Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa, )
Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa) ist ein großer immergrüner Nadelbaum der Zypressengewächse aus den gemäßigten Bergwäldern Mittel- und Südjapans. Flache Schuppenzweige mit feinen weißen Linien auf der Unterseite, rotbraune faserige Rinde und kleine kugelige Zapfen kennzeichnen die Art. Ihr Holz, Hinoki, hat einen besonderen Platz im japanischen Sakralbau.
WeiterlesenHinoki-Scheinzypresse, Hinoki, Muschel-Zypresse, Sonnenbaum, Hinoki cypress und Japanese cypress
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal umfasst Mittel- und Südjapan, vor allem Honshu, Shikoku und Kyushu, in 300 bis 1500 m Höhe. Die Varietät formosana besiedelt Taiwans Berge zwischen 1600 und 2900 m. Miozäne Fossilien bis nach Deutschland belegen ein früher größeres Areal. Außerhalb Asiens wird der Baum in gemäßigten Klimaten als Ziergehölz kultiviert, ohne dokumentiertes invasives Verhalten.
- Heimisch2
- Japan
- Taiwan
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa (Siebold & Zucc.) Endl., 1847), auch Hinoki oder Muschel-Zypresse, gehört zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und zur Gattung Chamaecyparis. Deren Name verbindet die griechischen Wörter chamai (am Boden, niedrig) und kyparissos (Zypresse). Die Art ähnelt den echten Zypressen der Gattung Cupressus im Umriss, gehört aber nicht zu ihnen. 1 3
In Japan bedeutet hinoki wörtlich „Feuerbaum“. Das Holz diente lange dazu, in Shinto-Schreinen durch Reibung Feuer zu erzeugen. Später wurde es zu einem der begehrtesten Bauhölzer des Archipels. 3
Zunächst beschrieben Siebold und Zuccarini die Art 1844 als Retinospora obtusa. Der österreichische Botaniker Stephan Endlicher stellte sie 1847 in die Gattung Chamaecyparis und schuf damit den heute akzeptierten Namen. 1
Erkennung
Flache, schuppenbedeckte Zweige in weichen Fächern mit überhängenden Spitzen kennzeichnen Chamaecyparis obtusa. Die nur 2 bis 4 mm langen Schuppen enden rundlich und stumpf. Bei der nah verwandten Sawara-Scheinzypresse (Chamaecyparis pisifera) sind sie dagegen deutlich zugespitzt. Feine weiße X-Zeichnungen auf der Zweigunterseite helfen, die Bestimmung abzusichern. 4 3
Die rotbraune, faserige Borke löst sich bei alten Bäumen in schmalen senkrechten Streifen, wie bei mehreren Zypressengewächsen. Im Ursprungsgebiet erreicht der Baum meist 15 bis 40 m Höhe und einen Stammdurchmesser von über 3 m. Seine kegelige Krone wird nur 3 bis 8 m breit: Der Umriss wirkt lang und schmal. In Zierkultur bleibt die Höhe häufig auf 10 bis 20 m begrenzt. 3 5
Kugelige Zapfen von nur 8 bis 12 mm Durchmesser bestehen aus 8 bis 10 Schuppen. Sie entlassen etwa 3 mm lange geflügelte Samen. Zwischen den Fingern zerriebenes Laub verströmt einen charakteristischen Harzgeruch. 3
Nützliche Taxonomie
Als verlässlicher Bezug dient der akzeptierte wissenschaftliche Name Chamaecyparis obtusa. Wichtige historische Namen und Synonyme sind:
- Retinospora obtusa Siebold & Zucc., der historische Name
- Chamaecyparis obtusa var. formosana Hayata, die taiwanische Varietät
- Chamaecyparis taiwanensis Masam. & Suzuki, ein alternativ verwendeter Artname
Das Taxon umfasst vor allem zwei deutlich getrennte Populationen: die typische Varietät var. obtusa aus Mittel- und Südjapan und die taiwanische var. formosana. Letztere wird teils als eigene Art Chamaecyparis taiwanensis behandelt. Ihre Zapfen sind mit 7 bis 9 mm kleiner als die 8 bis 12 mm großen Zapfen der japanischen Varietät. 1 3
Bei der Bestimmung im Freiland kommt besonders die Sawara-Scheinzypresse Chamaecyparis pisifera als Verwechslung infrage. Ihre zugespitzten Schuppen unterscheiden sie von den stumpfen Schuppen von C. obtusa, auf die das Artepitheton obtusa verweist. 4
Lebensraum und Verbreitung
