Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare, )
Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare L., 1753) ist ein zweijähriges Raublattgewächs (Boraginaceae) aus Europa und West- bis Zentralasien, das heute auf mehreren Kontinenten eingebürgert ist. Sein steifer, borstig behaarter und oft purpurfleckiger Stängel trägt einen dichten Blütenstand. Rosa Knospen öffnen sich zu leuchtend blauvioletten Trichterblüten mit herausragenden roten Staubblättern. Auf sonnigen, nährstoffarmen Böden zieht er zahlreiche Bienen an, ist für Weidetiere bei wiederholtem Verzehr jedoch giftig.
WeiterlesenGewöhnlicher Natternkopf, Gemeiner Natterkopf, Blauer Natternkopf, Blauer Heinrich, Viper’s bugloss und Blueweed
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Weltweite Verbreitung
POWO verortet das natürliche Areal von Echium vulgare in Europa sowie West- bis Zentralasien bis Xinjiang. PFAF beschreibt einen Schwerpunkt von Skandinavien und der Iberischen Halbinsel bis Westasien auf trockenen Kalkböden, insbesondere an Küstenklippen. Die Art ist in Nord- und Südamerika, Neuseeland und Australien weitgehend eingebürgert und besiedelt Weiden, Brachen und Straßenränder. Das Washington State Noxious Weed Control Board führt sie als bekämpfungspflichtiges Unkraut der Klasse B.
- Heimisch6
- Eingeführt4
- Europäisches Frankreich
- Spanien
- Vereinigtes Königreich
- Deutschland
- Mittel- und Osteuropa
- West- und Zentralasien
- Vereinigte Staaten
- Kanada
- Neuseeland
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare L., 1753), auch Gemeiner Natterkopf oder Blauer Natternkopf genannt, ist ein zweijähriges Raublattgewächs (Boraginaceae) der Gattung Echium. Plants of the World Online führt den seit 273 Jahren bestehenden Namen als akzeptiert. Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis Xinjiang in Zentralasien. 1 10
Das griechische echis, Viper, steht hinter dem Gattungsnamen: Die kantige Frucht erinnert an einen Schlangenkopf. In der Volksmedizin wurde die Wurzel lange gegen Vipernbisse eingesetzt. NC State bestätigt diese alte Namensherkunft und beschreibt zugleich die heutige Bedeutung als nektarreiches Wildkraut, das während der Vollblüte häufig von Bienen besucht wird. 4
Auch die englische Bezeichnung viper’s bugloss enthält den Hinweis auf die Viper. Bugloss stammt aus dem Griechischen und bedeutet Ochsenzunge, was die raue Blattoberfläche beschreibt. Der nordamerikanische Name Blueweed betont dagegen die blauen Blüten und das Verhalten als sich ausbreitendes Unkraut. 3 4
Erkennung
Auf nährstoffarmen Böden wächst ein aufrechter, kräftiger und steif behaarter Stängel von 30 bis 90 cm Höhe. Häufig ist er purpurfarben gefleckt. Vor dem Schossen im zweiten Jahr bildet die zweijährige Pflanze eine grundständige Rosette aus schmalen, lanzettlichen Blättern, die sich rau anfühlen. 3 2
Zur sicheren Bestimmung im Gelände eignen sich die Blüten besser als die Stängel- oder Blattsilhouette allein. Aus rosa Knospen öffnen sich leuchtend blauviolette, trichterförmige Kronen von 1,5 bis 2 cm Länge. Rote Staubblätter ragen deutlich heraus. Die Blüten sitzen in Wickeln, die gemeinsam einen dichten, zylindrischen Blütenstand bilden. Die Blüte dauert von Mai bis September. 3 2
Die steifen Haare an Stängeln und Blättern können bei empfindlichen Menschen Kontaktdermatitis hervorrufen. Sowohl Missouri Botanical Garden als auch PFAF weisen darauf hin. Beim Jäten oder Abschneiden sind deshalb Handschuhe sinnvoll, auch wenn die Pflanze zunächst nur wie ein gewöhnliches rau behaartes Wildkraut wirkt. 3 6
Nützliche Taxonomie
Mehrere Unterarten werden bei POWO innerhalb der anerkannten Art Echium vulgare L. geführt. Neben der weit verbreiteten Unterart vulgare gehören dazu Echium vulgare subsp. asturicum, die in Spanien endemisch ist, und die südeuropäische Echium vulgare subsp. pustulatum. 1
