Alligatorkraut (Alternanthera philoxeroides, )
Alligatorkraut (Alternanthera philoxeroides) ist eine ausdauernde amphibische Pflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), die aus den gemäßigten Gebieten Südamerikas stammt. Über Aquaristik und Gartenteichgestaltung wurde sie nach Frankreich eingeführt. Sie bildet dichte Matten auf dem Wasser und am Ufer und steht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung.
WeiterlesenAlligatorkraut und Alligator weed
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Alternanthera philoxeroides liegt in den gemäßigten Gebieten Südamerikas mit einem Schwerpunkt im Paraná-Becken in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. POWO fasst das Areal weiter, von Trinidad bis Nordargentinien. Die Art wurde anschließend in mehr als dreißig Länder eingeführt, oft unbeabsichtigt mit Ballastsedimenten von Schiffen. Nach Frankreich gelangte sie gezielt für Aquarien und Zierteiche.
- Heimisch4
- Invasiv6
- Argentinien
- Brasilien
- Paraguay
- Uruguay
- Vereinigte Staaten
- China
- Australien
- Neuseeland
- Französisches Mutterland
- Japan
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Alligatorkraut (Alternanthera philoxeroides (Mart.) Griseb., 1879) ist eine ausdauernde amphibische Art der Gattung Alternanthera aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Martius beschrieb sie 1825 als Bucholzia philoxeroides. Grisebach stellte sie 1879 in die Gattung Alternanthera. Diese Kombination ist bis heute der akzeptierte Name und erlaubt die eindeutige Zuordnung älterer Angaben. 1 6
Der englische Name Alligator weed stammt aus den Bayous und Kanälen im Südosten der USA. Dort besiedelt die Pflanze dieselben ruhigen Gewässer wie der Mississippi-Alligator, ohne botanische Beziehung zu diesem Tier. Das deutsche Alligatorkraut übernimmt dieses Bild eines gemeinsamen Lebensraums ebenso unmittelbar wie die entsprechende französische Bezeichnung. 2
Erkennung
Kennzeichnend für Alternanthera philoxeroides ist der zylindrische, hohle Stängel, der kahl ist und 1 m Länge erreichen kann. Sein Hohlraum erleichtert das Schwimmen auf offenem Wasser; an der Uferlinie kriechen die Sprosse über durchnässten Boden. Die gegenständigen, sitzenden und ganzrandigen Blätter sind lanzettlich bis elliptisch, dunkelgrün und auf beiden Seiten kahl. Ihre Länge beträgt 4 bis 10 cm. 5 2
Ein unscheinbares Detail ist besonders zuverlässig: In den Blattachseln an der Blattstielbasis sitzt ein Kranz weißer Haare, der ähnlich wachsenden Uferpflanzen fehlt. Unter Wasser oder im Schlamm entwickelt die Hauptwurzel eine Pfahlwurzel an der Basis des Bestands. Hinzu kommen büschelige Wurzeln, die an jedem untergetauchten Knoten austreten und die Pflanze zusätzlich verankern. 5
Kleine, eiförmige Blütenköpfchen stehen gestielt in den Blattachseln. Sie messen 1 bis 1,5 cm im Durchmesser und bestehen aus winzigen weißen, etwas papierartigen Blüten. Die Blütezeit reicht vom Frühjahr bis zum Herbst. Außerhalb des natürlichen Areals bildet Alternanthera philoxeroides jedoch selten reife Samen, was die Art von anderen weiß blühenden Uferbeikräutern unterscheidet. 5 2
Nützliche Taxonomie
Dutzende Arten der Fuchsschwanzgewächse gehören zur Gattung Alternanthera. Ihr Schwerpunkt liegt im tropischen und gemäßigten Amerika. Mehrere Arten, etwa Alternanthera ficoidea, werden als Zierpflanzen kultiviert, ohne vergleichbare Invasionsprobleme zu verursachen. Ihr Status unterscheidet sich daher deutlich von dem des Alligatorkrauts, obwohl sie derselben Gattung angehören. 1 6
Zur botanischen Synonymie zählen vor allem historische Varietäten und Formen, die heute dem akzeptierten Artnamen zugeordnet werden:
- Alternanthera philoxeroides var. angustifolia Suess.
