Meerrettich (Armoracia rusticana, G.Gaertn., B.Mey. & Scherb. 1800)

Meerrettich (Armoracia rusticana) ist eine krautige Staude aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), die aus Südosteuropa und Westasien stammt. Seine fleischige weiße Pfahlwurzel wird erst beim Schneiden oder Reiben scharf, wenn ein Enzym reizende schwefelhaltige Öle freisetzt. Seit Jahrhunderten wegen der Wurzel und der jungen Blätter angebaut, hat sich die Pflanze auf fast allen Kontinenten eingebürgert. Sie vermehrt sich überwiegend durch Wurzelstücke, da die meisten Kulturformen nur wenige keimfähige Samen bilden.

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Wissenschaftlicher NameArmoracia rusticana
GattungArmoracia
OrdnungBrassicales

Meerrettich, Kren, Beißwurzel, Pferderettich, Meer-Rettich und Horseradish

Identität
Toxizität
Vorsicht beim Verzehr
Pflegeaufwand
Mäßig
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
UkraineRussland
Lebensraum
Brachen, Gewässerufer und Feldränder der gemäßigten Zone; weit außerhalb des Ursprungsgebiets eingebürgert
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommer
Erntezeit
HerbstWinter
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
7/10
Reifezeit
Wurzel ab dem ersten Jahr erntbar, nach einem Kulturjahr voll entwickelt
Vermehrung
Wurzelsteckling, Teilung
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, biegsames Laub wenig windempfindlich
Luftfeuchtigkeit
40–70 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Reicher Boden, Tiefer Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Volle Sonne bis leichter Halbschatten
Außenbereich
Gemüsegarten, Gartenbeet
Pflanzgefäße
Großes Becken
Erscheinungsbild
Höhe60–150 cmBreite60–90 cm
Blätter
Grün
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
Weiß
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
Grün
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Meerrettich (Armoracia rusticana): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Armoracia rusticana liegt in Südosteuropa und Westasien, von der südlichen Ukraine bis ins südliche europäische Russland. Seit Jahrhunderten wegen seiner Wurzel angebaut, hat sich Meerrettich weit darüber hinaus in Westeuropa, Nordamerika und Ostasien eingebürgert. Natürliche Vorkommen sind deshalb von Kulturpflanzen und aus Gärten verwilderten Beständen zu unterscheiden.

  • Heimisch2
  • Eingeführt2
  • Ukraine
  • Russland
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Meerrettich (Armoracia rusticana G.Gaertn., B.Mey. & Scherb., 1800), auch Kren genannt, ist eine krautige Staude der Gattung Armoracia aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Seine fleischige weiße Pfahlwurzel erreicht 60 cm Länge und etwa 5 cm Durchmesser. Frisch gerieben setzt sie die charakteristische Schärfe frei, wegen der die Art hauptsächlich angebaut wird. 4 1

Der französische Name raifort geht auf die altfranzösische Verbindung raiz forz, wörtlich „starke Wurzel“, zurück, mit den lateinischen Wurzeln radix und fortis. Ähnlich beschreibt das englische horseradish eine größere und gröbere Form als den gewöhnlichen Rettich: Der Bestandteil horse- weist hier nicht auf eine tiermedizinische Verwendung hin. Diese Wortgeschichten erklären fremdsprachige Namen, nicht die Herkunft des deutschen Namens. 6

Erkennung

Eine Rosette großer Blätter prägt den Meerrettich bereits vor der Blüte. Die glänzenden, gewellten und gezähnten Blätter erinnern an Sauerampfer oder andere Ampferarten und können länger als 50 cm werden. Ausgewachsene Pflanzen erreichen gewöhnlich 60 cm bis 1,5 m Höhe und 60 bis 90 cm Breite. Ihr sich seitlich ausbreitendes Wurzelsystem reicht deutlich über das von oben sichtbare Laub hinaus. 6 5

Kleine weiße Blüten mit vier Kronblättern stehen im späten Frühjahr und Sommer in aufrechten Trauben. Gegenüber dem kräftigen Laub fallen sie wenig auf. Die Kulturpflanze bildet selten keimfähige Samen, weil die meisten modernen Formen steril oder nur schwach fruchtbar sind. Ihre Vermehrung erfolgt daher fast ausschließlich durch Wurzelstücke, eine wichtige Eigenschaft auch außerhalb der Blütezeit. 4 5

