Röhren-Kassie (Cassia fistula, )
Die Röhren-Kassie (Cassia fistula) ist ein laubabwerfender Baum aus der Familie der Fabaceae, der vom indischen Subkontinent und aus Sri Lanka stammt. Goldgelbe hängende Blütentrauben, lange zylindrische, bei Reife schwarze Hülsen und ihre Bedeutung als Nationalbaum Thailands, dort ratchaphruek genannt, kennzeichnen die Art.
WeiterlesenRöhren-Kassie, Purgier-Kassie, Fisett-Kassie und Indischer Goldregen
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Weltweite Verbreitung
Cassia fistula stammt vom indischen Subkontinent und aus Sri Lanka, wo die Art in laubabwerfenden Trockenwäldern des Tieflands wächst. Als Zierbaum gelangte sie nach Südostasien, Ostafrika und in zahlreiche tropische und subtropische Gebiete weltweit, ohne großräumig dokumentierten invasiven Status.
- Heimisch2
- Eingeführt3
- Indien
- Sri Lanka
- Singapur
- Taiwan
- Kenia
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Röhren-Kassie (Cassia fistula L., 1753), auch Purgier-Kassie, Fisett-Kassie oder Indischer Goldregen, ist ein laubabwerfender Baum aus der Familie der Fabaceae. Carl von Linné beschrieb sie 1753 in seinem Species Plantarum, dem grundlegenden Werk der modernen botanischen Nomenklatur. Damit gehört sie zu den ersten tropischen Arten, die nach diesem System benannt wurden. 1 2
Die langen Hülsen lieferten das abführende Fruchtmark, das früher in der Pharmazie als „Canéfice“ bezeichnet wurde. Darauf verweist der französische Name canéficier. Der englische Name golden shower, wörtlich „Goldregen“, beschreibt dagegen die hängenden gelben Blütentrauben am noch spärlich belaubten Baum. 5
Erkennung
Mit gewöhnlich 10 bis 18 m Höhe und 6 bis 12 m Breite ist Cassia fistula ein mittelgroßer Baum. Die gefiederten Blätter tragen 3 bis 8 Paare ovaler Fiederblättchen. Kurz vor der Blüte verliert der Baum vorübergehend sein Laub. 3 5
Schon von Weitem fallen die duftenden 30 bis 50 cm langen hängenden Trauben auf. Ihre goldgelben Blüten besitzen fünf weit geöffnete Blütenblätter und erscheinen je nach Klima zwischen April und September. Am nahezu kahlen Geäst kommt ihre Farbe besonders deutlich zur Geltung. 3 5
Aus den Blüten entstehen 40 bis 60 cm lange zylindrische Hülsen, zunächst grün, dann bei Reife schwarz. Ihr klebriges dunkelbraunes Fruchtmark ist durch Querwände in Kammern gegliedert. Die geschwärzten Früchte hängen noch mehrere Monate nach dem Ende der Blüte am Baum. 5 3
Nützliche Taxonomie
Botanisch akzeptiert ist Cassia fistula L.; trotz zahlreicher historischer Benennungen bleibt diese Art eindeutig abgegrenzt. Folgende Namen werden heute als Synonyme derselben Art behandelt:
- Cathartocarpus fistula (L.) Pers. (historisches Synonym)
- Bactyrilobium fistula (L.) Willd. (historisches Synonym)
- Cassia excelsa Kunth (historisches Synonym)
- Cassia bonplandiana DC. (historisches Synonym)
- Cassia fistula var. ovata DC. (historisches Synonym)
Diese historischen Namen bezeichnen dieselbe Art.
