Zerberusbaum (Cerbera odollam, )
Der Zerberusbaum (Cerbera odollam) ist ein kleiner Küstenbaum der Apocynaceae aus einem Gebiet von Südindien und Sri Lanka bis zum westlichen Pazifik. Er trägt duftende weiße Blüten mit gelber Mitte und kleine mangoähnliche Früchte, die sich von Grün über Purpur bis Schwarz verfärben. Unter der leichten, schwimmfähigen Hülle liegt ein Kern mit dem Herzgift Cerberin, dessen verhängnisvolle Nutzung in Indien dokumentiert ist.
WeiterlesenZerberusbaum, Pong-pong, Othalanga, Suicide tree, Pong-pong tree und Othalam
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Taken Jan 13, 2020 by Chee Keong Chan (cc-by-sa)
Taken Feb 12, 2021 by lo' (cc-by-sa)
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Cerbera odollam reicht von Südindien und Sri Lanka über das südostasiatische Festland und die Inselwelt bis Nordaustralien und in den westlichen Pazifik. Die Art wurde vielfach als Zierbaum in tropische Küstengebiete eingeführt. Ihre fehlende Frosttoleranz begrenzt eine mögliche Einbürgerung auf diesen Klimagürtel.
- Heimisch8
- Eingeführt1
- Indien
- Sri Lanka
- Malaysia
- Singapur
- Myanmar
- Vietnam
- Indonesien
- Australien
- Französisch-Polynesien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Der Zerberusbaum (Cerbera odollam Gaertn., 1791), auch Pong-pong oder Othalanga, ist eine akzeptierte Art der Gattung Cerbera in der Familie Apocynaceae. Der deutsche Botaniker Joseph Gaertner beschrieb ihn 1791. Der Gattungsname verweist auf Kerberos, den dreiköpfigen Wächter am Eingang der Unterwelt in der griechischen Mythologie, und spielt damit auf die Gefährlichkeit an. 1
Die englische Bezeichnung Suicide tree verweist auf eine dokumentierte, weiterhin vorkommende Nutzung der Samen bei Suiziden in Teilen Südindiens. Der Samenkern enthält konzentriertes Cerberin, ein Herzgift, das bereits nach Aufnahme eines einzelnen Samens einen Erwachsenen töten kann. Pong-pong ist dagegen vor allem in der englischsprachigen Fachliteratur Südostasiens verbreitet und verweist nicht auf die Gefahr durch die Samen. 3 5 6
Am Erscheinungsbild des kleinen Küstenbaums mit glänzendem Laub und duftenden weißen Blüten lässt sich seine tödliche Giftigkeit nicht erkennen. 2
Erkennung
Ausgewachsene Exemplare erreichen 8 bis 12 m Höhe bei 4 bis 8 m Kronenbreite. Der knorrige Stamm ist an der Basis häufig durch Brettwurzeln verstärkt und von grauer, rauer Rinde bedeckt. 2
An den Zweigenden stehen die glänzenden, dunkelgrünen Blätter büschelig zusammen. Sie sind schmal verkehrt-eiförmig und laufen in eine feine Spitze aus. Vor dem Abfallen verfärben sie sich häufig orange, ein zusätzliches Bestimmungsmerkmal. 2
Weiße Blüten mit gelber Mitte werden etwa 5 bis 7 cm groß und duften deutlich. Verletzte Blätter und Stängel geben weißen Milchsaft ab, wie er für viele Apocynaceae typisch ist; bei Kontakt wirkt er reizend. 7
Die zunächst grünen Früchte verfärben sich über Purpur bis violettschwarz und ähneln kleinen Mangos. Das begünstigt versehentliche Vergiftungen, besonders bei kleinen Kindern. Unter der leichten, faserigen Hülle liegt ein einzelner großer Kern. Er ist der giftigste Pflanzenteil und wesentlich gefährlicher als Rinde oder Blätter. 2 5
Nützliche Taxonomie
Plants of the World Online akzeptiert den Namen Cerbera odollam Gaertn. Eine früher unter dieser Art geführte Varietät wird inzwischen einer verwandten Art zugeordnet. Historische Namen sind:
- Cerbera odollam var. mugfordii F.M.Bailey, heute ein Synonym von Cerbera manghas L.
- Odollam Adans., ein früherer Gattungsname
- Tanghinia odollam (Gaertn.) G.Don, eine historische Namenskombination
Die Umstellung der Varietät mugfordii zeigt eine häufige Verwechslungsquelle. Cerbera manghas, im Englischen „sea mango“, gehört zur selben Gattung und ist ähnlich giftig, bleibt aber botanisch von C. odollam verschieden. Der vollständige wissenschaftliche Name bietet den verlässlichsten Bezug. 1 8
Lebensraum und Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Zerberusbaums reicht von Südindien und Sri Lanka über das südostasiatische Festland und dessen Inselwelt bis Nordaustralien und zum westlichen Pazifik. 1
Bevorzugt werden Küstenwälder, die rückwärtigen Bereiche von Mangroven, Flussufer und sumpfige Küstenzonen. Häufig steht der Baum in der zweiten Reihe hinter den eigentlichen Mangrovenbäumen. 6
Die leichte, faserige Fruchthülle ermöglicht das Schwimmen. Samen können dadurch mit Meeresströmungen weite Strecken zurücklegen und an entfernten Stränden oder Ufern keimen. Als Zierbaum ist die Art in tropischen Gärten und warmen Küstengebieten weit verbreitet eingeführt. Selbst mäßig kühle Winterbedingungen verträgt sie jedoch nicht. 7
Lebenszyklus und Vermehrung
Bei gleichmäßigem äquatorialem Klima erstrecken sich Blüte und Fruchtbildung über einen großen Teil des Jahres. Eine ausgeprägte Winterruhe fehlt. 6
Nach der Bestäubung benötigen die Früchte mehrere Monate bis zur Reife und wechseln dabei von Grün zu Violettschwarz. Vermehrt wird fast ausschließlich durch Aussaat frischer Samen. Stecklinge aus halb verholzten Trieben sind möglich, werden praktisch aber deutlich seltener genutzt. 6
Außerhalb seines natürlichen Areals erreicht der Baum nicht dieselbe Entwicklung. Unter 22 °C verlangsamt sich das Wachstum deutlich; unter 10 °C reagiert die Art empfindlich.
