Europäische Weinrebe (Vitis vinifera, )
Europäische Weinrebe (Vitis vinifera) ist eine sommergrüne, verholzende Liane der Vitaceae aus dem Mittelmeerraum, Mitteleuropa und Südwestasien. Sie klettert mit Ranken, trägt handförmig gelappte, gezähnte Blätter und bildet in ihrer Kulturform Trauben fleischiger Beeren, die als Tafelobst und zur Weinerzeugung dienen.
WeiterlesenEuropäische Weinrebe, Echte Weinrebe, Weinrebe, Edle Weinrebe, Common grape vine und Wine grape
In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.
Volle Sonne für eine gute Fruchtreife erforderlich





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Weltweite Verbreitung
Vitis vinifera ist im Mittelmeerraum, in Mitteleuropa und Südwestasien heimisch, von Marokko und Portugal bis Süddeutschland und ostwärts bis Nordiran. Die Wildform subsp. sylvestris wird in ihren ursprünglichen Auwäldern im Kaukasus und im Nahen Osten seltener. Die Kulturform wurde dagegen auf allen Kontinenten mit gemäßigtem oder mediterranem Klima eingeführt.
- Heimisch4
- Eingeführt4
- Georgien
- Iran
- Türkei
- Griechenland
- Vereinigte Staaten (Kalifornien)
- Südafrika
- Australien
- Chile
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Europäische Weinrebe (Vitis vinifera L., 1753) ist eine sommergrüne, verholzende Liane der Familie Vitaceae. Als einzige Art der Gattung Vitis wird sie in großem Maßstab außerhalb ihres Herkunftsgebiets angebaut. Schon das erste Blatt mit 3 bis 5 gezähnten Lappen und die den Blättern gegenüberstehenden Ranken machen sie erkennbar. 1 2
Ihre französische Bezeichnung „vigne“ stammt vom lateinischen vinea, das seinerseits auf vinum, Wein, zurückgeht. Damit verweist bereits dieser Name auf die Nutzung der Pflanze. 4
Innerhalb der Art stehen sich zwei sehr unterschiedliche Formen gegenüber. Die Wilde Weinrebe, häufig als Vitis vinifera subsp. sylvestris behandelt, besitzt getrennte männliche und weibliche Pflanzen. Fehlt eine davon in der Nähe, trägt sie keine Früchte. Durch Selektion kehrte sich dieses Merkmal bei der Kulturrebe um: Ihre selbstfruchtbaren Zwitterblüten ermöglichen regelmäßigen Fruchtansatz auch an einem einzelnen Stock. 7 8
Während der Winterruhe verträgt das Holz bis -20 °C, ohne Schaden zu nehmen. Das erklärt das Vorkommen der Rebe bis nach Süddeutschland. 4
Erkennungsmerkmale
Mit ihren Ranken verankert sich die Europäische Weinrebe an einer Kletterhilfe. Diese fadenartigen Organe sitzen in regelmäßigen Abständen den Blättern gegenüber. Sie umschlingen die Stütze niemals unmittelbar, sondern greifen zunächst mit der Spitze zu und ziehen sich dann federartig zusammen, um den Trieb zum Pfahl oder Spalier zu ziehen. Die handförmig gelappten Blätter sind in 3 bis 5 grob gezähnte Lappen geteilt, haben einen herzförmigen Grund und je nach Sorte oft eine flaumige Unterseite. 2 3
An älteren Rebruten löst sich die Rinde in langen faserigen Streifen ab. Das ist im Winter nach dem Laubfall ein nützliches Merkmal. Grünliche, duftende Blüten stehen je nach Klima im Mai oder Juni in lockeren Rispen. Mit nur 0,3 bis 0,5 cm bleiben sie so klein, dass sie unter dem Laub leicht übersehen werden. 3
Die Früchte bestehen aus Trauben fleischiger Beeren. Größe, Form und Farbe variieren bei den Tausenden Sorten stark, von blassgrün bis violettschwarz. Ein ungeschnittener Stock im Freiland kann bis 18 m hoch klettern. Im Weinberg begrenzt der Winterschnitt die nutzbare Höhe dagegen meist auf 1 bis 2 m, um den Saftstrom auf die Trauben zu konzentrieren. 2 3
