Luzerne (Medicago sativa, L. 1753)

Luzerne (Medicago sativa) ist eine ausdauernde Hülsenfrucht aus der Familie der Fabaceae, die seit der Antike als wichtige Futterpflanze angebaut wird. Ihre violetten Blüten entwickeln sich zu spiralig gewundenen Hülsen, einem deutlichen Unterschied zu Klee. Dank ihrer tiefen Pfahlwurzel verträgt sie Trockenheit. Symbiotische Bakterien ermöglichen die Bindung von Luftstickstoff und machen sie auch zur geschätzten Gründüngung in Fruchtfolgen.

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Wissenschaftlicher NameMedicago sativa
GattungMedicago
OrdnungFabales

Luzerne, Saat-Luzerne, Alfalfa, Ewiger Klee und Lucerne

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, Pferde und Tiere · Ungiftig : Kinder, Katzen und Hunde
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
IranTürkeiArmenienKasachstan
Lebensraum
Trockenwiesen, Brachen, Böschungen und Wegränder auf durchlässigen Kalkböden; verbreitete Futterpflanze
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommer
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Erste Blüte in der 2. Saison; Pfahlwurzel nach mehreren Jahren ausgereift
Vermehrung
Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, niedriger und buschiger Wuchs
Luftfeuchtigkeit
30–70 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Kalkhaltiger Boden, Entwässerter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.

Ausschließlich volle Sonne
Außenbereich
Beet in voller Sonne, Offener Boden
Erscheinungsbild
Höhe30–90 cmBreite30–60 cm
Blätter
Grün
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
ViolettBlau
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Braun
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Luzerne (Medicago sativa): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

Nach POWO/WCVP reicht das natürliche Areal von Medicago sativa vom Mittelmeerraum bis Zentralasien und Iran. Die früh im Nahen Osten domestizierte Pflanze gelangte bereits vor der christlichen Zeitrechnung über Handelswege nach Griechenland und Rom, später nach Spanien und Amerika. Heute wird sie in den gemäßigten Gebieten aller Kontinente angebaut. In Frankreich zählt sie nicht zu den invasiven gebietsfremden Pflanzen.

  • Heimisch4
  • Iran
  • Türkei
  • Armenien
  • Kasachstan

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Luzerne (Medicago sativa L., 1753), auch Saat-Luzerne, Alfalfa oder Ewiger Klee genannt, ist eine ausdauernde Hülsenfrucht aus der Familie der Fabaceae und der Unterfamilie der Faboideae. International ist auch Lucerne gebräuchlich. Seit der Antike wird sie für Heu, Weide und Silage angebaut. Der agronomische Beiname „Königin der Futterpflanzen“ verweist auf ihren Nährwert und ihre Fähigkeit, den Boden nachhaltig mit Stickstoff anzureichern. 1 2

Der französische Name luzerne stammt vom provenzalischen luzerno, wörtlich „Glühwürmchen“ oder „Lampe“. Gemeint ist der Glanz der reifen Samen; das alte Wort luiserne für „Lampe“ ist seit dem 12. Jahrhundert belegt. Die Schreibweisen lauserne von 1566 und luzerne von 1600 in Olivier de Serres’ Le Théâtre d’agriculture führten zur heutigen Namensform. 5

Erkennung

Aus einem teilweise unterirdischen verholzten Wurzelkopf wachsen bei Luzerne mehrere aufrechte, verzweigte Stängel. Sie tragen dreizählige Blätter mit schmalen Teilblättchen. Diese sind nur im oberen Drittel gezähnt, während Kleearten (Trifolium) ringsum gezähnte Blättchen besitzen. Das Merkmal hilft, die Gattungen auf den ersten Blick zu unterscheiden. Üblicherweise erreicht Luzerne 30 bis 90 cm Höhe. 2 3

Kurze Trauben kleiner Blüten sitzen in den Blattachseln. Ihre violette bis blauviolette Farbe unterscheidet Kulturluzerne vom gelb blühenden Hopfenklee (Medicago lupulina) oder Sichelklee (Medicago falcata). Nach der Befruchtung entsteht eine spiralig gewundene Hülse mit zwei bis drei Windungen. Dieses für Medicago besonders kennzeichnende Merkmal trennt sie deutlich von den geraden Hülsen des Klees. 2

