Indian pipe (Monotropa uniflora, )
Monotropa uniflora ist eine ausdauernde krautige Pflanze der Heidekrautgewächse (Ericaceae), die vollständig ohne Chlorophyll lebt. Sie kommt im gemäßigten Nordamerika und Ostasien vor und wächst in dunklen, feuchten Wäldern. Ihren Zucker gewinnt sie über ein Pilznetz, das mit den Wurzeln benachbarter Bäume verbunden ist, statt durch Photosynthese.
WeiterlesenIndian pipe und Ghost pipe






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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Monotropa uniflora umfasst das gemäßigte Nordamerika von Kanada bis Mexiko und das gemäßigte Ostasien vom Norden Pakistans bis in den russischen Fernen Osten und nach Japan. Zwischen diesen beiden Teilarealen liegen weite Gebiete ohne bekannte Populationen. Die Verbreitung gehört damit zu den besonders stark disjunkten im Pflanzenreich.
- Heimisch8
- Kanada
- Vereinigte Staaten
- Mexiko
- China
- Japan
- Südkorea
- Russland (Ferner Osten)
- Nepal
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Monotropa uniflora (Monotropa uniflora L., 1753) ist eine ausdauernde krautige Pflanze der Ericaceae, Unterfamilie Monotropoideae. In Québec ist sie auch unter dem französischen Namen „pipe indienne“ bekannt. 1 2
Fast alle anderen Blütenpflanzen bilden Chlorophyll; Monotropa uniflora produziert dagegen keines. Stängel und schuppenförmige Blätter sind wachsweiß und durchscheinend. Seltene Exemplare zeigen rosa oder dunkelrote Tönungen. 4 8
Die englischen Namen Indian pipe und Ghost pipe beziehen sich auf ihre ungewöhnliche Gestalt. Weiße Farbe und flüchtiges Auftreten im Unterholz führten in nordamerikanischen mündlichen Überlieferungen zu Verbindungen mit Trauer und der Stille des Waldes. 7
Erkennung
Ein meist 5 bis 30 cm hoher Stängel trägt an seiner gebogenen Spitze eine einzige Blüte. Sie ist 1 bis 2 cm lang und besitzt 3 bis 8 durchscheinende Blütenblätter sowie etwa zehn Staubblätter. Die Laubblätter sind auf 5 bis 10 mm lange Schuppen reduziert, die den Stängel umfassen, statt eine ausgeprägte Spreite zu bilden. 8 4
Nach dem Pflücken oder bei voller Reife schwärzt sich Monotropa uniflora innerhalb weniger Stunden. Dieses Merkmal ist bei der Abgrenzung von Pilzen aussagekräftiger als die weiße Farbe allein. Die anschließende trockene Kapsel wird braunschwarz und gibt winzige, 0,6 bis 0,8 mm lange geflügelte Samen frei. 7 4
Ohne grüne Blätter oder sichtbare Wurzeln, die an andere Waldpflanzen erinnern, wird Monotropa uniflora bei der ersten Beobachtung sehr häufig für einen Pilz gehalten. 5
Nützliche Taxonomie
Unter dem Namen Hypopitys uniflora (L.) Crantz war die Art lange bekannt. Die heute zu den Ericaceae gerechneten Monotropen bildeten früher die eigene Familie Monotropaceae. 1 8
Zur Gattung Monotropa gehören zwei anerkannte Arten: Monotropa uniflora und der auch in Europa vorkommende Fichtenspargel (Monotropa hypopitys). Eine Blüte je Stängel bei M. uniflora gegenüber mehreren traubig angeordneten Blüten an einem behaarten Stängel bei M. hypopitys liefert das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. 4 1
Lebensraum und Mykoheterotrophie
Tief beschattete Laub- und Mischwälder mit reichlich Humus und nahen Wurzeln lebender Wirtsbäume bilden den Lebensraum von Monotropa uniflora. Ihr natürliches Areal ist auffällig disjunkt: Es umfasst das gemäßigte Nordamerika von Kanada bis Mexiko und das gemäßigte Ostasien vom Norden Pakistans bis zum russischen Fernen Osten und Japan. Zwischen den beiden Blöcken sind über weite Entfernungen keine Populationen bekannt. 1 5
Die Ernährung erfolgt nicht durch unmittelbares Parasitieren an einem Baum. Mit spezialisierten, von Zystiden bedeckten Wurzeln entzieht die Pflanze Ektomykorrhizapilzen der Gattungen Russula oder Lactarius (Russulaceae) Zucker. Diese Pilze tauschen ihn normalerweise mit den Wurzeln von Buchen oder bestimmten Nadelbäumen aus. Diese Mykoheterotrophie erklärt den vollständigen Verzicht auf Photosynthese. 7 6
Die Bindung an einen vermittelnden Pilz erklärt auch, warum die Pflanze weder in voller Sonne noch auf nährstoffarmem Boden vorkommt. Ohne passenden Wirtspilz, der bereits mit einem lebenden Baum verbunden ist, entwickelt sich kein Samen, selbst bei geeignetem Klima und ausreichender Feuchtigkeit. 7
Nur kurz und unvorhersehbar tritt Monotropa uniflora oberirdisch auf. Regen nach einer Trockenperiode kann binnen weniger Tage eine vollständige Pflanze hervorbringen. Die Suche im Gelände hängt deshalb stark vom örtlichen Wetter ab. 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Je nach geografischer Breite blüht Monotropa uniflora von Juli bis September. Hummeln der Gattung Bombus übernehmen den größten Teil der Bestäubung, indem sie zur Pollensuche in die Blüte eindringen. 3 7