Taxonomie
Für die gesamte Art, Wild- wie Kulturform, bleibt Vitis vinifera der akzeptierte Name. Zu den wesentlichen Synonymen und Formen gehören:
- Vitis vinifera subsp. sylvestris (Willd.) Hegi, die Wildform
- Vitis vinifera var. sylvestris Willd., als Varietät geführter Name
- Vitis vinifera var. semisylvestris Risso, als Varietät geführter Name
- Vitis sylvestris C.C.Gmel., historischer eigenständiger Name
Plants of the World Online behandelt diese Formen als Synonyme einer einzigen Art und nicht als getrennte Taxa. Deshalb teilen sich die wilde Rebe und die Tausenden kultivierten Sorten denselben wissenschaftlichen Namen. 1 8
Lebensraum und Verbreitung
Zwischen Marokko und Portugal im Westen und Nordiran im Osten liegt das natürliche Areal. Es umfasst den Mittelmeerraum, Mitteleuropa und Südwestasien. Als wahrscheinliche Wiege der Domestikation gelten der Kaukasus und der Nahe Osten, wo die Wildform noch in Auwäldern und an Waldrändern vorkommt. 4 5
Über dieses Herkunftsgebiet hinaus wurde die Kulturrebe auf allen Kontinenten mit gemäßigtem oder mediterranem Klima eingeführt, von Kalifornien über Südafrika bis Australien und Chile. Überall benötigt sie durchlässigen, eher kalkhaltigen Boden und volle Sonne, ohne die ihre Trauben nicht ausreifen. Relativ trockene Luft mit 30 bis 60 % Luftfeuchtigkeit begrenzt zudem Falschen und Echten Mehltau, zwei durch stagnierende Feuchtigkeit geförderte Pilzkrankheiten. 4 5
Lebenszyklus und Vermehrung
Sobald die Temperaturen im Frühjahr dauerhaft 10 °C überschreiten, beginnen die Knospen auszutreiben. Im Mai oder Juni folgt die Blüte. Bei 15 bis 30 °C bleibt das Wachstum anschließend aktiv. Kälte oder Regen während der Blüte verursachen bisweilen Millerandage: Wegen mangelhafter Befruchtung bleiben kleine kernlose Beeren neben normalen Beeren an derselben Traube zurück. 3 2
Die Beerenreife, mit dem als Véraison bezeichneten Reifebeginn, erstreckt sich über den Sommer bis zur Herbstlese. Unveredelte Reben lassen sich aus ausgereiftem Holz durch Stecklinge vermehren. Die meisten Weinberge nutzen jedoch die Veredelung auf resistente amerikanische Unterlagen, die nach der Reblauskrise zur Regel wurde. 4
Ausgereiftes Holz übersteht Fröste bis -20 °C, doch die jungen Triebe nach dem Knospenaufbruch erfrieren schon beim ersten späten Frühlingsfrost. In frostgefährdeten Gebieten schneiden einige Winzer daher später als üblich. Der Schnitt verzögert den Austrieb um einige Tage, sodass die Gefahrenzeit verstreichen kann. 2
Verwendung und Risiken
Der Anbau dient vor allem der Erzeugung von Keltertrauben, Tafeltrauben und Rosinen. Daneben werden Traubenkernöl und junge Blätter für die Küche genutzt. Für Menschen ist keine Giftigkeit der reifen Früchte bekannt. 5 4
Bei Hunden verursachen frische Weintrauben ebenso wie Rosinen dagegen akutes Nierenversagen. Den zugrunde liegenden toxischen Mechanismus hat die veterinärmedizinische Forschung noch nicht isoliert. Die ASPCA empfiehlt, jeden versehentlichen Zugang von Hunden zu heruntergefallenen Trauben oder Leseresten zu verhindern. 6
