Holzapfel (Malus sylvestris, )
Holzapfel (Malus sylvestris (L.) Mill., 1768) ist ein kleiner sommergrüner Baum der Rosaceae aus weiten Teilen Europas bis zur Türkei. Oft dornig und buschig, wächst er an Waldrändern, in Feldhecken und lichtem Niederwald auf Kalkboden. Als vermeintlicher direkter Vorfahr des Kulturapfels galt er lange zu Unrecht. Tatsächlich trug er über Jahrhunderte durch Kreuzung mit Obstbäumen sekundär zu dessen Erbgut bei.
WeiterlesenHolzapfel, Europäischer Wildapfel, Wild-Apfel, European crab apple, Crab apple und Wild crab
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne, besserer Fruchtansatz als im Halbschatten

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Weltweite Verbreitung
POWO/WCVP verortet das natürliche Areal des Holzapfels im gemäßigten Europa von Skandinavien und den Britischen Inseln bis Spanien, Griechenland und in die Türkei. In Frankreich ist die Art heimisch, bleibt in kalkgeprägten Wäldern und Hecken jedoch örtlich begrenzt und bildet selten dominante Bestände.
- Heimisch5
- Westeuropa und Skandinavien
- Frankreich
- Südeuropa
- Türkei
- Vereinigtes Königreich und Irland
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Holzapfel (Malus sylvestris (L.) Mill., 1768), auch Europäischer Wildapfel oder Wild-Apfel, ist ein kleiner sommergrüner Baum der Rosaceae. POWO akzeptiert den Namen für eine Art mit natürlichem Areal von Westeuropa bis zur Türkei. Philip Miller bildete 1768 die heutige Kombination auf Grundlage eines von Linné veröffentlichten Basionyms. 1
Die ausgewachsenen Blätter sind kahl, ebenso die Oberseiten der Kelchblätter. Beim Kulturapfel (Malus domestica) sind beide Organe dagegen deutlich behaart. Dieser Unterschied ist für die Bestimmung wichtiger als die bloße Ähnlichkeit der Früchte. 6
Das Epitheton sylvestris geht auf das lateinische silvestris, „im Wald wachsend“, zurück und beschreibt den natürlichen Lebensraum. Ein Apfelbaum am Waldrand oder in einer Feldhecke ist eher ein Wildapfel als ein in einer Obstwiese gepflanzter Baum. International werden auch die Namen European crab apple, Crab apple und Wild crab verwendet.
Erkennung
Buschiger Wuchs und häufig dornige Zweige prägen den Holzapfel. Als kleiner Baum oder großer Strauch erreicht er 6 bis 10 m, in mitteleuropäischen Wäldern gelegentlich mehr. Seine eiförmigen bis fast rundlichen, fein gezähnten Blätter werden 3 bis 11 cm lang. 6 2
Die Behaarung trennt Wild- und Kulturapfel vor allem an reifen Blättern. Junge Triebe des Holzapfels tragen zunächst einen leichten Flaum, der mit dem Alter verschwindet. Eine zu frühe Bestimmung im Frühjahr kann daher irreführen: Entscheidend ist der Zustand ausgewachsener Organe. 6
Weiße bis rosafarbene Blüten öffnen sich im April und Mai in kleinen Dolden. Ihr Durchmesser beträgt 3 bis 4 cm. Anschließend entstehen kugelige Apfelfrüchte von 2 bis 4 cm Durchmesser. Sie sind grünlich gelb, manchmal rot überlaufen, und besitzen festes Fruchtfleisch mit sehr herbem Geschmack im rohen Zustand. 2 4
Nützliche Taxonomie
Linnés Basionym Pyrus malus var. sylvestris erschien 1753. Miller erhob das Taxon 1768 zur eigenen Art innerhalb von Malus. Aus diesen beiden Schritten erklärt sich die heutige Autorenangabe „(L.) Mill.“: Der Name verweist sowohl auf die ursprüngliche Beschreibung als auch auf die spätere Kombination. 1
Ältere Floren verwenden unter anderem die Synonyme Malus acerba Mérat, Malus communis var. sylvestris (L.) Beck und Pyrus sylvestris (L.) Gray. Auch der Kulturapfel, Malus domestica, galt lange lediglich als Varietät dieser Wildart. Erst genetische Untersuchungen klärten die Trennung und die unterschiedlichen Beiträge zur Abstammung deutlicher. 1
