Kapstachelbeere (Physalis peruviana, )
Kapstachelbeere (Physalis peruviana) ist eine krautige Staude aus der Familie Solanaceae und stammt aus den südamerikanischen Anden. Aus jeder Blüte entsteht eine orange Frucht in einem aufgeblähten, papierlaternenartigen Kelch, der die Beere bis zur Vollreife schützt. Seit der Inkazeit kultiviert, verbreitete sie sich weltweit und ist auch als Andenbeere oder Goldenberry bekannt.
WeiterlesenKapstachelbeere, Andenbeere, Physalis, Andenkirsche, Peruanische Blasenkirsche und Cape gooseberry
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Weltweite Verbreitung
Nach POWO beschränkt sich das natürliche Areal im engeren Sinn auf Bolivien und Westbrasilien. Die andine Überlieferung und die meisten gärtnerischen Quellen verbinden die Art hingegen mit den Hochtälern Perus und Kolumbiens, wo sie bereits zur Inkazeit kultiviert worden sein soll. Vor 1807 am Kap der Guten Hoffnung etabliert und anschließend nach Australien verbreitet, hat sich die Kapstachelbeere in zahlreichen gemäßigten und tropischen Regionen eingebürgert.
- Heimisch2
- Eingeführt3
- Bolivien
- Brasilien
- Südafrika
- Australien
- Neuseeland
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Kapstachelbeere (Physalis peruviana L., 1763), auch Andenbeere genannt, ist eine krautige Staude der Gattung Physalis aus der Familie Solanaceae. Die Frucht bleibt vom grünen Stadium bis zur orangefarbenen Vollreife in einem aufgeblähten Kelch eingeschlossen, der einer Papierlaterne ähnelt. Dieser schützt die wachsende Beere vor Insekten und Witterung. Übliche Fruchtgemüse unter den Solanaceae, darunter Tomate und Aubergine, besitzen eine solche Hülle nicht. 1 3
Seit der Zeit des Inkareichs wird die Art in den Anden kultiviert. Sie war vor 1807 am Kap der Guten Hoffnung etabliert und gelangte anschließend nach Australien. Die Ansiedlung am Kap erklärt den englischen Namen Cape gooseberry und den entsprechenden deutschen Namen Kapstachelbeere. Der Name beschreibt einen Handelsweg, keine afrikanische botanische Herkunft. 3
Erkennung
Mit 60 cm bis 1,5 m Höhe bildet die Kapstachelbeere einen ausladenden Busch; bei verwilderten Pflanzen in mildem Klima werden vereinzelt 2,5 m angegeben. Die kantigen, brüchigen Stängel tragen behaarte, länglich herzförmige Blätter, die einander fast gegenüberstehen. Fruchtlast beschwert die Triebe rasch. Ein Stab oder ein Tomatenkäfig vermindert Bruch, besonders an stark behangenen Stängeln. 7 3
Einzelne glockenförmige Blüten zeigen blassgelbe Kronblätter mit fünf braunvioletten Flecken im Inneren. Dieses purpurne Muster fehlt bei den weißen oder violetten Blüten von Tomate und Aubergine. Nach der Bestäubung wächst der Kelch rasch zu einer grünen, papierartigen Hülle heran, die mit der Reife der eingeschlossenen Frucht braun wird und eintrocknet. 3 4
Die runde Beere misst 1,5 bis 2 cm im Durchmesser. Ihre glatte, glänzende Haut ist bei Vollreife orange bis goldorange. Ein noch grüner Kelch weist auf eine zu früh gepflückte Frucht hin: Sie ist saurer und kann den Magen reizen. Solche Früchte sollten vor der Ernte noch einige Tage an der Pflanze reifen. 3
Nützliche Taxonomie
Unter Physalis peruviana L. führt POWO/WCVP den akzeptierten Namen. Zahlreiche Synonyme stammen aus Revisionen der Gattung und älteren regionalen Beschreibungen:
- Physalis edulis Sims, botanisches Synonym
- Physalis latifolia Lam.
- Physalis peruviana var. latifolia (Lam.) Dunal
- Physalis tomentosa Medik.