Ende des 19. Jahrhunderts zerstörte die Reblaus den größten Teil der europäischen Weinberge, indem sie die Wurzeln nicht resistenter Rebsorten befiel. Die systematische Veredelung auf amerikanische Unterlagen ermöglichte den Wiederaufbau. In den meisten Weinbaugebieten bleibt sie bis heute der maßgebliche Schutz. 4 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Zwischen 5.000 und 10.000 Rebsorten von Vitis vinifera sind erfasst, doch nur ein kleiner Anteil ist wirtschaftlich bedeutsam. Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Merlot zählen zu den verbreitetsten. Aus dem älteren und genetisch instabileren Pinot Noir gingen zahlreiche Klone hervor. Die kernlose Sultanine zeigt dagegen die gezielte Auswahl für Tafeltrauben, die getrocknet werden. 2 8
Besonders leicht entsteht eine Verwechslung mit Wildem Wein der Gattung Parthenocissus. Seine Ranken enden in Haftscheiben, und seine Beeren sind ungenießbar. Vitis vinifera hält sich dagegen durch einfaches Umschlingen fest. Regional kann außerdem die wilde Weinrebe mit den unmittelbar aus ihr hervorgegangenen Kultursorten verwechselt werden. 7
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Vitis vinifera L.
- Royal Horticultural Society, Vitis vinifera, Weinrebe
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Vitis vinifera
- NC State Extension, Vitis vinifera, Pflanzenprofil
- Plants For A Future, Vitis vinifera
- ASPCA Animal Poison Control, Giftigkeit von Weintrauben und Rosinen
- INPN / MNHN, Artprofil Vitis vinifera L.
- Tela Botanica, BDTFX-Referenzverzeichnis, Vitis vinifera L.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Europäische Weinrebe für Hunde giftig?
Frische Weintrauben und Rosinen sind nachweislich für Hunde giftig und bergen das Risiko eines akuten Nierenversagens. Der genaue Mechanismus bleibt unbekannt. Die ASPCA empfiehlt, jede versehentliche Aufnahme durch Hunde zu verhindern.
Warum bleiben manche Weinbeeren winzig?
Dieses als Millerandage bezeichnete Phänomen entsteht bei unvollständiger Befruchtung während der Blüte. Dadurch stehen kleine, kernlose Beeren neben normal entwickelten Beeren an derselben Traube.
Muss eine Weinrebe unbedingt veredelt werden?
In den meisten traditionellen Weinbaugebieten ja. Die Reblaus zerstört die Wurzeln nicht resistenter Sorten. Die Veredelung auf amerikanische Unterlagen bleibt der zuverlässigste Schutz.
Wie unterscheidet sich die Europäische Weinrebe vom Wilden Wein?
Wilder Wein der Gattung Parthenocissus klettert mit Ranken, die in Haftscheiben enden, und trägt ungenießbare Beeren. Vitis vinifera hält sich dagegen durch einfaches Umschlingen fest und bildet Weintrauben.
Warum trägt eine junge Weinrebe im ersten Jahr keine Trauben?
Die ersten Jahre dienen der Ausbildung von Stamm und Gerüst. Zu früh erscheinende Trauben werden häufig entfernt, um die Pflanze vor Beginn der Ertragsphase zu kräftigen.
Woher stammt die kultivierte Weinrebe?
Ihr wilder Vorfahr, subsp. sylvestris, wächst noch im Kaukasus und im Nahen Osten. Bei der Domestikation wurden Pflanzen mit zwittrigen Blüten ausgewählt, deren Fruchtbildung verlässlicher ist als bei der zweihäusigen Wildform.
Wie viele Sorten von Vitis vinifera gibt es?
Zwischen 5.000 und 10.000 Sorten sind erfasst. Nur ein kleiner Teil besitzt jedoch größere wirtschaftliche Bedeutung für Wein oder Tafeltrauben.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







