Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria, )
Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria) ist eine einjährige krautige Kletterpflanze der Cucurbitaceae, vermutlich aus dem tropischen Afrika. Seit vorgeschichtlicher Zeit in Afrika und Asien domestiziert, trägt er weiße Blüten, die sich nur nachts öffnen. Die getrocknete Frucht mit harter, wasserdichter Schale diente in fast allen tropischen Weltregionen als Trinkflasche, Gefäß und Musikinstrument.
WeiterlesenFlaschenkürbis, Kalebasse, Herkuleskeule, Keulenkürbis und Bottle gourd
In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.
Volle Sonne; verträgt leichten Schatten am Nachmittag





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Taken Sep 15, 2001 by Photoflora - Jean-Luc TASSET (©)
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Weltweite Verbreitung
Das genaue natürliche Areal von Lagenaria siceraria bleibt ungewiss: Trockene Früchte schwimmen und könnten schon vor jeder menschlichen Kultur weite Strecken im Meer zurückgelegt haben. POWO nennt das tropische Westafrika bis Äthiopien und Tansania als natürliches Areal. Heute wird die Art in fast allen tropischen und warmgemäßigten Regionen der Welt angebaut, oft seit Jahrtausenden.
- Heimisch4
- Senegal
- Äthiopien
- Tansania
- Simbabwe
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria (Molina) Standl., 1930), auch Kalebasse, ist eine einjährige krautige Kletterpflanze der Cucurbitaceae. Vor 8.000 bis 9.000 Jahren getrennt in Afrika und Asien domestiziert, gehört er zu den ältesten Kulturpflanzen, noch vor Mais und Weizen. Nach 2 bis 4 Monaten Trocknung wird seine Schale hart und wasserdicht. Sie schützt den Inhalt monatelang und diente in mehreren Weltregionen bereits vor der Erfindung der Töpferei als Gefäß. 7 2
Das Artepitheton siceraria geht auf lateinisch sicer zurück, das wiederum aus dem Hebräischen entlehnt ist und ein apfelweinähnliches vergorenes Getränk bezeichnet. Der Name erinnert an die alte Verwendung als Trinkgefäß, nicht an eine berauschende Wirkung. Molina beschrieb die Art 1782 als Cucurbita siceraria; Standley stellte sie 1930 zur Gattung Lagenaria. 6 1
Erkennung
Mit verzweigten Ranken klettert Lagenaria siceraria an seinem kantigen, behaarten Stängel bis 9 m in einer warmen Saison. Herz- bis nierenförmige Blätter besitzen 3 bis 7 flache Lappen und werden bis 30 cm breit. 4 5
Anders als die Kürbisse der Gattung Cucurbita mit großen gelben Tagblüten trägt Flaschenkürbis weiße, trichterförmige Blüten. Sie öffnen sich nur nachts und schließen am Morgen. Diese Nachtblüte ist auf Nachtfalter angewiesen: Sie sind nach Sonnenuntergang die einzigen aktiven Bestäuber, wenn tagaktive Bienen bereits in ihre Nester zurückgekehrt sind. 2 3
Je nach Sorte wird die 10 bis 90 cm lange Frucht flaschenförmig, keulenförmig oder schlangenförmig. Jung erinnert ihre glatte, hellgrüne Haut an eine Zucchini. Bei voller Reife vergilbt und verhärtet die Schale. Vollständig getrocknet ist sie wasserdicht: Die Frucht eignet sich dann nicht mehr zum Essen, aber sehr gut als Gefäß. 5 2
Nützliche Taxonomie
Der bei POWO/WCVP akzeptierte Name lautet Lagenaria siceraria (Molina) Standl. Unter den afrikanischen, wild gebliebenen Verwandten ist sie die einzige weithin kultivierte Art der Gattung Lagenaria. Nach Fruchtformen wurden mehrere Synonyme und Varietäten beschrieben:
- Lagenaria siceraria var. clavata (Ser.) H.Hara – botanischer Name
- Lagenaria siceraria var. gourda (Ser.) H.Hara – botanischer Name
- Lagenaria siceraria var. turbinata (Ser.) H.Hara – botanischer Name
- Lagenaria siceraria subsp. asiatica (Kobjakova) Heiser – botanischer Name
- Lagenaria vulgaris Ser. – botanischer Name
