Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata, )
Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata L., 1753) ist eine ausdauernde krautige Art der Korbblütler (Asteraceae) aus Europa und Nordafrika, die heute auf fast allen Kontinenten vorkommt. Ihre borstig behaarte, bodennahe Blattrosette und die blattlosen Stängel mit gelben Blütenkörben erinnern an Löwenzahn. Die Verzweigung nahe der Stängelspitze und das raue Laub unterscheiden sie deutlich.
WeiterlesenGewöhnliches Ferkelkraut, Hairy cat’s ear, Cat’s ear, Flatweed und Gosmore
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Weltweite Verbreitung
Der WCVP nennt als natürliches Areal von Hypochaeris radicata Europa bis Belarus im Osten, Westrussland, den Nahen Osten (Türkei, Libanon, Syrien), den Nordkaukasus und Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen). Eingeführt wurde die Art in mehrere US-Bundesstaaten sowie nach Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Jamaika, Paraguay, Venezuela und Neuseeland, wo sie örtlich als invasiv gilt.
- Heimisch4
- Eingeführt3
- Invasiv1
- Europäisches Frankreich
- Spanien
- Marokko
- Türkei
- Vereinigte Staaten
- Costa Rica
- Venezuela
- Neuseeland
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata L., 1753) ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), Unterfamilie Cichorioideae. Plants of the World Online akzeptiert den seit 1753 bekannten Namen und ordnet die Art der Gattung Hypochaeris zu. 1 7
Der Gattungsname Hypochaeris geht auf die griechischen Wörter hypo und khoiros, „Ferkel“, zurück. Möglicherweise verweist er auf eine angenommene Vorliebe von Schweinen für die Pflanze oder auf Haare an der Blattunterseite, die an Borsten am Schweinebauch erinnern. Das Artepitheton radicata bedeutet „mit hervortretenden Wurzeln“ und bezieht sich auf die Pfahlwurzel, die bei einer etablierten Rosette an der Oberfläche sichtbar wird. 8
Die englischen Namen Hairy cat’s ear und Flatweed beschreiben zwei markante Merkmale: die raue Behaarung der Blätter und die flach am Boden liegende Rosette. Beide Eigenschaften tauchen regelmäßig in Beschreibungen zur Bestimmung im Gelände auf. 2
Erkennung
Eine Grundrosette aus dicken, verkehrt lanzettlichen Blättern kennzeichnet Hypochaeris radicata. Die Blätter sind borstig behaart, fühlen sich rau an und messen 5 bis 20 cm in der Länge sowie 1 bis 4 cm in der Breite. Ihr Rand ist buchtig gezähnt und trägt abgerundete Zähne. Die bodennahe Rosette verdrängt benachbarte Gräser und bleibt außerhalb der Reichweite des Rasenmähermessers. 8 2
Aus der Rosette wachsen einige aufsteigende, blattlose Stängel, die einfach oder nur nahe der Spitze verzweigt sind und 30 bis 70 cm hoch werden. Sie tragen einen oder mehrere lang gestielte gelbe Blütenkörbe von etwa 2 cm Durchmesser. Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Blätter und Stängel enthalten wie die übrige Pflanze einen weißen Milchsaft. 3 8
Als Frucht entsteht eine braune, zylindrische Achäne von 3 bis 7 mm Länge mit einem langen, schmalen Schnabel. Ein Schopf aus gefiederten Borsten, der Pappus, ermöglicht die Verbreitung durch den Wind. Dieser auch beim Löwenzahn vorhandene Haarschopf trägt dazu bei, dass beide Pflanzen im Rasen oft verwechselt werden. 8
Nützliche Taxonomie
Für Hypochaeris radicata L. nennt Plants of the World Online die Veröffentlichung in Species Plantarum von 1753. Zwei wichtige Synonyme sind Achyrophorus radicatus (L.) Scop. und Porcellites radicata (L.) Cass.. Diese Namen beruhen auf früheren, heute aufgegebenen Zuordnungen zu anderen Gattungen. 1 8
Vier Unterarten werden anerkannt, darunter die typische Unterart Hypochaeris radicata subsp. radicata und die in Westeuropa enger verbreitete Hypochaeris radicata subsp. ericetorum Soest. Ihre Trennung beruht auf feinen Unterschieden der Fruchtform. Für die allgemeine Erkennung der Art ändert sich dadurch wenig; zur Unterscheidung der Unterarten ist der vollständige wissenschaftliche Name verlässlicher als die alleinige Betrachtung der Blattrosette. 1
Innerhalb der Korbblütler gehört Hypochaeris zur Tribus Cichorieae, ebenso wie Taraxacum (Löwenzahn), Cichorium (Wegwarte) und Leontodon. Diese Verwandtschaft erklärt den ähnlichen Aufbau der gelben Blütenkörbe und der mit einem Pappus versehenen Früchte. 7
