Wahrsage-Salbei (Salvia divinorum, Epling & Játiva 1962)

Salvia divinorum ist eine krautige Lamiaceae, die in der Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca endemisch ist. Ihre hohlen vierkantigen Stängel tragen große ovale Blätter. Diese enthalten Salvinorin A, das stärkste bislang bekannte natürliche Halluzinogen. Die Art bildet fast nie keimfähige Samen und wird nahezu ausschließlich durch Stecklinge vermehrt. Ihr rechtlicher Status unterscheidet sich stark von Land zu Land.

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Wissenschaftlicher NameSalvia divinorum
GattungSalvia
OrdnungLamiales

Wahrsage-Salbei, Azteken-Salbei, Ska María Pastora, Yerba de la pastora und Magic mint

Identität
Toxizität
Keine klassische Giftigkeit verzeichnet; stark psychoaktiv (Salvinorin A)
Pflegeaufwand
Mäßig
Pflanzenart
Blattart
Immergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
Mexiko
Lebensraum
Feuchter schattiger Nebelwald, Schluchten und Bachufer auf schwarzem humusreichem Boden in 300 bis 1.830 m Höhe
Jahresverlauf
Blütezeit
HerbstWinter
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
7/10
Reifezeit
Bewurzelung in 2 bis 3 Wochen; Blüte in Kultur selten und spät
Vermehrung
Stecklingsvermehrung von Stängeln mit Knoten
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Luftfeuchtigkeit
60–85 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Reiche und lockere Erde, Feuchter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

An einen Platz mit indirektem Licht oder in einen schattigen Raum stellen.

Halbschatten bis lichter Schatten
Innenbereich
Veranda, Gewächshaus
Außenbereich
Schattiger Innenhof
Pflanzgefäße
Abflusstopf, Drainage-Kunststoff
Erscheinungsbild
Höhe100–250 cmBreite40–150 cm
Blätter
Grün
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blätter 1
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blätter 2
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blätter 3
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blätter 4
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
WeißViolettGröße2–4 cm
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blüten 1
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — blüten 2
Wuchsform
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Rinde
Grün
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — rinde 1
Salvia divinorum: Herkunft und Verwendung — rinde 2

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Salvia divinorum ist auf die Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca beschränkt. Dort wächst die Art im feuchten Nebelwald zwischen 300 und 1.830 m. Außerhalb dieses kleinen Areals sind keine eingebürgerten oder invasiven Bestände gemeldet. Ihre weltweite Verbreitung beruht ausschließlich auf gezielter Stecklingskultur, niemals auf spontaner Verwilderung im Freiland.

  • Heimisch1
  • Mexiko

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Salvia divinorum (Salvia divinorum Epling & Játiva, 1962), auch Wahrsage-Salbei genannt, ist eine anerkannte Art der Gattung Salvia innerhalb der Lamiaceae. Sie ist in der Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca endemisch. Ihre Blätter enthalten Salvinorin A mit einem Anteil von etwa 0,18 % des Trockengewichts, einem höheren Wert als bei jedem anderen bislang bekannten natürlichen pflanzlichen Halluzinogen. 1 4 5

Das Epitheton divinorum verweist unmittelbar auf die traditionelle Nutzung: Die Mazateken verwenden die Pflanze seit Generationen in nächtlichen Wahrsage- und Heilritualen. Die Namen ska María Pastora oder yerba de la pastora, „Kraut der Hirtin“, beziehen sich auf die Jungfrau Maria. 7

Erst 1962 beschrieben Carl Epling und Carlos D. Játiva die Pflanze formal anhand eines blühenden Exemplars, das Albert Hofmann und R. Gordon Wasson im selben Jahr gesammelt hatten. Bereits 23 Jahre zuvor hatte der Anthropologe Jean Basset Johnson die mazatekische Nutzung schriftlich erwähnt, ohne botanisches Belegmaterial mitzubringen. 6

Erkennung

Ausgewachsene Exemplare von Salvia divinorum übersteigen oft 1 m Höhe. Sie tragen die für Lamiaceae typischen hohlen vierkantigen Stängel, die im Alter brüchig werden und überhängen. Die ovalen Blätter mit ausgeprägten Adern und gelbgrüner Unterseite sind 10 bis 30 cm lang. 3 6

Selbst am Wildstandort bleibt die Blüte selten. Sie benötigt kurze Tage, je nach Klima zwischen September und Mai. Die weißen Blüten mit violettem Kelch messen etwa 3 cm und öffnen sich in lockeren Trauben an den Stängelspitzen. 6

