Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata, )
Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata L., 1753) ist ein ausdauerndes Süßgras aus der Familie der Poaceae, heimisch in Europa, Nordafrika und dem gemäßigten Asien. Dichte Horste mit abgeflachtem Halmgrund und knäuelig gehäufte Ährchen an den Rispenästen kennzeichnen dieses weltweit häufig angebaute Futtergras, das auf Wiesen ebenso wie an Wegrändern vorkommt.
WeiterlesenGewöhnliches Knäuelgras, Wiesen-Knäuelgras, Knaulgras, Cock's-foot und Orchardgrass
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne bis lichter Halbschatten





© Foto
(c) Petr Kosachev, some rights reserved (CC BY-NC), uploaded by Petr Kosachev · cc-by-nc
Oleg Kosterin · cc0
Daniel Das · cc0
Taken May 31, 1853 by Tela Botanica − Herbier PONTARLIER-MARICHAL (cc-by-sa)
Taken Jul 23, 2019 by TomovNH Geshh BG (cc-by-sa)
Taken May 15, 2022 by Zsömbör Károly (cc-by-sa)
Taken Jun 9, 2021 by ericz59 (cc-by-sa)
Taken Jun 9, 2022 by Georg Wasylow (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal des Gewöhnlichen Knäuelgrases umfasst Europa, Nordafrika und das gemäßigte Asien, von Makaronesien bis Zentralasien. Früh als Futtergras außerhalb dieses Gebiets eingeführt, verwilderte es in mehreren Weltregionen; sein Status reicht dort von eingebürgert bis zum regulierten Unkraut.
- Heimisch4
- Eingeführt2
- Europäisches Frankreich
- Europa
- Nordafrika
- Gemäßigtes Asien
- Vereinigte Staaten
- Kanada
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata L.) ist ein ausdauerndes Gras der Gattung Dactylis aus der Familie der Poaceae und der Unterfamilie Pooideae. Carl von Linné veröffentlichte die Art 1753 in Species Plantarum. Plants of the World Online führt diesen Artnamen als akzeptiert. Auch Wiesen-Knäuelgras und Knaulgras sind gebräuchliche Namen. 1 2
Der Gattungsname geht auf griechisch daktylos, Finger, zurück: Die Ährchen sitzen fingerartig gebündelt an den Enden der Rispenäste. Das Artepitheton glomerata bedeutet geknäuelt und beschreibt dieselben dichten Ährchenknäuel, auf die auch der deutsche Name verweist. Englisch Cock's-foot, Hahnenfuß, greift diese Form auf. Orchardgrass verweist hingegen auf die bei Futtergräsern seltene Halbschattenverträglichkeit: Das Gras wächst noch unter einem lichten Obstbaumdach, wo viele Wiesengräser kaum gedeihen. 4 3
Erkennung
Im Grünland fällt vor allem der abgeflachte, keilförmige Halmgrund auf. Dieses Merkmal fehlt Rohr-Schwingel und Deutschem Weidelgras, zwei häufigen Begleitern. Die dichten, grobrasenartigen Horste tragen flache, raue, oft blaugrüne bis bereifte Blätter, die bei gut eingewachsenen Pflanzen manchmal über 50 cm lang werden. 2 4
Aufrechte Horste erreichen je nach Boden und Schnitthäufigkeit 60 cm bis 1,80 m. Steife Blütenhalme tragen eine lockere Rispe mit aufgerichteten Ästen. An deren Enden stehen die Ährchen in dichten, einseitigen Knäueln; jedes Ährchen enthält 2 bis 5 begrannte Blüten. Am Horstgrund fehlen kriechende Rhizome. 3 5
Zwischen Mai und August blüht das Gras und gibt große Mengen windverbreiteten Pollens ab. Dieser kann bei empfindlichen Menschen wie der Pollen anderer Wiesengräser Heuschnupfen auslösen. 2 4
Nützliche Taxonomie
