Rocoto (Capsicum pubescens, Ruiz & Pav. 1799)

Capsicum pubescens ist ein Halbstrauch der Nachtschattengewächse (Solanaceae) aus den peruanischen und bolivianischen Anden. Anders als andere domestizierte Chilis wächst er in kühlen Höhenlagen. Behaarte Blätter, violette Blüten und schwarze Samen kennzeichnen diese Art.

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Wissenschaftlicher NameCapsicum pubescens
GattungCapsicum
OrdnungSolanales

Rocoto, Locoto, Chile manzano, Chile perón und Tree pepper

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, darunter Kinder · Ungiftig : Katzen und Hunde
Pflegeaufwand
Mäßig
Blattart
Immergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
PeruBolivienEcuador
Lebensraum
Kühle, feuchte Andentäler und Berghänge; außerhalb der Heimat sonnige Kultur oder Gewächshaus.
Jahresverlauf
Blütezeit
Sommer
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Wuchsgeschwindigkeit
6/10
Reifezeit
Ernte 3 bis 8 Monate nach dem Pflanzen, ab 3 Monaten nach der Blüte
Kronendurchmesser
100–200 cm
Vermehrung
Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Mäßig, sobald sich ein verholzter Wuchs entwickelt
Luftfeuchtigkeit
50–70 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Reicher Boden, Entwässerter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.

Volle Sonne, verträgt keinen Schatten
Innenbereich
Aussaat unter Schutz
Außenbereich
Gemüsegarten, Pflanzgefäß, Gewächshaus
Pflanzgefäße
Abflusstopf, Tiefer Behälter
Erscheinungsbild
Höhe100–300 cm
Blätter
Grün
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blätter 1
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blätter 2
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blätter 3
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blätter 4
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
ViolettWeiß
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blüten 1
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blüten 2
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blüten 3
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blüten 4
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
GrünGelbOrangeRotBraun
Capsicum pubescens: Herkunft und Verwendung — früchte 1
Rinde
Grün

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Capsicum pubescens umfasst die Anden Perus, Boliviens und Ecuadors; der Anbau erfolgt etwa oberhalb von 1.600 m. Die rund 6.000 Jahre alte Domestikation in den Anden führte später zur Verbreitung nach Mexiko, wo die Art Chile manzano heißt, und in weitere Anbauregionen wie Indonesien.

  • Heimisch3
  • Eingeführt2
  • Peru
  • Bolivien
  • Ecuador
  • Mexiko
  • Indonesien

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Capsicum pubescens (Capsicum pubescens Ruiz & Pav., 1799), auch Rocoto, Locoto oder Chile manzano genannt, ist ein Halbstrauch aus der Gattung Capsicum und der Familie Solanaceae. Er gehört zu den fünf domestizierten Arten der Gattung, zusammen mit Capsicum annuum, Capsicum baccatum, Capsicum chinense und Capsicum frutescens. Genetisch steht er jedoch am weitesten von den übrigen vier entfernt. 1 5

Das Artepitheton pubescens bedeutet behaart und beschreibt das flaumige Laub. Es hebt sich bereits auf den ersten Blick von den glatten Blättern anderer Kultur-Chilis ab. Zusammen mit den schwarzen reifen Samen bildet die Behaarung ein besonders zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Die Samenfarbe ist dabei eindeutiger als die Blattoberfläche allein: Bei den vier anderen domestizierten Arten bleiben die Samen cremefarben oder hellbraun und werden niemals schwarz. 5 2

Erkennungsmerkmale

Bei den Blüten fällt im Vergleich mit anderen Capsicum-Arten die violette bis blauviolette Krone auf. Ihre Mitte ist heller; die Staubbeutel sind teils violett, teils weiß. Andere domestizierte Arten tragen weiße oder cremefarbene Blüten. Sobald eine Pflanze blüht, lässt sie sich deshalb meist gut von diesen unterscheiden. 5 4

Auch das Laub hilft bei der Bestimmung. Die einfachen grünen Blätter tragen einen feinen, mit den Fingern fühlbaren Flaum und unterscheiden sich damit von den glatten Blattspreiten einer Tiefland-Chili. Der Halbstrauch verholzt an seiner Basis. Mehrjährige Exemplare können 4 m erreichen, während die meisten einjährig kultivierten Chilis wesentlich kompakter bleiben. 5 7

