Zurückgebogener Amarant (Amaranthus retroflexus, )
Zurückgebogener Amarant (Amaranthus retroflexus L., 1753) ist eine einjährige Pflanze der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) aus Amerika, die heute auf den meisten Kontinenten eingebürgert ist. Sein rauer, aufrechter Stängel trägt rautenförmige Blätter und einen dichten endständigen Blütenstand mit stacheligen Tragblättern. In der Landwirtschaft ist die Art vor allem wegen ihres ausdauernden Samenvorrats im Boden bekannt. In China wurde bei ihr erstmals eine bestätigte Resistenz gegen PPO-hemmende Herbizide nachgewiesen.
WeiterlesenZurückgebogener Amarant, Rauhaariger Amarant, Zurückgekrümmter Fuchsschwanz, Redroot pigweed, Redroot amaranth und Common amaranth
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Weltweite Verbreitung
Das genaue Ursprungsgebiet von Amaranthus retroflexus ist zwischen den Neotropen und dem zentralen bis östlichen Nordamerika umstritten; WCVP verortet die Pflanze in Mexiko. Aus Nordamerika eingeführt, ist die Art heute auf den meisten Kontinenten eingebürgert. Problematische Ackerpopulationen gibt es etwa in China, wo eine Resistenz gegen PPO-hemmende Herbizide bestätigt wurde.
- Heimisch2
- Eingeführt5
- Invasiv1
- Mexiko
- Vereinigte Staaten
- Kanada
- Europäisches Frankreich
- Europa
- Japan
- Australien
- China
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Zurückgebogener Amarant (Amaranthus retroflexus L., 1753), auch Rauhaariger Amarant genannt, ist eine einjährige Pflanze der Gattung Amaranthus aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Linné beschrieb ihn bereits 1753. Sein Ursprungsgebiet bleibt zwischen den Neotropen und dem zentralen bis östlichen Nordamerika umstritten. Jede Pflanze erzeugt bis zu 35.000 Samen und speist damit einen ausdauernden Samenvorrat im Boden. Deshalb ist sie selbst nach sorgfältigem Ausreißen schwer zu beseitigen. 1 3
Im englischen Namen redroot pigweed verbinden sich zwei praktische Merkmale: die oft rot getönte Pfahlwurzel und die frühere Nutzung als Futter für im Freien gehaltene Schweine. Auch die Bezeichnung common tumbleweed wird verwendet. Sie beschreibt das Verhalten bei der Reife und nicht das Aussehen während des aktiven Wachstums. 4 8
Erkennung
Rau und behaart wächst der aufrechte Stängel von Amaranthus retroflexus, der sich häufig in seiner oberen Hälfte verzweigt. Gewöhnlich erreicht die Pflanze 20–150 cm Höhe. Auf nährstoffreichem Boden und bei guter Belichtung können außergewöhnlich kräftige Exemplare jedoch bis zu 2 m hoch werden. 6
Wechselständig angeordnete, gestielte Blätter zeigen eine rautenförmige bis ovale Spreite mit deutlich hervortretenden Nerven. Die Blattspitze ist häufig ausgerandet. An besonders gut belichteten Exemplaren können die größten Blätter fast 15 cm lang werden. 3
Den Spross schließt ein dichter, dicker, ährenförmiger Blütenstand ab. Hellgrüne, stachelige Tragblätter verleihen ihm das struppige Aussehen. Die winzigen grünlichen Blüten werden vom Wind bestäubt. Da sie keinen Nektar bieten, locken sie kaum blütenbesuchende Insekten an. 3
Schwarze, glänzende und linsenförmige Samen sind kaum breiter als 1 mm. Sie liegen in einer kleinen, weniger als 2 mm großen Kapsel und können anschließend mehrere Jahre im Boden überdauern. 3
Nützliche Taxonomie
Als wissenschaftlichen Namen dieser Art akzeptiert Plants of the World Online Amaranthus retroflexus L. Die Veröffentlichung erfolgte 1753 innerhalb der Familie Amaranthaceae. 1 2
