Sommer-Linde (Tilia platyphyllos, )
Sommer-Linde (Tilia platyphyllos Scop., 1771) ist ein großer sommergrüner Baum der Familie Malvaceae, der in weiten Teilen des gemäßigten Europas heimisch ist, häufig auf Kalkboden. Von Tilia cordata unterscheidet sie sich durch größere, unterseits gleichmäßig flaumige Blätter, eine frühere Blüte und dickschalige Früchte mit fünf stark hervortretenden Rippen.
WeiterlesenSommer-Linde, Großblättrige Linde, Sommerlinde, Large-leaved lime und Broad-leaved lime
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Weltweite Verbreitung
POWO/WCVP verortet das natürliche Areal von Tilia platyphyllos in Europa bis zum nördlichen Iran und erkennt fünf vor allem durch die Blattbehaarung unterschiedene Unterarten an. Die Art ist im Südwesten Großbritanniens heimisch, fehlt aber natürlicherweise in Schottland und Irland, wo sie lediglich eingebürgert ist. In Frankreich besiedelt sie vor allem die östliche Landeshälfte, die Pyrenäen und Korsika; im mediterranen Süden fehlt sie.
- Heimisch5
- Eingeführt2
- Europäisches Frankreich einschließlich Korsika
- Vereinigtes Königreich
- Mitteleuropa
- Balkan und Türkei
- Nördlicher Iran
- Schottland
- Irland
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Sommer-Linde (Tilia platyphyllos Scop.) wurde 1771 vom italienischen Botaniker Giovanni Antonio Scopoli aus Krain, im heutigen Slowenien, beschrieben. Die auch Großblättrige Linde genannte Art wird in der Gattung Tilia innerhalb der Familie Malvaceae anerkannt. 1 6
Für die schnelle Unterscheidung im Garten hilft ein Vergleich: Diese Linde hat größere Blätter und stärker gerippte Früchte als ihre Verwandte Tilia cordata, die Winter-Linde. Das Artepitheton platyphyllos verbindet die griechischen Wörter platys (breit) und phyllon (Blatt) und verweist direkt auf diesen Größenunterschied. Der deutsche Name Sommerlinde steht der später in der Saison blühenden Winterlinde gegenüber. 2 5
Erkennung
Als großer sommergrüner Baum mit schmal gewölbter Krone erreicht Tilia platyphyllos im Einzelstand häufig 20 bis 25 m. Für besonders große Bäume werden bis 40 m genannt, während Tilia cordata gewöhnlich 20 bis 30 m erreicht. Die jungen Zweige der Sommer-Linde sind rötlich und leicht flaumig behaart, später verkahlen sie. Aus der glatten grauen Rinde junger Bäume entsteht eine dunkelbraune Borke mit einem Netz sich kreuzender Furchen und Leisten. 6 2
Die schief herzförmigen Blätter messen 6 bis 9 cm, ausnahmsweise bis 15 cm. Der weißliche Flaum auf der gesamten Blattunterseite bleibt das zuverlässigste Erkennungsmerkmal. Tilia cordata trägt dagegen nur rostrote bis rotbraune Haarbüschel in den Nervenachseln. 8 6
Hängende Zymen aus 2 bis 5 blassgelben, stark duftenden Blüten werden bei Tilia platyphyllos von einem länglichen hellgrünen Hochblatt getragen. Die Blüte beginnt ein bis zwei Wochen vor der von Tilia cordata. Ihr reichlicherer Nektar lockt auch einige Schmetterlinge wie den Ulmen-Zipfelfalter an. Die anschließende runde Frucht besitzt eine dicke, holzige Schale mit fünf stark hervortretenden Rippen. Bei Tilia cordata ist sie dagegen dünnschalig und ohne deutliche Rippen. Dieses Merkmal lässt sich lange nach der Blüte noch erkennen. 6 2
Taxonomie und Namen
Unter dem akzeptierten Namen Tilia platyphyllos Scop. erkennt POWO/WCVP fünf vor allem durch die Blattbehaarung unterschiedene Unterarten an: die typische Form platyphyllos, die weiter nördlich verbreitete subsp. cordifolia, subsp. corinthiaca vom Balkan und aus der Türkei, die beidseits kahle subsp. pseudorubra sowie die in der Slowakei endemische subsp. sitnensis. 1
