Pfahlrohr (Arundo donax, )
Pfahlrohr (Arundo donax) ist ein ausdauerndes Riesengras der Poaceae mit Rhizomstock und aufrechten, an Bambus erinnernden Halmen. Es wird als Windschutz und zur Herstellung von Klarinettenblättern kultiviert. Außerhalb seines natürlichen Areals zählt es laut IUCN zu den 100 problematischsten invasiven Arten der Welt.
WeiterlesenPfahlrohr, Riesenschilf und Spanisches Rohr
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Arundo donax ist umstritten. Neuere genetische Daten deuten auf einen asiatischen oder nahöstlichen Ursprung mit Ausbreitung in den Mittelmeerraum bereits in der Antike hin. Dadurch lassen sich natürliche und seit Langem eingeführte Vorkommen schwer trennen. Außerhalb dieses weiten Areals ist die Art heute in fast allen warmen Regionen angepflanzt und häufig eingebürgert. Sie zählt zu den 100 schädlichsten invasiven Arten weltweit.
- Heimisch2
- Invasiv6
- Naher Osten
- Mittelmeerraum
- Kalifornien
- Texas
- Australien
- Neuseeland
- Neukaledonien
- Kanarische Inseln
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Pfahlrohr (Arundo donax L., 1753), auch Riesenschilf oder Spanisches Rohr, ist ein ausdauerndes Riesengras der Gattung Arundo in der Familie der Poaceae. Das lateinische arundo bezeichnete bereits in der Antike ein Schilfrohr. Das Artepitheton donax stammt aus einem altgriechischen Wort für ein kräftiges Rohr. 1 2
Seine hohlen, knotigen Halme können über 8 m hoch werden und erinnern an Bambus. Pfahlrohr gehört jedoch zur Unterfamilie Arundinoideae, Bambusse zu den Bambusoideae; eine unmittelbare botanische Verwandtschaft besteht nicht. Der französische Name „canne de Provence“ verweist auf die alte und bis heute betriebene Kultur im Département Var, wo die Halme für Blätter von Blasinstrumenten geerntet werden. 3
Erkennung
Aufrechte Halme von Arundo donax erreichen gewöhnlich 3 bis 6 m, an günstigen warmen Standorten nahe Wasser manchmal mehr als 8 m. Die breiten, graugrünen Blätter sind bogenförmig gebogen und stehen zweizeilig entlang des gesamten Halms. Damit unterscheiden sie sich vom feineren Laub des Schilfrohrs (Phragmites australis). 3 2
Während der warmen Hauptwachstumszeit kann der tägliche Zuwachs fast 10 cm betragen. Das gehört zu den höchsten bekannten Wachstumsraten einer Landpflanze. Wenn die Art blüht, erscheint in den wärmsten Regionen im Spätsommer eine endständige, fedrige Rispe von 40 bis 60 cm Länge, blassgrün bis violett gefärbt. 5
Taxonomie und Namen
Der von POWO akzeptierte Name lautet Arundo donax L.; veröffentlicht wurde er 1753. Mehrere historische Varietäten und Formen werden noch im Gartenbau und in älterer Literatur genannt:
- Arundo donax var. versicolor (Mill.) Aiton (historischer botanischer Name)
- Arundo donax f. versicolor (Mill.) Beetle (historischer botanischer Name)
- Arundo donax subsp. plinii (Turra) Mateo & Figuerola (historischer botanischer Name)
- Arundo donax var. angustifolia Döll (historischer botanischer Name)
Besonders versicolor führt im Pflanzenhandel zu Verwechslungen. Der Name steht sowohl für ein altes botanisches Synonym als auch für die Handelsbezeichnung des panaschierten Kultivars Variegata. Beide Verwendungen bezeichnen nicht immer genau dieselbe Pflanze. 1
Lebensraum und Verbreitung
Über die natürliche Herkunft von Arundo donax besteht weiterhin Uneinigkeit. Neuere genetische Untersuchungen deuten auf den Nahen Osten oder Asien hin. Eine Verbreitung in den Mittelmeerraum bereits in der Antike erschwert die Trennung zwischen ursprünglichen Vorkommen und seit Langem eingeführten Beständen. 2 8
Bevorzugte Wuchsorte sind Flussufer, feuchte Gräben und gestörte Böden. Dort dringt der faserige Rhizomstock bis 1 m tief in den Boden ein. Außerhalb dieses weiten Ursprungsgebiets ist die Pflanze inzwischen in fast allen warmen Regionen der Erde etabliert. Die IUCN zählt sie zu den 100 schädlichsten invasiven Arten weltweit. 6 5
In Kalifornien, Australien und Neuseeland verdrängen dichte, gleichförmige Bestände die örtliche Ufervegetation. Solche Bestände verringern außerdem die Beschattung der Gewässer und erhöhen in trockenem Klima die Menge brennbaren Materials. 7 5
Lebenszyklus und Vermehrung