Die tief reichende Pfahlwurzel erreicht bereits nach zwei Monaten 90 cm und nach fünf Monaten 1,80 m. Bei über zwanzig Jahre alten Pflanzen in lockerem Boden kann sie sogar mehr als 15 m tief reichen. Das erklärt die gute Trockenheitsverträglichkeit etablierter Bestände. Junge Sämlinge bleiben dagegen auf regelmäßiges Wässern angewiesen. 2

Nützliche Taxonomie

Mit dem gelb blühenden Sichelklee, Medicago falcata L., kreuzt sich Luzerne leicht. Daraus entstehen Populationen mit blauen, violetten oder gelbgrünen Blüten, die als Bastard-Luzerne oder Medicago sativa nothosubsp. praefalcata (Sinskaya) C.R.Gunn bezeichnet werden. Wegen dieser natürlichen Hybridisierung genügt die Blütenfarbe allein zur Unterscheidung beider Arten im Gelände nicht. 1

Ähnlich aussehende Arten begegnen ebenfalls auf Wiesen: Hopfenklee (Medicago lupulina L.) hat kleine gelbe Blüten und schwarze, nierenförmige, nicht gewundene Hülsen. Medicago falcata L. bildet dagegen sichelförmige Hülsen anstelle vollständiger Spiralen.

Im Gattungsnamen Medicago, den Linné 1753 verwendete, soll sich die Erinnerung an das antike Medien im heutigen Iran erhalten haben. Griechische Autoren verbanden diese Region mit der Einführung der Pflanze nach Europa. 2

Lebensraum und Verbreitung

Vom Mittelmeerraum bis Zentralasien und Iran reicht nach POWO/WCVP das natürliche Verbreitungsgebiet der Luzerne. Spontan wächst sie auf Brachen, Trockenwiesen, Böschungen und an Wegrändern. Sie bevorzugt kalkhaltige, gut durchlässige Böden und meidet deutlich saure oder durchnässte Standorte. 1 3

Früh im Nahen Osten domestiziert, gelangte Luzerne über Handelswege bereits vor der christlichen Zeitrechnung nach Griechenland und Rom. Später erreichte sie Spanien und mit der Kolonisierung Amerika. Dort setzte sich im allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend der spanische, aus dem Arabischen stammende Name alfalfa durch. Heute wird sie in mehr als achtzig Ländern auf über 30 Millionen Hektar angebaut und zählt in den Vereinigten Staaten zu den besonders geschätzten Futterkulturen. 2 8

Lebenszyklus und Vermehrung

In den Wurzelknöllchen der Luzerne leben symbiotische Bakterien der Gattung Rhizobium. Sie binden Stickstoff aus der Luft und reichern damit den Boden an. Diese Eigenschaft wird in Fruchtfolgen und bei der Gründüngung genutzt. 2

Kulturluzerne ist autotetraploid mit 2n = 32 Chromosomen und selbstinkompatibel. Eine Blüte kann sich somit nicht selbst befruchten. Nötig ist Fremdbestäubung durch Insekten, was die klassische Sortenzüchtung erschwert. 8

In den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel blüht Luzerne von Juni bis Juli und fruchtet von Juli bis September. Nach jeder Mahd treibt der Wurzelkopf rasch neue Stängel. Je nach Klima und Bewässerung sind dadurch bis zu dreizehn Heuschnitte pro Saison möglich. 3 2

Dichte Nachsaaten auf alten Luzerneflächen entwickeln sich dagegen schlecht. Ältere Wurzeln geben Stoffe ab, welche die jungen Keimlinge hemmen. Wegen dieser Autotoxizität lassen Betriebe die Fläche ruhen oder schalten eine andere Kultur ein, bevor sie am selben Ort erneut Luzerne aussäen. 3

Nutzen und Risiken

Als Futter für Milchkühe, Pferde und Kaninchen ist Luzerneheu besonders geschätzt. Es enthält ungefähr 16 % Protein sowie die Vitamine A, D, E und K. Menschen verzehren auch junge Triebe und Keimsprossen roh im Salat. 2 3