Durch die erhöhte Narbe bleibt Selbstbefruchtung auf etwa 20 % der Fälle begrenzt. Das fördert trotz seltener, verstreuter Populationen den genetischen Austausch. Nach der Bestäubung trocknet und schwärzt sich die Kapsel. Durch Spalten entlässt sie winzige geflügelte Samen, die der Wind verbreitet. 7
Weil die Samen nur geringe Nährstoffreserven besitzen, müssen sie unmittelbar neben einem passenden Myzel keimen. Das erklärt die Seltenheit der Pflanze auch in ansonsten geeigneten Lebensräumen. Regelmäßig fressen zudem Schmetterlingsraupen an fast reifen Samen und verringern die Bildung keimfähiger Früchte weiter. 7
Nutzen und Risiken
Bei mehreren indigenen Völkern Nordamerikas wurde der klare Stängelsaft als Augentropfen genutzt. Ein Wurzelsud diente traditionell als Beruhigungsmittel und gegen Zahnschmerzen. 3
Gekocht gilt die Pflanze als essbar und wird geschmacklich mit Spargel verglichen; roh bleibt sie fade. Ihre nach verfügbaren Analysen enthaltenen Glykoside, Salicylsäure und Grayanotoxine sprechen jedoch für Vorsicht statt regelmäßigen Verzehr. Ein eigenes veterinärmedizinisches Giftigkeitsprofil für Haustiere ist bislang nicht veröffentlicht. 3 8
Eine gärtnerische Kultur scheitert an der Abhängigkeit vom bereits bestehenden Mykorrhizanetz eines passenden Pilzes und eines lebenden Baums. Weder Aussaat noch Verpflanzen ermöglichen eine dauerhafte Ansiedlung außerhalb des natürlichen Lebensraums. Seltene dokumentierte Versuche empfehlen allenfalls eine Aussaat nahe einer Buche oder einem Nadelbaum, der den richtigen Pilz trägt, ohne Erfolgsgarantie. 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Für Monotropa uniflora gibt es keine gärtnerischen Sorten. Rosa oder dunkelrote Wildexemplare sind individuelle Farbabweichungen, keine stabilen Auslesen oder eigenen botanischen Varietäten. 8
Besonders leicht wird Monotropa uniflora mit dem Fichtenspargel (Monotropa hypopitys) verwechselt. Dieser trägt mehrere Blüten in einer Traube auf einem behaarten, gelblichen bis braunen Stängel. M. uniflora besitzt dagegen nur eine Blüte auf einem kahlen weißen Stängel. 4
Bei einer ersten Begegnung denken viele Beobachter auch an einen Pilz oder weißen Schimmel. Weder grüne Blätter noch ein chlorophyllhaltiger Stängel oder sichtbare Wurzeln liefern die vertrauten Merkmale, die diesen Eindruck sofort widerlegen könnten. 5
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Monotropa uniflora L.
- International Plant Names Index, Monotropa uniflora L. (Species Plantarum, 1753)
- Plants For A Future, Monotropa uniflora
- Go Botany / Native Plant Trust, Monotropa uniflora
- USDA PLANTS Database, Monotropa uniflora, Pflanzenprofil (MOUN3)
- Atlas of Florida Plants / University of South Florida, Monotropa uniflora
- Wikipedia auf Französisch, Monotropa uniflora
- Wikipedia auf Englisch, Monotropa uniflora
Häufig gestellte Fragen
Ist Monotropa uniflora ein Pilz?
Nein. Sie ist eine Blütenpflanze der Ericaceae mit Blüte, Staubblättern und Samenkapsel. Das fehlende Chlorophyll und die weiße Farbe führen bei der ersten Begegnung leicht zur Verwechslung mit einem Pilz.
Kann man Monotropa uniflora im Garten kultivieren?
Praktisch nicht. Sie benötigt ein bereits bestehendes Mykorrhizanetz zwischen einem passenden Pilz und einem lebenden Baum. Weder Aussaat noch Stecklinge ermöglichen eine dauerhafte Ansiedlung außerhalb ihres natürlichen Lebensraums.
Ist Monotropa uniflora giftig?
Die Giftigkeit bleibt unklar. Glykoside, Salicylsäure und Grayanotoxine in der Pflanze begründen Vorsicht. Ein eigenes veterinärmedizinisches Giftigkeitsprofil für Haustiere wurde jedoch nicht veröffentlicht.
Warum wird die Pflanze so schnell schwarz?
Nach dem Pflücken, bei längerem Berühren oder mit voller Kapselreife schwärzt sich der gesamte wachsige, empfindliche Stängel. Als Schnittblume lässt sich die Pflanze deshalb nicht erhalten.
Wie unterscheidet sie sich vom Fichtenspargel?
Monotropa hypopitys trägt mehrere Blüten in einer Traube an einem behaarten, gelblichen bis braunen Stängel. Monotropa uniflora besitzt nur eine Blüte an einem kahlen weißen Stängel.
Woher kommt der Name Indian pipe?
Er beschreibt den oben hakenförmig gebogenen Stängel, dessen Form frühe nordamerikanische Beobachter mit einer zeremoniellen Pfeife verglichen.
Ist Monotropa uniflora selten oder bedroht?
Die IUCN hat die Art weltweit nicht bewertet. In geeigneten Wäldern ist sie weit verbreitet, wird aber leicht übersehen, weil sie nur kurz und abhängig vom Wetter erscheint.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.