Aus Mittel- und Südjapan, vor allem von Honshu, Shikoku und Kyushu, stammt Chamaecyparis obtusa. Dort wächst sie in Rein- oder Mischbeständen gemäßigt feuchter Bergwälder zwischen 300 und 1500 m. Je nach Saatgutherkunft verträgt sie winterliche Tiefstwerte von −25 bis −30 °C und Hitzespitzen bis 35 °C ohne direkte Schäden; dies entspricht den USDA-Winterhärtezonen 4 bis 8. 1 4
Für die Varietät formosana sind höher gelegene gemischte Bergwälder Taiwans zwischen 1600 und 2900 m typisch. Früher war das Areal erheblich größer: Fossilien aus dem Miozän belegen Vorkommen bis nach Deutschland und damit weit außerhalb des heutigen ostasiatischen Gebiets. 3
Heute wird der Baum außerhalb seines natürlichen Areals in den gemäßigten Klimaten Europas und Nordamerikas verbreitet als Ziergehölz kultiviert. Invasives Verhalten ist nicht dokumentiert. Die Weltnaturschutzunion führt die Art dennoch als potenziell gefährdet: Ihr Holz wurde früher intensiv genutzt, wobei das historische Ausmaß dieser Nutzung unzureichend beziffert ist. 2 7 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Wie alle Zypressengewächse ist Chamaecyparis obtusa ein einhäusiger Nacktsamer: Männliche und weibliche Zapfen stehen am selben Baum, die Bestäubung übernimmt im Frühjahr der Wind. Sämlinge tragen zunächst stechende Jugendnadeln, später zunehmend Schuppenlaub. Nach ein bis zwei Jahren sind sie erst 15 bis 40 cm hoch; die Endhöhe von 15 bis 40 m erreichen sie erst Jahrzehnte später. 6
Befruchtete weibliche Zapfen reifen innerhalb einer Saison. Im Herbst entlassen sie kleine geflügelte Samen, die der Wind verbreitet. Die Anzucht aus Samen ist möglich, erfordert aber eine zweistufige Stratifikation: einen Monat warm, danach einen Monat kalt. Die Keimung kann sich über 18 Monate erstrecken. 6
In der gärtnerischen Vermehrung werden Sorten überwiegend durch Stecklinge erhalten, im Spätsommer bis Herbst oder im ausgehenden Winter in sandigem Substrat. Nur so bleiben Zwergwuchs und besondere Laubfarben sortenecht. Im Freiland wächst der Baum in den ersten fünf bis zwanzig Jahren am schnellsten und erreicht 3 bis 15 m. Danach steigt er langsamer zur Endhöhe von 15 bis 40 m zwischen dem 20. und 80. Jahr auf. Zwergsorten im Kübel wachsen noch langsamer. 6 4
Nutzen und Risiken
Helles, duftendes und natürlich fäulnisbeständiges Hinoki-Holz hat im japanischen Sakralbau einen besonderen Stellenwert. Es wurde bereits in der Nara-Zeit im 8. Jahrhundert für den Horyu-ji verwendet, einen der ältesten erhaltenen großen Holzbauten. Auch der Schrein von Ise, der nach dem Shikinen-Sengu-Ritus alle zwanzig Jahre originalgetreu erneuert wird, besteht daraus. 3
Im Garten dienen die Wildform und ihre mehr als 200 Sorten als Solitär, Hecke oder Sichtschutz. Zwergformen sind beliebte Bonsai. Japanischer Ahorn und Japanische Azalee passen dazu, weil auch sie unter der Krone frischen, leicht sauren Boden schätzen. 2 6
Nach den verfügbaren Angaben ist Chamaecyparis obtusa für Katzen, Hunde und Menschen ungiftig. Bei Pferden bleibt der Status mangels spezifischer Daten unklar. 6 7
Die wichtigsten dokumentierten Gesundheitsprobleme betreffen den Baum selbst. Schlecht entwässerter Boden begünstigt Wurzelfäule. Trockenheitsgeschwächte Exemplare werden leichter von Sackträgerraupen, Schildläusen oder Wacholderkrebs befallen. 4 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Über 200 Sorten reichen vom großen Parkbaum bis zu Zwergformen unter 30 cm. Nana Gracilis wächst sehr langsam, trägt muschelförmige Zweige und wird häufig als Bonsai verwendet. Crippsii besitzt goldenes, überhängendes Laub und erhielt den Award of Garden Merit der RHS. Fernspray Gold wirkt mit ebenfalls goldenem Laub farnartig. Nana Aurea treibt im Frühjahr golden aus und vergrünt im Saisonverlauf teilweise. 2
Am häufigsten wird Chamaecyparis obtusa mit der Sawara-Scheinzypresse (Chamaecyparis pisifera) verwechselt, deren Schuppen spitz statt stumpf sind. Hinzu kommen Thuja mit anderen Zeichnungen auf der Zweigunterseite sowie echte Zypressen der Gattung Cupressus, die trotz ähnlichen Wuchses einer anderen Gattung angehören.