Wiederkäuer sind beim Weiden auf frischen, reinen Luzernebeständen dem wichtigsten Risiko ausgesetzt. Lösliche Proteine und Saponine bilden einen stabilen Schaum, der das Aufstoßen verhindert und eine mitunter tödliche Blähsucht verursacht. Eine Heugabe vor dem Weidegang oder Sorten mit langsamer Anfangsverdauung mindern dieses Risiko. 4

Für empfindliche Menschen kann die in Keimsprossen enthaltene Aminosäure L-Canavanin problematisch sein; sie wurde mit Lupusschüben in Verbindung gebracht. Gesundheitsbehörden raten Kindern, älteren und immungeschwächten Menschen vom rohen Verzehr ab. Veterinärmedizinische Datenbanken stufen Luzerne hingegen für Katzen und Hunde nicht als giftig ein. 3 6

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Landwirtschaftliche Sorten werden vor allem nach ihrer Winterruheklasse auf einer nordamerikanischen Zahlenskala eingeordnet, weniger nach gärtnerischen Namen. Sogenannte LIRD-Sorten mit langsamer Anfangsverdauung verringern das Blähungsrisiko auf der Weide. 4

Auf Wiesen wird Luzerne am ehesten mit Weißklee (Trifolium repens) und Kleinem Klee (Trifolium dubium) verwechselt. Beide haben ringsum gezähnte Teilblättchen und kurze, nicht gewundene Hülsen, die im Kelch verborgen sind. Eine weitere Verwechslungsmöglichkeit ist Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) mit rundlicheren Teilblättchen und fingerartig angeordneten Hülsen, die an einen Vogelfuß erinnern. Gegenüber den je nach Art unterschiedlichen Blättchen und Hülsen bleibt die reife Hülse mit zwei bis drei Spiralwindungen verlässlicher als allein die Blütenfarbe. Dieses Merkmal lässt sich auch an nicht mehr blühenden Pflanzen prüfen.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Luzerne eine Kleeart?

Nein. Luzerne gehört zur Gattung Medicago, Klee zur Gattung Trifolium. Die reife Hülse ist das verlässlichste Merkmal. Bei Luzerne ist sie spiralig gewunden, bei Klee gerade oder gebogen.

Ist Luzerne für Tiere giftig?

Sie gilt für Katzen und Hunde nicht als giftig. Bei Wiederkäuern besteht auf frischer reiner Luzerneweide jedoch ein Blähungsrisiko. Keimsprossen enthalten außerdem L-Canavanin; vom rohen Verzehr wird immungeschwächten Menschen abgeraten.

Warum lässt sich Luzerne mehrmals im Jahr mähen?

Der teilweise unterirdische verholzte Wurzelkopf bildet nach jedem Schnitt rasch neue Stängel. Je nach Klima und Bewässerung sind so bis zu dreizehn Heuernten pro Saison möglich.

Kann man Luzerne auf einer alten Luzernefläche nachsäen?

Kurzfristig ist das nicht empfehlenswert. Alte Wurzeln setzen Stoffe frei, welche die Keimlingsentwicklung hemmen. Dieses Phänomen wird als Autotoxizität des Bodens beschrieben.

Wie unterscheidet sich Luzerne vom Hopfenklee?

Hopfenklee (Medicago lupulina) besitzt kleine gelbe Blüten und schwarze, nierenförmige, nicht gewundene Hülsen. Luzerne trägt violette Blüten und vollständig spiralig gewundene Hülsen.

Woher stammt der Name Luzerne?

Er geht auf das provenzalische luzerno, Glühwürmchen, zurück und spielt auf den Glanz der reifen Samen an. Der englische Name alfalfa gelangte dagegen über das Spanische aus dem Arabischen ins Englische.

Verbessert Luzerne tatsächlich den Boden?

Ja. In Wurzelknöllchen leben Rhizobium-Bakterien, die Luftstickstoff binden. Dieser Mechanismus wird in Fruchtfolgen und bei der Gründüngung genutzt.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.