Ohne Stütze sinkt eine Pflanze zusammen und kriecht am Boden. Angebunden oder an einem Spalier wächst sie dagegen aufrecht, ähnlich wie in schattigen Schluchten. Diese Anpassungsfähigkeit erklärt, warum zwei aus demselben Steckling hervorgegangene Pflanzen je nach Kulturführung sehr unterschiedlich aussehen können. 3

Nützliche Taxonomie

Der anerkannte Name Salvia divinorum Epling & Játiva wurde 1962 veröffentlicht. Die Gattung Salvia umfasst weltweit rund 900 Arten, mehr als jede andere Gattung der Lamiaceae. Innerhalb dieser Gruppe zeichnet sich divinorum durch sein chemisches Profil aus, nicht durch eine außergewöhnliche Gestalt. 1 2

Im Gegensatz zu den meisten wild wachsenden Arten bildet Salvia divinorum selbst bei Blüte fast nie keimfähige Samen. In einem Wildbestand wurden noch nie Samen beobachtet. Diese nahezu vollständige Sterilität begründet die diskutierte Hypothese, die Art sei eine Hybride oder durch mazatekische Auslese entstanden, statt rein spontan hervorgegangen zu sein. 6

Sämtliche weltweit kultivierten Pflanzen gehen daher auf wenige durch Stecklinge vermehrte Klone zurück. Zu den wichtigsten zählt der 1962 von Hofmann und Wasson mitgebrachte Stamm. 6 9

Lebensraum und Verbreitung

Auf die Sierra Mazateca im Bundesstaat Oaxaca beschränkt sich das natürliche Areal. Dort wächst Salvia divinorum im feuchten Nebelwald zwischen 300 und 1.830 m Höhe. Sie besiedelt schattige Schluchten und Bachufer, stets auf schwarzem humusreichem Boden und vor direkter Sonne geschützt. 6 3

Außerhalb dieses kleinen Areals sind keine eingebürgerten oder invasiven Bestände gemeldet. Die weltweite Verbreitung von Salvia divinorum beruht ausschließlich auf gezielter Topf- oder Gewächshauskultur, niemals auf spontaner Verwilderung im Freiland. 3

Jenseits Oaxacas verträgt die Pflanze weder Frost noch trockene volle Sonne. Sie benötigt gleichmäßige Feuchtigkeit und gefiltertes Licht wie im Unterwuchs ihres Ursprungsgebiets. Freilandkultur bleibt deshalb milden, feuchten Klimaten vorbehalten. 3

Lebenszyklus und Vermehrung

Wegen fehlender keimfähiger Samen erfolgt die Vermehrung nahezu ausschließlich durch Stängelstecklinge. Ein unter einem Knoten geschnittenes Stück bewurzelt in klarem Wasser meist in zwei bis drei Wochen, ungewöhnlich rasch für eine Lamiaceae dieser Größe. 6

Blüht Salvia divinorum, was bei Zimmerkultur selten vorkommt, löst die kurze Tageslänge die Bildung der Blütenstände aus. Die natürliche Blütezeit reicht von September bis Mai und erreicht auf der Nordhalbkugel ihren Höhepunkt häufig gegen Jahresende. 6

Der Wirkstoff Salvinorin A ist ein Diterpenoid, das etwa 0,18 % des Trockengewichts der Blätter ausmacht. Seine Struktur ähnelt keinem anderen bekannten Halluzinogen. Er ist weder ein Alkaloid noch ein Phenethylamin, sondern ein starker und selektiver Agonist der Kappa-Opioidrezeptoren. 5

Nutzung und rechtlicher Rahmen

Bei den Mazateken werden frische Blätter als Kaupaket („Quid“) gekaut, ohne sie zu schlucken, oder als Abkochung getrunken. Dies geschieht stets nachts und in Stille unter Leitung eines Schamanen, der die Pflanze vor der Zeremonie mit Kopal beräuchert. 7

Gerauchte getrocknete Blätter oder konzentrierte Extrakte wirken kurz und intensiv: Der Höhepunkt liegt bei etwa einer Minute, nach rund zwanzig Minuten kehrt Ruhe ein. Als Quid gekaut setzt die Wirkung derselben Pflanze später, nach 10 bis 15 Minuten, ein und dauert 40 bis 50 Minuten. 7

Der rechtliche Status variiert stark zwischen den Ländern. Australien führt die Pflanze in Anhang 9 des Poisons Standard, der außerhalb anerkannter medizinischer oder wissenschaftlicher Zwecke verbotenen Stoffen vorbehalten ist. Mehrere US-Bundesstaaten haben sie unabhängig von einer bislang fehlenden Bundesregelung verboten. In Frankreich nahm ein Erlass vom August 2010 die Pflanze in die Liste giftiger Stoffe auf; Verkauf und Gebrauch werden seit 2014 strafrechtlich geahndet. 8 7

