Scheinerdbeere (Potentilla indica, (Andrews) Th.Wolf 1904)

Die Scheinerdbeere (Potentilla indica) ist eine kriechende Staude der Rosaceae mit einem großen natürlichen Areal von Afghanistan bis in den russischen Fernen Osten und nach Malaysia. Gelbe Blüten und aufrechte rote Scheinfrüchte erinnern an echte Erdbeeren. Die Ähnlichkeit endet jedoch bei der Farbe: Das Fruchtfleisch bleibt fade. Mit langen Ausläufern besiedelt die Pflanze gestörte Böden rasch.

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Wissenschaftlicher NamePotentilla indica
GattungPotentilla
OrdnungRosales

Scheinerdbeere, Indische Scheinerdbeere, Scheinerdbeer-Fingerkraut, Falsche Erdbeere, Mock strawberry und Indian strawberry

Identität
Toxizität
none
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Kräuterlebhaft · Bodendecker · Wilde Blume
Blattart
Halbimmergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
ChinaJapanIndienAfghanistan
Lebensraum
Waldränder, Wiesen und Rasen, Weg- und Flussränder, gestörte Flächen und Gärten
Ökologischer Nutzen
Blüten werden von kleinen Bestäubern besuchtBodendecker begrenzt Erosion auf gestörten Flächen
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommer
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Blüten und erste Ausläufer schon in der ersten Saison nach dem Anwachsen.
Vermehrung
Teilung, Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Luftfeuchtigkeit
50–85 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Reicher Boden, Kühler, feuchter Boden, Entwässerter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Viel Umgebungslicht bieten, ohne direkte Sonne auf den Blättern.

Volle Sonne bis dichter Schatten; standortabhängig breite Toleranz.
Außenbereich
Gartenbeet, Schattengarten
Pflanzgefäße
Abflusstopf, Hängender Topf
Erscheinungsbild
Höhe2–10 cmBreite30–100 cm
Blätter
Grün
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbGröße1–2 cm
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
RotWeißGröße1–2 cm
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Scheinerdbeere (Potentilla indica): Herkunft und Verwendung — rinde 3

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Potentilla indica reicht von Afghanistan über Indien und den Himalaja nach China, Japan, Korea und Südostasien bis Malaysia. Seit dem 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt, hat sie sich in zahlreichen gemäßigten und subtropischen Regionen der Welt eingebürgert und gilt in mehreren davon als invasiv.

  • Heimisch4
  • Eingeführt2
  • Invasiv2
  • China
  • Japan
  • Indien
  • Afghanistan
  • Europäisches Frankreich einschließlich Korsika
  • Argentinien
  • Belgien
  • Vereinigte Staaten (Südosten)

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Die Scheinerdbeere (Potentilla indica (Andrews) Th.Wolf, 1904) ist eine kriechende Staude der Familie Rosaceae. Lange wurde sie als Duchesnea indica in der Gattung Duchesnea geführt. Molekularphylogenetische Analysen auf Grundlage der Chloroplasten-DNA zeigten jedoch, dass Duchesnea innerhalb von Potentilla liegt. Daraufhin wurde die Art zu Potentilla gestellt. 10 1

Das Epitheton indica verweist auf die indische Herkunft, die Henry Charles Andrews schon 1807 bei der Beschreibung unter dem Basionym Fragaria indica annahm. Das tatsächliche Areal reicht weit über Indien hinaus, von Afghanistan bis in den russischen Fernen Osten und nach Malaysia. Der französische Name „fraisier de Duchesne“ ehrt Antoine Nicolas Duchesne, den französischen Botaniker, der im 18. Jahrhundert ein grundlegendes Werk zur Naturgeschichte der Erdbeeren verfasste. 9 2

Erkennung

Oft genügt bereits die Blütenfarbe, um eine Verwechslung mit echten Erdbeeren der Gattung Fragaria auszuschließen. Potentilla indica trägt gelbe Blüten mit fünf Kronblättern und zwanzig bis dreißig Staubblättern. Echte Erdbeeren blühen dagegen weiß oder blassrosa. 10 6