Lebensraum und Verbreitung
Von Europa bis Belarus im Osten erstreckt sich nach WCVP ein Teil des natürlichen Areals. Hinzu kommen Westrussland, der Nahe Osten mit Türkei, Libanon und Syrien, der Nordkaukasus sowie Nordafrika von Marokko bis Libyen. 1 8
Außerhalb dieses Areals hat sich eingeführtes Ferkelkraut in mehreren US-Bundesstaaten, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Jamaika, Paraguay und Venezuela eingebürgert. In Neuseeland gilt es örtlich als invasiv. Der US-Bundesstaat Washington führt die Art auf seiner Liste schädlicher Unkräuter; dort liegt ihr Verbreitungsschwerpunkt im Westen des Bundesstaates. Diese Einstufung ist regional zu verstehen. 8 3
Bevorzugte Standorte sind Rasen in Parks und Gärten, Weiden, Heiden, Geröllflächen und Wegränder. Die Böden sind häufig leicht sauer und durch Tritt oder Mahd verdichtet. Während andere Beikräuter nach wiederholtem Mähen verschwinden, übersteht die flach anliegende Rosette des Ferkelkrauts solche Eingriffe. 2 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Zwischen Frühjahr und Herbst keimen die Samen und bilden zunächst eine Grundrosette, bevor sich die halb verholzte Pfahlwurzel entwickelt. Eine Pflanze kann 1 bis 15 Blütenstängel aus demselben verholzten Wurzelhals hervorbringen. Daran lässt sich ein gut eingewachsenes Exemplar von einem jungen Sämling unterscheiden. 3 2
Unter günstigen Bedingungen kann aus einer Achäne in etwa 2 Monaten eine ausgewachsene Pflanze entstehen. Das beschleunigt die Besiedlung frisch gestörter Böden. Neben der Vermehrung durch Samen sind neue Triebe aus dem Wurzelhals möglich, weshalb bloßes Abmähen die Pflanze nur schwer dauerhaft beseitigt. 2
Als ausdauernde Art behält das Ferkelkraut seine Rosette in gemäßigtem Klima das ganze Jahr über. Darin unterscheidet es sich von einjährigen Beikräutern, die nach der Fruchtbildung absterben. Bleibt der Wurzelhals erhalten, treibt ein Bestand nach dem Mähen oder oberflächlichen Ausreißen fast immer wieder aus. 2
Nutzen und Risiken
Zwar gelten alle Teile des Ferkelkrauts als essbar, gesammelt werden aber vor allem junge Blätter und die Wurzel. Die Blätter schmecken eher mild und im Gegensatz zu Löwenzahn kaum bitter. Sie werden roh als Salat oder gedämpft gegessen. Die Wurzel lässt sich ähnlich wie Zichorie rösten und zu einem Kaffeeersatz mahlen. 8 2
Ein dokumentierter Vergiftungsverdacht betrifft besonders Pferde. Übermäßiger Verzehr, vor allem auf überweideten Flächen oder bei Trockenheit, könnte australischen Hahnentritt auslösen: eine fortschreitende übersteigerte Beugung der Hintergliedmaßen, die mit einer peripheren Neuropathie von Ischias-, Wadenbein- und Schienbeinnerv zusammenhängt. Das Merck Veterinary Manual verbindet manche australischen Fälle mit einer Vergiftung durch Flatweed-Pflanzen. Ein bestimmter Giftstoff wurde dabei nicht identifiziert; die genaue Ursache bleibt ungeklärt. 4 8
In Landwirtschaft und Gartenbau steht die Art vor allem als hartnäckiges Beikraut in Rasen und Weiden im Vordergrund. Die Quelle aus Washington nennt eine Behandlung mit 2,4-D oder das Ausstechen unterhalb des Wurzelhalses vor dem Schossen als wirksame Bekämpfung. 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Anerkannte gärtnerische Sorten von Hypochaeris radicata werden nicht genannt. Die im Gelände sichtbare Variabilität, insbesondere bei der Fruchtform, betrifft vor allem die vier akzeptierten botanischen Unterarten und keine Gartenformen. 1
Am häufigsten wird Ferkelkraut mit dem Gewöhnlichen Löwenzahn, Taraxacum officinale, verwechselt. Dessen hohle, unverzweigte Blütenschäfte tragen jeweils nur einen Blütenkorb; die Blätter sind kahl oder schwach behaart. Ferkelkraut besitzt dagegen volle, oft oben verzweigte Stängel, an denen mehrere Körbe entstehen können, und deutlich borstig-raue Blätter. 2
Weitere Gattungen derselben Tribus, besonders Leontodon und Crepis, zeigen ebenfalls eine Grundrosette, gelbe Blütenkörbe und Früchte mit Pappus. Ohne Zerlegung der Blüte helfen vor allem die Behaarung der Blätter und die Verzweigung der Stängel bei der Unterscheidung im Gelände. 7
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Hypochaeris radicata L.
