Billygoat weed (Ageratum conyzoides, )
Ageratum conyzoides ist eine einjährige Art der Korbblütler (Asteraceae) aus dem tropischen Amerika. Als Ackerunkraut ist sie heute fast überall in den Tropen verbreitet. Ihre behaarten Blätter riechen beim Zerreiben streng nach Ziegenbock. In Südafrika gilt sie offiziell als schädliches Unkraut, auf Inseln im Indischen Ozean als invasiv. Gleichzeitig wird sie in Afrika traditionell als Heilpflanze genutzt. Vom als Zierpflanze kultivierten Gewöhnlichen Leberbalsam unterscheidet sie sich vor allem durch die spärliche Behaarung der Hüllblätter.
WeiterlesenBillygoat weed und Mentrasto
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Weltweite Verbreitung
POWO verortet den Schwerpunkt des ursprünglichen Areals von Ageratum conyzoides um Mexiko, innerhalb eines größeren Gebiets mit Mittel- und Südamerika sowie den Antillen. Die Art hat sich in fast allen tropischen und subtropischen Regionen eingebürgert und steht auf mehreren offiziellen Listen schädlicher Unkräuter oder invasiver Arten.
- Heimisch3
- Eingeführt2
- Invasiv4
- Mexiko
- Brasilien
- Karibik
- Madagaskar
- Vereinigte Staaten
- Südafrika
- Kenia
- Indien
- Réunion
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Ageratum conyzoides (Ageratum conyzoides L., 1753) gehört als anerkannte Art der Gattung Ageratum zu den Korbblütlern (Asteraceae). Ein einfacher Handgriff erklärt ihren französischen Namen „Herbe à bouc“: Beim Zerreiben der behaarten Blätter entsteht ein stechender Geruch, der an einen Ziegenbock erinnert. 4 1
Regional trägt die Pflanze unterschiedliche Namen. Im französischen Sprachraum sind auch „Baume blanc“ und „Herbe à femme“ verbreitet, im Englischen Billygoat weed, in Brasilien Mentrasto. Alle bezeichnen dieselbe Art. Zur sicheren Bestimmung reichen diese Namen allerdings nicht aus, denn Geruch und Blütenfarbe können je nach Klima schwanken. Der wissenschaftliche Name bleibt dagegen über Ländergrenzen hinweg eindeutig. 2 9
Als Zierpflanze besitzt die Art keinen anerkannten Stellenwert. In Frankreich wird vor allem der nahe verwandte Gewöhnliche Leberbalsam (Ageratum houstonianum) kultiviert. Wer beide verwechselt, jätet womöglich die Zierpflanze am Terrassenrand, ohne dadurch das erneute Auflaufen von Ageratum conyzoides im benachbarten Gemüsebeet zu verhindern. 7
Erkennung
Aufrechte, verzweigte Triebe und eine feine weiße Behaarung kennzeichnen Ageratum conyzoides. Das leicht aromatische einjährige Kraut erreicht meist 30 cm bis 1 m, auf nährstoffreichen Böden in voller Sonne auch 1,2 m. Die gegenständigen, eiförmigen Blätter werden bis 7,5 cm lang; sowohl sie als auch die Stängel tragen die feinen Haare. 7 4
An den Triebenden stehen die 5 bis 8 mm breiten Blütenköpfe in Schirmrispen zusammen. Ein Kopf enthält 30 bis 50 kleine malvenfarbene, bläuliche, rosafarbene oder weiße Blüten. Jede Einzelblüte bildet eine braune Achäne. Ihr Pappus besteht eher aus Schuppen als aus deutlich widerhakigen Borsten. 7 3
Besonders aufschlussreich sind die Hüllblätter der Blütenköpfe. Bei Ageratum conyzoides tragen sie nur wenige verstreute Haare, beim Gewöhnlichen Leberbalsam dagegen eine dichte drüsige Behaarung. Dessen Griffel sind zudem kürzer. Dieses Merkmal erlaubt eine Abgrenzung bereits bei unmittelbarer Betrachtung, ohne dass zwingend eine Lupe oder ein Bestimmungsschlüssel nötig ist. 7
Nützliche Taxonomie
Kew führt die Art unter dem akzeptierten Namen Ageratum conyzoides L. Über mehr als zwei Jahrhunderte ist eine lange Synonymie entstanden. Dazu gehören Ageratum album Steud., Ageratum hirsutum Poir., Ageratum ciliare L., Eupatorium conyzoides (L.) E.H.L.Krause und Carelia conyzoides (L.) Kuntze. 1
