Steinweichsel (Prunus mahaleb, )
Steinweichsel (Prunus mahaleb L., 1753) ist ein sommergrüner Strauch oder Kleinbaum der Rosaceae aus Süd- und Mitteleuropa bis Zentralasien, Nordpakistan und Marokko. Kennzeichnend sind die stark duftenden weißen Frühlingsblüten, das aromatische Holz und die ausgeprägte Vorliebe für Kalkböden. Die lange als Unterlage für Kulturkirschen verwendete Art liefert außerdem die Kerne für das Gewürz Mahlab.
WeiterlesenSteinweichsel, Felsen-Kirsche, Mahaleb cherry und St Lucie cherry
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne bis lichter Halbschatten





© Foto
(c) Steve Parr, some rights reserved (CC BY-NC), uploaded by Steve Parr · cc-by-nc
Mirko Ubović · cc0
Matt Schultz · cc0
Taken Apr 15, 2014 by Photoflora - Jean-Luc TASSET (©)
Taken Jun 10, 2015 by Tela Botanica − George FOWLER (cc-by-sa)
Taken Jul 30, 2019 by 22Ben Combes (cc-by-sa)
Taken Jun 7, 2021 by Alain Bigou (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
POWO gibt das natürliche Areal von Prunus mahaleb von Europa bis Zentralasien und Nordpakistan mit einer Ausdehnung nach Marokko an. Als Unterlage für Kulturkirschen wurde die Art weit darüber hinaus verbreitet, besonders nach Nordamerika. Dort ist sie teils so stark eingebürgert, dass sie in mehreren nordöstlichen und mittleren US-Staaten als invasiv gemeldet wird.
- Heimisch6
- Eingeführt1
- Invasiv1
- Frankreich
- Italien
- Spanien
- Türkei
- Marokko
- Zentralasien
- Kanada
- USA (Nordosten und Mitte)
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Steinweichsel (Prunus mahaleb L., 1753), auch Felsen-Kirsche genannt und international als Mahaleb cherry oder St Lucie cherry bekannt, ist ein sommergrüner Strauch oder Kleinbaum aus der Familie der Rosaceae. Carl von Linné beschrieb die Art 1753 in Species Plantarum unter dem Binomen, das POWO weiterhin als akzeptierten Namen führt. 1 8
Das Artepitheton mahaleb übernimmt einen alten arabischen Namen des Baumes. Im Französischen ist er seit dem 16. Jahrhundert in den Formen maguelet und später macalep belegt, bevor sich mahaleb durchsetzte. Der französische Name bois de Sainte-Lucie geht auf ein Kloster im Département Meuse zurück, wo die Art häufig war. Aus ihrem duftenden Holz schnitzte man kleine Gegenstände, darunter Pfeifenrohre. 8
Erkennung
Die Steinweichsel erreicht gewöhnlich 3 bis 12 m Höhe und 3 bis 8 m Breite. Ihr häufig buschiger Wuchs lässt sich auch zu einem Kleinbaum mit nur einem Stamm erziehen. Die ovalen, kurz zugespitzten und fein gezähnten Blätter werden im Herbst leuchtend gelb. Bereits ihre Gestalt unterscheidet sie von der Süßkirsche (Prunus avium), deren Blätter größer und länger ausgezogen sind. 2 5
Stark duftende weiße Blüten erscheinen im Frühjahr in kurzen Trauben mit 3 bis 10 Blüten. Danach folgen kleine Kirschen von 6 bis 10 mm, die von Grün über Rot zu Schwarz abreifen. Sie bleiben deutlich bitter, anders als die essbaren Früchte der Süßkirsche. Geschnittenes oder getrocknetes Holz verströmt einen eigenen, an Cumarin erinnernden Duft. Dieses artspezifische Geruchsmerkmal klärt Zweifel bei der Bestimmung zuverlässiger als Fruchtfarbe oder Blattform allein. 2 6
Nützliche Taxonomie
Innerhalb der Rosaceae ordnet POWO Prunus mahaleb der Unterfamilie Amygdaloideae zu, zusammen mit Kirschen, Pflaumen, Aprikosen und Mandeln. Im Norden Siziliens ist die eigenständige Unterart Prunus mahaleb subsp. cupaniana (Guss.) Arcang. anerkannt. 1
Die botanische Synonymie umfasst zahlreiche historische Varietäten und Gartenformen: Prunus mahaleb var. pendula (Dippel) Bean bezeichnet den hängenden Wuchs, Prunus mahaleb var. xanthocarpa (M.Roem.) Rehder gelbe Früchte. Angesichts dieser Synonymliste bleibt der akzeptierte wissenschaftliche Name Prunus mahaleb L. die einzige beständige Orientierung beim Kauf oder bei der Bestimmung in einer Baumschule. 1