Stumpfe Schuppen, in Streifen ablösende faserige Borke und kleine Zapfen mit 8 bis 10 Schuppen sind die zuverlässigsten Merkmale, um Chamaecyparis obtusa zu bestätigen. 4 3
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Chamaecyparis obtusa (Siebold & Zucc.) Endl.
- Royal Horticultural Society, Chamaecyparis obtusa - hinoki cypress
- The Gymnosperm Database, Chamaecyparis obtusa
- NC State Extension, Chamaecyparis obtusa (Hinoki Cypress)
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Chamaecyparis obtusa
- Plants For A Future, Chamaecyparis obtusa
- INPN / MNHN, Chamaecyparis obtusa (Siebold & Zucc.) Endl., 1847 (cd_nom 610828)
- IUCN Red List, Chamaecyparis obtusa – Bewertung
Häufig gestellte Fragen
Ist Chamaecyparis obtusa eine echte Zypresse?
Nein. Die Scheinzypressen der Gattung Chamaecyparis unterscheiden sich von den echten Zypressen der Gattung Cupressus. Beide gehören zu den Cupressaceae, lassen sich aber anhand von Zapfen und Laub botanisch trennen.
Ist die Hinoki-Scheinzypresse für Katzen und Hunde giftig?
Nein, die verfügbaren Angaben führen Chamaecyparis obtusa nicht als Giftpflanze für die üblichen Haustiere. Bei Pferden bleibt der Status mangels gezielter Studien unklar.
Warum ist Hinoki-Holz in Japan so gefragt?
Das helle, duftende und von Natur aus fäulnisbeständige Holz diente zum Bau bedeutender Gebäude wie des Horyu-ji-Tempels und des Ise-Schreins. Letzterer wird seit Jahrhunderten alle zwanzig Jahre originalgetreu neu errichtet.
Wie groß wird Chamaecyparis obtusa?
In ihrem japanischen Ursprungsgebiet erreicht die Art meist 15 bis 40 m Höhe. Als Zierbaum bleibt sie oft kleiner; die zahlreichen Zwergsorten werden selten höher als 1 bis 2 m.
Was unterscheidet die Varietäten obtusa und formosana?
Die typische Varietät obtusa wächst in Japan zwischen 300 und 1500 m. Die taiwanische Varietät formosana besiedelt höhere Berge zwischen 1600 und 2900 m und trägt etwas kleinere Zapfen.
Eignet sich Chamaecyparis obtusa als Bonsai?
Ja, sie zählt zu den häufig verwendeten Bonsai-Nadelbäumen. Besonders beliebt sind Zwergsorten wie Nana Gracilis mit langsamem Wuchs und gut formbaren muschelförmigen Zweigen.
Wie unterscheidet man Chamaecyparis obtusa von Chamaecyparis pisifera?
Die Schuppenblätter von C. obtusa enden rundlich und stumpf. Bei der Sawara-Scheinzypresse C. pisifera laufen sie deutlich spitzer aus. Das ist das zuverlässigste Unterscheidungsmerkmal.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






