Silberdistel (Carlina acaulis, )
Silberdistel (Carlina acaulis) ist eine mehrjährige, kalkliebende Pflanze der Asteraceae aus Trockenrasen und Bergweiden Mittel- und Südeuropas. Ihr silberner Blütenkorb sitzt oft direkt auf einer stacheligen Rosette. Er öffnet sich bei Sonne und schließt sich bei feuchtem Wetter, weshalb die Pflanze als Wetteranzeiger bekannt ist. Die an Carlinoxid reiche Wurzel wurde lange volksmedizinisch genutzt; junge Blütenkörbe werden wie kleine Artischocken gekocht gegessen.
WeiterlesenSilberdistel, Große Eberwurz, Eberwurz, Wetterdistel und Stemless carline thistle
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Taken Jul 29, 2021 by Alain Bigou (cc-by-sa)
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Weltweite Verbreitung
Carlina acaulis ist in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas von Spanien bis zu den Karpaten heimisch, laut POWO bis zum Kaukasus. Außerhalb dieses Areals wird sie vor allem in Steingärten alpiner Gärten Nordeuropas kultiviert, ohne Berichte über invasives Verhalten.
- Heimisch7
- Frankreich
- Schweiz
- Italien
- Spanien
- Österreich
- Deutschland
- Rumänien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Silberdistel (Carlina acaulis L., 1753), auch Große Eberwurz und Wetterdistel genannt, ist eine ausdauernde krautige Pflanze der Gattung Carlina aus der Familie Asteraceae. Carl von Linné beschrieb sie erstmals 1753 unter dem bis heute verwendeten Binomen. Das lateinische Epitheton acaulis bedeutet „stängellos“ und beschreibt den direkt auf der Blattrosette sitzenden Blütenkorb. 1 2
Eine mit Karl dem Großen verbundene Legende erklärt den Gattungsnamen. Auf der Suche nach einem Heilmittel gegen die Pest soll der Kaiser im Traum von einem Engel aufgefordert worden sein, einen Pfeil in den Himmel zu schießen. Die getroffene Pflanze sei zum Heilmittel geworden; ihre Wurzel habe man an die Bevölkerung verteilt, um die Seuche einzudämmen. 2
Erkennung
Stachelige, tief eingeschnittene Blätter bilden eine etwa 20 cm breite Rosette, die bei der typischen Unterart flach am Boden liegt. Im Zentrum steht ein einzelner Blütenkorb von bis zu 10 cm Durchmesser, je nach Unterart ungestielt oder auf einem kurzen Stängel. 2 3
Die Korbfarbe unterscheidet die Silberdistel im Gelände leicht von der häufig ähnlichen Cirsium acaule, einer weiteren niedrigen Distel der Trockenrasen: silbern bei Carlina acaulis, purpurn bei Cirsium acaule. Damit lassen sich beide Arten auch ohne Untersuchung der Blätter auseinanderhalten.
Breite, silberne Hüllblätter stehen sternförmig um eine Scheibe braungelber Röhrenblüten. Sie wirken wie Blütenblätter und machen den Korb für Bestäuber weithin sichtbar. Diese Hüllblätter sind hygroskopisch: Bei feuchtem Wetter oder nachts schließen sie sich, bei Sonne öffnen sie sich wieder. Daher gilt die Pflanze traditionell als Wetteranzeiger. 2
Etwa 4 Monate dauert die Blüte, je nach Höhenlage von Juni bis September. Tieflagenbestände blühen früher als solche in höheren Lagen. Eine dicke, tiefe Pfahlwurzel verankert die Pflanze im steinigen Boden und erschließt während trockener Sommer tiefer liegendes Wasser. 3
Nützliche Taxonomie
Unter Carlina acaulis erkennt POWO/WCVP zwei Unterarten an:
- Carlina acaulis subsp. acaulis, mit direkt auf der Rosette sitzendem Blütenkorb
- Carlina acaulis subsp. caulescens (Lam.) Schübl. & G.Martens, mit kurzem Stängel, der bei dieser Unterart 5 bis 40 cm erreicht
Historische Namen gehören weiterhin zur botanischen Synonymie. Sie sind von der im Gartenhandel angebotenen Unterart caulescens zu unterscheiden:
- Carlina subacaulis DC., historisches Synonym
- Carlina acaulis subsp. simplex (Waldst. & Kit.) Nyman, historischer Unterartname
- Carlina acaulis var. alpina Jacq., historischer Varietätsname
Als verlässlicher Bezugspunkt dient der akzeptierte Name Carlina acaulis L. Es handelt sich um die einzige in den Alpen und benachbarten Gebirgen weit verbreitete Art der Gattung. 1
Lebensraum und Verbreitung
Gebirge Mittel- und Südeuropas von Spanien bis zu den Karpaten bilden das natürliche Areal, das laut POWO bis zum Kaukasus reicht. Die Silberdistel wächst in Trockenrasen, kalkreichen Weiden und Felsfluren von der Ebene bis auf 2800 m. 1 2
Als streng kalkliebende Art etabliert sie sich auf saurem oder zu nährstoffreichem Boden schlechter und blüht dort weniger zuverlässig. In der Schweiz besiedelt sie sämtliche Höhenstufen vom Jura bis in die Zentralalpen; der Schutzstatus unterscheidet sich nach Kanton. In Frankreich regeln mehrere regionale Präfekturerlasse, etwa im Elsass, ihre Entnahme. 5 4
In alpinen Gärten Nordeuropas, besonders im Vereinigten Königreich, wird die Silberdistel außerhalb ihres natürlichen Areals in Steingärten kultiviert. Berichte über invasives Verhalten liegen nicht vor. 2
