Sauerkirsche (Prunus cerasus, )
Die Sauerkirsche (Prunus cerasus L.), auch Weichselkirsche genannt, ist ein kleiner sommergrüner Baum der Rosaceae aus Europa und Westasien. Ihre roten bis purpurschwarzen Früchte sind deutlich saurer als Süßkirschen. Das essbare reife Fruchtfleisch ist jedoch von den Kernen, Blättern und Stängeln zu unterscheiden, die ein cyanogenes Risiko bergen.
WeiterlesenSauerkirsche, Weichselkirsche, Amarelle, Sour cherry, Morello cherry und Tart cherry
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne, lichter Halbschatten wird vertragen





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Taken Mar 29, 2021 by ECO_ECO_CC (cc-by-sa)
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Weltweite Verbreitung
POWO/WCVP verortet den Ursprung im Kaukasusraum; genomische Studien erweitern das Herkunftsgebiet auf Europa und Westasien. Wikipedia zufolge gibt es wahrscheinlich keine wirklich wilden Populationen mehr, da die Unterart acida leicht aus Kultur verwildert.
- Heimisch3
- Eingeführt2
- Kaukasus
- Südosteuropa
- Westasien
- Vereinigte Staaten
- Russland
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Sauerkirsche (Prunus cerasus L., 1753), auch Weichselkirsche, ist eine anerkannte Art der Gattung Prunus innerhalb der Rosaceae. POWO/WCVP verortet ihren Ursprung im Kaukasusraum; neuere genomische Studien erweitern dieses Gebiet auf Europa und Westasien. 1 7
Als Morellen werden die Sorten mit dunklem Fruchtfleisch und Saft bezeichnet; Amarellen haben hellen Saft und sind im Vergleich dazu weniger sauer. Der englische Name Sour cherry betont den Geschmack im Gegensatz zur Süßkirsche Prunus avium. Auch Morello cherry und Tart cherry sind internationale Namen. 7 2
Die Bezeichnung „Kirschbaum“ allein bestimmt die Art nicht: Sie kann Sauerkirschen, Süßkirschen oder Zierkirschen ohne essbare Früchte meinen. Das Binomen Prunus cerasus beseitigt diese Mehrdeutigkeit und bleibt der einzige verlässliche Anhaltspunkt bei der Bestellung eines Obstbaums in der Baumschule.
Erkennung
Als kleiner sommergrüner Baum erreicht die Sauerkirsche nach NC State frei wachsend bis 9 m und bildet eine ausgebreitete bis rundliche Krone. Die RHS nennt 4 bis 8 m als ausgewachsene Höhe und Breite. Sie bleibt niedriger als die Süßkirsche, die nach beiden Quellen 12 m überschreiten kann. Dieser Unterschied erlaubt oft schon am stehenden Baum eine Zuordnung, bevor man die Frucht probiert. 3 2
Etwas später als Prunus avium blüht die Sauerkirsche im späten Frühjahr. Die RHS beschreibt dichte Trauben reinweißer Blüten; NC State nennt weiße Blüten mit fünf Kronblättern in Gruppen von 3 bis 5. 2 3
Eiförmige bis elliptische, gezähnte Blätter glänzen grün und sind nach NC State 5 bis 13 cm lang. Die junge Rinde ist rotbraun, glatt und glänzend; waagerechte Lentizellen treten mit zunehmendem Alter deutlicher hervor. 3 2
Die rote bis purpurschwarze Steinfrucht misst nach NC State weniger als 2,5 cm im Durchmesser. Ihr deutlich saurer Geschmack unterscheidet sie beim Probieren von der Süßkirsche, selbst wenn sich die Fruchtfarben ähneln. 3 7
Nützliche Taxonomie
Für POWO ist Prunus cerasus, 1753 von Linné veröffentlicht, der akzeptierte Name. Wie die Süßkirsche gehört die Art zur Untergattung Cerasus, hat jedoch mehr Chromosomen als Prunus avium: Die Sauerkirsche ist tetraploid, die Süßkirsche diploid. 1 7
Neuere Genomanalysen belegen einen allotetraploiden Hybriden aus einer alten Kreuzung von Süßkirsche (Prunus avium) und Steppenkirsche (Prunus fruticosa). Das an der Sorte 'Montmorency' untersuchte Kulturgenom bewahrt diese beiden Ursprünge in einer trigenomischen Form. 6 7
Aus dieser doppelten Herkunft erklärt sich eine häufige Verwechslung in Baumschulen: Duke-Kirschen (Prunus × gondouinii) kreuzen Sauer- und Süßkirsche und stehen in Größe, Geschmack und Blüte zwischen den Eltern. Ein Blick auf das Sortenetikett verhindert Fehlkäufe. Eine Duke-Kirsche wird unter ihrem eigenen Namen angeboten und ist kein einfaches Synonym für Sauer- oder Süßkirsche.
