Johanniskräuter (Hypericum, Tourn. ex L.)

Johanniskräuter (Hypericum) bilden eine Gattung der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) mit nahezu weltweiter Verbreitung. Sie umfasst Bodendecker, Sträucher und krautige Pflanzen mit gelben Blüten; Zierarten wie Hypericum calycinum sind von medizinisch verwendeten oder giftigen Arten zu unterscheiden.

Weiterlesen
Wissenschaftlicher NameHypericum
GattungHypericum
OrdnungMalpighiales

Johanniskräuter, Hartheu und St John’s wort

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, darunter Kinder, Katzen, Hunde und Pferde
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Strauch · Bodendecker · Staude · Pflanze für draußen · Zierpflanze · Pflanze für Bestäuber
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Lebensraum
Waldränder, Böschungen, Wiesen, Felsfluren, lichte Wälder und Gärten, je nach Art
Jahresverlauf
Blütezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Vermehrung
Steckling, Aussaat, Teilung
Klima & Wasser
Winterhärte
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Bodenarten
Entwässerter Boden, Gewöhnlicher Boden, Armer Boden
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Außenbereich
Gartenbeet, Heckenrand, Böschung, Feldhecke
Erscheinungsbild
Höhe20–180 cmBreite40–200 cm
Blätter
Grün
Blüten
Gelb
Früchte
RotSchwarz

Identität

Johanniskräuter (Hypericum Tourn. ex L.) sind eine Gattung innerhalb der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). Der Name bezeichnet eine vielfältige Pflanzengruppe, zu der gelb blühende Gartenpflanzen ebenso gehören wie wild wachsende Stauden. Die gemeinsame Blütenfarbe allein erlaubt deshalb noch keine Bestimmung der Art. 1 2 8

POWO beschreibt für diese Gattung ein sehr weites, nahezu kosmopolitisches Verbreitungsgebiet. Entsprechend kann derselbe Sammelname einen flachen Bodendecker für Böschungen, einen fruchttragenden Strauch, eine Wildstaude oder eine medizinisch verwendete Pflanze bezeichnen. Ansprüche und Risiken unterscheiden sich zwischen diesen Formen erheblich. 1 4

Als gelbe Gartenblumen fallen Johanniskräuter durch fünf Kronblätter und häufig besonders auffällige Staubblätter auf. Sie finden Verwendung in Gehölzbeeten, lockeren Hecken und als Bodendecker. Für die Gestaltung nach Blütenfarben verbindet diese Merkmalsgruppe unterschiedliche Wuchsformen, ohne eine einzige Art festzulegen. 8 4

Nicht jedes Hypericum ist H. perforatum. Ebenso wenig lässt sich für sämtliche Johanniskräuter bedenkenlose Nutzung voraussetzen. Gerade die große Vielfalt der Gattung verlangt, zwischen ornamentaler Verwendung, medizinischer Nutzung und möglichen Risiken für Tiere zu unterscheiden. 1 5

Erkennung

Häufig erkennt man Johanniskräuter an sternförmigen gelben Blüten mit fünf Kronblättern. Zahlreiche Staubblätter stehen wie ein kleiner Büschel im Zentrum. Bei vielen Arten liefern gegenständige Blätter sowie durchscheinende oder dunkle Drüsen zusätzliche Bestimmungsmerkmale, die neben der auffälligen Blüte beachtet werden sollten. 4 8

Ein anschauliches Beispiel ist Hypericum calycinum, ein Bodendecker mit großen Blüten. Er erzeugt eine deutlich sichtbare gelbe Fläche und schließt den Boden rasch. Seine Wuchsform eignet sich für Gartenpflanzungen anders als die einer wild wachsenden oder medizinisch genutzten Staude. 8 4

Verwechslungen entstehen, wenn der Sammelname den Blick auf die Pflanze ersetzt. Ein Strauch mit beerenartigen Früchten, ein immergrüner Bodendecker und Hypericum perforatum unterscheiden sich in Wuchs, Nutzung und Grenzen ihrer Verwendung. Blattform, Größe, Wuchsweise und Standort müssen gemeinsam beurteilt werden. 1 5

Bei der Fotobestimmung hilft die Blütenmitte, reicht aber allein nicht aus. Aussagekräftig sind zusätzlich Nahaufnahmen der Blätter, des Stängels und gegebenenfalls der Früchte. Auch Höhe und Umgebung gehören dazu: trockener Garten, Böschung, Wiese, Brache oder bepflanzter Beetrand. 8 4

Nützliche Taxonomie

Auf Gattungsebene lautet der akzeptierte wissenschaftliche Name Hypericum. Die taxonomischen Verzeichnisse von POWO, World Flora Online und dem International Plant Names Index ordnen ihn den Hypericaceae zu. Ihre Gattungseinträge bilden den botanischen Rahmen für die unterschiedlichen Arten. 1 2 3

Gärtnerisch umfasst der Name eine Gruppe verschiedener Pflanzen. H. calycinum steht dabei beispielhaft für bodendeckende Formen, während andere Arten strauchig wachsen. Eine Beschreibung der ganzen Gattung kann daher keine einheitliche Wuchshöhe oder einzige Verwendungsweise festlegen. 8 1