Ähnlich aussehende Arten gibt es in der Gattung Amaranthus zu mehreren Dutzend; im Gelände werden sie häufig verwechselt. Unter A. retroflexus wurden zahlreiche Varietäten und Unterarten beschrieben, darunter Amaranthus retroflexus var. salicifolius I.M.Johnst. sowie Amaranthus retroflexus subsp. patulus (Bertol.) Bonnier & Layens. Zur Unterscheidung dienten vor allem Blattform und Wuchs. 1
Nordamerikanische und französische agronomische Datenbanken verwenden fast durchgehend den akzeptierten Namen Amaranthus retroflexus. Anders als bei manchen ähnlichen Ackerunkräutern spielen verwirrende Synonymzuordnungen hier im praktischen Gebrauch kaum eine Rolle. 4
Lebensraum und Verbreitung
Ob die Art ursprünglich aus den Neotropen oder dem zentralen bis östlichen Nordamerika stammt, bleibt umstritten. WCVP verortet ihr natürliches Areal seinerseits in Mexiko. Die genaue Herkunft lässt sich daher nicht ohne diese Einschränkung angeben. 1 3
Nach der Einführung aus Nordamerika hat sich Zurückgebogener Amarant auf den meisten Kontinenten eingebürgert, darunter in Europa, Asien und Ozeanien. Für Frankreich verzeichnet INPN eine weite Verbreitung. Die französische Angabe beschreibt das Vorkommen dort und keinen rechtlichen Status für andere Länder. 4
Vorrangig besiedelt die Art Äcker, Gemüsegärten, Brachen und Wegränder. Besonders häufig ist sie auf gestörten, stickstoffreichen Böden. Dort nutzt sie die schnelle Keimung, sobald sich der Boden erwärmt, und entwickelt sich zügig in offenen Beständen. 6
Lebenszyklus, Resistenz und Ausbreitung
Warmer Boden begünstigt die Keimung vom Frühjahr bis in den Sommer. In kühlem Boden erfolgt sie langsamer und unregelmäßig. Die Pflanze blüht von Juli bis September, ihre Samen reifen von August bis Oktober. Diese jahreszeitlichen Angaben beziehen sich auf gemäßigte Verhältnisse der Nordhalbkugel. 6
Zwischen 13.000 und 35.000 Samen erzeugt ein einzelnes Exemplar. Sie bilden einen langlebigen Vorrat im Boden: Nach etwa drei Jahren ist die Hälfte verschwunden, bis zu einem Verlust von 99 % vergehen fast zwanzig Jahre. Bei der Reife löst sich der trockene Stängel leicht von der Wurzel und rollt mit dem Wind davon. Dabei verteilt er Samen über große Entfernungen, was die englische Bezeichnung tumbleweed erklärt. 8 3
An einer chinesischen Population wurde 2020 erstmals für diese Art eine bestätigte Resistenz gegen Herbizide dokumentiert, die das Enzym Protoporphyrinogen-Oxidase (PPO) hemmen. Die Resistenz lag bis zu 41,8-mal höher als bei empfindlichen Populationen und beruhte auf einer einzelnen Mutation im Zielgen. Gegen Glyphosat und mehrere andere geprüfte Herbizidgruppen blieb diese resistente Population jedoch empfindlich. 5
Nutzen und Risiken
Zum Verzehr eignen sich junge Blätter roh oder gekocht, ähnlich wie Spinat. Sie sind reich an Eisen sowie Vitamin A und C. Auch die Samen lassen sich roh oder gegart essen. Für Mehl können sie direkt gemahlen oder vor dem Mahlen geröstet werden. 6
Ein zusammenziehender Blatttee wurde traditionell bei starken Monatsblutungen, Darmblutungen und Durchfall genutzt; ein Aufguss diente auch gegen Heiserkeit. Dies beschreibt überlieferte Anwendungen. Aus der gesamten Pflanze lassen sich außerdem gelbe und grüne Farbstoffe gewinnen. 7