Viele ältere Namen gelten inzwischen als Synonyme dieses Taxons, darunter Echium vulgare var. hirsutum Wimm. & Grab., Echium vulgare var. album Gray und Echium vulgare var. violaceum Gray. Sie beschrieben vor allem Unterschiede in Behaarung oder Blütenfarbe, denen heute kein eigener taxonomischer Rang beigemessen wird. 1
Zur Gattung Echium gehören mehrere Dutzend Arten. Einige teilen dieselben problematischen Inhaltsstoffe: Auch Echium plantagineum enthält Pyrrolizidinalkaloide und birgt dadurch für Pferde das gleiche Vergiftungsrisiko. Diese Verwandtschaft ist bei der Einordnung von Echium vulgare innerhalb der Gattung praktisch bedeutsam. 5
Lebensraum und Verbreitung
Europa, West- und Zentralasien bis Xinjiang bilden laut POWO das natürliche Areal von Echium vulgare. PFAF beschreibt dessen Kern als Achse von Skandinavien und der Iberischen Halbinsel bis Westasien. Typisch sind trockene, kalkreiche Böden, vor allem an Küstenklippen, Mauern, Steinbrüchen und Kiesgruben. 1 6
In Nordamerika, Südamerika, Neuseeland und Australien hat sich die Art außerhalb ihrer Heimat weitgehend eingebürgert. Missouri Botanical Garden nennt Weiden, Felder, gestörte Standorte, unbebaute Flächen und Straßenränder in den meisten US-Bundesstaaten als besiedelte Lebensräume. Diese Vorkommen gehen auf Einführung zurück und gehören nicht zum natürlichen europäischen und asiatischen Areal. 3
Im US-Bundesstaat Washington hat diese Ausbreitung rechtliche Folgen: Das Washington State Noxious Weed Control Board führt Echium vulgare als bekämpfungspflichtiges Unkraut der Klasse B. Verkauf und Transport von Pflanzen oder Samen sind dort untersagt. Besonders profitiert die Art von nährstoffarmen, gestörten Böden und überweideten Weideflächen. 9
Lebenszyklus und Vermehrung
Vom keimenden Samen bis zum Absterben verläuft ein typischer zweijähriger Zyklus: Nach der Keimung im Frühjahr oder Herbst bildet sich eine bodennahe Rosette, die überwintert. Erst im zweiten Jahr wächst der Blütenstängel. Nach der Fruchtbildung stirbt die Pflanze ab. RHS und Missouri Botanical Garden beschreiben sie entsprechend als monokarpisch, also nur einmal im Leben fruchtend. 2 3
Die Bestäubung hängt stark von Insekten ab. Während der Vollblüte wirkt die Art laut RHS wie ein Magnet auf Bestäuber, insbesondere Bienen und Hummeln, die der reichliche Nektar anzieht. Jede befruchtete Blüte bildet bis zu vier kantige Achänen. Ihre Gestalt erinnert an einen Vipernkopf und erklärt damit auch den Namen. 2 4
Durch Selbstaussaat kann die Pflanze sehr zahlreich auftreten. Missouri Botanical Garden beschreibt die Ausbreitung als frei und gelegentlich aggressiv. Wer die verblühten Stängel vor der Samenverbreitung entfernt, verhindert daraus entstehende neue Sämlinge im Folgejahr. Andernfalls erklärt die Selbstaussaat, warum Natternkopf über Jahre auf derselben Brache oder Böschung erhalten bleibt, obwohl die Einzelpflanzen nur kurz leben. 3
Giftigkeit und Sicherheit
Pyrrolizidinalkaloide verursachen das wichtigste Vergiftungsrisiko des Gewöhnlichen Natternkopfs. Das Merck Veterinary Manual zählt Echium neben Senecio, Crotalaria, Heliotropium und Cynoglossum zu den Gattungen, die Pyrrolizidinalkaloidvergiftungen auslösen können. Besonders empfindlich sind Rinder, Pferde, in Gehegen gehaltene Hirsche und Schweine. 8
In der Leber werden die Alkaloide in reaktive Pyrrole umgewandelt. Diese schädigen die DNA der Leberzellen und können nach wiederholter oder massiver Aufnahme zu chronischem Leberversagen führen, vor allem bei jungen, wachsenden Tieren. Die ASPCA bestätigt die Lebergefährdung für Pferde. Eine einzelne mäßige Aufnahme ist dabei weniger bedenklich als wiederholter Verzehr über mehrere Wochen. 8 7
Beim Menschen ist die unmittelbare Hautreizung konkreter belegt als das nicht abschließend bestätigte Risiko durch Lebensmittelverwendung: Steife Haare an Blättern und Stängeln lösen bei empfindlichen Personen Kontaktdermatitis aus. PFAF nennt einen historischen Verzehr junger Blätter als Salat, verbindet diesen jedoch mit einem Vorbehalt wegen nicht bestätigter Giftigkeit. Eine regelmäßige Nutzung als Lebensmittel ist daher nicht anzuraten. 6 3
Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Breitere, ovale Blätter kennzeichnen die wichtigste ähnliche Art, Echium plantagineum, in Australien als Paterson’s Curse bekannt. Ihre Blüten wechseln von Blau über Violett zu Rosa. Dagegen besitzt Echium vulgare deutlich lanzettliche Blätter und einen gleichmäßigeren blauvioletten Blüteneindruck. Diese Unterschiede sind hilfreicher als die allgemeine raue Behaarung beider Arten. 5
Die problematischen Inhaltsstoffe sind beiden gemeinsam: Auch Echium plantagineum enthält für Pferde giftige Pyrrolizidinalkaloide. Ihre Unterscheidung ist deshalb sowohl für die botanische Bestimmung als auch für die Bewirtschaftung von Weideflächen relevant. Eine Verwechslung hebt das Vergiftungsrisiko nicht auf. 5 8
Außerhalb der Gattung teilen andere blaublühende Raublattgewächse wie Borretsch und Beinwell die borstige Oberfläche und dieselbe chemische Stoffgruppe der Gifte, ohne insgesamt gleich auszusehen. Gegenüber diesen Gartenpflanzen sind die Form des Blütenstands und das ausgeprägte Blauviolett besonders hilfreich: Weder Borretsch noch Beinwell bilden diese Kombination in gleicher Weise aus. 1
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Echium vulgare L.
- Royal Horticultural Society, Echium vulgare, Gewöhnlicher Natternkopf
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Echium vulgare
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Echium vulgare
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Echium plantagineum
- Plants For A Future, Echium vulgare
- ASPCA, Giftige und ungiftige Pflanzen, Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)
- Merck Veterinary Manual, Pyrrolizidinalkaloidvergiftung bei Tieren
- Washington State Noxious Weed Control Board, Blueweed
- INPN / MNHN, Echium vulgare L., 1753
Häufig gestellte Fragen
Ist Gewöhnlicher Natternkopf giftig?
Ja, besonders für Weidetiere. ASPCA und Merck Veterinary Manual beschreiben Leberschäden durch Pyrrolizidinalkaloide bei Pferden und Rindern nach wiederholter oder massiver Aufnahme. Die steifen Haare können beim Menschen zudem Kontaktdermatitis auslösen.
Woher kommt der Name Echium?
Der Gattungsname leitet sich vom griechischen echis für Viper ab. Die kantige Frucht erinnert an einen Schlangenkopf. In der Volksmedizin wurde die Wurzel lange gegen Schlangenbisse verwendet; eine moderne Bestätigung dieser Wirkung fehlt.
Woran erkennt man die Rosette vor der Blüte?
Die grundständige Rosette trägt lanzettliche Blätter mit steifen Borsten und ist häufig bereits im Herbst vorhanden. Vor dem Schossen im folgenden Frühjahr lässt sich die Pflanze an diesem Stadium am leichtesten erkennen.
Ist Gewöhnlicher Natternkopf invasiv?
In Europa ist er heimisch, andernorts jedoch weitgehend eingebürgert. Das Washington State Noxious Weed Control Board führt ihn als Unkraut der Klasse B. In Gebieten, in denen er noch nicht etabliert ist, besteht Bekämpfungspflicht.
Mit welcher Echium-Art ist eine Verwechslung möglich?
Vor allem mit Echium plantagineum. Diese Art hat breitere, ovale Blätter; ihre Blüten wechseln von Blau über Violett zu Rosa, während Echium vulgare einen gleichmäßigeren blauvioletten Eindruck vermittelt.
Ist Natternkopf für Bestäuber wertvoll?
Ja. Die RHS beschreibt ihn während der Vollblüte als Magneten für bestäubende Insekten. Sein reichlicher Nektar macht ihn zu einer geschätzten Trachtpflanze für Bienen und Hummeln.
Sind die Blätter essbar?
PFAF nennt einen früheren Gebrauch fein geschnittener junger Blätter in kleinen Salatmengen, weist aber auf eine nicht abschließend bestätigte Giftigkeit hin. Eine regelmäßige Verwendung als Lebensmittel wird nicht empfohlen.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







