Wilde Karde (Dipsacus fullonum, L. 1753)

Wilde Karde (Dipsacus fullonum L., 1753) ist eine zweijährige Pflanze der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) aus Europa, Nordafrika und Südwestasien. Ihre gegenständigen, am Grund verwachsenen Blätter bilden kleine Wasserbecken. Stachelige Blütenköpfe stehen an etwa 2 m hohen Stängeln; die Textilverarbeitung prägte ihre Namensgeschichte. Neuere Untersuchungen deuten auf einen Fortpflanzungsvorteil durch Insekten hin, die in den Blattbecken ertrinken.

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Wissenschaftlicher NameDipsacus fullonum
GattungDipsacus
OrdnungDipsacales

Wilde Karde, Karde, Wild teasel, Common teasel und Fuller’s teasel

Identität
Toxizität
Keine bekannte Giftigkeit für Menschen, Katzen und Hunde
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Kräuterartig · Rosettenpflanze
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Zweijährig
Herkunft
FrankreichEuropaNordafrikaKaukasus und Südwestasien
Lebensraum
Brachen, Böschungen, Straßenränder, feuchte lehmige Wiesen und Gewässerufer
Jahresverlauf
Blütezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Rosette im ersten, Blüte Juli–September im zweiten Jahr; danach Absterben
Vermehrung
Aussaat
Klima & Wasser
Tolerierter Temperaturbereich
Winterhärte
Windverträglichkeit
Hohler, steifer, stacheliger Stängel; verholzt recht windfest
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Gestörter Boden, Straßenrandboden, Kalkboden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Volle Sonne bis lichter Halbschatten
Außenbereich
Straßenrand, Feldrand, Flussberge
Erscheinungsbild
Höhe100–200 cmBreite40–100 cm
Blätter
Grün
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
ViolettRosaGröße4–8 cm
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Braun
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Dipsacus fullonum umfasst Europa, den Kaukasus und Nordafrika und reicht bis Südwestasien. Im 19. Jahrhundert für die Textilindustrie nach Nordamerika eingeführt, ist die Art dort heute weit eingebürgert und in mehreren US-Staaten als schädliches Unkraut eingestuft.

  • Heimisch4
  • Eingeführt1
  • Invasiv1
  • Frankreich (europäisches Festland)
  • Europa
  • Nordafrika
  • Kaukasus und Südwestasien
  • Kanada
  • Vereinigte Staaten

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum L., 1753) wächst als zweijährige Art der Gattung Dipsacus in der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Plants of the World Online akzeptiert den von Carl von Linné 1753 veröffentlichten Namen. Als weiterhin gebräuchliches Synonym begegnet Dipsacus sylvestris in botanischen Werken. 1 6

Die Verbindung zur Textilverarbeitung geht auf das Aufrauen von Wolltuch mit getrockneten stacheligen Blütenköpfen zurück. Historisch betrifft diese Nutzung vor allem die kultivierte Weberkarde (Dipsacus sativus). Ihre Hüllblätter sind wesentlich steifer als die der wilden Pflanze und eignen sich deshalb besser zum Bearbeiten des Gewebes. 4 2

Erkennung

Im zweiten Jahr schiebt die Wilde Karde einen hohlen, kantigen Stängel, der mit kurzen Stacheln besetzt ist. Er erreicht meist 1–2 m, bei besonders kräftigen Exemplaren bis 2,5 m. Die Pflanze beansprucht am Boden etwa 40 cm bis 1 m Breite; ihre hohe Gestalt entsteht erst im zweiten Lebensjahr. 2 3

Gegenständige, sitzende Blätter sind am Grund um den Stängel miteinander verwachsen. So bildet jedes Blattpaar ein kleines Wasserbecken, das während der Saison Regen auffängt. Auch die unterseits stachelige Mittelrippe trägt zur wehrhaften Oberfläche bei; die Stacheln reichen damit bis in die Blattspreite hinein. 3 4

Eiförmige bis kegelige Blütenköpfe messen 4–8 cm. Lange, aufwärts gebogene und stachelige Hüllblätter umgeben sie und überragen den Kopf. Die kleinen lilafarbenen Blüten öffnen sich zunächst als schmaler Ring in der Mitte. Von dort schreitet die Blüte gleichzeitig nach oben und unten fort, eine ungewöhnliche Abfolge innerhalb eines zusammengesetzten Blütenstands. 2 3