Lebensraum und Verbreitung
Den Kaukasusraum nennt POWO/WCVP als Ursprungsgebiet. Wikipedia erweitert das natürliche Areal auf weite Teile Europas und Westasiens und merkt an, dass heute wahrscheinlich keine wirklich wilden Populationen mehr existieren. Die Unterart acida verwildert dennoch leicht aus Kultur; dadurch ist die Grenze zwischen heimischen und eingebürgerten Vorkommen regional unscharf. 1 7
Für den Anbau empfiehlt die RHS frischen, durchlässigen Ton- oder Lehmboden in sonniger Lage oder lichtem Halbschatten. Die Art verträgt saure, neutrale und alkalische pH-Werte. Organisch reicher Boden beschleunigt laut NC State das Wachstum. 2 3
Temperaturen von −20 bis 35 °C und die USDA-Winterhärtezonen 3 bis 8 toleriert die Sauerkirsche nach RHS. Das begünstigt den Anbau sowohl im kontinentalen Osteuropa als auch im gemäßigten ozeanischen Klima der Atlantikküste. 2
Heute wird sie in Frankreich, Deutschland, im Vereinigten Königreich und in mehreren Ländern Osteuropas sowie in Russland breit angebaut. Für diese Regionen ist kein besonderer invasiver Status veröffentlicht. 1
Lebenszyklus, Blüte und Frucht
Mit weißen Blüten im späten Frühjahr beginnt der sichtbare Zyklus. Danach folgen Fruchtansatz und sommerliche Reife, gewöhnlich später als bei der Süßkirsche. Die roten bis purpurschwarzen Steinfrüchte besitzen je nach Sortengruppe unterschiedlich gefärbtes Fruchtfleisch und unterschiedlich gefärbten Saft. 3 7
Zwei Sortengruppen prägen die Produktion: Morellen mit dunklem Fruchtfleisch und Saft, deren europäische Referenz 'Morello' ist, und Amarellen mit hellerem Saft. Bei Letzteren dominiert 'Montmorency' den nordamerikanischen Erwerbsanbau. 7
Aus Samen entstehen keine sortenechten Obstbäume: Ein Sämling ist ein junger Prunus, aber keine garantierte Kopie von 'Montmorency' oder 'Morello'. Die Sauerkirsche ist außerdem für Wurzelausläufer bekannt. Diese Triebe rund um den Stamm lassen sich zur Vermehrung einer Unterlage entnehmen, müssen sonst aber jede Saison am Stammfuß abgemäht werden. 4 2
Kultur und Verwendung
Im Vordergrund steht die Obstnutzung: Konfitüren, Gebäck, Konserven und vergorene Getränke wie belgisches Kriek, portugiesische Ginjinha oder türkischer Vişne suyu nutzen die ausgeprägte Säure. Zum direkten Verzehr eignet sich die Frucht weniger als die Süßkirsche. 7 4
Historische Nebennutzungen nennt PFAF ebenfalls: Die adstringierende und fiebersenkende Rinde wurde als Aufguss genutzt, aus dem Stamm gewonnenes Gummi gekaut. Gegenüber der heutigen Obstproduktion bleiben diese Verwendungen von untergeordneter Bedeutung. 4
Für Fruchtertrag rät die RHS zu voller Sonne, fruchtbarem, frischem Boden und Sommerschnitt nach Schnittgruppe 1, der das Risiko von Bleiglanz und Bakterienbrand begrenzt. Fächerformen an einer Mauer sind in kühlem Klima eine klassische Erziehungsform für 'English Morello'. 2
Giftigkeit, Tiere und Vorsicht beim Verzehr
Für die Sauerkirsche gilt dieselbe Grundregel wie für andere Kirschbäume: Das reife Fruchtfleisch kann essbar sein, die Pflanze insgesamt ist jedoch nicht sicher. NC State und PFAF führen die Frucht als roh oder gekocht essbar, weisen aber auf cyanogene Risiken in anderen Pflanzenteilen hin. 3 4
Cyanogene Glykoside, besonders Amygdalin und Prunasin, befinden sich in Kernen, Blättern und Stängeln. NC State nennt Risiken für Hunde, Pferde und Katzen. Die ASPCA stuft Kirschen der Gattung Prunus für dieselben Tiere als giftig ein. Besondere Vorsicht gilt welkem Laub, in dem die Konzentration cyanogener Verbindungen steigt. 3 5