Die Varietät Lagenaria siceraria var. longissima mit langen, dünnen, schlangenartigen Früchten wird als Gemüse angebaut, nicht als Gefäß. Die 5 genannten Synonyme und Varietäten bezeichnen gärtnerische Gruppen, keine getrennten Arten. Verwechslungen von Verkaufsnamen führen leicht zu Fehlbestellungen. Wer bestimmtes Saatgut sucht, vermindert dieses Risiko mit dem akzeptierten wissenschaftlichen Namen. 1
Lebensraum und Verbreitung
Unklar bleibt das genaue natürliche Areal: Trockene Früchte schwimmen über weite Meeresstrecken und verwischen damit die Spuren der geografischen Herkunft. POWO nennt das tropische Westafrika bis Äthiopien und Tansania. Dort besiedelt die Art Ufergebüsche, Baumsavannen und Trockenwaldränder zwischen 245 und 1.265 m Höhe. 1 5
Archäologische Funde belegen eine Domestikation in Asien vor 8.000 bis 9.000 Jahren und eine getrennte afrikanische Domestikation etwa 4.000 Jahre später. Eine 2014 veröffentlichte genetische Studie führt die ältesten amerikanischen Kalebassen auf afrikanische Wildpopulationen zurück. Sie trieben transozeanisch bis zu 10.000 Jahre vor der Ankunft der ersten Ackerbauern nach Amerika. 7 8
Heute wird Flaschenkürbis in den Tropen und während der warmen Saison auch in gemäßigten Gärten häufig angebaut. In Frankreich bürgert er sich außerhalb der Kultur nicht dauerhaft ein. Unter 5 °C zerstört Frost den Stängel und verhindert einen Neuaustrieb. Trockene Früchte müssen daher vor den ersten Frösten geerntet werden. 2
Lebenszyklus und Vermehrung
Flaschenkürbis ist einhäusig: Männliche Blüten an langen Stielen und weibliche Blüten mit verdicktem Fruchtknoten wachsen getrennt auf derselben Pflanze. Erste Blüten öffnen sich etwa 45 Tage nach der Aussaat. Fehlen bestäubende Nachtfalter, fallen weibliche Blüten ohne Fruchtansatz ab. Handbestäubung in der Dämmerung behebt dies in fast allen Fällen. 2
Nach der Bestäubung wächst die Frucht schnell. Eine gut ernährte Pflanze kann mehrere Wochen lang eine Frucht pro Tag liefern. Vollständige Reife einschließlich Trocknung von Schale und innerem Fruchtfleisch benötigt 2 bis 4 Monate. Ein 12-stündiges Einweichen in lauwarmem Wasser bei einer anschließenden Bodentemperatur um 25 °C fördert die Samenkeimung deutlich. 4 2
Nutzen und Risiken
Junge Früchte werden wie Zucchini gekocht, gedämpft oder gebraten. In mehreren Ländern des südlichen Afrikas isst man junge Blätter und Triebe als grünes Gemüse. Reife Früchte werden dagegen nach dem Aushärten nicht mehr gegessen: Ausgehöhlt und getrocknet dienen sie als Wasserflaschen, Schalen oder Löffel. 6 5
Die Hauptgefahr liegt in bitter gewordenen Früchten. Wie andere Cucurbitaceae kann Flaschenkürbis Cucurbitacine anreichern, in hoher Dosis zellschädigende Stoffe. Sie machen den Saft schon beim ersten Schluck ungenießbar. Saft aus ungewöhnlich bitteren Früchten verursacht schwere, mitunter tödliche Verdauungsstörungen. Eine Fallserie aus Indien beschreibt mehrere solche Vergiftungen, auch bei Diabetespatienten. Deutlich bittere Früchte oder Säfte dürfen niemals verzehrt werden. 9
Getrocknete, ausgehöhlte Früchte bilden Resonanzkörper traditioneller Instrumente wie Kora und Balafon. Daneben dienen sie je nach Weltregion rituellen oder dekorativen Zwecken. 6
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Die angebotenen Formen unterscheiden sich vor allem im Umriss reifer Früchte. Flaschenformen mit engem Hals dienen traditionell als Wassergefäß. Runde Formen mit dünnem Hals werden getrocknet zu Vogelnistkästen. Die lang schlangenförmige Varietät longissima wird jung als Gemüse geerntet. 2
Verwechslungen betreffen vor allem andere Kürbisgewächse mit länglichen Früchten:
- Luffa aegyptiaca: Die trockene Frucht wird faserig und schwammartig, nie hartschalig;
- Cucurbita pepo: gelbe Tagblüten und kantiger, fünfrippiger Fruchtstiel;
- Momordica charantia: höckerige, von Natur aus bittere Früchte; diese Bitterkeit ist vom Cucurbitacin-Vergiftungsfall beim Flaschenkürbis zu unterscheiden.