Lebensraum und Verbreitung
Weite Teile Europas bilden das natürliche Areal des Holzapfels. Nach POWO reicht es von Skandinavien und den Britischen Inseln bis Spanien, Griechenland und in die Türkei. Die Art wächst im gemäßigten Klima in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Niederwäldern. Sie bevorzugt neutrale bis kalkhaltige Böden. 1 3
In Frankreich ist der Holzapfel heimisch, aber örtlich begrenzt verbreitet. Er steht besonders in lichten Eichenwäldern, Feldhecken und am Rand kleiner Gehölze, selten in dichten Beständen. Nahe Obstgärten kommt es häufig zu Kreuzungen mit Kulturäpfeln. In Teilen Westeuropas lassen sich deshalb „reine“ Wildpopulationen allein nach dem Aussehen nur schwer erkennen. 4
Lebenszyklus und Vermehrung
Im April und Mai öffnen sich zwittrige Blüten. Die Fremdbestäubung durch Insekten begünstigt den Fruchtansatz und ist für einen reichen Ertrag wesentlich. Ein Baum ohne weitere Apfelbäume in seiner Umgebung trägt weniger als ein Exemplar nahe einer gemischten Hecke, weil ihm ausreichend Pollen anderer Bäume fehlt. 3
Im September und Oktober reifen die Samen im Inneren der Früchte. Ohne Stratifikation keimen sie unregelmäßig. Eine dreimonatige feuchte Kältephase hebt die Keimruhe des Embryos auf. Aus einem direkt ausgesäten Kern entsteht ein dem Wildtyp naher Baum, aber keine genaue Kopie eines besonders bemerkenswerten Mutterbaums. 3
Eine 2012 in PLoS Genetics veröffentlichte populationsgenetische Studie veränderte die bisherige Darstellung der Domestikation. Der Kulturapfel stammt hauptsächlich von Malus sieversii aus Zentralasien ab, nicht vom europäischen Holzapfel. Dieser lieferte jedoch sekundär einen erheblichen Beitrag: Jahrhunderte der Kreuzung mit sich ausbreitenden Obstkulturen führten dazu, dass moderne Sorten ihm genetisch heute näherstehen als dem ursprünglichen asiatischen Vorfahren. 7
Nutzen und Giftigkeit
In der Landschaft dient der Holzapfel vor allem für frei wachsende Hecken, Gehölzränder oder als frostharte Unterlage für andere Apfelbäume. Roh sind die Früchte meist zu herb für den unmittelbaren Genuss. Als gekochtes Gelee oder Saft sowie nach Frosteinwirkung, die ihre Säure mildert, werden sie genießbar. Traditionell wird ihr hoher Pektingehalt für Konfitüren genutzt. 3 2
Das Fruchtfleisch verursacht kein Giftigkeitsproblem. Unter „Apple (Malus sylvestris)“ führt die ASPCA dagegen die ganze Pflanze als für Hunde, Katzen und Pferde zu beachten auf. Cyanogene Glykoside konzentrieren sich in Kernen, Stängeln und besonders in welkem Laub. Ein tatsächliches Risiko besteht insbesondere beim Zerkauen großer Mengen. Als klinische Zeichen werden ziegelrote Schleimhäute, erweiterte Pupillen und Atemnot beschrieben. 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Eine formelle gärtnerische Sortenauswahl wie beim Kulturapfel erfolgte beim Holzapfel nicht. Der dornige Wuchs und die kleinen herben Früchte bleiben die Merkmale des Wildtyps und wurden von Baumschulen nicht für die Obstnutzung selektiert. Häufiger variieren in der Landschaft Hybriden mit Malus domestica. Diese Zwischenformen stehen oft nahe Obstgärten und lassen sich ohne genetische Analyse nicht sicher zuordnen. 6
Verwechslungen entstehen besonders mit folgenden Gehölzen:
- jungen verwilderten Malus domestica, deren behaarte Blätter die gärtnerische Herkunft erkennen lassen;
- der Wildbirne (Pyrus pyraster) mit ähnlichem Wuchs, aber länglicheren Früchten und körnigem Fruchtfleisch;
- der Schlehe (Prunus spinosa), die ebenfalls dornig ist und in denselben Hecken wächst, jedoch kleine runde blauschwarze Steinfrüchte statt Apfelfrüchten trägt.
