odorata. Darin unterscheidet er sich von zahlreichen anderen in Gartencentern angebotenen Pflanzen. 1

Besonders häufig sind Verwechslungen mit folgenden Arten:

  • Kletten-Labkraut (Galium aparine), eine einjährige, haftende Pflanze mit Hakenhaaren am gesamten Stängel und ohne Heuduft;
  • Echtes Salomonssiegel (Polygonatum odoratum), das denselben Artnamenszusatz und den frischen Waldstandort teilt, aber zu den Asparagaceae gehört und hängende Glocken statt Sterne trägt;
  • Maiglöckchen (Convallaria majalis), ebenfalls mit weißen Blüten im Wald, deren duftende Glocken jedoch keine vierzähligen Sterne sind.

Die quirlige Blattstellung zusammen mit dem erst beim Trocknen entstehenden Heuduft unterscheidet Waldmeister von Galium aparine, Polygonatum odoratum und Convallaria majalis. Keine dieser drei Arten vereint beide Merkmale.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Duftet Waldmeister schon bei Berührung im Garten?

Nein, oder nur sehr wenig. Frisches Laub ist fast geruchlos. Erst beim Trocknen oder Welken entsteht der typische Duft nach geschnittenem Heu, weil beim Wasserverlust der Zellen Cumarin freigesetzt wird.

Ist Waldmeister für Katzen und Hunde giftig?

Bei üblicher Nutzung ist keine Giftigkeit dokumentiert. Das enthaltene Cumarin kann in sehr hohen Dosen Schwindel auslösen. Für Haustiere ist bei normalen Mengen jedoch kein besonderes Risiko belegt.

Lässt sich aus Waldmeister im Garten Maiwein machen?

Ja. Junge Triebe werden vor der Blüte geerntet, einige Stunden angewelkt und anschließend kurz in Weißwein ziehen gelassen. Zu lange Ziehzeiten oder übermäßige Mengen erhöhen die Cumarinkonzentration unnötig.

Breitet sich Waldmeister im Garten stark aus?

Auf frischem, schattigem Boden wachsen seine Rhizome kräftig und können ein ganzes Beet besiedeln. Eine feste Begrenzung oder regelmäßiges Teilen hält ihn ohne den Einsatz chemischer Mittel im Rahmen.

Wie unterscheidet sich Waldmeister von Maiglöckchen und Echtem Salomonssiegel?

Maiglöckchen (Convallaria majalis) tragen duftende Glocken und keine vierzähligen Blütensterne. Polygonatum odoratum teilt das Epitheton odoratum und den frischen Waldstandort, gehört aber zu den Asparagaceae und blüht mit hängenden Glocken.

Warum gilt Waldmeister als Zeiger alter Waldstandorte?

Für Großbritannien weist der BSBI darauf hin, dass dichte Bestände von Galium odoratum, besonders im Buchenwald auf Kalkboden, oft auf seit Jahrhunderten durchgehend bewaldete Flächen hindeuten. Die Art breitet sich nur langsam über größere Entfernungen aus.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.