Nach 45 Tagen Kultur grenzt die weiße Nachtblüte den Flaschenkürbis von gelb und tagsüber blühenden Cucurbita-Arten ab. Die harte, wasserdichte Schale reifer Früchte unterscheidet ihn außerdem von Luffa, dessen Frucht beim Trocknen faserig bleibt. Nachtblüte und harte Schale sind die zuverlässigsten Merkmale, um Lagenaria siceraria unter kletternden Kürbisgewächsen zu erkennen. 3 5
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Lagenaria siceraria (Molina) Standl.
- North Carolina State Extension, Lagenaria siceraria (Flaschenkürbis)
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Lagenaria siceraria
- Plants For A Future, Lagenaria siceraria
- South African National Biodiversity Institute (PlantZAfrica), Lagenaria siceraria
- PlantUse Français / PROTA, Lagenaria siceraria
- Erickson et al., 2005, An Asian origin for a 10,000-year-old domesticated plant in the Americas, PNAS
- Kistler et al., 2014, Transoceanic drift and the domestication of African bottle gourds in the Americas, PNAS
- Puri et al., 2011, Gastrointestinal toxicity due to bitter bottle gourd, Indian Journal of Gastroenterology
Häufig gestellte Fragen
Ist Flaschenkürbis giftig?
Junge Früchte sind essbar und gelten nach verfügbaren veterinärmedizinischen Datenbanken für Katzen und Hunde im Allgemeinen als ungiftig. Das eigentliche Risiko liegt in bitter gewordenen Früchten: Sie können Cucurbitacine anreichern, die auch für Menschen gefährlich sind.
Kann man reife Flaschenkürbisse essen?
Üblicherweise nicht. Reife Früchte dienen nach dem Trocknen fast ausschließlich als Gefäße. Nur junge, noch grüne und zarte Früchte werden wie Zucchini zubereitet.
Warum setzen Flaschenkürbisse trotz Blüten keine Früchte an?
Die Blüten von Lagenaria siceraria öffnen sich nur nachts und sind auf nachtaktive Schmetterlinge angewiesen. Fehlen diese im Garten, löst Handbestäubung in der Dämmerung das Problem meist.
Was unterscheidet Flaschenkürbis von anderen Kürbissen?
Flaschenkürbis gehört zur Gattung Lagenaria mit weißen Nachtblüten. Kürbisse der Gattung Cucurbita haben gelbe Tagblüten. Zudem härtet die reife Frucht zur wasserdichten Schale aus, eine bei gewöhnlichen Kürbissen seltene Nutzungsmöglichkeit.
Woher stammt Flaschenkürbis?
Die genaue geografische Herkunft ist umstritten, weil trockene Früchte schwimmen und sich über das Meer verbreiten. Heutige Daten weisen auf frühe Domestikation im tropischen Afrika und eine getrennte Domestikation in Asien hin, mehrere Jahrtausende vor der Ankunft von Christoph Kolumbus in Amerika.
Woran erkennt man gefährliche Früchte?
Ein schon beim ersten Bissen oder im Fruchtsaft ausgeprägt bitterer Geschmack zeigt giftige Cucurbitacine an. Deutlich bittere Früchte oder Säfte dürfen niemals verzehrt werden.
Was bezeichnet eine Kalebasse?
Gemeint ist die getrocknete Pflanzenfrucht von Lagenaria siceraria. Sie dient seit vorgeschichtlicher Zeit als Gefäß, lange vor modernen Trinkflaschen aus Kunststoff oder Metall.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