Daraus darf keine allgemeine Unbedenklichkeit abgeleitet werden: Sichere Konfitüre aus entsteinten Sauerkirschen beweist nicht, dass Kerne, Blätter oder Stängel für Hund, Katze, Pferd oder Kind sicher sind. Vor jedem Zerkleinern oder mechanischen Verarbeiten müssen die Kerne entfernt werden, denn eine gebrochene Steinschale legt den Samen frei. 5
Sorten, Unterlagen und Verwechslungen
Die RHS und die herangezogenen Gartenbaukataloge nennen 'Montmorency', 'Morello' und 'English Morello' unter den verbreitetsten Sorten. Diese Namen bezeichnen veredelte Obstauslesen, keine eigenen Arten oder gesonderten botanischen Varietäten. 2 7
Am häufigsten werden Prunus cerasus und die Süßkirsche Prunus avium verwechselt: Erstere bleibt kleiner, bildet Ausläufer und schmeckt deutlich saurer, Letztere wächst höher und schmeckt oft süßer. Hinzu kommen Duke-Kirschen (Prunus × gondouinii) als Zwischenhybriden und verschiedene Zierkirschen, die wegen ihrer Blüte statt zur Obstnutzung gepflanzt werden.
Beim Obstbaumkauf zählen botanischer Name, Sorte, Gruppe (Morelle oder Amarelle), Unterlage und gewünschte Nutzung als Frisch- oder Verarbeitungsobst. Bei einem spontanen Vorkommen außerhalb von Obstgärten helfen eine Höhe unter 10 m, Ausläufer am Stammfuß, glänzend rotbraune Rinde und der deutlich saure Geschmack schon der ersten probierten Frucht. 2 3
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Prunus cerasus L.
- Royal Horticultural Society, Prunus cerasus, Sauerkirsche
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Sauerkirsche Prunus cerasus
- Plants For A Future, Prunus cerasus
- ASPCA, Eintrag zur Giftigkeit von Kirschen
- Horticulture Research / PubMed, Genom der tetraploiden Sauerkirsche Prunus cerasus, Montmorency
- Wikipedia, Prunus cerasus (Produktion, Sortengruppen, Geschichte)
Häufig gestellte Fragen
Sind die Früchte von Prunus cerasus essbar?
Ja, nach NC State und PFAF ist das reife Fruchtfleisch roh oder gekocht essbar und wird häufig für Konfitüren, Gebäck und Konserven verwendet. Dadurch werden weder Kern noch Blätter essbar.
Ist die Sauerkirsche für Hunde und Katzen giftig?
Ja, toxikologisch gilt das für die Pflanze: Die ASPCA führt Kirschen der Gattung Prunus als giftig für Hunde, Katzen und Pferde und meint vor allem Stängel, Blätter und zerkleinerte Kerne. Das reife Fruchtfleisch macht den Rest der Pflanze nicht sicher.
Sind Prunus cerasus und Prunus avium dieselbe Pflanze?
Nein. Prunus avium ist die Süßkirsche mit oft süßen Früchten und höherem Wuchs. Prunus cerasus ist die kleinere Sauerkirsche mit deutlich saureren Früchten.
Warum geht die Sauerkirsche auf eine Kreuzung zurück?
Neuere Genomanalysen zeigen, dass Prunus cerasus ein allotetraploider Hybrid aus einer alten Kreuzung von Prunus avium und der Steppenkirsche Prunus fruticosa ist. Das Kulturgenom bewahrt die Spuren beider Ursprünge.
Was unterscheidet Morellen und Amarellen?
Das sind die beiden großen Sortengruppen von Prunus cerasus. Morellen wie Morello haben dunkles, saures Fruchtfleisch und dunklen Saft; Amarellen wie Montmorency liefern helleren Saft und dominieren den nordamerikanischen Erwerbsanbau.
Kann ich einen Sauerkirschkern aussäen?
Daraus kann ein junger Prunus entstehen, aber keine verlässliche Kopie der Sorte. Für einen benannten Obstbaum bleibt eine veredelte Pflanze auf bekannter Unterlage die gärtnerisch umsichtige Methode.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







