Nopal (Opuntia ficus-indica, )
Opuntia ficus-indica ((L.) Mill., 1768) ist eine baumförmige Sukkulente aus der Familie der Cactaceae, die aus Wildformen Zentralmexikos domestiziert wurde. Ihre flachen, paddelförmigen Sprossglieder, die Kladodien, ersetzen die kurzlebigen Blätter und tragen Dornen und Glochiden auf kakteentypischen Areolen.
WeiterlesenNopal, Barbary fig und Indian fig opuntia
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Opuntia ficus-indica liegt in Zentralmexiko, wo genetische Analysen die nächsten wilden Verwandten verorten. Nach der Domestikation verbreitete sich die Art bereits vor Kolumbus über weite Teile Amerikas. Seit 1492 gelangte sie in den Mittelmeerraum, ins südliche Afrika und in weitere warme Weltregionen, wo sie sich vielfach einbürgerte.
- Heimisch1
- Eingeführt6
- Invasiv1
- Mexiko
- Spanien
- Italien
- Südafrika
- Namibia
- Algerien und Tunesien
- Südliche USA
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Opuntia ficus-indica (Opuntia ficus-indica (L.) Mill., 1768) ist eine baumförmige Sukkulente aus der Familie der Cactaceae. Sie wurde aus Wildformen Zentralmexikos domestiziert, wo ihre genetisch nächsten Verwandten vorkommen. 1 3
Die französische Bezeichnung „figuier de Barbarie“ verweist auf die frühere „Barbareskenküste“ im Maghreb und die französischen kolonialen Kontakte in Algerien. Der ältere Name „figuier d'Inde“ bezog sich allgemeiner auf die „Indien“ genannten Gebiete der Neuen Welt. In Mexiko heißt die Pflanze Nopal, ein Wort aus dem Nahuatl; ihre Frucht heißt dagegen Tuna. 4
Erkennung
Den 3 bis 5 m hohen Strauch oder kleinen Baum bilden aufeinander sitzende abgeflachte Sprosse, die Kladodien. Diese paddelförmigen Glieder übernehmen die Fotosynthese anstelle der winzigen, kurzlebigen Blätter. Die unteren Glieder verholzen nach dem vierten Wachstumsjahr zu einem ausgeprägten Stamm. 4 3
Ein einzelnes Sprossglied wird 30 bis 40 cm lang und trägt etwa 150 Areolen. Diese umgebildeten, für Kakteen typischen Knospen bilden je nach Lage Dornen, Glochiden, Blüten oder Wurzeln. Die weißlichen Dornen sind 1 bis 2 cm lang. Glochiden sind nur wenige Millimeter lange Borsten mit Widerhaken: Sie lösen sich leicht, verankern sich aber fest in der Haut und bleiben selbst bei sogenannten dornenlosen Sorten vorhanden. 4
Eine Kaktusfeige wiegt 150 bis 400 g und enthält etwa 300 Samen je 160 g Fruchtfleisch. Ihre Farbe reicht sortenabhängig von Gelb bis Rot. 4
Nützliche Taxonomie
POWO erkennt Opuntia ficus-indica (L.) Mill. als gültigen Namen an. Philip Miller veröffentlichte diese Kombination 1768 auf Grundlage eines älteren Namens von Linné. Die Art gehört zu den Opuntioideae innerhalb der Cactaceae. 1 2
- Platyopuntia ficus-indica (L.) F.Ritter, homotypisches Synonym auf Grundlage desselben Typus
- Opuntia ficus-indica var. amyclaea (Ten.) A.Berger, südliche Varietät
- Opuntia ficus-indica f. reticulata Backeb., Form mit ausgeprägter Netzzeichnung
Unter Opuntia maxima Mill., ebenfalls 1768 veröffentlicht, führt POWO eine eigenständige akzeptierte Art. Im Pflanzenhandel werden beide Namen dennoch häufig verwechselt. Der vollständige wissenschaftliche Name ist deshalb zuverlässiger als eine einfache Verkaufsbezeichnung. 1
Lebensraum und Verbreitung
Zentralmexiko bildet das natürliche Herkunftsgebiet. Dort wurde die Art domestiziert und bereits vor Kolumbus in weiten Teilen Amerikas verbreitet. Seit 1492 gelangte sie in den Mittelmeerraum, ins südliche Afrika und in weitere warme Weltregionen. 3 4
Auf tiefgründigem Sandboden benötigt die Kultur mindestens 200 mm Jahresniederschlag; günstig sind 200 bis 400 mm. Die Pflanze gedeiht bei mehr als 60 % Luftfeuchtigkeit und leidet bei länger anhaltenden Werten unter 40 %. Zwischen −10 und −12 °C kommt ihr Wachstum zum Stillstand, während sie Hitzespitzen über 50 °C verträgt. 3
Die Wurzeln konzentrieren sich auf die obersten 30 cm des Bodens und breiten sich zugleich weit zur Seite aus. So erschließen sie seltene Niederschläge unmittelbar und ermöglichen das Wachstum auf nährstoffarmen Sandböden, auf denen nur wenige andere Arten bestehen. 4
In Australien wurden Opuntien schon im 18. Jahrhundert als Wirtspflanzen für Cochenilleschildläuse eingeführt. Sie überwucherten fast 40 000 km² Agrarland; 1919 betrug der jährliche Zuwachs eine Million Acres. Der 1925 zur biologischen Bekämpfung eingeführte Schmetterling Cactoblastis cactorum dämmte die Bestände ein. Dieser Erfolg gilt als historisches Beispiel biologischer Schädlingsbekämpfung. 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Gelb-orange Blüten erscheinen an den Areolen mindestens einjähriger Kladodien, im oberen Bereich gut besonnter Glieder. Ein fruchtbares Glied kann bis zu etwa 30 Blüten tragen. Sie locken Bestäuber an; Vögel fressen später die Früchte und verbreiten deren Samen. 4 7