Eine niedrige Rosette von 2 bis 10 cm Höhe bildet die Basis der Scheinerdbeere. Lange Ausläufer kriechen 30 bis 100 cm weit und wurzeln an jedem Knoten. Bei Bodenkontakt entsteht dort innerhalb weniger Wochen eine Tochterpflanze, ohne Samenstadium. Die dreizähligen Blätter mit drei gezähnten, 1 bis 5 cm langen Teilblättchen ähneln denen der Wald-Erdbeere täuschend. 9 3

Kugelig und rot ist die 1 bis 2 cm breite Scheinfrucht. Anders als die echte Erdbeere hängt sie nicht herab, sondern steht auf ihrem Stiel aufrecht. Ihr weißliches Fruchtfleisch ist trocken und geschmacklos. Eine seltene weißfrüchtige Form, Potentilla indica f. albicaput, wurde in Argentinien und Japan beobachtet. 10 5

Nützliche Taxonomie

Neben dem heute akzeptierten Namen Potentilla indica stehen in mehreren Datenbanken noch ältere Kombinationen. Zu den wesentlichen Synonymen und benannten Formen gehören:

  • Duchesnea indica (Andrews) Focke (frühere Gattungszuordnung)
  • Fragaria indica Andrews (Basionym)
  • Potentilla indica var. wallichii (Franch. & Sav.) Th.Wolf (Varietät wallichii)
  • Potentilla indica var. microphylla (T.T.Yu & T.C.Ku) H.Ohashi (kleinblättrige Varietät)
  • Potentilla indica f. albicaput (Naruh.) H.Ohashi (weißfrüchtige Form)

Als verlässlicher Bezugspunkt dient der von POWO akzeptierte wissenschaftliche Name Potentilla indica (Andrews) Th.Wolf. Gärtnereien und manche Regionalfloren verwenden weiterhin Duchesnea indica; damit ist dieselbe Pflanze gemeint. 1 8

Lebensraum und Verbreitung

Von Afghanistan über Indien und den Himalaja reicht das natürliche Areal von Potentilla indica nach China, Japan, Korea und Südostasien bis Malaysia. Dort wächst sie im Gebirge, auf Wiesen, an Waldrändern und entlang von Gewässern. 9 7

Schon im 17. Jahrhundert gelangte die Pflanze als Zierpflanze nach Europa. Sie hat sich so stark eingebürgert, dass sie örtlich den Boden mancher Waldunterwüchse fast vollständig bedeckt. In der Wallonischen Region ist ihre Pflanzung seit dem 1. Januar 2013 verboten. Auch im Südosten der Vereinigten Staaten gilt sie als invasiv und besiedelt Rasen, Gärten und gestörte Flächen. 9 6

Lebenszyklus und Vermehrung

Vorwiegend breitet sich die Scheinerdbeere über Ausläufer aus. Die 30 bis 100 cm langen Kriechstängel lassen an jedem bodenberührenden Knoten innerhalb weniger Wochen eine eigenständige Tochterpflanze wurzeln. Dieses vegetative Verfahren ist deutlich schneller als die Aussaat echter Erdbeeren: In einer Saison breitet sich die Kolonie um 30 bis 100 cm aus, während Samen mehrere Jahre für einen entsprechenden Teppich benötigen. 9 6

Von Mai bis August dauert die Blüte; einzelne Blüten halten sich in mildem Klima mitunter bis Dezember. Jedes gelbe Kronblatt besitzt ein ultraviolettabsorbierendes Saftmal. Menschen sehen es nicht, Bestäuber erkennen es und werden so zur Blütenmitte geleitet. Natürliche Kreuzungen zwischen nahen Arten kommen vor, etwa Duchesnea × hara-kurosawae mit Duchesnea chrysantha. Kreuzungen mit echten Erdbeeren der Gattung Fragaria scheitern dagegen fast immer: Entstehende Embryonen bleiben schwach und keimen nicht. 10 9