Nützliche Taxonomie

Seit der Veröffentlichung von 1753 lautet der bei Plants of the World Online akzeptierte Name Dipsacus fullonum L. Der Name Dipsacus sylvestris bezeichnet dieselbe Art und ist besonders in älteren Floren und botanischen Texten noch häufig zu finden. Er steht also nicht für eine zweite, ähnlich aussehende Wildpflanze. 1

Die kultivierte Form Dipsacus fullonum var. sativus (L.) Thell. wird im Englischen häufig fuller's teasel genannt. Ihre zurückgebogenen Hüllblätter sind deutlich starrer als die der Wildpflanze. Nur diese domestizierte Form wurde industriell eingesetzt, um die Oberfläche von Wolltuch aufzurauen und dessen Flor anzuheben. 4 6

Innerhalb der Caprifoliaceae gehört die Art nach der heutigen phylogenetischen APG-Klassifikation zur Unterfamilie Dipsacoideae. Ältere Floren führten diese Gruppe noch als eigene Familie Dipsacaceae. Unterschiedliche Familienangaben in solchen Werken beruhen damit auf einer veränderten systematischen Einordnung. 6

Lebensraum und Verbreitung

Europa, der Kaukasus und Nordafrika bilden das natürliche Areal, das bis Südwestasien reicht. Dort verträgt Dipsacus fullonum Temperaturen von −20 bis 35 °C und Böden mit einem pH-Wert von 5–8. Dieses Spektrum erlaubt Vorkommen sowohl an Straßenrändern als auch auf feuchten lehmigen Wiesen. 1 4

Für die Textilindustrie gelangte die Art im 19. Jahrhundert nach Nordamerika und bürgerte sich dort großräumig ein. Missouri, Colorado und der Bundesstaat Washington gehören zu den US-Staaten, die sie heute als reguliertes Schadunkraut führen. Entscheidend ist dabei insbesondere ihre Fähigkeit, einheimische Wiesenvegetation zu verdrängen. 5 8

In Frankreich gehört die Wilde Karde zur heimischen Flora. Sie ist dort auf Brachen und an Wegrändern weiterhin häufig, ohne dokumentierten invasiven Status. Diese Einordnung bezieht sich auf Frankreich und lässt sich nicht auf die eingeführten nordamerikanischen Bestände übertragen. 6

Lebenszyklus und Vermehrung

Der streng zweijährige, monokarpische Lebenszyklus beginnt mit einer bodennahen Rosette lanzettlicher Blätter ohne sichtbaren Blütenstängel. Ein kalter Winter vernalisiert die Rosette und löst im folgenden Frühjahr das Schossen aus. Danach gewinnt der Stängel innerhalb einer einzigen Saison 1–2 m an Höhe, bevor die Pflanze blüht. 2 3

Von Juli bis September dauert die Blüte. Jeder befruchtete Blütenkopf bildet bräunliche, vierrippige Achänen ohne Haarkrone und ohne Haken. Sie fallen überwiegend unmittelbar neben der Mutterpflanze zu Boden. Nach dieser einzigen Fruchtbildung stirbt die gesamte Pflanze ab; sie blüht also nicht in weiteren Jahren erneut. 2 3

Shaw und Shackleton untersuchten 2011 tote Larven, die sie in die Blattbecken gaben. Die so versorgten Pflanzen bildeten etwa 30 % mehr Samen als die Kontrollpflanzen, ohne messbar mehr oberirdische Biomasse aufzubauen. Das Experiment liefert einen frühen Nachweis eines Fortpflanzungsvorteils durch ertrunkene Beutetiere auf bereits nährstoffhaltigen Böden. Dieses Verhalten ähnelt eher fakultativer Karnivorie als der strengen Karnivorie von Sonnentau. 7

Verwendung und Risiken

Historisch dienten hauptsächlich die Blütenköpfe der kultivierten Weberkarde zum Aufrauen von Wolltuch. Ihre starren Hüllblätter hoben den Flor des Gewebes an. Bei wild wachsender Dipsacus fullonum sind die entsprechenden Hüllblätter zu weich für diesen industriellen Arbeitsgang; beide Formen sind in ihrer Verwendung deshalb auseinanderzuhalten. 4 2