Die vielen Namen spiegeln eine variable Art wider, die Botaniker in verschiedenen Weltregionen mehrfach neu beschrieben haben. Für die Bestimmung hat das praktische Folgen: Ein örtlicher Handelsname aus Asien oder Lateinamerika kann ohne den akzeptierten wissenschaftlichen Namen auch auf eine andere Pflanze verweisen. Als verlässlicher Bezug dient daher der von POWO anerkannte Name. 1
Lebensraum und Verbreitung
Aus Mittel- und Südamerika einschließlich der Antillen stammt die Gattung; den Schwerpunkt des ursprünglichen Artareals verortet POWO um Mexiko. Landwirtschaft und Saatguthandel begünstigten anschließend die Einbürgerung von Ageratum conyzoides in nahezu allen tropischen und subtropischen Regionen der Erde. 1 8
Vom Meeresspiegel bis auf 2.500 m besiedelt die Art gestörte Böden. Typische Fundorte sind Siedlungsränder, Straßenränder, überweidete Weiden, Waldränder und sogar Küstendünen. Dieses breite Spektrum erklärt, warum sie sowohl in landwirtschaftlich genutzten Flächen als auch in angrenzenden offenen Lebensräumen auftreten kann. 8 7
Mehrere Länder und Regionen stufen die Pflanze ausdrücklich als problematisch ein. In Südafrika ist sie als schädliches Unkraut gelistet, in Kenia, Tansania und Uganda als invasiv; im indischen Himalaja bedroht sie Pflanzengemeinschaften. Sie tritt in mehr als 40 Kulturen und Weidesystemen als Unkraut auf und dient verschiedenen Krankheitserregern und pflanzenparasitären Nematoden als Alternativwirt. Ihre Wirkung reicht dadurch über die Konkurrenz um Licht hinaus. Im Indischen Ozean kommt sie unter anderem auf Réunion, Madagaskar, Mauritius, den Komoren und den Seychellen vor. 7 5 4
Auch der Gartenbau trug zur weltweiten Ausbreitung bei. In mehreren Regionen wurde die Art zunächst als Gartenpflanze oder unbeabsichtigt mit verunreinigtem Saatgut anderer Zierpflanzen eingeführt. Aus den Beeten gelangte sie später in die offenen Lebensräume der Umgebung und konnte dort eigenständige Bestände bilden. 7
Lebenszyklus und Vermehrung
Zwischen Keimung und Blüte liegen bei dieser Art weniger als zwei Monate. Die Samen keimen vor allem unter Lichteinfluss und werden deshalb als photoblastisch bezeichnet. Ihre Keimfähigkeit hält häufig nicht länger als zwölf Monate an. Der kurze Entwicklungszyklus ermöglicht dennoch eine rasche Besiedlung geeigneter offener Flächen. 7
Achänen werden im Fell von Weide- und Wildtieren, an Kleidung sowie mit landwirtschaftlichen Maschinen verschleppt. Der schuppige Pappus haftet weniger fest als die widerhakigen Borsten mancher anderer unkrautbildender Korbblütler, ermöglicht aber ebenfalls weite Transporte. So können einzelne neue Vorkommen mehrere Kilometer vom nächsten Bestand entfernt entstehen, ohne dass dort bewusst Samen ausgesät wurden. 7
Nutzen und Risiken
In weiten Teilen Afrikas wird die ganze Pflanze traditionell medizinisch verwendet, etwa gegen Fieber, Rheuma, Kopfschmerzen, Koliken, Verbrennungen, Gebärmutterbeschwerden oder Lungenentzündung. In Kenia sind außerdem Anwendungen gegen Asthma und zum Stillen von Blutungen überliefert. Diese Angaben beschreiben traditionelle Nutzungen und begründen keine Empfehlung zur Selbstbehandlung. 7
Dem stehen dokumentierte Risiken gegenüber. Ageratum conyzoides enthält leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide, darunter Lycopsamin. Solche Stoffe wurden auch in brasilianischen Heiltees nachgewiesen, die ohne klare toxikologische Kontrolle verkauft wurden. Aus Äthiopien ist zudem eine Gruppenvergiftung nach dem Verzehr von Getreide bekannt, das mit der Pflanze verunreinigt war. 10 9
