Giersch (Aegopodium podagraria, L. 1753)

Giersch (Aegopodium podagraria L., 1753) ist eine ausdauernde Pflanze der Apiaceae aus dem gemäßigten Europa und Westasien und die einzige natürlich in Europa vorkommende Art ihrer Gattung. Seine kriechenden Rhizome machen ihn zu einem hartnäckigen Gartenunkraut. Junge Blätter sind essbar, erfordern aber eine sichere Abgrenzung von giftigen Doldenblütlern.

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Wissenschaftlicher NameAegopodium podagraria
GattungAegopodium
OrdnungApiales

Giersch, Gewöhnlicher Giersch, Geißfuß, Ground elder, Bishop's weed und Goutweed

Identität
Toxizität
Für Menschen, Katzen und Hunde in der Gartenliteratur nicht dokumentiert
Pflegeaufwand
Hoch
Pflanzenart
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
FrankreichEuropaSibirien und Westasien
Lebensraum
Frische, humusreiche Wälder, Feldhecken, Obstgärten und schattige Gärten auf nährstoffreichen, gestörten Böden
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommer
Erntezeit
Frühling
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
9/10
Reifezeit
Blüte Mai bis August; junge Blätter März bis Mai vor der Blüte ernten
Vermehrung
Aussaat, Teilung
Klima & Wasser
Tolerierter Temperaturbereich
Winterhärte
Windverträglichkeit
Hohle Stängel sind brüchig und wenig widerstandsfähig gegen starken Wind
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Waldboden, Humusreicher Boden, Gestörter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

An einen Platz mit indirektem Licht oder in einen schattigen Raum stellen.

Tiefer Schatten bis volle Sonne, besonders in lichten Wäldern
Außenbereich
Feldhecke, Obstgarten, Waldrand, Schattengarten
Erscheinungsbild
Höhe30–100 cmBreite50–150 cm
Blätter
Grün
Blüten
WeißGröße4–8 cm
Früchte
Braun
Wuchsform
Giersch (Aegopodium podagraria): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Rinde
Grün

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Aegopodium podagraria umfasst das gemäßigte Europa und Westasien bis nach Sibirien. Seit dem Mittelalter wurde die Art als Heil- und Gemüsepflanze außerhalb ihres Ursprungsgebiets eingeführt. Heute ist sie auf mehreren Kontinenten eingebürgert und teilweise als Unkraut reguliert.

  • Heimisch3
  • Eingeführt3
  • Invasiv2
  • Europäisches Frankreich
  • Europa
  • Sibirien und Westasien
  • Australien
  • Neuseeland
  • Japan
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Giersch (Aegopodium podagraria L., 1753), auch Gewöhnlicher Giersch oder Geißfuß, ist eine 30 bis 100 cm hohe Staude aus der Familie der Apiaceae. Er ist die einzige natürlich in Europa vorkommende Art der Gattung Aegopodium. Plants of the World Online führt den 1753 von Linné veröffentlichten Namen als akzeptiert. 1 7

Das Artepitheton podagraria verweist auf die griechische podagra, die Gicht am Großzehengelenk. Umschläge aus der Pflanze sollten diese Gelenkschmerzen lindern; schon Hildegard von Bingen erwähnte die Anwendung im 12. Jahrhundert. Der Gattungsname Aegopodium geht auf aix für Ziege und podion für Füßchen zurück und spielt auf die Gestalt der Teilblättchen an. 3 2

Erkennung

Aus weißlichen, dicht unter der Bodenoberfläche verlaufenden Kriechrhizomen entstehen dichte Gierschbestände. Die aufrechten, hohlen und gefurchten Stängel werden in etablierten Kolonien gewöhnlich 30 bis 100 cm hoch. Ihnen fehlen die purpurfarbenen Flecken des Gefleckten Schierlings, ein erstes Merkmal zur Unterscheidung. 3 4

Doppelt dreizählig sind die Blätter aufgebaut: Die Blattspreite teilt sich zunächst in drei Abschnitte, die sich wiederum in je drei gezähnte Teilblättchen gliedern. Dafür wird gelegentlich die Dreierregel genannt. Zerrieben riechen die Blätter nach Sellerie oder Karotte, deutlich anders als die unangenehm riechende Hundspetersilie. 2

Von Mai bis August erscheinen zusammengesetzte Dolden mit 15 bis 20 Strahlen und winzigen weißen, fünfzähligen Blüten. Wie in der gesamten Gattung fehlen an der Basis Hüll- und Hüllchenblätter. Die eiförmigen, gerippten Früchte sind 3 bis 5 mm lang und liefern bei Reife ein weiteres Bestimmungsmerkmal. 4

Nützliche Taxonomie

Für Giersch führt Plants of the World Online den 1753 in Species Plantarum veröffentlichten Namen Aegopodium podagraria L. als akzeptiert. Rund fünfzehn botanische Synonyme gehen auf frühere Zuordnungen zu benachbarten Gattungen zurück, darunter Apium podagraria (L.) Caruel, Carum podagraria (L.) Roth, Ligusticum podagraria (L.) Crantz, Sison podagraria (L.) Spreng. und Sium podagraria (L.) Weber. 7 1

Im Gartenhandel spielen diese Synonyme keine Rolle. Dort ist vor allem die Sorte Variegatum verbreitet; sie gehört weiterhin zur selben Gattung und akzeptierten Art. 5