Die Früchte werden von Hand geerntet. Vor dem Schälen lassen sich kleine Dornen und Glochiden durch Reiben auf einer rauen Fläche oder im Gras entfernen. Kladodien werden mit einem Messer an einer Verbindungsstelle abgeschnitten. 3
Zur Vermehrung dienen in Kultur fast immer Kladodienstecklinge. Ihre Schnittfläche muss vor dem Einsetzen in trockenes Substrat mehrere Tage verkorken. Anschließend entstehen bei zwischenzeitlich abtrocknendem Substrat innerhalb von 2 bis 4 Wochen Wurzeln. Auch Aussaat ist möglich, führt jedoch deutlich langsamer zu einer ausgewachsenen Pflanze. 7
Nutzen und Risiken
Kaktusfeigen werden roh oder gekocht gegessen und zählen zu den Vitamin-C-reichen Früchten. Ihr Fruchtfleisch besteht zu rund 85 % aus Wasser und wird auch zu Konfitüren und Getränken verarbeitet, darunter dem mexikanischen Gärgetränk Colonche. Junge gekochte Kladodien dienen als Gemüse und heißen Nopalitos. 3
Als Viehfutter nutzt man Opuntia ficus-indica in trockenen Gebieten, besonders in Namibia und im Südwesten der USA. Sie ersetzt dort wasserbedürftigere Futterpflanzen. Im Mittelmeerraum und im Maghreb bildet sie erosionshemmende Hecken. Zudem ist sie Wirtspflanze der Cochenilleschildlaus, deren roter Farbstoff schon vor Kolumbus gewonnen wurde. 3
Für Katzen, Hunde und Pferde stuft die ASPCA die Gattung Opuntia als ungiftig ein; systemisch giftige Inhaltsstoffe sind nicht dokumentiert. Die tatsächliche Gefahr sind Verletzungen durch Dornen und vor allem Glochiden. Diese dringen in die Haut ein und lassen sich nur schwer entfernen, ohne abzubrechen. 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Im mediterranen Anbau dominieren drei Sorten: Sulfarina mit gelben Früchten und nahezu dornenlosen Kladodien, Muscaredda mit weißen Früchten sowie Sanguigna mit roten Früchten und dornigen Kladodien. 3
Häufige Verwechslungspartner sind:
- Opuntia stricta, ebenfalls mit flachen Kladodien, in Australien weit eingebürgert und invasiv;
- Opuntia maxima, eine eigenständige Art, die im Gartenbau häufig mit O. ficus-indica verwechselt wird;
- weitere Opuntien mit ähnlichen Sprossgliedern, die sich vor allem durch deren Größe und die Fruchtfarbe unterscheiden.
Der in Australien zur biologischen Bekämpfung erfolgreiche Schmetterling Cactoblastis cactorum gilt heute als Bedrohung für Nopalkulturen in Mexiko und der Karibik. Seine Raupen unterscheiden nicht zwischen wilden und kultivierten Opuntien und schädigen Futter-, Farbstoff- und Fruchtbestände gleichermaßen. 9
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Opuntia ficus-indica (L.) Mill.
- International Plant Names Index, Opuntia ficus-indica (L.) Mill.
- Wikipedia EN, Opuntia ficus-indica
- Wikipédia FR, Figuier de Barbarie
- ASPCA, Tree Cactus (Opuntia species) toxicity entry
- NC State Extension, Opuntia - Prickly Pear Cactus
- Plants For A Future, Opuntia ficus-indica
- Wikipedia EN, Prickly pears in Australia
- Wikipedia EN, Cactoblastis cactorum
Häufig gestellte Fragen
Ist Opuntia ficus-indica für Tiere giftig?
Nein. Die ASPCA stuft die Gattung Opuntia für Katzen, Hunde und Pferde als ungiftig ein. Die eigentliche Gefahr sind Verletzungen durch Dornen und vor allem Glochiden, die leicht in der Haut stecken bleiben.
Warum blüht meine Opuntia ficus-indica nicht?
Blüten entstehen an den Areolen mindestens einjähriger Kladodien in voller Sonne. Meist fehlen Blüten wegen Lichtmangels oder weil die Pflanze noch zu jung ist.
Kann man die ganze Pflanze essen?
Reife Früchte und junge Kladodien, die Nopalitos, sind nach dem Entfernen von Dornen und Glochiden essbar. Ältere verholzte Teile werden nicht gegessen.
Ist Opuntia ficus-indica invasiv?
In Australien breitete sie sich Anfang des 20. Jahrhunderts stark aus, bevor ein 1925 eingeführter Schmetterling sie eindämmte. In Nordafrika gilt sie weiterhin als invasiv; im milden Mittelmeerklima bürgert sie sich örtlich ein.
Wie lässt sich Opuntia ficus-indica vermehren?
Vor allem durch Kladodienstecklinge, eine schnelle und zuverlässige Kulturmethode. Aussaat ist ebenfalls möglich, führt aber langsamer und weniger vorhersehbar zum Ergebnis.
Was unterscheidet Nopal und Kaktusfeige?
Nopal bezeichnet besonders in Mexiko die Pflanze und ihre essbaren Kladodien. Kaktusfeige bezeichnet die Frucht, die trotz des Namens botanisch nicht mit der echten Feige verwandt ist.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