Unter dem akzeptierten Namen Dactylis glomerata L. wird die 1753 veröffentlichte Art bei Plants of the World Online geführt. Sie umfasst mehrere regionale Unterarten und Varietäten. Die typische Unterart Dactylis glomerata subsp. glomerata reicht von Makaronesien bis in das gemäßigte Asien. 1
Mit nur zwei oder drei anerkannten Arten ist Dactylis eine kleine Gattung. Dactylis glomerata übertrifft die übrigen Arten bei der Anbaufläche bei Weitem. Ältere Synonyme wie Dactylis hispanica Roth finden sich noch in Regionalfloren; dieses Taxon wird heute als Variation unterhalb des Artrangs behandelt. 1
In der landwirtschaftlichen Züchtung stehen frühe, mittlere und späte Reifegruppen im Vordergrund, keine Ziersorten. Hinzu kommen tetraploide Linien, die wüchsiger sind als die ursprünglichen diploiden Formen. 5
Lebensraum und Verbreitung
Von Makaronesien bis Zentralasien erstreckt sich das natürliche Areal über Europa, Nordafrika und das gemäßigte Asien. Gewöhnliches Knäuelgras wächst auf Dauerwiesen, Weiden, an Wegrändern und auf Brachen. Es verträgt unterschiedliche Böden, sofern sie durchlässig bleiben; anhaltende Vernässung hemmt das Wurzelwachstum. 1 2
Auf französischen Dauerwiesen und an Straßenrändern zählt das dort heimische Gewöhnliche Knäuelgras zu den häufigsten Futtergräsern. 7
Bereits 1760 wurde es außerhalb seines natürlichen Areals als Futtergras eingeführt und verwilderte später in mehreren Weltregionen. Der California Invasive Plant Council stuft seine Invasivität in Kalifornien als begrenzt ein. Die Trockenheitsverträglichkeit begünstigt dort die Besiedlung natürlicher Wiesen auf unterschiedlichen Böden außerhalb der Anbauflächen. 5 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Als horstbildende Staude besitzt Gewöhnliches Knäuelgras einen ausgeprägten saisonalen Wachstumsrhythmus. Im Frühjahr treibt der Horst aus, bildet zahlreiche Bestockungstriebe und schiebt Blütenhalme. Die Blüte erstreckt sich von Mai bis August. Bei Sommerhitze verlangsamt sich das Wachstum; im Herbst nimmt es wieder zu. 5
Keimlinge entwickeln rasch ein Faserwurzelsystem. Durch zusätzliche Bestockungstriebe am Grund entsteht anschließend der charakteristisch dichte Horst. Eingewachsene Horste bleiben mehrere Jahre am selben Ort. Anders als die Quecke breiten sie sich nicht mit unterirdischen kriechenden Rhizomen aus. 5
Vorwiegend erfolgt die Vermehrung über Samen; auf ein Kilogramm entfallen etwa 725.000 bis 1.450.000 Samen aus den Rispen. Im Anbau wird direkt mit 15 bis 25 kg je Hektar gesät, häufig zusammen mit Weißklee, dessen Stickstoffbindung das Auflaufen begünstigt. 2
Nutzen und Risiken
Für Heu und Weide wird Gewöhnliches Knäuelgras weltweit angebaut und zählt zu den am häufigsten kultivierten Wiesengräsern. Die Biomasseerträge können 37.000 kg je Hektar übersteigen. Dank seiner Halbschattenverträglichkeit eignet es sich als eines der wenigen Futtergräser auch für lichte Obstwiesen, worauf sein englischer Name verweist. 2 3
Das dichte Faserwurzelsystem festigt außerdem den Boden und begrenzt Erosion. In Pflanzungen zum Natur- und Bodenschutz liefert es auch Wildtieren, darunter Hirschen und Kaninchen, Nahrung. 5 4