Lebensraum und Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Aegopodium podagraria reicht über das gemäßigte Europa und Westasien bis nach Sibirien. 1

Für Frankreich verzeichnet das INPN die heimische Art unter den französischen Namen „égopode podagraire“, „podagraire“ und „fausse angélique“. Sie ist im europäischen Landesteil weit verbreitet, besonders in frischen Wäldern, Feldhecken und Obstgärten. 6

Bereits seit dem Mittelalter wurde Giersch außerhalb seines natürlichen Areals als Zier- und Heilpflanze eingeführt. Inzwischen ist er in Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan eingebürgert. Mehrere US-Staaten, darunter Connecticut, Massachusetts, Vermont und Wisconsin, untersagen heute seinen Verkauf als regulierte invasive Art. 3 8

Lebenszyklus und Vermehrung

Für die Vermehrung sorgen Samen und vor allem ein knapp unter der Bodenoberfläche wachsendes Netz aus Kriechrhizomen. Selbst wenige Zentimeter lange Rhizomstücke im Boden können einen neuen Bestand bilden. Dieser Mechanismus erklärt die schwierige Bekämpfung stärker als die Samenproduktion. 3 2

Schon im März treiben junge Gierschsprosse aus, früher als die meisten anderen Waldpflanzen. Dadurch lassen sie sich mehrere Wochen vor anderen Wildgemüsen desselben Lebensraums ernten. Auf die Blüte von Mai bis August folgt die Fruchtbildung. Auch Samen tragen zur Verbreitung bei, während am Standort die vegetative Ausbreitung überwiegt. 4

Nutzen und Risiken

Als Nahrung dienen seit Jahrhunderten junge, vor der Blüte gepflückte Blätter: roh im Salat oder gekocht als spinatähnliches Blattgemüse mit einem an Engelwurz erinnernden Geschmack. Mittelalterliche Mönche sollen die Pflanze wegen dieser Nutzung und zur Behandlung der Gicht außerhalb ihres Areals verbreitet haben; darauf verweist podagraria. 2 3

Für Menschen, Katzen und Hunde dokumentiert die maßgebliche Gartenliteratur keine Giftigkeit. Junge Pflanzen ähneln jedoch stark giftigen Apiaceae wie dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum) und der Hundspetersilie (Aethusa cynapium). Vor jeder Wildsammlung müssen deshalb die Blätter sicher bestimmt werden. 2

Aus Landwirtschaft und Gartenbau ist Giersch außerhalb seines natürlichen Areals als wirtschaftlich schädliches Unkraut bekannt. Ohne eine Begrenzung seiner Rhizome kann er die vorhandene Pflanzendecke innerhalb einer einzigen Saison verdrängen. 8

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Weithin anerkannt ist vor allem die Sorte Variegatum, auch als Snow on the Mountain verkauft, mit cremeweiß gerandeten Blättern. Sie wächst etwas langsamer als die Wildart. Vollständig grüne Triebe können jedoch wieder erscheinen und müssen sofort entfernt werden, damit sie den übrigen Bestand nicht überwachsen. 5 4

Besonders folgenreich wäre eine Verwechslung mit giftigen Doldenblütlern desselben Lebensraums: Conium maculatum hat purpurgefleckte Stängel und fein zerteilte Blätter; Aethusa cynapium riecht beim Zerreiben unangenehm statt nach Sellerie. Die doppelt dreizähligen Blätter und Dolden ohne Hüllblätter sind wichtige Merkmale, um Zweifel vor einer Ernte auszuräumen. 2

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Giersch giftig?

In der maßgeblichen Gartenliteratur ist keine Giftigkeit für Menschen, Katzen oder Hunde dokumentiert. Das eigentliche Risiko besteht in einer Verwechslung mit giftigen Doldenblütlern.

Kann man Giersch essen?

Ja. Vor der Blüte geerntete junge Blätter werden roh im Salat oder gekocht als spinatähnliches Blattgemüse gegessen. Ihr Geschmack erinnert an Engelwurz.

Wie unterscheidet man Giersch von Schierling und Hundspetersilie?

Das wichtigste Merkmal ist das doppelt dreizählige Blatt mit dreimal drei Teilblättchen. Schierling und Hundspetersilie haben dagegen fein zerteilte Blätter und oft einen unangenehmen Geruch.

Warum lässt sich Giersch so schwer entfernen?

Schon Rhizomstücke, die nach unvollständigem Ausgraben im Boden bleiben, treiben wieder aus. Zusätzlich bildet die Pflanze jeden Sommer Samen.

Woher stammt Giersch?

Sein natürliches Areal reicht vom gemäßigten Europa über Westasien bis nach Sibirien. Mittelalterliche Mönche sollen ihn wegen seiner Nutzung als Heil- und Nahrungspflanze weiter nach Norden verbreitet haben.

Ist Giersch invasiv?

Außerhalb seines natürlichen Areals wird er in mehreren US-Staaten und in Kanada wegen seiner Auswirkungen auf Beete und kultivierte Gehölzbestände als Unkraut reguliert. In Frankreich ist er heimisch und ein häufiges Unkraut.

Breitet sich die panaschierte Sorte Variegatum weniger stark aus?

Sie wächst etwas langsamer als die Wildart. Wieder vollständig grüne Triebe müssen jedoch sofort entfernt werden, sonst können sie den übrigen Bestand überwachsen.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.