Nach ihrer Bildung braucht die Scheinfrucht mehrere Wochen bis zur vollständigen Rotfärbung. An derselben Pflanze stehen häufig Blüten neben grünen und reifen Früchten. Diese zeitliche Staffelung verlängert ihre Attraktivität für kleine Bestäuber weit über den Blühhöhepunkt hinaus. 9

Nutzen und Risiken

Für Menschen und Haustiere wird keine Giftwirkung berichtet. RHS und Plants For A Future beschreiben die Art als ohne bekannte Gefahren. Die Scheinfrucht ist essbar, doch ihr fader Geschmack und ihre trockene Beschaffenheit machen sie gegenüber einer echten Erdbeere wenig reizvoll. 3 4

In Asien wird die gesamte Scheinerdbeerpflanze in der traditionellen Heilkunde verwendet. In China lässt sich ihr Name als „Schlangenerdbeere“ übersetzen. Dort nutzt man sie als Umschlag bei Bissen und Insektenstichen sowie als Abkochung bei Fieber und Abszessen. Diese traditionellen Anwendungen sind in Europa medizinisch nicht anerkannt. 9 4

Ökologisch hat die Wuchskraft eine Kehrseite: Mehrere Studien bringen die starke Ausbreitung der Scheinerdbeere mit einem örtlichen Rückgang der Bodenfauna in besiedelten Flächen in Verbindung, insbesondere von Springschwänzen und Ameisen. 10

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Echte gärtnerische Kultivare besitzt Potentilla indica nicht. Benannte Formen bleiben botanische Varietäten oder natürliche Seltenheiten: die weißfrüchtige f. albicaput aus Argentinien und Japan sowie die Himalaja-Varietäten wallichii und microphylla. 1

Besonders häufig werden echte Erdbeeren damit verwechselt. Fragaria vesca und Fragaria × ananassa bilden ebenfalls Rosetten mit Ausläufern und dreizähligen Blättern. Sie blühen jedoch weiß und tragen süße, herabhängende Früchte. Gelbe Blüte, aufrechte Frucht und weißliches, fades Fruchtfleisch ermöglichen eine eindeutige Unterscheidung. 5 3

Weitere Besiedler von Rasen und Waldunterwuchs, etwa Gundermann oder Weißklee, teilen gelegentlich denselben gestörten Standort. Beide tragen aber keine aufrechte rote Scheinfrucht in Erdbeerform. Sobald die Blüte betrachtet wird, endet die Verwechslung. 6

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist die Scheinerdbeere giftig?

Nein. RHS und Plants For A Future berichten keine bekannte Giftwirkung. Die Frucht ist lediglich fade und stellt bei versehentlichem Verzehr keine wirkliche Gefahr dar.

Kann man die Frucht der Scheinerdbeere essen?

Grundsätzlich ja, sie gilt jedoch als trocken und geschmacklos und schmeckt weit weniger als eine echte Erdbeere. Gekochte Blätter werden in Asien gelegentlich gegessen.

Wie unterscheidet man Scheinerdbeeren von echten Erdbeeren?

Das zuverlässigste Merkmal ist die gelbe Blüte; Fragaria blüht weiß oder rosa. Die aufwärts gerichtete Frucht und ihr weißliches, fades Fruchtfleisch bestätigen die Bestimmung.

Breitet sich die Scheinerdbeere invasiv aus?

Ja, in mehreren Regionen. In der Wallonischen Region ist ihre Pflanzung seit 2013 verboten. Auch im Südosten der Vereinigten Staaten gilt die Art als invasiv.

Warum heißt Duchesnea indica heute Potentilla indica?

Molekularphylogenetische Analysen der Chloroplasten-DNA zeigten, dass die Gattung Duchesnea innerhalb von Potentilla liegt. Dies führte zur Umstellung der Art.

Wie lässt sich ihre Ausbreitung im Garten begrenzen?

Bewurzelte Ausläufer regelmäßig ausziehen, bevor sie einen dichten Teppich bilden, oder die Pflanze auf ein Gefäß beschränken, in dem sich ihre Ausdehnung leicht kontrollieren lässt.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.