Nutzen und Risiken
Die größte Gefahr geht vom Samenkern aus. Er enthält Cerberin, ein herzwirksames Glykosid aus der Gruppe der Cardenolide, sowie Cerberosid und Odollin. Diese Stoffe hemmen die Natrium-Kalium-Pumpe der Herzmuskelzellen, ähnlich wie Digoxin. Mögliche Folgen sind tödliche Bradykardie, Erregungsleitungsstörungen und Hyperkaliämie. 5 4
Bereits ein einzelner Samen kann einen Erwachsenen töten. Sein bitterer Geschmack lässt sich in stark gewürzten Gerichten verdecken, was die dokumentierte absichtliche Verwendung als Gift erklärt. Eine elfjährige Untersuchung in Kerala, Indien, für 1989–1999 erfasste 537 Todesfälle, ungefähr einen pro Woche. Die Mehrheit der Betroffenen waren Frauen. 3
Vergiftungen sind kardiologische Notfälle. Die Versorgung umfasst symptomatische Behandlung, Atropin und gegebenenfalls einen vorübergehenden Herzschrittmacher, ohne Erfolgsgarantie nach Symptombeginn. Ein 2018 veröffentlichter nordamerikanischer Fall verlief trotz zwanzig Durchstechflaschen mit Digoxin-Antikörpern tödlich. 5
Rinde und Blätter werden traditionell als Abführ- und Wurmmittel genutzt. Samenöl wird örtlich gegen Krätze eingesetzt. Diese Anwendungen sind nicht durch moderne pharmazeutische Prüfung abgesichert und stehen neben der tödlichen Giftigkeit der Art. 6
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Stabile Gartensorten sind für Cerbera odollam nicht dokumentiert. Die Art wächst überwiegend wild oder halbwild und wurde züchterisch kaum als Zierpflanze bearbeitet.
Gut dokumentiert ist die Verwechslung mit der nah verwandten Cerbera manghas. Beide haben ähnliche Früchte und Blüten. Historisch ist C. manghas mit Madagaskar und dem Tanghin-Gottesurteil verbunden, mit dem bis ins 19. Jahrhundert die Schuld eines Angeklagten geprüft wurde. Diese Praxis betraf vor allem C. manghas und ist von der jüngeren, besser dokumentierten Geschichte von C. odollam in Südasien zu unterscheiden. 8
Eine weitere Verwechslung betrifft junge Mangos (Mangifera indica), denen die Früchte ähneln. Weißer Milchsaft an einem gebrochenen Fruchtstiel und die rundlichere Fruchtform unterscheiden die Früchte des Zerberusbaums eindeutig von echten Mangos.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Cerbera odollam Gaertn.
- NParks FloraFauna Singapore, Cerbera odollam
- PubMed, Gaillard et al. 2004, Cerbera odollam — a 'suicide tree' and cause of death in the state of Kerala, India
- PubMed, Cerbera odollam toxicity — a review
- PMC, Fatality Following Intentional Ingestion of Cerbera odollam Seeds
- Useful Tropical Plants database, Cerbera odollam
- Espèces-menacées.fr, Cerbera odollam, der Suicide tree
- Pl@ntUse / PROTA, Cerbera manghas
Häufig gestellte Fragen
Ist der Zerberusbaum wirklich tödlich giftig?
Ja. Der Samenkern enthält das Herzgift Cerberin. Bereits ein verschluckter Samen kann tödlich wirken; der Geschmack lässt sich in stark gewürzten Speisen leicht verdecken.
Kann man den Zerberusbaum als Zierbaum pflanzen?
In Süd- und Südostasien wird er wegen seines Laubs und seiner duftenden Blüten als Schattenbaum gepflanzt. Wegen herabgefallener Samen gehört er jedoch niemals in die Nähe von Kindern oder Haustieren.
Was unterscheidet Cerbera odollam von Cerbera manghas?
Beide Arten sind eng verwandt und giftig. Cerbera manghas hat jedoch einen längeren, rötlichen Blütenschlund und häufig paarige Früchte. Historisch ist diese Art mit dem madagassischen Tanghin-Gottesurteil verbunden.
Woher stammt die Bezeichnung Suicide tree?
Der Beiname verweist auf eine dokumentierte und in Teilen Keralas in Indien weiterhin vorkommende Nutzung der Samen bei Suiziden. Eine elfjährige Untersuchung erfasste mehrere Hundert Todesfälle.
Ähnelt die Frucht des Zerberusbaums einer Mango?
Ja, in Form und Farbwechsel von Grün über Purpur bis Schwarz. Weißer Milchsaft an einem gebrochenen Fruchtstiel unterscheidet sie jedoch eindeutig von einer echten Mango.
Wie wird eine Vergiftung durch den Zerberusbaum behandelt?
Es handelt sich um einen kardiologischen Notfall. Die Behandlung umfasst symptomatische Maßnahmen, Atropin und mitunter einen vorübergehenden Herzschrittmacher. Nach Symptombeginn wirken Digoxin-Antikörper nicht zuverlässig.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.