- Alternanthera philoxeroides var. lancifolia Chodat
- Alternanthera philoxeroides var. obtusifolia (Mart.) Hicken
- Alternanthera philoxeroides f. phyllantha (Seub.) Pedersen, historisches Synonym
Keiner dieser Namen bezeichnet eine gärtnerisch eigenständige Sorte. Anders als bei manchen kultivierten Gattungen sind für Alternanthera philoxeroides keine anerkannten Handelssorten bekannt. Der akzeptierte wissenschaftliche Name bleibt deshalb der verlässliche Bezugspunkt für eine sichere Bestimmung und verhindert eine Verwechslung mit einer vermeintlich unproblematischen Gartensorte. 1
Lebensraum und Verbreitung
Im gemäßigten Südamerika liegt der Schwerpunkt des natürlichen Areals im Paraná-Becken, in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. POWO fasst das Ursprungsgebiet weiter und gibt Trinidad bis Nordargentinien an. An Ufern und in ruhigen Gewässern begrenzen dort Insekten und Krankheitserreger die Ausbreitung. Bei eingeführten Beständen fehlen solche Gegenspieler häufig, sodass die Ausdehnung weniger kontrolliert wird. 1
Um 1897 erreichte die Art die USA und wurde zunächst in Alabama beobachtet. Wahrscheinlich kam sie mit Ballastsedimenten von Schiffen aus Südamerika an. Inzwischen wurde Alligatorkraut in mehr als dreißig Länder eingeführt, darunter Japan, China, Australien und Neuseeland. Sein heutiges Vorkommen reicht damit weit über die südamerikanische Heimat hinaus. 3 2
Nach Frankreich gelangte die Pflanze absichtlich: Sie wurde für Aquarien und als Schmuck für Gartenteiche verkauft. Seit den 1960er-Jahren ist sie dort auch aus der freien Natur bekannt. Seit 2017 steht sie auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. In der EU sind damit Einfuhr, Kultur, Verkauf, Anpflanzung und Freisetzung in die Natur untersagt. 5 8
Lebenszyklus und Vermehrung
In eingeführten Beständen vermehrt sich Alternanthera philoxeroides fast ausschließlich vegetativ. Außerhalb des natürlichen Areals wurde keine geschlechtliche Fortpflanzung beobachtet, weil nicht genügend keimfähige Samen entstehen. Für die Besiedlung neuer Gewässerabschnitte sind daher Pflanzenteile statt Samen entscheidend. 5 2
Die genetische Zusammensetzung erklärt diesen Vermehrungsweg: Fast alle außerhalb Südamerikas beobachteten Matten gehen auf sterile hexaploide Klone zurück. Bereits ein Stängel- oder Ausläuferstück mit nur einem Knoten kann innerhalb weniger Tage wurzeln und eine neue Kolonie begründen. Unkontrolliertes Mähen kann die Pflanze deshalb verbreiten, statt ihren Bestand einzudämmen. 2 5
Das Wachstum beginnt bereits im Frühjahr rasch und erreicht im Sommer seinen Höhepunkt. In warmem, ruhigem Wasser kann sich die Mattenfläche innerhalb weniger Wochen verdoppeln. Die Art hält sich gewöhnlich in den Winterhärtezonen USDA 8 bis 11. Bei stärkerem Frost werden die oberirdischen Teile schwarz; tief bewurzelte oder in ungefrorenem Wasser liegende Bruchstücke können im Folgejahr erneut austreiben. 4
Nutzen und Risiken
In Südasien werden junge Triebe von Alternanthera philoxeroides örtlich als Blattgemüse gegessen. Diese Nutzung ist unter dem Namen malancha dokumentiert; zudem werden antioxidative Eigenschaften im Zusammenhang mit traditioneller Medizin untersucht. In veterinärmedizinischen Referenzwerken ist keine Giftigkeit für Menschen oder Haustiere belegt. 9
Die Verwendung als Lebensmittel ändert den rechtlichen Status in der EU nicht. Seit 2017 sind Einfuhr, Kultur, Verkauf und Anpflanzung untersagt, gerade weil der Handel für Zierteiche und Aquarien eine unbeabsichtigte Ausbreitung begünstigt. Die Nutzung in anderen Weltregionen begründet damit keine Ausnahme für den europäischen Handel. 7 8
Die ökologischen Auswirkungen erklären diese Beschränkungen. Dichte Matten verringern das für heimische Wassertiere und Wasserpflanzen verfügbare Licht und den Sauerstoff. Sie behindern Schifffahrt, Fischerei und Bewässerung und begünstigen Mückenlarven. Der California Invasive Plant Council stuft die Auswirkungen der Art in seine Kategorie hoch ein. 4 3