Ältere Werke und Gartenkataloge nennen dieselbe Art Tilia grandifolia oder Tilia officinarum. Der akzeptierte Name Tilia platyphyllos bleibt davon unberührt. Die heutige Familienzuordnung lautet Malvaceae; im Gartenbau wurde lange die frühere Familie Tiliaceae verwendet. 4 6
Linden bilden untereinander leicht Hybriden. Aus Tilia platyphyllos und Tilia cordata entsteht Tilia × europaea, die in städtischen Baumreihen wesentlich häufiger gepflanzt wird als die reinen Elternarten. Reichlicher Blattlaushonigtau und zahlreiche Ausschläge am Stammgrund verraten die Hybride. Deshalb sind viele Straßenlinden im engeren Sinn weder Tilia platyphyllos noch Tilia cordata. 6 2
Lebensraum und Verbreitung
Im gemäßigten Europa bis zum nördlichen Iran liegt nach POWO/WCVP das natürliche Areal von Tilia platyphyllos. Auf kalkbürtigen Böden Südwest-Großbritanniens ist die Art heimisch. In Schottland und Irland fehlt sie natürlicherweise und kommt nur eingebürgert vor. 1
Innerhalb Frankreichs besiedelt Tilia platyphyllos vor allem die östliche Landeshälfte, die Pyrenäen und Korsika. In kalkreichen Bergwäldern und Schluchten steigt sie bis 1.800 m auf. Im mediterranen Süden fehlt sie natürlicherweise und findet sich nur gepflanzt. Kalkboden bestimmt diese Verbreitung: Auf saurem Gestein weicht die Art anderen Laubbäumen und siedelt sich nicht von selbst an. Wild wachsende Bestände sind eher selten, Pflanzungen in Hecken und Alleen dagegen sehr häufig. 8 5
Jenseits ihres natürlichen Areals wird Tilia platyphyllos im gemäßigten Klima in großem Umfang als Park- und Alleebaum gepflanzt, auch in Nordamerika, wo die Art nicht von selbst wächst. Das Nebeneinander wilder Vorkommen auf Kalk und gärtnerischer Stadtpflanzungen trägt zu Verwechslungen mit Tilia cordata und der Hybride Tilia × europaea bei. Letztere verträgt verdichtete Stadtböden besser. 6 2
Geschichte und Kultur
Für ein festes Seil ritzten Menschen bereits im Neolithikum die Rinde einer jungen Linde am Stammfuß ein, zogen sie ab und ließen sie etwa einen Monat lang im Wasser rösten. Das Einweichen löste widerstandsfähige Fasern, die anschließend zu einem Seil gedreht wurden. Diese Seilherstellung ist wesentlich älter als die Verwendung des Baums als Ziergehölz in Europa. 8
In Gallien markierte eine Linde traditionell die Dorfmitte. Bei germanischen Völkern wurde sie oft stärker verehrt als die Eiche. Die Recht sprechende Versammlung tagte unter einer Gerichtslinde; derselbe Baum diente häufig als Versammlungs- und Tanzplatz. Mehr als 850 westdeutsche Ortsnamen erinnern heute an diese Nutzung zur Rechtsprechung. 8
Nutzen und Risiken
Für Frankreich ist Blütentee aus getrockneten Blüten von Tilia platyphyllos früher dokumentiert als andere Nutzungen, noch vor Honig und Frühjahrssaft. Ein leichter Aufguss hat eine anerkannte beruhigende Wirkung; ein zu starker oder zu lange gezogener Aufguss kann nach den herangezogenen phytotherapeutischen Quellen dagegen Schlaflosigkeit auslösen. Auch der Honig der früh und sehr nektarreich blühenden Linde ist bei Imkern gefragt. 8 4
Junge Lindenblätter werden wegen ihrer leicht schleimigen Textur roh im Salat gegessen. Im Frühjahr geernteter Saft lässt sich frisch trinken oder zu Sirup einkochen. Für Menschen, Katzen oder Hunde wird keine bekannte Giftigkeit angegeben. Darin unterscheidet sich diese Linde von zahlreichen Zierbäumen mit giftigen Pflanzenteilen. 4 8
Helles, weiches Lindenholz lässt sich leicht bearbeiten und wird deshalb zum Schnitzen geschätzt. Bleibt es der Witterung ausgesetzt, verrottet es jedoch schnell und bricht mit der Zeit. Diese geringe Dauerhaftigkeit im Freien erklärt, weshalb es traditionell vor allem für Gegenstände im Innenraum und weniger für Bauholz verwendet wurde. 8