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Hypochaeris radicata
- Washington State Noxious Weed Control Board, Begründung zur Einstufung von Common Catsear
- Merck Veterinary Manual, Hahnentritt bei Pferden
- Tela Botanica / eFlore, Hypochaeris radicata
- Plants For A Future, Hypochoeris radicata
- Integrated Taxonomic Information System, Hypochaeris radicata L.
- Wikipédia FR, Gewöhnliches Ferkelkraut
Häufig gestellte Fragen
Ist Gewöhnliches Ferkelkraut giftig?
Der dokumentierte Verdacht betrifft vor allem Pferde: Übermäßiger Verzehr könnte australischen Hahnentritt verursachen, eine übersteigerte Beugung der Hintergliedmaßen. Die Giftwirkung bei anderen Tieren ist kaum geklärt; ein bestimmter Giftstoff wurde nicht sicher identifiziert.
Kann man Gewöhnliches Ferkelkraut essen?
Ja. Junge Blätter werden roh als Salat oder gedämpft gegessen und sind deutlich weniger bitter als Löwenzahn. Die Wurzel kann ähnlich wie Zichorie geröstet und zu Kaffeeersatz gemahlen werden.
Wie unterscheidet sich Ferkelkraut von Löwenzahn?
Ferkelkraut trägt oben verzweigte Blütenstängel, oft mehrere Blütenkörbe pro Pflanze und borstig-raue Blätter. Löwenzahn besitzt je einen Blütenkorb auf einem hohlen, unverzweigten Schaft sowie kahle oder nur schwach behaarte Blätter.
Warum übersteht Ferkelkraut häufiges Mähen?
Seine Grundrosette liegt unterhalb des Rasenmähermessers am Boden. Die halb verholzte Pfahlwurzel ermöglicht den Neuaustrieb nach dem Schnitt. Dauerhaft entfernt wird die Pflanze erst, wenn sie unterhalb des Wurzelhalses ausgestochen wird.
Woher stammt Gewöhnliches Ferkelkraut?
Sein natürliches Areal umfasst Europa bis Belarus, Westrussland, den Nahen Osten, den Nordkaukasus und Nordafrika. In mehreren US-Bundesstaaten und in Neuseeland wurde es eingeführt und gilt dort örtlich als invasiv.
Was ist australischer Hahnentritt?
So bezeichnet man eine fortschreitende übersteigerte Beugung der Hintergliedmaßen beim Pferd, verbunden mit einer Schädigung peripherer Nerven. Das Merck Veterinary Manual bringt manche Fälle in Australien mit einer Vergiftung durch als Flatweed bezeichnete Pflanzen in Verbindung, ohne einen konkreten Giftstoff zu benennen.
Gibt es Unterarten des Gewöhnlichen Ferkelkrauts?
Plants of the World Online erkennt vier Unterarten an, darunter die typische Unterart und Hypochaeris radicata subsp. ericetorum mit begrenzterem Vorkommen in Westeuropa. Ihre Abgrenzung beruht auf feinen botanischen Merkmalen; die grundlegende Bestimmung im Gelände bleibt gleich.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




