Ohio-Rosskastanie (Aesculus glabra, )
Ohio-Rosskastanie (Aesculus glabra) ist ein sommergrüner Baum der Sapindaceae aus den mittleren und östlichen Vereinigten Staaten sowie dem Südwesten Ontarios. Kennzeichnend sind handförmig zusammengesetzte Blätter, bestachelte Kapseln mit braunen Samen und heller Narbe sowie der unangenehme Geruch verletzter Rinde und Zweige.
WeiterlesenOhio-Rosskastanie, Ohio buckeye, Texas buckeye und Fetid buckeye
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Aesculus glabra umfasst den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten und den unteren Bereich der Great Plains. Nach Südosten reicht es bis zum geologischen Black Belt in Alabama und Mississippi. Die einzige kanadische Population liegt isoliert auf Walpole Island im Lake St. Clair im Südwesten Ontarios. Außerhalb dieses Gebiets wird die Art vor allem als Zier- und Sammlungsbaum gepflanzt; ein invasiver Status ist nicht dokumentiert.
- Heimisch2
- Vereinigte Staaten
- Kanada (Ontario)
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Ohio-Rosskastanie (Aesculus glabra Willd., 1809) ist ein sommergrüner Baum der Sapindaceae und ihrer Unterfamilie Hippocastanoideae. In ihrem natürlichen Areal im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten wächst sie vor allem an Flussufern und in Tieflandwäldern. Das lateinische Artepitheton glabra bedeutet kahl und beschreibt die wenig oder nicht behaarten ausgewachsenen Blätter, im Gegensatz zu mehreren deutlich stärker behaarten verwandten Arten. 1 2
Hinter dem englischen Namen Ohio buckeye steht das indigene Wort hetuck, „Hirschauge“, das die helle Narbe des braunen Samens beschreibt. Anfangs bezeichnete der Beiname die Pioniere an der Siedlungsgrenze Ohios, später sämtliche Einwohner des Staates. Fetid buckeye verweist dagegen auf den unangenehmen Geruch verletzter Rinde und Zweige. 3
Erkennung
An besonders günstigen Naturstandorten übersteigt Aesculus glabra 20 m und erreicht selten 40 m; in Gärten und Parks bleiben Bäume dagegen oft bei 6 bis 12 m. Die gegenständigen, lang gestielten Blätter sind handförmig zusammengesetzt. Die Nominatvarietät trägt 5 Teilblättchen, eiförmig bis verkehrt-eiförmig-lanzettlich und ungleichmäßig gezähnt. Bei der weiter westlich zu den Great Plains verbreiteten Varietät arguta sind es 7 bis 11 schmalere Teilblättchen. 2 3
Junge Stämme besitzen hellgraue bis graubraune Rinde, die zunächst in kleine dünne Platten aufreißt und im Alter glatter und aschgrau wird. Ein zusätzliches Merkmal hilft ohne Blüten oder Früchte: Verletzte Rinde und Zweige riechen deutlich unangenehm. Die auch in Frankreich häufig gepflanzte Gewöhnliche Rosskastanie riecht dagegen nahezu neutral. 7
Gelbgrüne bis blassgelbe Blüten stehen in aufrechten, 10 bis 15 cm langen Rispen. Jede Einzelblüte misst 2 bis 3 cm. Die Staubblätter ragen deutlich über die Kronblätter hinaus. Gerade dieses Merkmal unterscheidet Aesculus glabra von der Gelben Rosskastanie (Aesculus flava), deren Staubblätter kürzer als die Kronblätter bleiben. 7
Rundliche, holzige Kapseln von 4 bis 5 cm Durchmesser tragen kleine, häufig abfallende Stacheln und werden bei Reife hellbraun. Sie enthalten 1 bis 3, selten bis zu 6 glatte dunkelbraune Samen. Deren große helle Narbe erinnert an ein Hirschauge und erklärt den Namen buckeye. 7
Nützliche Taxonomie
Zwei botanische Varietäten bilden die Art; ihre Areale überschneiden sich nur in einem schmalen Streifen:
- Aesculus glabra var. glabra, die Nominatvarietät mit Schwerpunkt im Ohio-Becken und 5 breiteren Teilblättchen;
- Aesculus glabra var. arguta (Buckley) B.L.Rob., eher strauchig, mit 7–11 schmalen, doppelt gesägten Teilblättchen, weiter westlich zu den Great Plains verbreitet.