Bei Pflanzenheilkunde, Arzneimittelwechselwirkungen, Viehvergiftungen oder der Ausbreitung in Weideland bestimmter Länder muss dagegen ausdrücklich Hypericum perforatum genannt werden. Solche Eigenschaften einer einzelnen Art dürfen nicht pauschal auf alle Johanniskräuter übertragen werden. 5

Für die erste Zuordnung genügt der Name Johanniskräuter; für Entscheidungen über Kultur, Risiken, medizinische Verwendung oder ökologischen Status ist der Artname erforderlich. Diese Trennung hilft, die gelbe Gartenpflanze richtig einzuordnen und aus einem Sammelnamen keine falschen Schlüsse abzuleiten. 1 8

Artenlisten zeigen die Vielfalt der Gattung, während Gartenratgeber überwiegend häufige Zierformen behandeln. Zuerst die Art bestimmen, dann die Verwendung beurteilen: Diese Reihenfolge verhindert, dass Angaben zu einer Gartenform unbemerkt für die gesamte Pflanzengruppe gelten. 6 7

Kultur

Gartenformen bevorzugen meist Sonne oder hellen Halbschatten und durchlässigen Boden. Viele kommen mit gewöhnlichen, teils nährstoffarmen Böden aus. Dadurch eignen sie sich für Böschungen, einfache Beete und Bereiche, in denen anspruchsvollere Stauden weniger gut gedeihen. 8 4

Dauerhafte Nässe ist ein wesentliches Problem. Schwerer, kalter und wassergesättigter Boden belastet die Wurzeln und beeinträchtigt das Erscheinungsbild. Auf durchlässigen Böschungen oder an gut entwässerten Rändern breiten sich manche Bodendecker dagegen so wirksam aus, dass sie eingegrenzt werden müssen. 8

Für die Auswahl sind zwei Fragen entscheidend: Wird eine niedrige Fläche oder ein Strauch gewünscht, und bleibt der Boden auch im Winter zuverlässig durchlässig? Ist die Entwässerung unzureichend, eignet sich eine andere gelb blühende Pflanze eher als ein Johanniskraut im schweren Boden. 7

Der Schnitt richtet sich nach der Wuchsform. Strauchige Arten lassen sich gegen Winterende verjüngen oder in ihrer Form ausgleichen. Bodendecker können kräftiger zurückgenommen werden, wenn der Bestand unübersichtlich wird. Unterschiedlich verholzende Arten brauchen dabei jeweils einen passenden Umgang. 4

In gelben Pflanzungen passen Johanniskräuter zu Schafgarben, Mädchenaugen, Lavendel, Sonnenhüten oder niedrigen Gräsern. Sie bilden eine stärker strukturierende Grundlage als viele einjährige Blumen und lassen sich ohne aufwendige Inszenierung in gemischte Beete einfügen. 8

Verwendung

Besonders nützlich sind Johanniskräuter als helle Flächenpflanzen: an Beeträndern und Böschungen, in niedrigen Hecken, Gehölzbeeten oder Übergängen zwischen Stauden und lockerer wachsenden Pflanzen. Welche dieser Aufgaben sie erfüllen, hängt von der jeweiligen Art und ihrer Wuchsform ab. 8

Neben gelben Blüten bieten die Früchte mancher Sträucher einen zusätzlichen Schmuckwert im späteren Jahresverlauf. Dadurch sind solche Formen auch für Sträuße oder Pflanzungen interessant, deren Wirkung über eine kurze Blütezeit hinausreichen soll. 4

Offene Blüten und gut zugängliche Staubblätter machen Johanniskräuter für Bestäuber interessant. Besonders in Gärten, die Zierpflanzen mit naturnahen Beständen verbinden, können sie einen Beitrag leisten. Ihre Wirkung ist weniger spektakulär als die einer großen Sonnenblume, doch sie füllen Flächen beständig. 8

Die Art muss zum verfügbaren Platz passen. Ein starkwüchsiger Bodendecker kann im kleinen Beet viel Arbeit verursachen, ein zu großer Strauch verliert im Topf rasch seinen Wert. Medizinisch verwendete Arten verlangen zudem einen fachlichen Rahmen und eignen sich nicht für pauschale Nutzungsempfehlungen. 5

Vorsicht

Das Gefährdungspotenzial ist innerhalb der Gattung unterschiedlich. Trotz einer insgesamt niedrigen Einstufung ist Vorsicht erforderlich: Besonders Hypericum perforatum ist wegen wirksamer Inhaltsstoffe, Arzneimittelwechselwirkungen und Problemen bei Weidetieren bekannt. Eine allgemeine Gattungsangabe ersetzt keine artspezifische Bewertung. 5

Im Familiengarten gilt deshalb: Pflanzenteile nicht verzehren und medizinische Auszüge nur nach fachlicher Beratung verwenden. Schnittgut gehört nicht auf Weideflächen. Vor jeder Aussage zur Verträglichkeit muss feststehen, welche Art tatsächlich vorliegt; der gemeinsame Name reicht dafür nicht aus. 5 8

Als gelb blühende Strukturpflanzen bleiben Johanniskräuter vielseitig einsetzbar. Ihre wichtigste Grenze liegt in der Verwechslung unterschiedlicher Arten unter einem Sammelnamen. Hypericum bezeichnet eine Gattung und liefert weder eine medizinische Verordnung noch eine allgemeine Zusicherung der Unbedenklichkeit. 1 4

Hauptquellen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.