- Boberella peruviana (L.) E.H.L.Krause
- Herschelia edulis (Sims) Bowdich
Zusätzliche Verwirrung entsteht im Saatguthandel: Die englischen Bezeichnungen ground cherry und tomatillo stehen für zwei andere Arten der Gattung, Physalis philadelphica und Physalis pruinosa. Sie werden grün für die mexikanische Küche geerntet, während die Kapstachelbeere vollreif und orange genutzt wird. Der wissenschaftliche Name bleibt daher der verlässliche Anhaltspunkt zur Unterscheidung dieser Verwendungen. 1 2
Lebensraum und Verbreitung
Das eng gefasste natürliche Areal von Physalis peruviana liegt nach POWO zwischen Bolivien und Westbrasilien. Andine Überlieferungen und die meisten gärtnerischen Quellen verbinden die Art dagegen mit den Hochtälern Perus und Kolumbiens, wo der Anbau bis in die Inkazeit zurückreichen soll. Das natürliche Areal muss daher vom größeren, botanisch weniger gut dokumentierten historischen Domestikationsgebiet unterschieden werden. 1 6
Auf Brachen, an Feldrändern, Böschungen und auf Ödland besiedelt die Pflanze in den Anden Höhen vom Meeresspiegel bis etwa 3200 m. Oberhalb davon begrenzt nächtliche Kälte ihr Vorkommen. Außerhalb dieses Gebiets ist sie vielerorts eingebürgert. In Westaustralien wächst sie an Straßen und Wasserläufen; auf der Südhalbkugel öffnen sich dort Blüten im Winter und im Frühsommer. 7
Lebenszyklus und Vermehrung
Vorwiegend wird die Kapstachelbeere durch Aussaat, seltener durch Teilung bestehender Horste vermehrt. In warmem, frostfreiem Klima wächst Physalis peruviana mehrjährig und blüht und fruchtet fast ganzjährig. In gemäßigtem Klima kann Frost die Pflanze in einer Nacht zerstören, sobald die Temperatur unter 0 °C fällt. Sie wird daher einjährig kultiviert oder im Topf zur Überwinterung eingeräumt. 4
Über die warme Jahreszeit hinweg erscheinen fortlaufend Blüten. Jede bestäubte Blüte löst das Wachstum des schützenden Kelchs aus, der den wachsenden Fruchtknoten einschließt. Abhängig von der Wärme benötigt die Frucht mehrere Wochen für den Farbumschlag von Grün zu Goldorange. Dabei trocknet der Kelch und nimmt die für Vollreife typische hellbraune Färbung an. 3
Nutzen und Risiken
Vollreife Beeren werden frisch gegessen, als Rosinenersatz getrocknet oder zu Konfitüre, Sauce, Kuchen und Kompott verarbeitet. Sie gelten als reich an Vitamin C und Provitamin A; auch die Protein- und Phosphorgehalte sind für eine Frucht ungewöhnlich hoch. 3
Blätter, Stängel, Kelch und unreife Früchte sind giftig und enthalten Glykoalkaloide vom Solanin-Typ. Unreife Früchte verursachen Vergiftungen, die bei Weidevieh in Australien teilweise tödlich verlaufen. Besonders bei Pferden werden nach Aufnahme grüner Pflanzenteile Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, erweiterte Pupillen, Erbrechen und Durchfall beschrieben. Nur die vollreife Frucht mit braunem, trockenem Kelch gilt als essbar. 3 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Ein ebenso gefestigtes Sortenregister wie bei anderen Gemüsepflanzen besitzt Physalis peruviana nicht. Handelsnamen wie 'Golden Nugget' sind im Umlauf. Ob sie genau dieser Art oder einer anderen lokalen Auslese zuzuordnen sind, variiert je nach Katalog; ein verbindlicher Sortenstandard fehlt.
Besonders häufig kommt es zur Verwechslung mit der Lampionblume (Physalis alkekengi). Sie wird wegen ihres dekorativen orangeroten Kelchs kultiviert, ihre Frucht gilt im Vergleich zur Kapstachelbeere als deutlich weniger schmackhaft. Handelsübliche Tomatillos sind Physalis philadelphica oder Physalis pruinosa und werden grün und unreif geerntet. Bei der Kapstachelbeere ist dagegen die orange, reife Frucht gefragt. 2
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Physalis peruviana L.
- Integrated Taxonomic Information System, Physalis peruviana L.
- Purdue University NewCrop / Morton, Cape Gooseberry (Physalis peruviana)
- NC State Extension, Physalis
- Plants For A Future, Physalis peruviana
- INPN / MNHN, Physalis peruviana L.
- FloraBase Western Australia, Physalis peruviana
Häufig gestellte Fragen
Ist die Kapstachelbeere giftig?
Stängel, Blätter, Kelch und unreife Früchte enthalten Glykoalkaloide vom Solanin-Typ. Nur die vollreife Frucht gilt als essbar, wenn der Kelch braun und trocken ist.
Sind Physalis peruviana und Physalis alkekengi dieselbe Pflanze?
Nein. Physalis alkekengi, die Lampionblume, wird wegen ihres dekorativen orangeroten Kelchs angebaut; ihre Frucht wird in der Küche deutlich weniger geschätzt. Physalis peruviana wird dagegen wegen der süßen Frucht kultiviert.
Woran erkennt man eine reife Frucht?
Der umgebende Kelch wird braun, trocknet ein und wird papierartig. Zugleich färbt sich die Frucht orange bis goldorange. Ein noch grüner Kelch weist auf eine unreife Frucht hin.
Ist die Kapstachelbeere mehrjährig oder einjährig?
In warmem, frostfreiem Klima ist sie eine krautige Staude. Kälte zerstört sie jedoch schon bei den ersten Frösten. In gemäßigtem Klima wird sie deshalb einjährig kultiviert oder im Topf zur Überwinterung eingeräumt.
Woher stammt der Name Kapstachelbeere?
Der englische Name Cape gooseberry geht auf die Ansiedlung am Kap der Guten Hoffnung vor 1807 zurück. Von dort gelangte die Pflanze nach Australien, wo sich ihr weitverbreiteter englischer Name etablierte.
Kann man die Kapstachelbeere mit Tomatillos verwechseln?
Handelsübliche Tomatillos gehören meist zu Physalis philadelphica oder Physalis pruinosa. Diese anderen Arten werden grün für die mexikanische Küche geerntet, während bei Physalis peruviana die orange, reife Frucht gefragt ist.
Welche Probleme treten bei der Kapstachelbeere häufig auf?
Echter Mehltau, Wurzelfäule in vernässtem Boden und mehrere bei Solanaceae verbreitete Schädlinge, insbesondere Erdflöhe und Spinnmilben, zählen zu den wichtigsten Kulturproblemen.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






