Amerikanischer Amberbaum (Liquidambar styraciflua, )
Amerikanischer Amberbaum (Liquidambar styraciflua) ist ein großer sommergrüner Baum der Altingiaceae aus dem Osten der USA und den Nebelwäldern Mexikos und Mittelamerikas. Seine fünfzackigen Sternblätter, die tief gefurchte Borke und die kugeligen, stacheligen Fruchtstände, die den Winter über an den Zweigen bleiben, machen ihn unverwechselbar.
WeiterlesenAmerikanischer Amberbaum, Liquidambar, Seesternbaum, American sweetgum, Sweetgum und Redgum
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne für die beste Herbstfärbung





© Foto
(c) Randy Puckett, some rights reserved (CC BY-NC), uploaded by Randy Puckett · cc-by-nc
C. · cc0
Alan Weakley · cc0
Taken Jun 28, 2020 by iserte jose (cc-by-sa)
Taken Dec 11, 2020 by Isa Isabelle Walgarth (cc-by-sa)
Taken Oct 23, 2022 by Nathalie Potel (cc-by-sa)
Taken Dec 30, 2021 by jean-jacques kelner (cc-by-sa)
Taken Nov 7, 2015 by EOL − jacobogre (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Liquidambar styraciflua umfasst den Osten und das südliche Zentrum der USA von Connecticut bis Texas und Florida, wo er feuchte Ebenen besiedelt. Weiter südlich reicht es von Mexiko über Guatemala, Honduras und Nicaragua bis Belize, dort in Nebelwäldern mittlerer Höhenlagen. Als Zierbaum ist er außerhalb seines natürlichen Areals weit verbreitet, heute auch in Europa, Kolumbien und Australien, ohne dort als invasiv zu gelten.
- Heimisch5
- Vereinigte Staaten
- Mexiko
- Guatemala
- Honduras
- Nicaragua
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Amerikanischer Amberbaum (Liquidambar styraciflua L., 1753) bezeichnet einen großen sommergrünen Baum und den einzigen amerikanischen Vertreter der Gattung Liquidambar. Zu seinen Namen gehören auch Liquidambar und Seesternbaum. Früher ordnete man die Gattung den Hamamelidaceae zu; heute steht sie in der Familie der Altingiaceae. Der wissenschaftliche Name verbindet damit eine klar umrissene Art mit einer im Lauf der Forschung veränderten Familienzuordnung. 1 4
Im Gattungsnamen treffen das lateinische liquidus, „flüssig“, und das arabische al-'anbar, „Amber“, aufeinander. Linné verwendete ihn 1753 für das duftende Harz, das aus verletzter Rinde austritt. Schon 1517 beobachtete Juan de Grijalva, wie die Maya dieses Harz als duftende Opfergabe verbrannten: Hohle Schilfrohre wurden dafür mit trockenen Kräutern und Liquidambar gefüllt. 10
Erkennung
In Kultur erreicht der Amerikanische Amberbaum häufig 15 bis 20 m Höhe. Wild wachsende Exemplare können bis zu 45 m hoch werden; der Stammdurchmesser liegt im Durchschnitt bei 60 bis 90 cm. Die zunächst pyramidenförmige Krone wird mit zunehmendem Alter eiförmig, wenn die Äste schwerer werden. Die Jugendform und die ältere Krone können deshalb recht unterschiedlich wirken. 4 10
Die Blätter stehen wechselständig, also nicht paarweise gegenüber wie beim Ahorn. Ihre Sternform besteht aus fünf, gelegentlich drei oder sieben spitzen Lappen. Die Blattspreite ist 8 bis 13 cm breit, der Stiel 6 bis 10 cm lang. Zerrieben verströmen die gerbstoffhaltigen Blätter einen leichten Harzduft. Im Herbst wechseln sie zu Gelb, Orange, Rot und Purpur, oft mit mehreren Farbtönen an demselben Baum. 4
Hellbraune bis graue Borke reißt tief in unregelmäßigen Platten auf. In Nordamerika brachte ihr dieses Aussehen den Beinamen alligatorwood ein. Bereits im zweiten Jahr können junge Zweige geflügelte Korkleisten bilden. An solchen Strukturen sammeln sich Schnee und Eis; dadurch nimmt die Last auf dem Astwerk zu. 4
Nützliche Taxonomie
Für diesen Baum bleibt Liquidambar styraciflua L. der von POWO/WCVP akzeptierte Name. In älterer Literatur und im Handel begegnen daneben mehrere Synonyme und historische Varietätsnamen:
- Liquidambar gummifera Salisb., nom. superfl., ein überflüssiger Name;
- Liquidambar macrophylla Oerst., ein historisches Synonym;
- Liquidambar styraciflua var. mexicana Oerst., ein Varietätsname;
- Liquidambar styraciflua f. rotundiloba Rehder, ein Formenname.