Ältere Literatur führt unter anderem Aesculus glabra subsp. arguta (Buckley) A.E.Murray sowie geografische Varietäten, die heute als Synonyme gelten, etwa Aesculus glabra var. leucodermis Sarg. Maßgeblich bleibt der von POWO akzeptierte Name Aesculus glabra Willd. 1
Lebensraum und Verbreitung
Vom Mittleren Westen der Vereinigten Staaten und dem unteren Bereich der Great Plains reicht das natürliche Areal südöstlich bis zum geologischen Black Belt in Alabama und Mississippi. Auf Walpole Island im Lake St. Clair im Südwesten Ontarios liegt eine isolierte Population, das einzige kanadische Vorkommen der Art. 1 7
Flussufer, mäßig feuchte Tieflandwälder und die Ränder alter Felder bieten der Art geeignete Lebensräume auf kalkhaltigen oder alluvialen Böden. Die IUCN bewertet Aesculus glabra als nicht gefährdet. Für das große Gesamtareal ist keine weltweite Bedrohung dokumentiert. 6
Außerhalb des natürlichen Areals wird Aesculus glabra hauptsächlich als Zier- oder Sammlungsbaum gepflanzt; ein invasiver Status andernorts ist nicht dokumentiert. Die Art ist winterhärter als die Gewöhnliche Rosskastanie. Je nach Herkunft verträgt sie −35 bis −40 °C und wächst auch weit außerhalb ihres Ursprungsgebiets in USDA-Zone 3. 2
Lebenszyklus und Vermehrung
Noch vor dem vollständigen Laubaustrieb erscheinen im Frühjahr die Blüten. Aesculus glabra ist trimönözisch: Ein Baum trägt männliche, weibliche und funktionell zwittrige Blüten. Diese Verteilung begünstigt die Fremdbestäubung durch Insekten, die Pollen zwischen Bäumen übertragen, schließt Selbstbefruchtung aber nicht aus. 7
Frisch im Herbst gesammelte Samen benötigen eine winterliche Kältestratifikation in frischem Boden, um im folgenden Frühjahr gut zu keimen. Werden sie zu trocken oder zu spät ausgesät, verlieren sie rasch ihre Keimfähigkeit. Die Pfahlwurzel entwickelt sich schnell, wodurch späteres Verpflanzen riskant wird. Eine frühe Pflanzung an den endgültigen Standort ist daher sinnvoll. 2 3
Nutzen und Risiken
Das weiche, leichte Holz hat als Bauholz geringe Bedeutung. Gelegentlich wird die Art als Zierbaum gepflanzt, doch reichlich fallende Früchte und Zweige sprechen gegen Standorte an Häusern oder Gehsteigen. Neuere universitäre Untersuchungen fanden vorläufige krebshemmende Eigenschaften in Rinden- und Samenextrakten. Diese Forschung befindet sich noch in einem frühen Stadium. 2 8
Samen, junge Triebe und Rinde enthalten giftige Gerbsäure und Saponine wie Aesculin. Die ASPCA stuft die Gattung Aesculus als giftig für Hunde, Katzen und Pferde ein. Mögliche Folgen reichen von Erbrechen und Durchfall bis zu neurologischen Störungen nach größerer Aufnahme. Mehrere indigene Nationen, darunter die Lenape, aßen Samen nach langem Wässern und Kochen, wodurch die Stoffe weitgehend abgebaut wurden. Sie verwendeten zerstoßene Samen außerdem zum Betäuben von Fischen oder trugen sie gegen Rheuma in der Tasche. 5 7
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Weiter westlich wächst die eher strauchige Varietät arguta. Ihre 7 bis 11 Teilblättchen sind schmal und doppelt gesägt, während die Nominatvarietät glabra 5 breitere Teilblättchen besitzt. Die Verbreitungsgebiete überschneiden sich nur in einem schmalen Streifen. 7
Als ähnlichste Art gilt die Gelbe Rosskastanie (Aesculus flava). Ihre Staubblätter bleiben kürzer als die Kronblätter, während sie bei Aesculus glabra deutlich darüber hinausragen. A. flava wird häufig größer und riecht beim Zerreiben anders. Die aus Europa eingeführte Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) besitzt deutlich größere Blätter mit 7 Teilblättchen sowie weniger dicht bestachelte Kapseln. 3
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Aesculus glabra Willd.
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Aesculus glabra
- NC State Extension Gardener Toolbox, Aesculus glabra
- Plants For A Future, Aesculus glabra
- ASPCA, Buckeye (Aesculus spp.) Giftigkeitsprofil
- IUCN Red List, Aesculus glabra Bewertung
- USDA Forest Service, Silvics Manual — Ohio Buckeye
- The Ohio State University, Zytotoxische Verbindungen aus der Ohio-Rosskastanie
Häufig gestellte Fragen
Ist die Ohio-Rosskastanie für Hunde und Katzen giftig?
Ja. Die ASPCA stuft die Gattung Aesculus einschließlich Aesculus glabra als giftig für Hunde, Katzen und Pferde ein. Samen, junge Triebe und Rinde enthalten Aesculin und weitere Saponine. Sie verursachen Erbrechen, Durchfall und bei größerer Aufnahme neurologische Störungen.
Warum heißt die Art auf Englisch fetid buckeye?
Verletzte Rinde, Zweige und zerriebene Blätter verströmen einen deutlichen unangenehmen Geruch. Er hilft bei der Bestimmung, besonders außerhalb der Blüte- und Fruchtzeit.
Wie unterscheidet sich Aesculus glabra von Aesculus flava?
Am zuverlässigsten an den Blüten. Bei Aesculus glabra ragen die Staubblätter deutlich über die Kronblätter hinaus, bei Aesculus flava bleiben sie kürzer. Aesculus flava wird zudem größer und entwickelt beim Zerreiben nicht denselben unangenehmen Geruch.
Sind die Samen der Ohio-Rosskastanie essbar?
Roh sind sie wegen Gerbsäure und Saponinen für Vieh und Menschen giftig. Manche indigene Nationen Nordamerikas nutzten sie nach langem Wässern und Kochen, wodurch diese Stoffe weitgehend abgebaut werden. Ohne genaue Kenntnis des traditionellen Verfahrens sollte dies nicht nachgeahmt werden.
Warum ist die Ohio-Rosskastanie der Symbolbaum von Ohio?
Buckeye bezeichnete zunächst die Pioniere an der Siedlungsgrenze Ohios und später alle Einwohner des Staates. Anschließend wurde der Baum offiziell zum Staatsbaum erklärt. Darauf geht auch der Name der Sportmannschaften der Ohio State University zurück.
Eignet sich die Ohio-Rosskastanie nahe am Haus?
Das ist selten zu empfehlen. Viele herabfallende Früchte, Zweige und Blätter verursachen auf Terrassen, Wegen und Gehsteigen erheblichen Reinigungsaufwand. Geeigneter sind Parks, freie Flächen und botanische Sammlungen.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





