Gagelstrauch (Myrica gale, L. 1753)

Der Gagelstrauch (Myrica gale) ist ein sommergrüner Strauch aus der Familie der Gagelstrauchgewächse (Myricaceae) und die einzige in Europa heimische Art seiner Gattung. Auf sauren, nassen Moor- und Heideböden bildet er durch Ausläufer dichte Bestände. Harzig duftende Blätter, meist zweihäusige Kätzchen und die Bindung von Luftstickstoff ermöglichen ihm das Besiedeln nährstoffarmer Feuchtstandorte.

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Wissenschaftlicher NameMyrica gale
GattungMyrica
OrdnungFagales

Gagelstrauch, Gagel, Moor-Gagel, Gagelkraut, Bog myrtle und Sweet gale

Identität
Toxizität
Ungiftig für Katzen und Hunde
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
FrankreichVereinigtes KönigreichIrlandNorwegenPolenKanadaVereinigte StaatenJapan
Lebensraum
Saure Moore, feuchte Heiden, Niedermoore und torfige Ufer von Seen und Bächen
Jahresverlauf
Blütezeit
Frühling
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
5/10
Reifezeit
Ausgewachsener Ausläuferbestand nach 3 bis 5 Jahren
Vermehrung
Steckling, Aussaat, Teilung
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, niedriger und biegsamer Wuchs an offenen Standorten
Luftfeuchtigkeit
60–95 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Frischer bis feuchter Boden, Ton, Schluff oder Sand
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Volle Sonne bis lichter Halbschatten
Außenbereich
Beet in voller Sonne, Pflanzgefäß
Erscheinungsbild
Höhe60–200 cmBreite100–200 cm
Blätter
Grün
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbBraunGröße0.5–1.5 cm
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Braun
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Braun
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Gagelstrauch (Myrica gale): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Myrica gale erstreckt sich über West- und Nordeuropa bis in den russischen Fernen Osten und nach Japan sowie über das subarktische und gemäßigte Nordamerika. Die Bindung an saure, nasse Lebensräume unterteilt das Areal in oft örtlich begrenzte, teilweise geschützte Populationen.

  • Heimisch8
  • Frankreich
  • Vereinigtes Königreich
  • Irland
  • Norwegen
  • Polen
  • Kanada
  • Vereinigte Staaten
  • Japan

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Gagelstrauch (Myrica gale L., 1753) ist ein sommergrüner Strauch der Gagelstrauchgewächse (Myricaceae). Als einzige Art seiner Gattung Myrica kommt er natürlich in Europa vor. Auch Gagel, Moor-Gagel, Gagelkraut, Bog myrtle und Sweet gale genannt, bildet er auf nassen Moor- und Heideböden Ausläuferbestände von 60 cm bis 2 m Höhe und etwa 1 bis 2 m Breite. 1 2

Zerriebene Blätter verströmen einen deutlichen Harzduft, der oft an Lorbeer oder Eukalyptus erinnert. Winzige goldfarbene Drüsen auf der Blattunterseite tragen das Harz. Der französische Name „bois-sent-bon“ verweist auf den Duft; „piment royal“ auf die frühere Verwendung getrockneter Blätter und Früchte als örtlichen Pfefferersatz in Teilen Nordwesteuropas. 3 4

Erkennung

Wechselständige, schmale und elliptische Blätter werden 2 bis 6 cm lang. Ihr Graugrün ist mit kleinen goldenen Harzdrüsen besetzt, die an der Unterseite im Gegenlicht sichtbar sind. Anders als die kahlen, geruchlosen Blätter von Andromeda polifolia duften Gagelblätter beim Zerreiben deutlich nach Harz und Lorbeer. Im Gelände hilft dieser Geruch oft schneller als die Blattform. 3 6