Der verwandte Liquidambar orientalis aus der Türkei lieferte historisch den eigentlichen Styrax des Handels. Weil beide Harze früher verwechselt wurden, konnte „Storax“ lange Zeit für beide stehen. Die fünf Arten der Gattung Liquidambar verteilen sich auf Amerika, Asien und den Mittelmeerraum; allein L. styraciflua stammt vom amerikanischen Kontinent. Für die Unterscheidung sind daher der vollständige Artname und die Herkunft aussagekräftiger als die Harzbezeichnung. 1
Lebensraum und Verbreitung
Feuchte Tieflagen im Osten und im südlichen Zentrum der USA bilden einen wesentlichen Teil des natürlichen Areals, von Connecticut bis Texas und Florida. Weiter südlich findet sich die Art vom mexikanischen Nuevo León bis Guatemala, Honduras, Nicaragua, El Salvador und Belize. Dort besiedelt sie Nebelwälder mittlerer Höhenlagen unter feuchten tropischen, durch die Höhenlage gemäßigten Bedingungen. 7 4
Die IUCN bewertet Liquidambar styraciflua als nicht gefährdet. Ausschlaggebend ist das große, zusammenhängende Areal, auch wenn der Baum im Südosten der Vereinigten Staaten intensiv forstwirtschaftlich genutzt wird. Der Gefährdungsstatus beschreibt somit die Art insgesamt und schließt eine starke Nutzung einzelner Bestände nicht aus. 5
Außerhalb des natürlichen Areals ist der Amerikanische Amberbaum ein verbreiteter Zierbaum. Er steht in europäischen Parks und Alleen, darunter in Frankreich, und wird auch in Kolumbien und Australien gepflanzt, ohne dort als invasiv zu gelten. Solche Pflanzungen sind von seinen ursprünglichen Waldvorkommen zu unterscheiden. 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Männliche und weibliche Blüten erscheinen im Frühling auf demselben Baum: Die Art ist einhäusig. Die männlichen Blüten bilden endständige, 5 bis 8 cm lange Trauben, die weiblichen stehen in einzelnen Köpfchen. Da die Blüten klein, grünlich und ohne Kronblätter sind, bleiben sie im Vergleich zum Laub und den späteren Fruchtständen wenig auffällig. 4
Nach der Bestäubung entstehen kugelige, stachelige Fruchtstände von 3 bis 4 cm Durchmesser. Sie bestehen aus 40 bis 60 verwachsenen Kapseln mit jeweils zwei Spitzen. Diese oft gumballs genannten Kugeln bleiben den gesamten Winter an den Zweigen hängen. Anschließend fallen sie in großer Zahl zu Boden, wo ihre harte, stachelige Beschaffenheit erhalten bleibt. 4
Geflügelte Samen werden durch den Wind verbreitet. Sie keimen nach einer kalten Stratifikation von 30 bis 90 Tagen bei 1 bis 5 °C oder nach 15 bis 20 Tagen Einweichen. Unter günstigen Bodenbedingungen benötigt ein junger Baum 20 bis 30 Jahre, bis er eine ausgewachsene Krone bildet und vollständig fruchtet. 10
Nutzen und Risiken
Das rötlich braune, gelegentlich schwarz geaderte Holz gehört zu den bedeutenden wirtschaftlich genutzten Laubhölzern im Südosten der USA. Es wird zu Sperrholz, Möbeln, Kisten, Fässern und sogar Essstäbchen für den asiatischen Markt verarbeitet. Es lässt sich gut polieren, verzieht sich beim Trocknen jedoch leicht. Diese Eigenschaft ist für seine Verarbeitung ebenso wesentlich wie Farbe und Maserung. 4
Das als Liquidambar oder Amberbaumbalsam bezeichnete Harz tritt aus verletzter Rinde aus und wird durch Einschneiden, Erhitzen und Pressen gewonnen. In der traditionellen chinesischen Medizin wurde es gegen Husten und Durchfall verwendet. Die neuere Forschung untersucht es als erneuerbare Quelle von Shikimisäure, einem Ausgangsstoff für antivirale Synthesen. Auch das mögliche krebshemmende Potenzial von Fruchtextrakten wird erforscht; daraus folgt keine belegte Behandlungsempfehlung. 8 9