PFAF nennt keine Verwendung als Lebensmittel. Bei gewöhnlicher Handhabung im Garten wird keine Kontaktgiftigkeit berichtet; das wesentliche Risiko betrifft die wiederholte Aufnahme, etwa als Tee oder über belastetes Futter. Die Unterscheidung zwischen Berühren und Einnehmen ist deshalb für die Einschätzung der Gefahr entscheidend. 8
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Anerkannte Gartensorten von Ageratum conyzoides sind nicht bekannt. Am häufigsten wird die Art mit dem wegen seiner blauen oder violetten Blütenköpfe kultivierten Gewöhnlichen Leberbalsam (Ageratum houstonianum) verwechselt. Dessen Hüllblätter sind dicht drüsig behaart, während A. conyzoides nur wenige verstreute Haare trägt. Die Griffel messen beim Leberbalsam 1 bis 2 mm, bei der Wildart dagegen ungefähr 5 mm. 7
Gezähnte Blätter und kleine farbige Blütenköpfe können auch an unkrautartig auftretende Bidens- oder Erigeron-Arten erinnern. Die zuverlässigsten Merkmale im Gelände bleiben die Behaarung der Hüllblätter und der Fruchttyp: eine Achäne mit schuppigem Pappus statt deutlich widerhakiger Borsten. 3
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Ageratum conyzoides L.
- INPN, Ageratum conyzoides L., 1753
- Pl@ntUse Français, Ageratum conyzoides
- Wiktrop, Ageratum conyzoides L.
- Global Invasive Species Database / IUCN, Ageratum conyzoides
- EPPO Global Database, Ageratum conyzoides (AGECO)
- EAfrinet / Lucidcentral, Ageratum conyzoides (Billygoat Weed), Artbeschreibung
- Plants For A Future, Ageratum conyzoides
- Wikipedia (EN), Ageratum conyzoides
- Revista Brasileira de Farmacognosia, Pyrrolizidinalkaloide in Heiltees mit Ageratum conyzoides
Häufig gestellte Fragen
Ist Ageratum conyzoides giftig?
Ja. Die Pflanze enthält leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide, die in traditionellen Tees nachgewiesen wurden und bei Weidetieren chronische Leberschäden verursachen. Aus Äthiopien ist eine Gruppenvergiftung nach dem Verzehr verunreinigten Getreides bekannt.
Kann man Ageratum conyzoides essen?
Nein. Referenzdatenbanken wie PFAF dokumentieren keine Verwendung als Lebensmittel. Aus Afrika, Asien und dem tropischen Amerika sind lediglich traditionelle medizinische Anwendungen bekannt.
Wie unterscheidet sich Ageratum conyzoides vom Gewöhnlichen Leberbalsam?
Am zuverlässigsten ist die Behaarung der Hüllblätter. Ageratum conyzoides besitzt dort nur wenige verstreute Haare. Der als Zierpflanze kultivierte Gewöhnliche Leberbalsam (Ageratum houstonianum) hat dicht drüsig behaarte Hüllblätter und kürzere Griffel.
Ist Ageratum conyzoides in Frankreich invasiv?
Auf Réunion und allgemein im Indischen Ozean gilt die Art als invasiv. Für das französische Mutterland wird keine dokumentierte Einbürgerung genannt; besondere Aufmerksamkeit gilt den französischen Überseegebieten.
Woher stammt Ageratum conyzoides?
Der Ursprungsschwerpunkt liegt um Mexiko, innerhalb eines größeren Areals mit Mittel- und Südamerika sowie den Antillen. Inzwischen ist die Art in fast allen tropischen und subtropischen Regionen eingebürgert.
Warum riecht Ageratum conyzoides so streng?
Die behaarten Blätter setzen beim Zerreiben stechend riechende aromatische Verbindungen frei. Der Geruch erinnert an einen Ziegenbock; darauf beziehen sich der französische Name Herbe à bouc und der englische Name Billygoat weed.
Wofür wird Ageratum conyzoides traditionell verwendet?
Blätter und ganze Pflanzen werden in mehreren afrikanischen Heiltraditionen gegen Fieber, Rheuma, Kopfschmerzen, Verbrennungen oder Lungenentzündung eingesetzt. Diese Anwendungen heben das dokumentierte Risiko von Leberschäden bei längerfristiger innerlicher Einnahme nicht auf.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