Meist ist der Gagelstrauch zweihäusig. Aufrechte, braunorange männliche Kätzchen stehen gruppiert an den Zweigenden und öffnen sich im März und April vor dem Laubaustrieb. Die unauffälligeren weiblichen Kätzchen wachsen auf getrennten Pflanzen. Seltene einhäusige oder zwittrige Individuen sind bekannt, doch die weitaus meisten Sträucher tragen nur ein Geschlecht. 6 2

Bestäubte weibliche Pflanzen bilden dichte Fruchtstände mit winzigen, wachshaltigen goldbraunen Steinfrüchten von nur wenigen Millimetern Größe. Sie reifen im Spätsommer. Ihre fettreiche Hülle diente früher zur Herstellung duftender Kerzen; wegen der geringen Ausbeute blieb dies ein handwerkliches Verfahren. 3

Nützliche Taxonomie

POWO und WCVP akzeptieren Myrica gale L. als einzige natürlich in Europa vorkommende Art der Gattung. Mehrere historische Namen bezeichnen regionale Formen, die heute als Synonyme gelten:

  • Myrica gale subsp. tomentosa (C.DC.) A.E.Murray (botanisches Synonym)
  • Myrica gale var. subglabra (A.Chev.) Fernald (botanisches Synonym)
  • Myrica gale var. subarctica J.Rousseau (botanisches Synonym)
  • Myrica gale var. portugalensis Mirb. ex C.DC. (botanisches Synonym)

Die vier stärker filzigen oder schwächer behaarten Formen werden nordamerikanischen Populationen ohne eigenständigen taxonomischen Status zugeordnet. POWO und WCVP fassen sie alle unter der akzeptierten Art Myrica gale zusammen. 1

Lebensraum und Verbreitung

West- und Nordeuropa, das subarktische und gemäßigte Nordamerika sowie der russische Ferne Osten und Japan gehören zum natürlichen Areal. Der Strauch besiedelt ausschließlich saure, nasse Standorte: Moore, feuchte Heiden, Niedermoore und torfige Ufer von Seen oder Bächen. 1 7

In Frankreich beschränken sich die Vorkommen auf atlantische Moore und Heiden. Auch anderswo in Europa sind manche Küstenpopulationen selten und gesetzlich geschützt, etwa am einzigen verbliebenen Abschnitt der polnischen Ostseeküste. Entwässerung hat örtliche Bestände verkleinert. Dennoch stuft die IUCN Myrica gale weltweit als nicht gefährdet ein, weil das große Gesamtareal diese regionalen Verluste abpuffert. 5 7

An Wurzeln und Rhizomen sitzen Knöllchen mit dem fadenförmigen Bakterium Frankia, das Luftstickstoff bindet. Diese Symbiose ermöglicht dem Gagelstrauch das Wachstum in Mooren, deren verfügbarer Stickstoff für die meisten anderen Sträucher nicht ausreicht. 6

Lebenszyklus und Vermehrung

Noch vor dem Laubaustrieb erscheinen im März und April die Blüten. Männliche und weibliche Kätzchen stehen bei der zweihäusigen Art auf getrennten Sträuchern. Ein isolierter Bestand kann deshalb jährlich blühen, ohne Früchte zu bilden, wenn eine Pflanze des anderen Geschlechts fehlt. 2 6

Zur Kulturvermehrung ist die Teilung von Wurzelausläufern während der Ruhezeit schneller als Aussaat oder Stecklinge. Kriechende Rhizome bilden ohnehin dichte Bestände. Samen können nach drei Monaten Kältestratifikation keimen, laufen jedoch langsam und unregelmäßig auf. Halb verholzte Sommerstecklinge sind eine verlässlichere Alternative. 3

Nutzen und Risiken

Bevor Hopfen allgemein gebräuchlich wurde, gehörte Gagel zur Grut, einer Mischung bitterer und aromatischer Pflanzen zum Würzen und Haltbarmachen von Bier im mittelalterlichen Nordwesteuropa. Getrocknete Blätter würzten außerdem Suppen und Eintöpfe als örtlicher Ersatz für Lorbeer. 4 3