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Gärtnerische Quellen nennen mehrere Sorten von Tilia platyphyllos. 'Rubra' fällt durch leuchtend rote junge Winterzweige auf und wurde mit dem Award of Garden Merit der RHS ausgezeichnet. Baumschulen erziehen sie oft als Kopfbaum, um das farbige Holz zu zeigen. 'Aurea' bietet goldfarben getöntes Laub, 'Laciniata' tief eingeschnittene Blattspreiten und 'Örebro' einen schmal säulenförmigen Wuchs für Baumreihen bei begrenztem Platz. 3 6
Die häufigste Verwechslung betrifft Tilia cordata, die Winter-Linde. Sie hat kleinere Blätter, rostrote Haarbüschel nur in den Nervenachseln, eine spätere Blüte und dünnschalige Früchte ohne deutliche Rippen. Viele Straßenbäume gehören tatsächlich zur Hybride Tilia × europaea. Reichlicher Blattlaushonigtau und zahlreiche Ausschläge am Stammgrund kennzeichnen diese oft gemeinsam; bei reinen Tilia platyphyllos oder Tilia cordata treten beide Merkmale nicht so deutlich zusammen auf. 6 2
Eine mit der Art verknüpfte Legende bedarf der Einordnung: Der Garoé, ein heiliger Baum der Kanarischen Inseln, der in Dürrejahren Wasser liefern sollte, wurde in volkstümlichen Erzählungen lange als Linde dargestellt. Botaniker bestimmen ihn tatsächlich als Ocotea foetens, ein auf den Kanaren endemisches Lorbeergewächs, das mit Tilia platyphyllos nicht verwandt ist. 8
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Tilia platyphyllos Scop.
- Royal Horticultural Society, Tilia platyphyllos, Sommer-Linde
- Royal Horticultural Society, Tilia platyphyllos 'Rubra', rotzweigige Linde
- Plants For A Future, Datenbankeintrag Tilia platyphyllos
- Tela Botanica / eFlore, Übersicht zu Tilia platyphyllos
- Trees and Shrubs Online, Tilia platyphyllos
- USDA GRIN Taxonomy, Tilia platyphyllos
- Wikipédia (FR), Tilleul à grandes feuilles, Abschnitt Geschichte und Legende
Häufig gestellte Fragen
Ist die Sommer-Linde giftig?
Nein. Die herangezogenen Angaben nennen keine bekannte Giftigkeit für Menschen, Katzen oder Hunde. Junge Blätter werden roh gegessen, getrocknete Blüten als Tee aufgegossen; diese traditionelle Verwendung ist dokumentiert.
Wie unterscheidet man Tilia platyphyllos von Tilia cordata?
Die Sommer-Linde hat größere Blätter mit gleichmäßig flaumiger Unterseite, blüht früher und trägt dickschalige Früchte mit fünf stark hervortretenden Rippen. Tilia cordata hat kleinere Blätter, rostrote Haarbüschel nur in den Nervenachseln und dünnschalige Früchte ohne deutliche Rippen.
Sind Linden in der Stadt immer Tilia platyphyllos?
Nicht immer. Viele Straßenbaumreihen bestehen aus Tilia × europaea, der natürlichen Hybride aus Tilia platyphyllos und Tilia cordata. Reichlich Honigtau und zahlreiche Ausschläge am Stammgrund kennzeichnen sie.
Kann man Blüten der Sommer-Linde als Tee verwenden?
Ja, dies ist die in Frankreich am besten dokumentierte traditionelle Verwendung. Frisch getrocknete Blüten werden als leichter, beruhigender Aufguss zubereitet. Ein zu starker oder zu lange gezogener Aufguss kann dagegen Schlaflosigkeit auslösen.
Ist die Sommer-Linde in Frankreich heimisch?
Ja, jedoch nur in Teilen des Landes. POWO/WCVP zählt Frankreich zum natürlichen Areal. Die Art besiedelt vor allem die östliche Landeshälfte, die Pyrenäen und Korsika. Im mediterranen Süden fehlt sie natürlicherweise und ist hauptsächlich gepflanzt.
Warum steht die Linde in manchen Dörfern für Rechtsprechung?
Bei germanischen Völkern tagte die Recht sprechende Versammlung unter einer Linde in der Dorfmitte. Diese als Gerichtslinde dokumentierte Nutzung stand häufig neben weiteren örtlichen Funktionen als Versammlungs- oder Tanzplatz.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