In einer unversehrten Wurzel ist die typische Schärfe noch nicht vorhanden. Erst verletztes, geschnittenes oder geriebenes Gewebe setzt ein Enzym frei. Bei Luftkontakt wandelt es geruchlose Schwefelverbindungen in reizende flüchtige Öle um. Das erklärt den deutlichen Unterschied zwischen der intakten Wurzel und frisch geriebenem Meerrettich. 4

Nützliche Taxonomie

Unter dem Namen Armoracia rusticana G.Gaertn., B.Mey. & Scherb. führt POWO/WCVP die Art als akzeptiert. Die Veröffentlichung stammt von 1800 und beruht auf dem Basionym Cochlearia armoracia L. von 1753. Vor der Festigung der heutigen Zuordnung wurden verschiedene konkurrierende Gattungsnamen verwendet:

  • Cochlearia armoracia L., ursprünglicher Name
  • Nasturtium armoracia (L.) Fr., historisches Synonym
  • Rorippa armoracia (L.) Hitchc., historisches Synonym
  • Armoracia armoracia (L.) Cockerell ex Daniels, historischer Name
  • Cochlearia rusticana Lam., zugeordneter Name
  • Armoracia rustica Schur, zugeordneter Name

Zur Familie der Brassicaceae gehören auch Kohl, Senf, Rettich und Raps. Meerrettich teilt mit ihnen eine Abwehrchemie auf Grundlage von Glucosinolaten, deren Spaltung nach einer Gewebeverletzung eine vergleichbare Schärfe erzeugt. Er bleibt dennoch eine eigenständige Art; wirtschaftlich bedeutende Kreuzungen mit diesen verwandten Gemüsepflanzen sind nicht üblich. 1 8

Lebensraum und Verbreitung

Südosteuropa und Westasien bilden das natürliche Herkunftsgebiet des Meerrettichs. Es reicht von der südlichen Ukraine bis in den südlichen Teil des europäischen Russlands. Dieses Ursprungsgebiet ist von den zahlreichen späteren Kultur- und Verwilderungsgebieten zu unterscheiden. 8

Jahrhundertelanger Anbau wegen der Wurzel hat die Art weit über ihre Heimat hinausgebracht. Eingebürgerte Bestände finden sich in Westeuropa, Russland, China, Japan, Neuseeland und Nordamerika. Dort erstrecken sich die Vorkommen von Kanada bis in den Südwesten der Vereinigten Staaten. Die heutige weite Verbreitung allein sagt folglich wenig über die ursprüngliche Heimat aus. 8

In den Vereinigten Staaten entwickelte sich die gewerbliche Produktion seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Mittleren Westen. Nach der zitierten Darstellung werden im Land jährlich etwa 24 Millionen Pfund, also knapp 11.000 Tonnen, Wurzeln erzeugt, überwiegend in Illinois. 7

Lebenszyklus und Vermehrung

Aufrechte Blütentriebe tragen im späten Frühjahr und Sommer kleine weiße Blüten. Da reichlich keimfähiges Saatgut meist fehlt, beruhen Erwerbsanbau und Vermehrung im Garten auf Wurzelstücken. Sie werden im Frühjahr schräg mit etwa 12 bis 15 cm Abstand gepflanzt. Diese vegetative Methode nutzt die ausgeprägte Fähigkeit der Wurzeln, erneut auszutreiben. 7 4

Das stärkste Wurzelwachstum liegt im späten Sommer und frühen Herbst. In dieser kühleren Zeit werden Stärke und Schärfe konzentriert. Geerntet wird im Herbst oder Winter, nach den ersten Frösten, die den Geschmack verbessern. Im Boden belassene Wurzeln können während des ganzen Winters geerntet werden. 3 6

Schon das kleinste im Boden vergessene Wurzelstück kann wieder austreiben. Einmal etablierter Meerrettich lässt sich deshalb kaum vollständig beseitigen. Was für den Erzeuger die einfache Weitervermehrung ermöglicht, erschwert im Garten die Begrenzung eines Bestandes auf die gewünschte Fläche. 4

Nutzen und Risiken

Frisch geriebene Wurzeln dienen vor allem als scharfes, beißendes Küchengewürz. Meerrettichsauce wird zu Fleisch, geräuchertem Fisch und hart gekochten Eiern gereicht oder in Salatsaucen verarbeitet. Auch die jungen Blätter sind essbar, roh im Salat oder gekocht als Gemüse. Ihre Verwendung ergänzt die bekanntere Nutzung der Wurzel. 4