Lebenszyklus und Vermehrung
Im Frühjahr keimt die Silberdistel aus Samen mit federiger Haarkrone. Anschließend entwickelt sich die Rosette 3 Jahre oder länger, bevor sie erstmals blüht. Junge Pflanzen in Gärtnereien zeigen deshalb oft nur Blätter und noch keinen sichtbaren Blütenkorb. 3
Nach der Blüte im Sommer bis Herbst schließt sich der trockene Korb und hält die mit einer Haarkrone ausgestatteten Achänen lange fest. Später verbreitet der Wind die Früchte. Der vertrocknete Korb bleibt im Winter nahezu unversehrt; traditionell hing man ihn deshalb als Schmuck an Bauernhaustüren. 2
Nutzen und Risiken
Vor dem vollständigen Öffnen geerntete junge Blütenkörbe werden wie kleine Artischocken gekocht und gegessen. Auch der fleischige Blütenboden und die Wurzel sind gekocht essbar. Diese Verwendung erklärt den in den Alpen gebräuchlichen Namen „Jägerbrot“. 3
Das ätherische Öl der Wurzel enthält viel Carlinoxid, eine antibakterielle Verbindung, die volksmedizinisch lange als harntreibendes Mittel und gegen Erkältungen diente. Isoliert und konzentriert erwies sie sich im Labor als giftig: Eine Studie ermittelte an Zebrafischembryonen eine LC50 von 10 µg/mL sowie Fehlbildungen und Zelltod schon bei niedrigen Dosen an kultivierten menschlichen Zellen. Die Autoren folgern, dass therapeutische Silberdistelextrakte vor jeder Anwendung von Carlinoxid befreit werden müssen. 7
Zur Giftigkeit der ganzen Pflanze für Menschen oder Haustiere bei üblicher Aufnahme liegen keine Hinweise vor. Die dokumentierte Vorsicht betrifft konzentrierte Wurzelextrakte; sie bezieht sich nicht auf den traditionellen Verzehr der Blütenkörbe oder gekochten Wurzel. 7
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Im Gartenhandel überwiegt die Unterart caulescens, teils als weather thistle angeboten, mit ihrer Selektion 'Bronze'. Deren bronzefarbene Hüllblätter und bis 40 cm hoher Stängel sind für Steingärten und Trockensträuße geschätzt. Die typische Wildform, subsp. acaulis, wird dagegen selten unverändert verkauft. 6
Bei der Bestimmung treten vor allem zwei Verwechslungen auf:
- Cirsium acaule bildet ebenfalls eine niedrige Rosette, hat jedoch purpurne und niemals silberne Blüten;
- Carlina acanthifolia trägt auf kräftigeren Blättern häufig einen größeren Korb und ist besonders auf dem Balkan und in den Pyrenäen verbreitet.
Entscheidend bleibt die silberne Korbfarbe von Carlina acaulis, die beiden ähnlichen Arten fehlt. Dadurch ist eine Unterscheidung ohne genaue Prüfung des im Gelände oft ähnlichen Laubs möglich.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Carlina acaulis L.
- Royal Horticultural Society, Carlina acaulis – Silberdistel
- Plants For A Future, Carlina acaulis
- INPN / MNHN, Carlina acaulis L., 1753
- Info Flora, Carlina acaulis L.
- Info Flora, Carlina acaulis subsp. caulescens
- PMC, Giftigkeit von Carlinoxid aus Wurzeln von Carlina acaulis, In-vitro- und In-vivo-Studie
Häufig gestellte Fragen
Ist die Silberdistel giftig?
Für die ganze Pflanze liegen bei üblicher Aufnahme keine Hinweise auf Giftigkeit für Menschen oder Haustiere vor. Isoliertes und konzentriertes Carlinoxid aus der Wurzel erwies sich im Labor als giftig. Traditionelle Nutzung und reiner Extrakt sind daher zu unterscheiden.
Warum schließt sich der Blütenkorb der Silberdistel?
Die breiten silbernen Hüllblätter sind hygroskopisch. Bei feuchtem Wetter und nachts schließen sie sich zum Schutz des Pollens; bei Sonne öffnen sie sich wieder. Deshalb gilt die Pflanze als natürlicher Wetteranzeiger.
Darf man Silberdisteln in der Natur sammeln?
Das Sammeln ist in mehreren Gebieten geregelt, etwa im französischen Elsass und in manchen Schweizer Kantonen, wo die Art geschützt ist. Vor einer Entnahme sind die örtlichen Bestimmungen zu prüfen.
Was unterscheidet subsp. acaulis und subsp. caulescens?
Bei subsp. acaulis sitzt der Blütenkorb direkt auf der Rosette. Subsp. caulescens entwickelt einen kurzen, bis 40 cm hohen Stängel und überwiegt im Gartenhandel.
Ist die Silberdistel essbar?
Ja. Junge Blütenkörbe werden vor dem völligen Öffnen geerntet und wie kleine Artischocken gekocht. Auch der fleischige Blütenboden und die Wurzel sind gekocht essbar.
Mit welchen Pflanzen lässt sich die Silberdistel verwechseln?
Am häufigsten mit Cirsium acaule, einer ebenfalls niedrigen Rosettendistel, deren Blüten jedoch purpurn und niemals silbern sind. In den Balkangebirgen und Pyrenäen kann auch die größere, kräftigere Carlina acanthifolia ähnlich aussehen.
Warum wächst die Silberdistel auf magerem Kalkboden?
Die Art ist streng kalkliebend. Ihre tiefe Pfahlwurzel erschließt Wasser in steinigem Untergrund. Reicher oder feuchter Boden fördert dagegen weiches Laub und Fäulnis an der Rosette.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.