Lebensraum und Verbreitung
Von Süd- und Mitteleuropa reicht das natürliche Areal bis Zentralasien und Nordpakistan sowie nach Marokko. Dort besiedelt die Art trockene Hänge, Gebüsche und lichte Wälder, fast immer auf Kalkböden. Diese verträgt sie besser als die meisten anderen Prunus-Arten. 1 3
Als Unterlage für Kulturkirschen wurde Prunus mahaleb weit über ihr natürliches Areal hinaus verbreitet. In mehreren nordöstlichen und mittleren US-Staaten ist sie inzwischen als invasiver Neophyt gemeldet. Vögel verbreiten dort die Kirschen und fördern die spontane Aussaat. In Frankreich dagegen ist die Art in Garrigues und an Kalkhängen heimisch und besitzt keinen invasiven Status. 4 9
Lebenszyklus und Vermehrung
Vor dem vollständigen Laubaustrieb erstreckt sich die Blüte über einige Wochen im Frühjahr. Vor allem Bienen, die der Duft anzieht, übernehmen die Bestäubung. Später fressen Vögel die schwarzen Kirschen, verdauen das bittere Fruchtfleisch und scheiden die Steinkerne unversehrt aus. Das erklärt die häufigen Sämlinge in der Umgebung ausgewachsener Pflanzen. 2 4
Bei der natürlichen Vermehrung steht die Aussaat im Vordergrund, doch die Keimung verläuft langsam und unregelmäßig. Sie verlangt 2 bis 3 Monate Kältestratifikation; bis zum Auflaufen können 18 Monate vergehen. Im Obstbau wird häufig lieber veredelt als direkt ausgesät. So lässt sich die gewünschte Kirschensorte sofort auf eine bereits bewurzelte Steinweichsel aufpfropfen. 3 5
Nutzen und Risiken
Die am besten dokumentierte obstbauliche Nutzung von Prunus mahaleb ist die Veredelungsunterlage, noch vor der Zierpflanzung oder dem Pfeifenholz. Ihre Verträglichkeit armer, trockener Kalkböden machte sie lange zur bevorzugten Wahl für Süß- und Sauerkirschen auf solchen Standorten. Fälle später Veredelungsunverträglichkeit haben ihre Bedeutung gegenüber anderen Unterlagen allerdings vermindert. Der geschälte und gemahlene Fruchtkern liefert außerdem Mahlab. Sein Aroma nach Bittermandel und Kirsche würzt seit Jahrhunderten Gebäck und Brot im Nahen Osten und in Südosteuropa. 5 6
Wie bei den meisten Prunus enthalten Blätter, Rinde und Kerne von Prunus mahaleb cyanogene Glykoside. Die ASPCA stuft Kirschen als giftig für Hunde und Katzen ein; bei welken Blättern steigt das Risiko. In zum Gewürz Mahlab verarbeiteten Kernen wurden bei neueren Analysen dagegen die für Bittermandeln charakteristischen Cyanogene vom Amygdalin-Typ nicht gefunden. Dieser Unterschied trennt ihre Verwendung in kleinen Küchenmengen vom übrigen Pflanzenmaterial. 7 6
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Der Zierkultivar 'Kursar' entstand durch eine Kreuzung mit Prunus incisa und zeichnet sich durch frühe blassrosa Blüten aus. Die Hängeform 'Pendula' ist in Baumschulen seltener als die aufrechte Wildform. Die auf Sizilien beschränkte Unterart cupaniana ist dagegen ein eigenständiger botanischer Fall und keine bloße gärtnerische Auslese. 1
Am häufigsten wird die Steinweichsel mit der Süßkirsche (Prunus avium) verwechselt. Diese besitzt größere Blätter und essbare Früchte, während die Frucht von Prunus mahaleb auch reif bitter bleibt. Die niedrigere, stärker bedornte Schlehe (Prunus spinosa) unterscheidet sich durch dichten buschigen Wuchs und bereifte blauschwarze Früchte. Der Cumarin ähnliche Duft des geschnittenen Holzes bleibt zwischen diesen drei Prunus-Arten das zuverlässigste Unterscheidungsmerkmal, deutlicher als Blätter oder Früchte allein. 5
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Prunus mahaleb L.