Die dickwandigen Früchte sind oft birnenförmig oder rund wie kleine Äpfel. Sie besitzen saftiges Fruchtfleisch und erreichen etwa 6 bis 7 cm Länge. Je nach Kultivar sind reife Früchte rot, gelb, orange, grün oder braun. Die Farbe allein genügt daher keinesfalls, um die Art sicher zu bestimmen. 4 5

Taxonomie

Als akzeptierter Name gilt bei POWO Capsicum pubescens Ruiz & Pav. Die Beschreibung erschien 1799 in der Flora Peruviana, et Chilensis. Anders als bei Capsicum chinense oder Capsicum annuum ist für diese Art kein weithin verbreitetes botanisches Synonym gebräuchlich. Dies passt zu ihrer ausgeprägten genetischen Sonderstellung innerhalb der Gattung. 1 2

Die Andennamen Rocoto und Locoto bezeichnen keine verschiedenen Taxa. Rocoto geht auf das vor allem in Peru und Ecuador verwendete Quechua-Wort rukutu zurück; Locoto stammt vom Aymara-Wort luqutu, das in Bolivien und im nördlichen Argentinien gebräuchlich ist. In Mexiko wird dieselbe Art als Chile manzano kultiviert, ein Name mit Bezug auf die apfelrunde Frucht. 5 4

Gegenüber den vier anderen domestizierten Arten bleibt Capsicum pubescens reproduktiv isoliert. Innerhalb dieser Gruppe ist sie die am wenigsten verbreitete und am deutlichsten abweichende Kulturart. Diese Stellung erklärt, weshalb im Gartenbau keine Kreuzungen mit einjährig angebauten Chilis oder mit Habanero üblich sind. 5 3

Lebensraum und Verbreitung

In den Anden Perus, Boliviens und Ecuadors liegt das natürliche Verbreitungsgebiet, ungefähr zwischen 1.600 und 3.600 m Höhe. Das kühle Höhenklima unterscheidet sich deutlich von den tropischen Tieflandbedingungen anderer Kultur-Chilis. Funde aus den Guitarrero-Höhlen in Peru belegen eine andine Domestikation, die auf etwa 6.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zurückgeführt wird. 5 7 8

Die Herkunft aus Höhenlagen erklärt eine für Chilis ungewöhnliche Anbaugrenze: Dauerhafte tropische Hitze in der Ebene verträgt Capsicum pubescens schlecht, kurze Frostphasen bis −5 °C dagegen schon. Unter kühlen und feuchten Bedingungen kann dieselbe Pflanze bis zu 15 Jahre Früchte tragen. Für eine kultivierte Chili ist das eine ungewöhnlich lange Nutzungsdauer. 7 4

Außerhalb der Anden wird die Art als Chile manzano in Mexiko sowie in Indonesien angebaut. In den Niederlanden erfolgt die Kultur von April bis November in beheizten Gewächshäusern. Seltener gibt es auch in Spanien und Italien einen Anbau während der Wintermonate. 5

Lebenszyklus und Vermehrung

Bei etwa 20 °C benötigen die Samen 3 bis 4 Wochen bis zur Keimung und damit länger als die meisten anderen Capsicum-Arten. Nach dem Verpflanzen entwickelt sich an jedem Knoten nur eine einzelne Blüte. Capsicum chinense bildet dort dagegen mehrere Blüten in Gruppen. 7 5

Die erste Ernte beginnt 3 bis 8 Monate nach dem Auspflanzen. Zwischen Blüte und Reife liegen mindestens 3 Monate. Pro Ernte liefert eine Pflanze ungefähr 0,5 kg Früchte, verglichen mit einjährig angebauten Chilis ein bescheidener Ertrag. Dies wird durch die mehrjährige Produktionsdauer teilweise ausgeglichen. 5 4

Fast ausschließlich dient die Aussaat zur Vermehrung; Stecklinge sind im Hobbyanbau unüblich. Das dicke Fruchtfleisch und der hohe Wassergehalt erschweren auch die Sonnentrocknung. Bei einer Trocknung im geschlossenen Tunnel bleiben von etwa 80 kg frischen Früchten nur 6,4 kg Trockenprodukt übrig. 5

Verwendung und Risiken

Roh als Würzmittel, als Sauce oder Paste werden die Früchte in der Küche verwendet. Besonders bekannt ist das peruanische Gericht Rocoto relleno: Die Früchte erhalten eine herzhafte Füllung und werden im Ofen gegart. Ihr dickes, saftiges Fruchtfleisch hält längeres Garen gut aus. Dünnwandige Chilis fallen im Ofen leichter zusammen und verlieren dabei ihre Form. 5 7