Für Menschen und Haustiere ist der Baum ungiftig. Die wesentlichen Gefahren sind mechanisch: Herabgefallene stachelige Früchte rollen unter den Füßen und beeinträchtigen Rasenflächen. Auf verdichtetem Boden können oberflächennahe Wurzeln Gehwege und Fundamente anheben. NC State empfiehlt, vor dem Pflanzen mehr als 18 m verfügbaren Raum für den Baum einzuplanen. 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Auszeichnungen der RHS tragen unter anderem 'Worplesdon', 'Lane Roberts' und 'Penwood'. 'Worplesdon' fällt durch tief eingeschnittene Blätter und orange, rote sowie purpurfarbene Herbsttöne auf. Die sterile Sorte 'Rotundiloba' besitzt gerundete Blattlappen und wurde in den 1930er-Jahren in North Carolina ausgelesen, um stachelige Früchte zu vermeiden. 'Gumball' wächst zwergig, wird selten höher als 2 m und eignet sich deshalb für kleine Gärten. 2 3
An Ahorn (Acer) erinnert vor allem die sternförmige Blattspreite. Ihre wechselständige Anordnung trennt den Amberbaum jedoch unmittelbar von den gegenständigen Ahornblättern. Die Fruchtkugeln ähneln außerdem denen der Amerikanischen Platane (Platanus occidentalis). Deren weiche Fruchtstände zerfallen bei der Reife; die Kugeln des Amberbaums bleiben dagegen lange nach dem Abfallen hart, stachelig und zusammenhängend.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Liquidambar styraciflua L.
- Royal Horticultural Society, Liquidambar styraciflua 'Worplesdon'
- Royal Horticultural Society, AGM-Pflanzen — Zierpflanzenliste (2017)
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Liquidambar styraciflua
- IUCN Red List, Liquidambar styraciflua Bewertung (Beech et al., 2018)
- INPN / MNHN, Liquidambar styraciflua — Amerikanischer Amberbaum
- Atlas of Florida Plants (University of South Florida), Liquidambar styraciflua
- Enrich et al., 2008, Liquidambar styraciflua — eine erneuerbare Quelle von Shikimisäure, Tetrahedron Letters
- Pozzobon et al., 2023, chemische Untersuchung von Fruchtextrakten aus Liquidambar styraciflua, Molecules
- Cal Poly Plant Conservatory (archiviert), Liquidambar styraciflua — Amerikanischer Amberbaum
Häufig gestellte Fragen
Ist der Amerikanische Amberbaum für Katzen und Hunde giftig?
Nein. Die Art zählt nicht zu den für Haustiere giftigen Pflanzen. Das wichtigste Risiko sind die stark stacheligen, herabgefallenen Früchte, die unter nackten Füßen schmerzen.
Warum verliert der Amerikanische Amberbaum stachelige Kugeln?
Die aus 40 bis 60 verwachsenen Kapseln gebildeten Fruchtstände bleiben den ganzen Winter an den Zweigen und fallen anschließend in großer Zahl ab. Die sterile Sorte Rotundiloba wurde eigens ausgelesen, um dieses Problem zu vermeiden.
Wie unterscheidet man Amerikanischen Amberbaum von Ahorn?
Die Blätter sehen ähnlich sternförmig aus. Beim Amberbaum stehen sie jedoch wechselständig am Zweig, beim Ahorn paarweise gegenüber. Diese Blattstellung ist ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal.
Kann der Amerikanische Amberbaum Fundamente oder Gehwege beschädigen?
Auf verdichtetem Boden können seine oberflächennahen Wurzeln mit zunehmendem Alter Beläge und Pflaster anheben. NC State empfiehlt, vor dem Pflanzen mehr als 18 m verfügbaren Raum einzuplanen.
Gibt es einen Amerikanischen Amberbaum ohne stachelige Früchte?
Ja. Die Sorte Rotundiloba besitzt abgerundete Blattlappen, ist steril und bildet die für die Art typischen stacheligen Kugeln nicht.
Wofür wird das Harz des Amerikanischen Amberbaums verwendet?
Früher diente es in der traditionellen Medizin und zur Herstellung von Kaugummi. Heute interessiert es die Forschung als Quelle von Shikimisäure, einem Ausgangsstoff für die Synthese antiviraler Wirkstoffe.
Ist der Amerikanische Amberbaum in Frankreich heimisch?
Nein. Sein natürliches Areal liegt im Osten der USA und in den Nebelwäldern Mittelamerikas. In Frankreich kommt er als gepflanzter Zierbaum in Parks und Alleen vor.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