- Royal Horticultural Society, Prunus mahaleb
- Plants For A Future, Prunus mahaleb Datenbankeintrag
- Invasive Plant Atlas of the United States, Mahaleb cherry
- Missouri State University, Bestimmung von Prunus mahaleb
- Gernot Katzer's Spice Pages, Prunus mahaleb (Mahlab)
- ASPCA, Kirschen (Prunus spp.), Giftigkeit
- Tela Botanica eFlore, Prunus mahaleb L., 1753
- University of Wisconsin-Green Bay Herbarium, Prunus mahaleb
Häufig gestellte Fragen
Ist die Steinweichsel eine Kirsche?
Botanisch ja. Prunus mahaleb gehört zur selben Gattung wie die Süßkirsche (Prunus avium), doch ihre sehr bittere Frucht wird anders als bei dieser nicht unmittelbar in der Küche verwendet.
Warum wird Prunus mahaleb als Veredelungsunterlage verwendet?
Ihre gute Verträglichkeit armer, trockener Kalkböden macht sie zur traditionellen Unterlage für Kulturkirschen auf solchen Standorten. Wegen möglicher später Unverträglichkeit der Veredelung ist ihre Verwendung jedoch zurückgegangen.
Was ist das Gewürz Mahlab?
Mahlab stammt aus den geschälten und gemahlenen Kernen von Prunus mahaleb. Sein an Bittermandel und Kirsche erinnerndes Aroma würzt traditionelle Backwaren und Brote des Nahen Ostens und Südosteuropas.
Ist die Steinweichsel giftig?
Blätter, Rinde und Kerne enthalten wie bei den meisten Prunus cyanogene Glykoside und sind als giftig für Hunde, Katzen und Nutzvieh dokumentiert. In den zum Gewürz Mahlab verarbeiteten Kernen wurden dagegen die für Bittermandeln typischen Cyanogene vom Amygdalin-Typ nicht nachgewiesen.
Woher stammt der französische Name Bois de Sainte-Lucie?
Er geht auf ein Kloster im Département Meuse zurück, wo der Baum häufig war. Sein charakteristisch nach Cumarin duftendes Holz wurde dort zu kleinen Gegenständen, darunter Pfeifenrohren, verarbeitet.
Ist Prunus mahaleb invasiv?
In Frankreich besitzt die Art keinen anerkannten invasiven Status. In den USA, wo sie vielfach als Veredelungsunterlage gepflanzt wurde, gilt sie dagegen in mehreren nordöstlichen und mittleren Bundesstaaten als invasiver Neophyt.
Wie unterscheidet man Steinweichsel und Süßkirsche?
Die Blätter der Steinweichsel sind kleiner und feiner als die der Süßkirsche (Prunus avium). Ihre Frucht bleibt reif bitter, während die Süßkirsche essbar ist. Auch der Duft des geschnittenen Holzes ist ein Unterscheidungsmerkmal.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





