Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera, )
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera Royle, 1835) ist eine einjährige Balsaminaceae aus dem westlichen Himalaya. Im 19. Jahrhundert wurde es als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Es steht auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten; Anpflanzung, Verkauf und absichtliche Ausbreitung sind in der EU verboten. Entscheidend sind seine Erkennung, ökologischen Folgen und Bekämpfung.
WeiterlesenDrüsiges Springkraut, Indisches Springkraut, Himalaya-Balsamine, Riesenbalsamine, Himalayan balsam und Policeman’s helmet
An einen Platz mit indirektem Licht oder in einen schattigen Raum stellen.
Halbschatten bis lichter Schatten; bei stets feuchtem Boden auch mehr Sonne



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Weltweite Verbreitung
POWO und GISD verorten das natürliche Areal im westlichen Himalaya (Indien, Nepal, Pakistan), in 2.000 bis 2.500 m Höhe. Nach der Einführung als Zierpflanze in Großbritannien 1839 verwilderte die Art ab 1855 und besiedelte große Teile Europas, Nordamerikas und Neuseelands.
- Heimisch3
- Eingeführt3
- Invasiv4
- Indien
- Nepal
- Pakistan
- Kanada
- Vereinigte Staaten
- Neuseeland
- Vereinigtes Königreich
- Europäisches Frankreich
- Deutschland
- Polen
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera Royle, 1835) gilt als höchste einjährige Pflanze Europas: Innerhalb einer Saison erreicht es bis zu 2,5 m. Seit 2017 ist seine Anpflanzung in der EU verboten. Die Art gehört zur Gattung Impatiens innerhalb der Balsaminengewächse (Balsaminaceae). John Forbes Royle beschrieb sie 1835 anhand von Pflanzen aus dem Himalaya. POWO und GBIF führen diesen Namen als anerkannt. 1 5
Mit glandulifera, „Drüsen tragend“, sind die kleinen Drüsen am Blattgrund und an den Blattstielen gemeint. Sie sondern süßen, klebrigen Nektar ab. Der englische Name policeman’s helmet vergleicht die gerundete Blüte mit dem Helm britischer Polizisten; der deutsche Name betont dagegen die namensgebenden Drüsen. 2
Eine Verwendung als Gartenpflanze scheidet wegen des geltenden Verbots aus. Seit 2017 steht die Art auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Ihre Anpflanzung ist in der EU untersagt. Für den Umgang mit bestehenden Vorkommen stehen deshalb Bestimmung, ökologische Auswirkungen und verfügbare Bekämpfungsverfahren im Vordergrund. 9
Erkennung
Schon aus größerer Entfernung fallen die 1 bis 2,5 m hohen, aufrechten Pflanzen auf. Der hohle, saftreiche Stängel ist häufig rötlich und bricht bei starkem Wind leicht. Trotz der beträchtlichen Höhe reichen die Wurzeln selten tiefer als 15 cm. Dieses oberflächennahe Wurzelsystem erklärt, weshalb selbst große Pflanzen durch manuelles Ausreißen entfernt werden können. 2 6
Lanzettliche, gezähnte Blätter werden 5 bis 23 cm lang und stehen paarweise oder in Dreierquirlen am Stängel. Die rosa, purpurfarbenen oder gelegentlich weißen Blüten besitzen eine Helmform und messen 3 bis 4 cm. Ihre Blütezeit reicht von Juli bis Oktober. 2 6
Zur Abgrenzung gegenüber anderen hohen, rosa blühenden Uferpflanzen eignet sich besonders die Frucht. Die längliche Kapsel springt bei Berührung auf und schleudert Samen fünf bis sieben Meter weit. Diese explosive Öffnung heißt auch Ballochorie. Eine einzelne Pflanze kann pro Saison mehr als 2.500 Samen bilden, was ihre rasche Ausbreitung verständlich macht. 6 8
Taxonomie und Namen
