Estragon (Artemisia dracunculus, L. 1753)

Estragon (Artemisia dracunculus L.) ist eine aromatische Staude der Korbblütler (Asteraceae), die wegen ihrer schmalen, nach Anis duftenden Blätter kultiviert wird. Zwei Gartenformen tragen diesen Namen: der begehrte, aber sterile Französische Estragon und der winterhärtere, schwach duftende Russische Estragon. Wer die Pflanze als Küchenkraut kaufen möchte, muss diese Formen unterscheiden.

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Wissenschaftlicher NameArtemisia dracunculus
GattungArtemisia
OrdnungAsterales

Estragon, Dragon, Dragun, Tarragon, Dragoncello und Tarkhun

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen · Unbekannt : Kinder · Giftig : Katzen, Hunde, Pferde und Tiere
Pflegeaufwand
Mäßig
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
RusslandMongoleiVereinigte Staaten
Lebensraum
Trockene Steppen, Brachen, Wegränder und gestörte Böden in voller Sonne
Jahresverlauf
Blütezeit
Sommer
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
6/10
Reifezeit
Erste Ernte etwa ein Jahr nach der Pflanzung
Vermehrung
Teilung, Steckling, Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, sobald der Horst eingewachsen ist
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Entwässerter Boden, Leichter Sandboden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.

Innenbereich
Helles Fensterbrett
Außenbereich
Gemüsegarten, Pflanzgefäß, Beet in voller Sonne
Pflanzgefäße
Abflusstopf, Terrakotta
Erscheinungsbild
Höhe60–150 cmBreite45–60 cm
Blätter
Grün
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbGrün
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Braun
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Estragon (Artemisia dracunculus): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

POWO nennt das gemäßigte Asien bis Nordamerika als ursprüngliches Verbreitungsgebiet von Artemisia dracunculus. Eine enger gefasste französischsprachige Darstellung verortet den Ursprung in Zentralasien und Südrussland und beschreibt Westeuropa und Alaska als Einführungsgebiete. Beide Darstellungen stimmen in einem eurasischen Ursprungszentrum und der späteren weltweiten Verbreitung durch Gartenbau überein.

  • Heimisch3
  • Eingeführt1
  • Russland
  • Mongolei
  • Nordamerika
  • Westeuropa

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Estragon (Artemisia dracunculus L., 1753) ist eine aromatische, krautige Staude aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und der Gattung Artemisia. Sein Name geht auf das arabische ṭarẖūn zurück, das mit dem griechischen drakon, Drache, verbunden wird. Mittelalterliche Kräuterkundige deuteten die gewundene Wurzel nach der Signaturenlehre als Zeichen eines Schutzes vor giftigen Bissen. Diese Vorstellung erklärt einen historischen Gebrauch, keine belegte Schutzwirkung. 6 7

Unter demselben Namen werden zwei Gartenformen angeboten. Französischer Estragon liefert die besonders aromatischen Küchenblätter, bildet aber fast nie keimfähige Samen. Russischer Estragon ist winterhärter, blüht und versamt sich leicht; sein Aroma bleibt schwach oder bitter. Eine Pflanze ohne nähere Sortenangabe ist deshalb nicht automatisch die gewünschte Küchenform. 3 7

Erkennung

Aufrechte, buschige Horste mit feinen, stark verzweigten Stängeln erreichen 60 cm bis 1,5 m. Anders als bei den meisten anderen Arten der Gattung sind die schmalen, lanzettlichen Blätter ungeteilt und ganzrandig. Sie werden 2 bis 8 cm lang, sind kahl und glänzend dunkelgrün. Der weißliche Flaum von Artemisia vulgaris oder Artemisia absinthium fehlt ihnen. 7 6