Getrocknete Blütenköpfe behalten ihre Form und braune Farbe sehr lange. Sie werden häufig für Floristik und winterliche Gestecke gesammelt. Reife Köpfe bieten gegen Saisonende außerdem Stieglitzen Samen als Nahrung. Für diese körnerfressenden Singvögel ist die Karde als winterliche Nahrungsquelle dokumentiert. 4

Eine chemische Giftigkeit für Menschen, Katzen oder Hunde ist nicht dokumentiert; für Pferde bleibt die Datenlage unklar. Das greifbare Risiko bilden die Stacheln an Stängeln, Blättern und Hüllblättern. Sie können bei Berührung mechanisch reizen, ohne dass diese Verletzungswirkung mit einer Giftwirkung gleichzusetzen wäre. 4

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Anerkannte gärtnerische Sorten besitzt Dipsacus fullonum nicht. Die Wildpflanze wurde nicht als Zierpflanze ausgelesen. Lediglich die für die Textilindustrie angebaute Varietät sativus stellt eine anerkannte domestizierte Form dar; sie erklärt viele der historisch verwendeten Bezeichnungen rund um das Karden von Wolle. 6

Besonders häufig wird die Art mit der Schlitzblättrigen Karde, Dipsacus laciniatus, verwechselt. Auch diese gilt in Nordamerika als invasives Schadunkraut. Das zuverlässigste Merkmal ist die Blattspreite: ungeteilt oder nur gezähnt bei Dipsacus fullonum, tief fiederspaltig bei Dipsacus laciniatus. Dieser Unterschied ist schon an einer 20–40 cm großen Rosette vor der Blüte erkennbar. 5 8

Weitere stachelige Zweijährige der Brachen können vor dem Schossen ähnlich wirken, etwa Kratzdisteln der Gattung Cirsium oder die Mariendistel (Silybum marianum). Ihnen fehlt jedoch das Blattbecken der Karde. Dieses hält Wasser und mitunter ertrunkene Insekten fest und ist ein entscheidender Hinweis auf Dipsacus fullonum. 3

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist die Wilde Karde giftig?

Für Menschen, Katzen und Hunde ist keine chemische Giftigkeit dokumentiert; bei Pferden bleibt der Status unklar. Die eigentliche Gefahr geht von den Stacheln an Stängeln und Blütenköpfen aus, die bei Berührung mechanisch reizen.

Warum wird die Wilde Karde mit trinkenden Vögeln verbunden?

Die am Grund verwachsenen Blattpaare bilden entlang des Blütenstängels kleine Becken mit Regenwasser. Kleine Vögel nutzen diese gelegentlich zum Trinken oder Baden.

Kann die Wilde Karde Insekten fangen?

Ja. Eine 2011 veröffentlichte Untersuchung zeigte, dass in die Blattbecken gegebene Insekten die Samenproduktion um etwa 30 % erhöhten. Dieser Fortpflanzungsvorteil ist dokumentiert, obwohl aktive Verdauungsorgane wie bei streng fleischfressenden Pflanzen fehlen.

Wie unterscheidet sich die Wilde Karde von Dipsacus sativus?

Beide werden im Englischen als teasel bezeichnet. Nur die kultivierte Weberkarde besitzt jedoch ausreichend starre Hüllblätter zum Aufrauen von Wolltuch. Bei der wild wachsenden Dipsacus fullonum sind sie für diese industrielle Verwendung zu weich.

Ist die Wilde Karde invasiv?

Mehrere US-Staaten, darunter Missouri, Colorado und Washington, führen sie als reguliertes Schadunkraut. In ihrem europäischen Heimatgebiet bleibt sie eine verbreitete zweijährige Pflanze der Brachen ohne invasiven Status.

Wie lange lebt die Wilde Karde?

Zwei Jahre. Im ersten Jahr entsteht nur eine bodennahe Blattrosette. Im zweiten folgen Streckungswachstum und Blüte von Juli bis September; nach der Samenreife stirbt die Pflanze.

Wie lassen sich Dipsacus fullonum und Dipsacus laciniatus unterscheiden?

Am zuverlässigsten ist die Blattform: Bei Dipsacus fullonum ist die Blattspreite ungeteilt oder lediglich gezähnt, bei Dipsacus laciniatus tief fiederspaltig. Auch die zweite Art wird in Nordamerika als invasiv eingestuft.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.