Beim Kauf ist diese Zuordnung besonders hilfreich: Die Handelsnamen golden shower tree und golden chain führen häufig zur Verwechslung mit Laburnum anagyroides. Dieser europäische Baum gehört zu einer anderen Gattung und Familie. 1 2
Lebensraum und Verbreitung
Heimisch ist Cassia fistula auf dem indischen Subkontinent und in Sri Lanka, in laubabwerfenden Trockenwäldern des Tieflands unterhalb der feuchten Waldstufe. Auch sonnige Baumsavannen, Waldränder und Straßenränder besiedelt die Art dort gern. 1 4
Als Kulturbaum verbreitete sie sich durch Tropen und Subtropen: vom kontinentalen Südostasien, etwa Laos, über Kenia in Ostafrika bis nach Mexiko. In Thailand ist sie heute Nationalbaum und Nationalblume und heißt ratchaphruek. Diese Bedeutung trägt zu ihren zahlreichen Pflanzungen in den Städten des Landes bei. 5 4
Günstig sind die Bedingungen ihres Herkunftsgebiets mit 500 bis 2.700 mm Jahresniederschlag, konzentriert auf eine Regenzeit, und mittleren Temperaturen von 18 bis 29 °C. Der deutliche Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit erklärt die gebündelte Blüte: Sie reagiert auf den vorausgehenden Wassermangel statt auf einen festen Kalender. 4 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Gut etablierte Bäume beginnen gewöhnlich im Alter von 3 bis 8 Jahren zu blühen. Danach wiederholt sich die Blüte in jeder warmen Jahreszeit, je nach vorausgegangenen Niederschlägen unterschiedlich stark. Die gebildeten Hülsen brauchen mehrere Monate, bis sie vollständig schwarz sind. 3 5
Eine sehr harte Samenschale verhindert die Keimung, solange sie unversehrt bleibt. Mechanisches Anritzen oder längeres Einweichen in lauwarmem Wasser ermöglicht in der Praxis ein Auflaufen binnen weniger Tage. Ohne diese Vorbehandlung dauert die Keimung Monate oder bleibt ganz aus. 4
Nutzen und Risiken
Vor allem dient die Röhren-Kassie als Zierbaum: in Alleen, als Straßenschattenbaum, einzeln oder in Stadtparks. Ihre auffällige Blüte macht sie in Südostasien und tropischen Gärten weltweit beliebt. Das harte dichte Holz wird örtlich für Möbel, Räder, Pfosten und Mörser verwendet; diese ländliche Nutzung ist weit weniger sichtbar als die Zierpflanzung. 5 3
Hülsen und Blätter enthalten Hydroxyanthracen-Derivate, darunter Rhein und Chrysophanol. Traditionell werden sie als mildes Abführmittel verwendet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet diese Verbindungen jedoch als potenziell genotoxisch und rät von längerer Verwendung ab, besonders bei Kindern unter zwölf Jahren sowie Schwangeren und Stillenden. 6 7
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Früher vereinte die Gattung Cassia zahlreiche Arten, die heute auf Cassia, Senna und Chamaecrista verteilt sind. Cassia fistula gehört zu den wenigen Arten, die in der heutigen Einteilung ihren ursprünglichen Gattungsnamen behalten. 1
Besonders häufig werden folgende Arten verwechselt:
- Laburnum anagyroides, der europäische Goldregen mit dreizähligen Blättern und kurzen flachen Hülsen; der gemeinsame Handelsname „golden chain“ begünstigt Verwechslungen;
- Cassia javanica, deren Blüten eher rosa als gelb sind und die oft unter ähnlichen Handelsnamen angeboten wird;
- Senna siamea, ein verwandter gelb blühender Baum mit flachen Hülsen, früher ebenfalls zur Gattung Cassia gestellt.
Entscheidend ist die Hülsenform: Nur Cassia fistula bildet eine derart lange zylindrische schwarze Frucht. Bei den verwandten Arten sind die Hülsen flach oder deutlich kürzer. 2
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Cassia fistula L.
- Integrated Taxonomic Information System, Cassia fistula
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Cassia fistula
- Plants For A Future, Cassia fistula
- NParks FloraFaunaWeb Singapur, Cassia fistula
- EFSA, Bewertung der Sicherheit von Hydroxyanthracen-Derivaten in Lebensmitteln
- PMC7009633, Übersicht zu Hydroxyanthracen-Derivaten abführender Pflanzen
- GBIF Backbone Taxonomy, Cassia fistula L.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Röhren-Kassie tatsächlich Thailands Nationalbaum?
Ja. Cassia fistula, auf Thai ratchaphruek, ist sowohl Nationalbaum als auch Nationalblume. Ihre gelben Blüten stehen dort für das thailändische Königtum.
Wie unterscheidet sich die Röhren-Kassie vom Goldregen?
Sie hat zusammengesetzte Blätter mit ovalen Fiederblättchen und 40 bis 60 cm lange schwarze zylindrische Hülsen. Der europäische Goldregen hat dreizählige Blätter und kurze flache Hülsen. Die ähnlichen englischen Namen golden chain und golden shower führen häufig zu Verwechslungen.
Sind die Hülsen von Cassia fistula giftig?
Ihr Fruchtmark enthält Hydroxyanthracene, die traditionell als mildes Abführmittel dienen. Von längerem Verzehr wird jedoch abgeraten, besonders bei Kindern unter zwölf Jahren sowie Schwangeren und Stillenden.
Blüht die Röhren-Kassie jedes Jahr gleich stark?
Sie blüht meist jährlich in der warmen Jahreszeit. Die Stärke hängt jedoch vom vorausgehenden Regen und der Wärme ab. Mäßiger Wassermangel vor der Trockenzeit fördert oft eine reichere Blüte.
Wie groß wird eine Röhren-Kassie?
Üblich sind 10 bis 18 Meter Höhe und 6 bis 12 Meter Breite. Anfangs wächst sie langsam, mit etabliertem Wurzelsystem dann kräftiger.
Lässt sich die Röhren-Kassie im gemäßigten Klima im Kübel halten?
Nur im großen geschützten Kübel mit frostfreier Überwinterung im Kalthaus, da die Art höchstens sehr kurzen leichten Frost verträgt. Freilandkultur ist nur in warmem Mittelmeerklima oder den Tropen realistisch.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