In den USA werden teilweise biologische Gegenspieler eingesetzt, etwa der Blattkäfer Agasicles hygrophila. Er wurde seit den 1960er-Jahren in warmen Gebieten eingeführt und kann die Pflanze dort begrenzen, überlebt kältere Winter jedoch nicht zuverlässig. In Frankreich beruht die Bekämpfung vor allem auf wiederholtem Entfernen mit vollständigem Abtransport aller Bruchstücke aus dem Feuchtgebiet. Mähen allein begünstigt dagegen die Verbreitung. 2 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Anerkannte Ziersorten fehlen beim Alligatorkraut, anders als bei mehreren als Gartenpflanzen genutzten Fuchsschwanzgewächsen. Die benannten Formen sind ausschließlich ältere botanische Varietäten, die heute als Synonyme geführt werden. Eine eigenständige gärtnerische Verwendung dieser historischen Namen ist nicht bekannt. 1
Ähnliche Uferpflanzen mit gegenständigen Blättern und weißen Blüten können die Bestimmung erschweren, darunter manche in dieselben Feuchtgebiete eingeführten Ludwigia- oder Myriophyllum-Arten. Der weiße Haarkranz in den Blattachseln und der hohle, schwimmende Stängel bleiben die zuverlässigsten Merkmale, um Alternanthera philoxeroides bereits vor der Blüte zu erkennen. 5
Auch unproblematische Zierpflanzen gehören zur Gattung Alternanthera, darunter Alternanthera ficoidea, die wegen ihres farbigen Laubs als Beeteinfassung verwendet wird. Dies erklärt einen Teil der Verwechslungen: Hinter einer ähnlichen Gattungszugehörigkeit können sowohl eine gewöhnliche Gartenpflanze als auch eine Art stehen, deren Kultur verboten ist. Eine sichere Artbestimmung ist daher wesentlich. 1
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Alternanthera philoxeroides (Mart.) Griseb.
- NC State Extension, Alternanthera philoxeroides (Alligatorweed)
- Invasive Species Info (USDA/DOI), Alligatorweed
- California Invasive Plant Council, Alternanthera philoxeroides Artenprofil
- OFB / Französisches IUCN-Komitee, Artenblatt Alligatorkraut
- INPN, Alternanthera philoxeroides (Mart.) Griseb., 1879
- Code des plantes envahissantes, Alligatorkraut
- Wikipedia, Alternanthera philoxeroides
- PMC, Studie zur subchronischen Toxizität von Alternanthera philoxeroides bei Schweizer Albinomäusen
Häufig gestellte Fragen
Darf Alligatorkraut in Frankreich noch verkauft werden?
Nein. Alternanthera philoxeroides steht seit 2017 auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Damit sind Einfuhr, Kultur, Verkauf, Anpflanzung und Freisetzung in die Natur untersagt.
Ist Alligatorkraut giftig?
Eine Giftigkeit für Menschen oder Haustiere ist nicht belegt. In einigen Teilen Asiens werden die jungen Triebe sogar als Blattgemüse gegessen. Diese Nutzung hat keinen Einfluss auf den rechtlichen Status in der EU.
Warum lässt sich Alligatorkraut so schwer beseitigen?
Es vermehrt sich fast ausschließlich durch vegetative Bruchstücke. Ein einziges Stängelstück mit einem Knoten, das von Strömung oder Pflegegeräten verschleppt wird, genügt für eine neue Matte an anderer Stelle im Einzugsgebiet.
Wie erkennt man Alligatorkraut ohne Blüten?
Ein Kranz weißer Haare in den Blattachseln an der Blattstielbasis ist das zuverlässigste Merkmal. Dazu kommen der hohle Stängel und der amphibische, schwimmende oder kriechende Wuchs.
Bildet Alligatorkraut in Frankreich Samen?
Fast nie. Eingeführte Bestände gehen überwiegend auf sterile hexaploide Klone zurück. Ihre Verbreitung erfolgt daher nahezu ausschließlich durch den Transport von Bruchstücken.
Welche Maßnahmen helfen gegen Alligatorkraut?
In den USA begrenzen biologische Gegenspieler wie der Blattkäfer Agasicles hygrophila die Art in warmen Klimaten. In Frankreich setzt die Bekämpfung vor allem auf wiederholtes Entfernen einschließlich aller Bruchstücke. Reines Mähen fördert dagegen die Ausbreitung.
Woher stammt Alligatorkraut?
Sein natürliches Areal liegt in den gemäßigten Gebieten Südamerikas, vor allem im Paraná-Becken in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelangte es vermutlich mit Ballastsedimenten von Schiffen in die USA.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