Die Schärfe liegt gewöhnlich bei 100.000 bis 200.000 Scoville-Einheiten. Je nach Kultivar und Anbaubedingungen reicht die weitere Spanne von 2.400 bis 250.000. Chemisch unterscheidet sich die Art durch einen hohen Anteil an Dihydrocapsaicin, das neben dem verbreiteteren Capsaicin in den Früchten vorkommt. 4 5

Für Katzen und Hunde gilt Capsicum pubescens im veterinärmedizinischen Sinn nicht als giftig. Risiken entstehen durch die Capsaicinoide, die besonders in den inneren Scheidewänden und den schwarzen Samen konzentriert sind. Bei Kontakt reizen sie Mund, Augen und Haut. Nimmt ein Kind größere Mengen auf, sind Verdauungsbeschwerden möglich. 5

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Zu den in Peru am häufigsten gehandelten Formen gehören Rocoto rojo und Rocoto amarillo. Sie unterscheiden sich vor allem durch rote beziehungsweise gelb-orange reife Früchte. Die mexikanischen Namen Chile manzano und Chile perón beschreiben rundere beziehungsweise länglichere Früchte derselben Art. 5

Als Wirt der Mexikanischen Fruchtfliege Anastrepha ludens unterliegt die Art Beschränkungen. Die EPPO führt die Fliege als Quarantäneschädling; dadurch ist die Einfuhr frischer Früchte in bestimmte europäische Märkte eingeschränkt, in denen nur gefrorene oder verarbeitete Produkte zugelassen sind. Gegenüber Phytophthora capsici, einem in der Gattung für große Ernteverluste verantwortlichen Oomyceten, ist Capsicum pubescens hingegen deutlich widerstandsfähiger als andere Nachtschattengewächse. 5

Häufige Verwechslungen betreffen folgende Arten:

  • Capsicum chinense, Habanero, mit mehreren Blüten pro Knoten und tropischem Tieflandhabitat fern der kühlen Anden;
  • Capsicum annuum, mit weißen Blüten, cremefarbenen Samen und deutlich kompakterem, krautigem Wuchs;
  • Capsicum baccatum, die südamerikanische Ají-Chili, deren gefleckte Blütenkrone sich von der einfarbigen Krone der Rocoto unterscheidet.

Am Marktstand ist die Samenfarbe aussagekräftiger als Fruchtform oder Fruchtfarbe: schwarz bei Capsicum pubescens, cremefarben oder hellbraun bei den vier anderen domestizierten Arten. Der wissenschaftliche Name bietet deshalb einen beständigen Bezugspunkt, auch wenn sich Handelsbezeichnungen und angebotene Fruchtformen von Markt zu Markt unterscheiden. 5 1

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Sind Rocoto und Habanero dieselbe Art?

Nein. Habanero gehört zu Capsicum chinense, einer tropischen Tieflandart. Rocoto gehört zu Capsicum pubescens, einer an Kälte angepassten Andenart.

Warum verträgt Rocoto Kälte besser als andere Chilis?

Seine Herkunft aus 1.600 bis 3.600 m Höhe in den Anden begünstigte die Anpassung an kurze Frostphasen bis −5 °C. Tropische Tieflandarten der Gattung vertragen solche Bedingungen schlechter.

Ist Capsicum pubescens für Katzen und Hunde giftig?

Im veterinärmedizinischen Sinn gilt die Art nicht als giftig. Scharfe Früchte können Mund und Verdauungstrakt reizen, verursachen bei Tieren aber keine Vergiftung.

Wie lässt sich Capsicum pubescens von anderen Kultur-Chilis unterscheiden?

Die zuverlässigsten Merkmale sind behaarte Blätter, eine violette bis blauviolette Blütenkrone und schwarze reife Samen. Andere domestizierte Capsicum-Arten haben weiße Blüten und cremefarbene oder hellbraune Samen.

Bezeichnen Chile manzano und Rocoto dieselbe Pflanze?

Ja. Chile manzano ist der mexikanische Name für Capsicum pubescens und bezieht sich auf die runde Frucht. Rocoto in Peru und Locoto in Bolivien bezeichnen dieselbe Art.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.