Innerhalb der Gattung Amaranthus ist keine Art als giftig für Menschen bekannt. Auf stickstoffreichem Boden reichert die Pflanze jedoch Nitrate in den Blättern an. Das dokumentierte Risiko betrifft vor allem Vieh, das große Mengen davon frisst. Mögliche Folgen sind Verdauungsstörungen oder eine Methämoglobinämie, bei der der Sauerstofftransport des Blutes beeinträchtigt wird. 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Anerkannte Gartensorten besitzt Amaranthus retroflexus nicht. Unterschiede im Gelände betreffen vor allem die Blattform und die Behaarung des Stängels. Sie kennzeichnen eher botanische Varietäten als eigens für den Garten ausgelesene Formen. 1
Sehr ähnliche Wuchsformen zeigen Amaranthus hybridus und Amaranthus powellii, mit denen die Art besonders häufig verwechselt wird. Amaranthus albus ist dagegen kleiner und blasser. Die Farbe der Pfahlwurzel und die Form der Blütentragblätter bleiben die verlässlichsten Merkmale zur Unterscheidung im Gelände. 3
An denselben Ackerrändern wachsen häufig andere Sommerunkräuter, etwa Kanadisches Berufkraut und Beifußblättriges Traubenkraut. Deren Silhouette und Laub reichen aus, um eine Verwechslung auf den ersten Blick auszuschließen. Zwischen den Amaranthus-Arten selbst ist der schwarze, linsenförmige, kaum 1 mm große Samen dagegen zuverlässiger als das Laub allein.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Amaranthus retroflexus L.
- International Plant Names Index, Amaranthus retroflexus
- Wikipedia EN, Amaranthus retroflexus
- INPN / MNHN, Amaranthus retroflexus L., 1753
- Wang et al. 2020, Resistenzmechanismus gegen Fomesafen bei Amaranthus retroflexus L., Pesticide Biochemistry and Physiology
- Plants For A Future (Useful Tropical Plants), Amaranthus retroflexus
- Natural Medicinal Herbs, Amaranthus retroflexus (Pigweed)
- Michigan State University Extension, Redroot Pigweed (Amaranthus retroflexus)
Häufig gestellte Fragen
Ist Zurückgebogener Amarant giftig?
Für Menschen ist keine Art der Gattung Amaranthus als giftig bekannt. Das dokumentierte Risiko betrifft vor allem Vieh, das große Mengen frisst, wenn die Pflanze auf stickstoffreichem Boden Nitrate angereichert hat.
Warum lässt sich die Pflanze so schwer beseitigen?
Ihre Samen bleiben über Jahre im Boden erhalten. Zudem entwickelte eine chinesische Population eine 2020 bestätigte Resistenz gegen PPO-hemmende Herbizide. Die Bekämpfung muss deshalb Wirkmechanismen wechseln, statt von nur einer Herbizidgruppe abzuhängen.
Woran erkennt man junge Sämlinge?
Die Sämlinge besitzen rautenförmige Blätter und einen an der Basis oft bereits rötlichen Stängel. In diesem Stadium lassen sie sich am einfachsten bekämpfen, bevor sich der Blütenstand bildet.
Was bedeutet der Name Zurückgebogener Amarant?
Er übersetzt das lateinische Artepitheton retroflexus, also zurückgebogen. Gemeint sind zurückgekrümmte Blütentragblätter, kein sofort auffälliges Merkmal der wachsenden Pflanze.
Kann man Zurückgebogenen Amarant essen?
Junge Blätter und Samen sind essbar; die Blätter lassen sich wie Spinat verwenden. Pflanzen von übermäßig stickstoffgedüngten Böden sollte man meiden, weil sie mehr Nitrate anreichern.
Mit welchen Amaranten kann man die Art verwechseln?
Besonders mit Amaranthus hybridus und Amaranthus powellii, die sehr ähnlich wachsen, sowie mit dem kleineren und blasseren Amaranthus albus. Die Wurzelfarbe bleibt ein nützliches Merkmal.
Wo wächst die Art besonders häufig?
Auf Äckern, in Gemüsegärten, auf Brachen und an Wegrändern. Sie bevorzugt deutlich gestörte und stickstoffreiche Böden.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