Zerriebene Blätter verströmen einen charakteristischen Anisduft, der auf Estragol zurückgeht. Die unscheinbaren, gelbgrünen Blütenkörbchen sind 2 bis 4 mm groß. Bei der französischen Form bleibt die Blüte oft steril und wenig auffällig. Russischer Estragon blüht dagegen reichlich und bringt anschließend fruchtbare Samen hervor. 7 6

Nützliche Taxonomie

Für Artemisia dracunculus L. bestätigt POWO den Status als akzeptierte Art innerhalb der Korbblütler und der Tribus Anthemideae. Die wichtigsten Synonyme, Oligosporus dracunculus (L.) Poljakov und Draconia dracunculus (L.) Soják, bezeichnen dieselbe Art unter früher verwendeten Gattungsnamen. Es handelt sich dabei nicht um andere Küchenkräuter. 1 2

Die entscheidende Unsicherheit betrifft die Gartenformen: var. sativa für Französischen Estragon und var. inodora, auch dracunculoides genannt, für Russischen Estragon werden in Katalogen nicht durchgehend einheitlich verwendet. Verlässlicher als die bloße Sortenbezeichnung ist daher die Herkunft der Pflanze. Ein aus Samen gezogenes Exemplar kann kein echter Französischer Estragon sein, weil diese Form keine keimfähigen Samen bildet. 4 3

Lebensraum und Verbreitung

Das von POWO angegebene Ursprungsgebiet reicht vom gemäßigten Asien bis Nordamerika. Eine enger gefasste französischsprachige Darstellung nennt Zentralasien und Südrussland, eine Einführung nach Westeuropa um 1548 und eine Erwähnung durch den Kräuterkundigen Gerard bereits 1597. Die Angaben unterscheiden sich somit im Umfang des angenommenen ursprünglichen Areals. 6

Wild wächst die Art nach NC State Extension an trockenen, offenen Standorten: an Wegrändern, auf Wiesen, in Wüstensteppen und auf gestörten Böden. Ihre Verbreitung umfasst weite Teile Nordamerikas und Eurasiens. Dieses große Wildareal ist von der kulinarischen Nutzung zu unterscheiden, die sich auf die kultivierte französische Form konzentriert. 3

Durch den Gartenbau gelangte Estragon weit über seine ursprünglichen Grenzen hinaus. Der Missouri Botanical Garden führt ihn als Staude für volle Sonne und magere, gut durchlässige Böden in gemäßigten Gärten. Diese Nutzung betrifft vor allem die französische Form, deren Blätter als Gewürz geerntet werden. 9

Lebenszyklus und Vermehrung

Aus dem ausdauernden Wurzelstock treibt Estragon im Frühjahr neu aus, nachdem die oberirdischen Teile im Winter abgestorben sind. NC State Extension empfiehlt einen bodennahen Rückschnitt zu Saisonbeginn. Das Entfernen von Blütenknospen und ein weiterer Schnitt im Spätsommer sollen anschließend einen kräftigeren Austrieb anregen. 3

Bei der Vermehrung unterscheiden sich die Formen deutlich: Russischer Estragon lässt sich aussäen und versamt sich mit seinen fruchtbaren Samen selbst. Der praktisch sterile Französische Estragon wird ausschließlich durch Teilung des Horstes oder Stängelstecklinge vermehrt. NC State Extension empfiehlt eine Teilung alle 2 bis 4 Jahre, um Wuchskraft und Aroma zu erhalten. 3 7

Für die Ernte ist der Beginn der Blüte entscheidend. Die Triebe werden davor geschnitten, wenn die Blätter besonders viel Aroma besitzen. Nach diesem Stadium wird das Laub härter und verliert einen Teil seines Duftes. Der Blütenansatz bietet damit einen unmittelbar sichtbaren Hinweis auf den geeigneten Schnittzeitpunkt. 6