Moderne Laborversuche zeigten, dass Öl aus Blättern und Früchten verschiedene stechende Insekten abwehrt. Dies bestätigt eine alte traditionelle Verwendung. Früher diente die Pflanze auch zum Gerben und Färben; Rinde und Stängel lieferten gelbe bis braune Farbtöne. 6

Veterinärmedizinische Angaben führen den Gagelstrauch als ungiftig für Katzen und Hunde. Dem ätherischen Öl wird traditionell jedoch eine abortive Wirkung zugeschrieben, weshalb Schwangere es nicht einnehmen sollten. Die dokumentierte Unbedenklichkeit für Tiere und die überlieferte Vorsicht beim Menschen sind getrennt zu betrachten. 3

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Eine beständige gärtnerische Auslese ist beim Gagelstrauch nicht etabliert. Die für nordamerikanische Populationen beschriebenen stärker filzigen oder weniger behaarten Formen bleiben botanische Synonyme ohne anerkannten Sortenstatus. 1

Ähnliche niedrige Sträucher in Mooren und sauren Heiden können im Gelände zu Verwechslungen führen:

  • Rhododendron tomentosum, mit immergrünen Blättern und wesentlich stärkerem Kampfergeruch;
  • Andromeda polifolia, mit kahlen Blättern ohne den kennzeichnenden Harzduft des Gagelstrauchs;
  • Moor-Heidelbeergewächse wie Vaccinium uliginosum und Vaccinium oxycoccos, mit fleischigen blauen oder roten Früchten anstelle wachshaltiger brauner Steinfrüchte.

Entscheidend bleibt der Harzgeruch zerriebener Gagelblätter. Bei den genannten ähnlichen Pflanzen fehlt er oder unterscheidet sich deutlich.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist der Gagelstrauch für Katzen und Hunde giftig?

Nein. Veterinärmedizinische Angaben führen Myrica gale als ungiftig für Katzen und Hunde. Das ätherische Öl wird Schwangeren traditionell nicht empfohlen; diese Vorsicht ist von der Tiergiftigkeit zu unterscheiden.

Warum trägt mein Gagelstrauch keine Früchte?

Die Art ist meist zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten sitzen auf getrennten Pflanzen. Ein einzelner weiblicher Strauch kann jedes Jahr blühen, ohne Früchte zu bilden, wenn in der Nähe kein männlicher wächst.

Wächst der Gagelstrauch in gewöhnlicher Gartenerde?

Ohne Anpassung nur schwer. Er braucht sauren und ständig feuchten Boden. Auf kalkhaltigen oder zu durchlässigen Böden vergilben seine Blätter rasch durch Chlorose und er wächst kümmerlich.

Wurde Gagelstrauch tatsächlich zum Bierbrauen verwendet?

Ja. Bevor Hopfen allgemein üblich wurde, gehörte er zur Grut, einer Mischung bitterer Pflanzen, mit der man im mittelalterlichen Nordwesteuropa Bier würzte und haltbar machte.

Vertreibt Gagelstrauch wirklich Insekten?

Moderne Untersuchungen seines ätherischen Öls bestätigten die traditionelle Verwendung zur Abwehr verschiedener stechender Insekten. Diese Wirkung beruht somit nicht allein auf Überlieferung.

Welche Pflanzen ähneln dem Gagelstrauch?

Häufig verwechselt wird er mit Rhododendron tomentosum und Andromeda polifolia, zwei niedrigen Moorsträuchern. Der harzige Duft zerriebener Blätter bleibt ein entscheidendes Merkmal des Gagelstrauchs.

Ist der Gagelstrauch selten oder bedroht?

Die IUCN stuft ihn weltweit als nicht gefährdet ein. Einzelne Küstenpopulationen, etwa an der polnischen Ostseeküste, bleiben jedoch selten und gesetzlich geschützt.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.