Giftigkeit und Vorsicht

Für Katzen und Hunde berichten keine maßgeblichen veterinärmedizinischen Daten von versehentlichen Vergiftungen durch den Verzehr eines Blattes von Salvia divinorum. Für diese beiden Tierarten ist die Pflanze keiner dokumentierten tiermedizinischen Giftigkeitsklasse zugeordnet. 3

Beim Menschen besteht das Risiko in einer dissoziativen psychoaktiven Wirkung statt in einer klassischen Vergiftung: räumlicher Orientierungsverlust und Halluzinationen, mitunter bis zu starker Angst oder einer sogenannten Nahtoderfahrung. Die aktive Dosis von Salvinorin A liegt im Mikrogrammbereich; zwischen einer leichten und einer unerwartet massiven Wirkung bleibt nur ein enger Spielraum. 5

Die US-Presse berichtete über einen einzigen Todesfall im Zusammenhang mit der Pflanze, den eines Jugendlichen im Jahr 2006. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang mit Salvia divinorum ließ sich nicht belegen. Dennoch gab dieser Einzelfall Anlass zu mehreren Verboten in US-Bundesstaaten. 6

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Zwei Kulturstämme sind unter eigenen Namen verbreitet: Bunnell, bereits 1962 von Sterling Bunnell gesammelt, und Blosser, auch als Palatable verkauft und 1991 vom Anthropologen Bret Blosser aus Huautla de Jiménez mitgebracht. Keiner stellt eine eigene botanische Varietät dar; es handelt sich lediglich um durch Stecklinge vermehrte Klone. 6

Der Handelsname „Magic mint“ verursacht häufig Verwechslungen. Er bezeichnet keine botanische Verwandtschaft mit den echten Minzen der Gattung Mentha. Nur eine grobe Ähnlichkeit der Gestalt und eine mentholartige Laubnote erklären diese Vermarktung. 3

Innerhalb der Gattung Salvia besitzt keine andere kultivierte Art ein vergleichbares chemisches Profil. Der zuverlässigste Anhaltspunkt zur Bestimmung von Salvia divinorum bleibt deshalb die Herkunft der Pflanze und ihre Stecklingsgeschichte, stärker als die allgemeine Gestalt eines großblättrigen Salbeis.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Darf Salvia divinorum in Frankreich angebaut werden?

Nein. Seit einem Erlass vom August 2010 steht die Pflanze in Frankreich auf der Liste giftiger Stoffe. Verkauf und Gebrauch werden seit 2014 strafrechtlich geahndet.

Ist Salvia divinorum giftig für Katzen und Hunde?

Keine maßgeblichen veterinärmedizinischen Daten dokumentieren versehentliche Vergiftungen durch den Verzehr von Blättern bei Katzen oder Hunden. Das dokumentierte Risiko betrifft die psychoaktive Wirkung beim Menschen.

Warum bildet Salvia divinorum fast nie Samen?

An einem Wildbestand wurden bislang keine keimfähigen Samen beobachtet. Diese nahezu vollständige Sterilität stützt die Hypothese eines durch Auslese oder Hybridisierung entstandenen Ursprungs statt einer rein spontanen Entstehung.

Wie wird Salvia divinorum vermehrt?

Fast ausschließlich durch Stängelstecklinge. Ein unterhalb eines Knotens geschnittenes Stück bewurzelt in klarem Wasser innerhalb von 2 bis 3 Wochen, ohne dass Bewurzelungshormone nötig sind.

Welcher Wirkstoff steckt in Salvia divinorum?

Salvinorin A, ein Diterpenoid mit einem Anteil von etwa 0,18 % am Trockengewicht der Blätter. Es ist ein starker selektiver Agonist der Kappa-Opioidrezeptoren und chemisch mit keinem anderen bekannten Halluzinogen verwandt.

Ist Salvia divinorum überall legal?

Nein. Der Status unterscheidet sich stark zwischen den Ländern. Australien führt die Art in Anhang 9, mehrere US-Bundesstaaten verbieten sie, und Frankreich führt sie seit 2010 auf der Liste giftiger Stoffe.

Wie unterscheidet sich Salvia divinorum von Küchensalbei?

Salvia divinorum hat kein gemeinsames chemisches Profil mit Küchensalbei wie Salvia officinalis. Nur eine grobe Ähnlichkeit der Wuchsform und eine mentholartige Note erklären die irreführende Vermarktung als Magic mint.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.