Nutzen und Risiken

Zu den französischen Fines herbes gehören neben Estragon Petersilie, Schnittlauch und Kerbel. Estragon würzt Sauce béarnaise, Sauce tartare und Estragonessig. Im Iran und in Armenien wird er mit frischen Tischkräutern sowie in bestimmten Essigkonserven verwendet. Auch Tarchun, ein im Kaukasus beliebtes grünes Erfrischungsgetränk mit Kohlensäure, erhält sein Aroma durch Estragon. 6 7

Die ASPCA stuft die Pflanze als giftig für Katzen, Hunde und Pferde ein und nennt ätherische Öle als wirksame Stoffe. Beschrieben werden meist leichte Symptome mit Erbrechen und Durchfall. NC State Extension bestätigt das Risiko für Tiere und nennt für Menschen eine mögliche Kontaktdermatitis, die besonders mit der Wurzel verbunden ist. 5 3

Besondere Vorsicht gilt dem konzentrierten ätherischen Öl mit Estragol. Eine europäische Bewertung stuft das Risiko bei den üblichen Küchenmengen als gering ein. Daraus folgt keine Empfehlung für das konzentrierte Öl: Von längerer Anwendung und von einer Verwendung während der Schwangerschaft wird abgeraten. 6 7

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Beim Vergleichen ähnlicher Pflanzen helfen folgende Merkmale:

  • Russischer Estragon hat matteres, graueres und behaartes Laub, das deutlich schwächer duftet als die französische Form;
  • Artemisia vulgaris, Beifuß, besitzt tief geteilte Blätter mit filziger Unterseite;
  • Artemisia absinthium, Wermut, ist auf beiden Blattseiten grau und schmeckt bitterer;
  • Tagetes lucida wird als Ersatz unter dem Namen „Mexikanischer Estragon“ angeboten, gehört jedoch zu einer anderen Gattung.

Beim Kauf ist die Vermehrungsweise verlässlicher als eine Sortenbezeichnung auf dem Etikett. Eine aus Saatgut gezogene Pflanze kann nicht der Französische Estragon sein, dessen Form keine keimfähigen Samen hervorbringt. Gerade für die Küche entscheidet diese Unterscheidung darüber, ob das gewünschte kräftige Aroma zu erwarten ist. 4 3

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet man Französischen und Russischen Estragon?

Französischer Estragon hat glatte, dunkelgrüne, glänzende Blätter, einen ausgeprägten Anisduft und blüht fast nie. Russischer Estragon ist matter und behaart, blüht reichlich und bildet keimfähige Samen; sein Aroma bleibt jedoch schwach oder bitter.

Welche Estragonform wächst aus gekauftem Saatgut?

Handelsübliches Saatgut ergibt fast immer Russischen Estragon, denn echter Französischer Estragon ist steril. Die begehrte Küchenform lässt sich nur aus einem geteilten Horst oder einem Steckling gewinnen.

Ist Estragon für Tiere giftig?

Die ASPCA stuft Estragon für Katzen, Hunde und Pferde als giftig ein. Verantwortlich sind ätherische Öle; als meist leichte Symptome werden Erbrechen und Durchfall genannt. Nach dem Verzehr größerer Mengen ist tierärztlicher Rat erforderlich.

Woher stammt der Name Estragon?

Der Name geht auf das arabische ṭarẖūn und das griechische drakon für Drache zurück und bezieht sich auf die gewundene Wurzel. Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre sollte deren Gestalt eine Wirkung gegen giftige Bisse anzeigen.

Warum verliert mein Estragon mit den Jahren sein Aroma?

Ein seit mehreren Jahren ungeteilter Horst verliert häufig an Wuchskraft und Aroma. Eine Teilung alle 2 bis 4 Jahre sowie durchlässiger Boden und volle Sonne fördern wieder aromatischeres Laub.

Ist der Verzehr von Estragon bedenklich?

Frischer Estragon gilt in den üblichen Küchenmengen als sicher. Vom längeren Gebrauch seines konzentrierten, estragolreichen ätherischen Öls sowie von dessen Verwendung während der Schwangerschaft wird dagegen abgeraten.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.