Unter Impatiens glandulifera Royle wird die Art in der Familie Balsaminaceae und der Ordnung Ericales anerkannt. Historische Synonyme sind Impatiens roylei Walp., Balsamina glandulifera (Royle) Ser., Impatiens glanduligera Lindl. und Impatiens royleana Payer. Diese Namen bezeichnen dasselbe Taxon und keine verschiedenen Gartenarten. 1
Französische Bezeichnungen wie balsamine de l’Himalaya, balsamine géante, balsamine glanduleuse, impatiente de l’Himalaya und impatiente glanduleuse führt Tela Botanica als gleichbedeutende Trivialnamen. Im Englischen stehen Himalayan balsam, Indian balsam und policeman’s helmet für dieselbe Pflanze. Bei fremdsprachigen Fundmeldungen hilft das vollständige Binomen, diese Benennungen eindeutig zuzuordnen. 7 2
Der EPPO-Code IPAGL kennzeichnet die Art in pflanzengesundheitlichen Datenbanken. Als Kennung dient er vor allem der Verwaltung und regulatorischen Erfassung. Für eine eindeutige botanische Benennung bleibt der vollständige wissenschaftliche Name maßgeblich. 4
Lebensraum und Verbreitung
Im westlichen Himalaya erstreckt sich das von POWO und GISD angegebene natürliche Areal von Kaschmir bis Nepal. Die meisten genannten Standorte liegen in 2.000 bis 2.500 m Höhe; einzelne Nachweise reichen bis 4.000 m. Dieses Gebirgsareal ist von den später besiedelten Tieflandstandorten Europas zu unterscheiden. 1 6
John Forbes Royle brachte die Pflanze 1839 aus Kaschmir nach Kew Gardens. Bereits 1855 war sie in Hertfordshire und Middlesex verwildert. Anschließend breitete sie sich über große Teile Europas sowie nach Nordamerika und Neuseeland aus. 3
Heute gilt die Art in Frankreich und weiten Teilen West- und Mitteleuropas als invasiv. Besonders häufig besiedelt sie Fließgewässer und feuchte Gräben. Seit etwa zwei Jahrzehnten nimmt sie außerdem an den Rändern gewässerbegleitender Wälder zu und bleibt damit nicht auf offene Ufer beschränkt. 4 5
Lebenszyklus, Bestäubung und Samen
Eine längere Kältephase ist für die Keimung dieser streng einjährigen Art erforderlich. Die Samen brauchen etwa 4 °C über mehr als 45 Tage, damit ihre Ruhe aufgehoben wird. Unter den beschriebenen Bedingungen keimen sie anschließend im Februar oder März und beginnen ihren einzigen Vegetationszyklus. 6
Etwa dreizehn Wochen nach der Keimung beginnt die Blüte. Die Nektarmenge erreicht bis zu 0,47 mg je Blüte und Stunde, gegenüber höchstens 0,3 mg bei heimischen Pflanzen Mitteleuropas. Dieses größere Angebot zieht Hummeln und Bienen besonders stark an, wodurch benachbarte heimische Blüten weniger besucht werden. 6
Zwölf Wochen später öffnen sich die reifen Kapseln explosionsartig und verteilen ihre Samen mehrere Meter weit. Mit den ersten Frösten sterben die Pflanzen. Zurück bleiben kahle Ufer, weil die hohlen Stängel im Winter zerfallen. Die dadurch erhöhte Erosionsanfälligkeit ist eine dokumentierte Folge des einjährigen Lebenszyklus. 6
Rechtlicher Status und Bekämpfung
Die Durchführungsverordnung (EU) 2017/1263 nahm Impatiens glandulifera in die Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten auf. Einbringung, Vermehrung, Transport, Vermarktung, Verwendung und Freisetzung in die Umwelt sind in der EU verboten. Der Status ist bei jeder Entscheidung über einen vorhandenen Bestand zu berücksichtigen. 9
In Frankreich konkretisiert der Erlass vom 14. Februar 2018 über invasive gebietsfremde Pflanzen die Verbote. Im Vereinigten Königreich ist die Art in Anhang 9 des Wildlife and Countryside Act 1981 aufgeführt. Dort ist es verboten, sie in der freien Natur wachsen zu lassen; bereits vorhandene Gartenpflanzen müssen nach dieser Regelung jedoch nicht entfernt werden. 10 2