Für Katzen, Hunde und Menschen ist keine Giftigkeit dokumentiert. Der reichlich gebildete Pollen kann bei empfindlichen Personen jedoch saisonalen Heuschnupfen auslösen. Für Pferde ist die Datenlage dürftig, weshalb bei intensiver Beweidung stark von Knäuelgras geprägter Flächen Vorsicht angebracht ist. 2 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Die Futtergraszüchtung unterscheidet vor allem Reifegruppen. Frühe Sorten wie 'Potomac' liefern höhere Samenerträge und eignen sich für Berglagen. Späte Sorten wie 'Latar' werden auf Weiden bevorzugt, da das Vieh verholzte, weniger schmackhafte Blütenhalme meidet. Besser verdauliche tetraploide Linien dominieren heute die Saatgutproduktion. 5
Verwechslungen betreffen besonders andere horstbildende Futtergräser:
- Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) besitzt breitere Blätter und einen runden, nicht abgeflachten Halmgrund;
- Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) trägt seine Ährchen in einer Ähre, niemals in Knäueln;
- Kriech-Quecke (Elymus repens) breitet sich mit kriechenden Rhizomen statt allein durch Bestockung aus.
Ein abgeflachter Halmgrund zusammen mit einseitig geknäuelten Ährchen bestätigt Gewöhnliches Knäuelgras gegenüber diesen verwandten Gräsern am zuverlässigsten. 4
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Dactylis glomerata L.
- Plants For A Future, Dactylis glomerata
- Encyclopaedia Britannica, Knäuelgras
- North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, Dactylis glomerata
- US Forest Service Fire Effects Information System, Dactylis glomerata Artübersicht
- California Invasive Plant Council, Dactylis glomerata Artporträt
- INPN / MNHN, Dactylis glomerata L., 1753 - Gewöhnliches Knäuelgras
- Tela Botanica / eFlore bdtfx, Dactylis glomerata L.
Häufig gestellte Fragen
Ist Gewöhnliches Knäuelgras für Katzen und Hunde giftig?
Nein. Für Katzen, Hunde oder Menschen ist keine Giftigkeit dokumentiert. Das Hauptrisiko ist der reichliche Pollen als bekannter Auslöser von Heuschnupfen; für Pferde ist die Datenlage dürftig.
Warum heißt das Gras auf Englisch Orchardgrass?
Es verträgt lichten Halbschatten, was bei Futtergräsern selten ist. Daher wächst es unter dem lichten Kronendach von Obstwiesen und ist nicht ausschließlich auf volle Sonne angewiesen.
Eignet sich Gewöhnliches Knäuelgras als Futter?
Ja. Es gehört zu den weltweit am häufigsten angebauten Wiesengräsern, mit Biomasseerträgen von bis zu 37 Tonnen je Hektar. Oft wird es mit einer Futterleguminose kombiniert.
Kann Gewöhnliches Knäuelgras Allergien auslösen?
Ja. Sein von Mai bis August reichlich durch den Wind verbreiteter Pollen gehört zu den bekannten Auslösern des saisonalen Heuschnupfens.
Woher stammt Gewöhnliches Knäuelgras?
Sein natürliches Areal umfasst Europa, Nordafrika und das gemäßigte Asien, von Makaronesien bis Zentralasien. Als Futtergras wurde es anschließend weltweit eingeführt.
Kann Gewöhnliches Knäuelgras invasiv werden?
In einigen Regionen der Vereinigten Staaten ist es aus Kultur verwildert und besiedelt natürliche Wiesen. In Frankreich ist es heimisch und ein häufiges, unproblematisches Futtergras.
Wie unterscheidet man Knäuelgras von anderen horstbildenden Gräsern?
Der abgeflachte, keilförmige Halmgrund und die einseitig geknäuelten Ährchen unterscheiden es am zuverlässigsten von Rohr-Schwingel und Deutschem Weidelgras.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