Für die rasche Prüfung im Gelände bleiben kahle ausgewachsene Blätter und kahle Kelchblattoberseiten des Holzapfels gegenüber deutlich behaarten Organen des Kulturapfels entscheidend. Dieses Merkmal lässt sich schon vor der Betrachtung von Dornen, Kronenform oder Fruchtgestalt heranziehen. Bei Zwischenformen kann die äußerliche Bestimmung dennoch an ihre Grenzen stoßen.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Malus sylvestris (L.) Mill.
- Royal Horticultural Society, Malus sylvestris - Wildapfel
- Plants For A Future, Malus sylvestris
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Malus sylvestris
- ASPCA, Giftigkeit des Apfels (Malus sylvestris)
- Trees and Shrubs Online, Malus sylvestris
- Cornille et al., 2012, PLoS Genetics, sekundärer Beitrag des europäischen Wildapfels zum Genom des Kulturapfels
Häufig gestellte Fragen
Ist der Holzapfel der Vorfahr des Kulturapfels?
Nicht im engeren Sinn. Der wichtigste Vorfahr ist Malus sieversii aus Zentralasien. Eine Studie von 2012 zeigte, dass der europäische Holzapfel vor allem sekundär durch jahrhundertelange Kreuzung mit Obstbäumen beitrug. Dadurch ähneln moderne Sorten ihm genetisch heute stärker als dem asiatischen Vorfahren.
Ist der Holzapfel für Hunde und Katzen giftig?
Das Fruchtfleisch ist unproblematisch. Die ASPCA führt die ganze Pflanze jedoch als für Hunde, Katzen und Pferde zu beachten auf. Kerne und welkes Laub enthalten cyanogene Glykoside, die besonders nach Zerkauen großer Mengen gefährlich sind.
Wie unterscheidet man Holzapfel und Kulturapfel?
Am zuverlässigsten ist die Behaarung erwachsener Blätter und der Kelchblattoberseiten. Beim Holzapfel sind diese Organe kahl, beim Kulturapfel deutlich behaart. Dorniger, buschiger Wuchs und kleine herbe Früchte stützen die Bestimmung.
Sind Holzäpfel essbar?
Roh sind sie klein, hart und sehr herb. Gekocht als Gelee oder Saft sowie nach Frost, der die Säure mildert, werden sie genießbar. Ihr traditionell geschätzter hoher Pektingehalt ist für Konfitüren nützlich.
Wo wächst der Holzapfel in Frankreich?
Er ist in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Feldhecken auf neutralem bis kalkigem Boden heimisch, besonders in Eichenwäldern. Meist tritt er örtlich begrenzt zusammen mit anderen Heckensträuchern wie Weißdorn und Schlehe auf.
Hat der Holzapfel Dornen?
Die Zweige sind oft dornig, besonders junge Triebe und unveredelte Exemplare. Bei Gartensorten des Kulturapfels fehlt dieses Merkmal fast immer.
Warum stehen Wildäpfel häufig nahe Obstgärten?
Wo Holzapfel und Kulturapfel zusammentreffen, kommt es häufig zur Kreuzung. Die entstehenden Zwischenformen erschweren eine rein äußerliche Bestimmung und machen manchmal eine genetische Analyse erforderlich.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.


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