Für Katzen, Hunde und Menschen wird Meerrettich nicht als giftig eingestuft. Große Mengen können durch die flüchtigen schwefelhaltigen Öle jedoch Schleimhäute des Verdauungs- und Atemtrakts reizen. Schwangere, Stillende und Personen mit Schilddrüsen-, Nieren- oder Magenbeschwerden sollten die verzehrte Menge begrenzen. Die übliche Nutzung als Würze ist von einer hohen Aufnahme zu unterscheiden. 4

In der jüdischen Tradition gehört Meerrettich zu den bitteren Kräutern, dem Maror, beim Pessachmahl. Dabei erinnert seine Bitterkeit symbolisch an die Härte der Versklavung in Ägypten.

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Zwei historische Linien prägen das gärtnerische Sortiment: Die Bohemian genannte, glattblättrige Linie überwiegt heute in der nordamerikanischen Produktion. Die ältere Linie mit gekräuselten Blättern, oft als Maliner Kren bezeichnet, ist krankheitsanfälliger, wird aber weiterhin wegen ihres Geschmacks angebaut. Als Zierpflanze wird außerdem die weiß panaschierte Form Variegata angeboten. 6

Besonders häufig wird Meerrettich mit japanischem Wasabi, Eutrema japonicum, verwechselt. Auch dieser Kreuzblütler besitzt eine ähnliche Schärfechemie, ist aber erheblich anspruchsvoller und teurer im Anbau. Wegen der unzureichenden Produktion des echten Wasabis besteht ein großer Teil der außerhalb Japans unter diesem Namen verkauften grünen Paste aus gefärbtem Meerrettich. 8

Vor der Blüte kann das Laub an Klette (Arctium) oder Ampfer (Rumex) erinnern. Deren Wurzeln werden als braun, faserig und geschmacklich fade beschrieben. Die weiße, fleischige Wurzel des Meerrettichs und die erst beim Brechen oder Reiben freiwerdende kräftige Schärfe sind die entscheidenden Unterscheidungsmerkmale.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Meerrettich dieselbe Pflanze wie Wasabi?

Nein. Japanischer Wasabi, Eutrema japonicum, gehört ebenfalls zu den Kreuzblütengewächsen und besitzt eine ähnliche Schärfechemie, ist im Anbau jedoch erheblich anspruchsvoller und teurer. Ein großer Teil der außerhalb Japans als Wasabi angebotenen grünen Paste besteht aus gefärbtem Meerrettich, weil echter Wasabi nicht in ausreichender Menge erzeugt wird.

Ist Meerrettich für Katzen und Hunde giftig?

Meerrettich wird weder für Haustiere noch für Menschen als giftig eingestuft. Große Mengen können durch seine flüchtigen schwefelhaltigen Öle jedoch die Schleimhäute des Verdauungstrakts reizen.

Warum verliert Meerrettich beim Kochen seine Schärfe?

Die Schärfe entsteht durch eine Enzymreaktion, sobald das Gewebe verletzt wird. Hitze zerstört das beteiligte Enzym, bevor es wirken kann. Deshalb verliert die gekochte Wurzel rasch ihren scharfen Charakter.

Kann man Meerrettichblätter essen?

Ja. Junge Blätter werden roh als Salat oder gekocht als Gemüse gegessen. Sie schmecken milder und weniger scharf als die Wurzel.

Kann Meerrettich im Garten wuchern?

Ja. Schon ein kleines im Boden verbliebenes Wurzelstück treibt leicht wieder aus. Ein etablierter Bestand lässt sich deshalb schwer entfernen. Ein großer Kübel oder eine Begrenzung des Wurzelraums vermindert dieses Risiko.

Wie vermehrt man Meerrettich?

Durch Wurzelstücke, die im Frühjahr schräg gepflanzt werden, statt durch Aussaat. Kultivierter Meerrettich bildet nur wenige keimfähige Samen, weshalb die vegetative Vermehrung wesentlich zuverlässiger ist.

Woher kommt der französische Name raifort?

Er stammt aus dem Altfranzösischen: raifort ist eine Zusammenziehung von raiz forz, starke Wurzel. Der Name beschreibt unmittelbar die kräftige Wirkung der geernteten Wurzel.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.