RHS und GISD empfehlen manuelles Ausreißen und Mähen vor der Blüte. An Gewässerufern werden Herbizide nicht empfohlen. Seit 2014 wird im Vereinigten Königreich der spezialisierte Rostpilz Puccinia komarovii var. glanduliferae zur biologischen Bekämpfung erprobt. Die Ergebnisse unterscheiden sich bislang je nach Standort; ein überall gleich wirksames Verfahren ist daraus nicht abzuleiten. 2 6
Verwendung, Giftigkeit und Verwechslungen
Bei Hunden und Katzen ist keine erhebliche Giftigkeit dokumentiert. Große Mengen roher Pflanzenteile können beim Menschen durch Oxalate abführend wirken; Kochen junger Triebe vermindert das Risiko. Reife Samen werden roh oder geröstet gegessen und als nussig beschrieben. Ihre Ernte ist allerdings schwierig, weil die Kapseln bereits vor dem Pflücken aufspringen. 8
In der komplementären Medizin wird die Art für Bachblüten unter der Bezeichnung „Impatiens“ eingesetzt. Sie gehört zu den fünf Bestandteilen des bekannten Rescue Remedy. Diese Verwendung stellt keinen anerkannten klinischen Wirksamkeitsnachweis dar und ist von einer belegten medizinischen Wirkung zu unterscheiden. 8
Im Gelände kommen vor allem andere hohe, rosa blühende Uferpflanzen als Verwechslungspartner infrage, etwa das Schmalblättrige Weidenröschen. Ein hohler rötlicher Stängel, helmförmige Blüten und Drüsen am Blattgrund liefern zusammen die verlässlichere Bestimmung als die Blütenfarbe allein. Gerade bei gemischten Uferbeständen sollte diese Merkmalskombination an derselben Pflanze geprüft werden. 11 12
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Impatiens glandulifera Royle
- Royal Horticultural Society, Porträt des Drüsigen Springkrauts
- GB Non-Native Species Secretariat, Informationsportal zum Drüsigen Springkraut
- EPPO Global Database, Impatiens glandulifera (IPAGL)
- GBIF, Impatiens glandulifera Royle
- IUCN Global Invasive Species Database, Impatiens glandulifera
- Tela Botanica eFlore / BDTFX, Impatiens glandulifera
- Plants For A Future, Impatiens glandulifera
- EUR-Lex, Durchführungsverordnung (EU) 2017/1263 der Kommission
- Légifrance, Erlass vom 14. Februar 2018 über invasive gebietsfremde Pflanzen
- USDA PLANTS Database, Impatiens glandulifera, ornamental jewelweed
- California Invasive Plant Council, Impatiens glandulifera Risikobewertung
Häufig gestellte Fragen
Ist Drüsiges Springkraut giftig?
Für Hunde und Katzen ist keine erhebliche Giftigkeit dokumentiert. Beim Menschen können Oxalate in großen Mengen roher Pflanzenteile abführend wirken. Kochen vermindert dieses Risiko.
Warum darf man es nicht im Garten pflanzen?
Seit 2017 steht die Art auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten. In der EU sind Kultur, Verkauf, Anpflanzung und absichtlicher Transport verboten.
Woran erkennt man Drüsiges Springkraut?
Hohle, rötliche, saftreiche Stängel, gezähnte Blätter in Dreiergruppen und rosa Helmblüten bilden eine zuverlässige Kombination zur Unterscheidung von anderen Uferpflanzen.
Sind Samen und junge Triebe essbar?
Gekochte junge Triebe sowie reife Samen, roh oder geröstet, sind als essbar dokumentiert. Abgesehen von gelegentlicher Verwendung für Konfitüre oder Öl werden sie wenig genutzt.
Sollte man einen Bestand selbst ausreißen?
Auf kleinen Flächen sind Ausreißen oder Mähen vor der Blüte am wirksamsten. Bei starkem Befall oder empfindlichen Ufern sollte der Bestand gemeldet und nach den örtlichen Vorgaben behandelt werden.
Warum besuchen Bestäuber benachbarte heimische Blüten seltener?
Die sehr reichliche Nektarproduktion lockt Hummeln und Bienen zulasten benachbarter heimischer Pflanzen an. Dies ist als ein Mechanismus der ökologischen Auswirkungen dokumentiert.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