Natürliche Vermehrung durch Samen ist selten. Die meisten Populationen bilden kaum oder gar nicht keimfähige Samen, was mit einer gestörten Teilung der Megasporenmutterzelle zusammenhängt. Die Ausbreitung erfolgt deshalb fast immer vegetativ: Rhizomstücke oder knotentragende Halmstücke werden durch Hochwasser oder Erdbewegungen verfrachtet. 5 7
Schon ein wenige Zentimeter langes Rhizomstück mit einem einzigen Knoten kann innerhalb weniger Wochen einen vollständigen Horst bilden. Das erklärt die rasche Besiedlung vieler Flussufer. Dieselbe Regenerationsfähigkeit erschwert die mechanische Bekämpfung: Bleiben nach dem Zerkleinern Rhizomstücke zurück, treiben sie erneut aus. 5
Bei kontrollierter Kultur vermehrt man Pfahlrohr durch Rhizomteilung oder Halmstecklinge mit Knoten. Sie werden im Frühjahr unmittelbar in frischen Boden gesetzt. 4
Nutzen und Risiken
Die bekannteste Nutzung ist die Herstellung von Blättern für Klarinette, Saxofon und Oboe. Kieselsäurereiche Halme widerstehen Biegung besser als die des Schilfrohrs und schwingen gleichmäßig im Luftstrom. Der Anbau im Département Var liefert weiterhin den Großteil der weltweit verwendeten Instrumentenblätter. 3 2
Daneben dient die Pflanze als Windschutz, als dichter Sichtschutz im Garten und historisch als geflochtener Putzträger im traditionellen mediterranen Bauwesen. Untersucht wird sie auch als Energiepflanze zur Biomassegewinnung, die ohne Bewässerung und Düngung auf Böden angebaut wird, die für andere Kulturen zu arm sind. 4
Eine Giftwirkung beim Verschlucken ist für Menschen, Katzen und Hunde nicht dokumentiert. Ein belegtes Risiko ist dagegen die unkontrollierte Ausbreitung. Deshalb ist das Anpflanzen in mehreren Gebieten, etwa Neukaledonien und auf den Kanarischen Inseln, verboten. Im europäischen Frankreich ist die Art hingegen nicht reglementiert; örtliche Regelungen müssen jeweils gesondert beachtet werden. 6
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Mit cremeweiß gestreiften Blättern ist Variegata der im Gartenhandel häufigste Zierkultivar. Er wächst deutlich schwächer als die Wildform, was sein Invasionspotenzial im Freiland begrenzt. Vor dem Pflanzen sind vor allem eine 60–80 cm tief eingebaute Rhizomsperre und die örtlichen Vorschriften zu prüfen. Diese können außerhalb des europäischen Frankreichs strenger sein. 5
Verwechslungen treten besonders mit folgenden Pflanzen auf:
- Phragmites australis, feiner, biegsamer und an dauerhaft überflutete Bereiche gebunden;
- Saccharum ravennae, mit silbrigerer Rispe und weniger verholzten Halmen;
- einige große Zierbambusse, trotz fehlender unmittelbarer botanischer Verwandtschaft.
Verholzte Halme mit zweizeilig angeordneten Blättern und ein Rhizomstock, der aus einem kleinen Fragment erneut austreibt, ermöglichen im Gelände die Abgrenzung von Arundo donax gegenüber diesen ähnlichen Pflanzen.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Arundo donax L.
- Encyclopaedia Britannica, Giant reed
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Arundo donax
- Plants For A Future, Arundo donax
- California Invasive Plant Council, Arundo donax, Artprofil
- IUCN Invasive Species Specialist Group, Global Invasive Species Database — Arundo donax
- US Forest Service, Fire Effects Information System, Arundo donax
- Global Biodiversity Information Facility, Arundo donax L.
Häufig gestellte Fragen
Ist Pfahlrohr in Frankreich invasiv?
Im europäischen Frankreich ist Pfahlrohr nicht reglementiert und wird seit Langem kultiviert. In mehreren anderen Gebieten, etwa Neukaledonien und auf den Kanarischen Inseln, ist das Anpflanzen verboten, weil es Ufer aggressiv besiedelt.
Ist Pfahlrohr ein Bambus?
Nein. Seine hohlen, knotigen Halme erinnern an Bambus, doch Arundo donax gehört zur Unterfamilie Arundinoideae der Poaceae. Bambusse stehen in der eigenständigen Unterfamilie Bambusoideae und sind nicht unmittelbar mit ihm verwandt.
Warum verwendet man Pfahlrohr für Klarinettenblätter?
Die kieselsäurereichen Halme bieten die gesuchte Verbindung aus Steifigkeit und Elastizität. Die eigens dafür angelegten Kulturen im Département Var liefern weiterhin den Großteil der weltweit verwendeten Blätter für Klarinette, Saxofon und Oboe.
Wie lässt sich die Ausbreitung von Pfahlrohr im Garten begrenzen?
Eine vor dem Pflanzen 60–80 cm tief eingebaute Rhizomsperre oder die Kultur in einem großen Kübel begrenzt die Ausbreitung. Ohne solche Maßnahmen kann bereits ein bei Hochwasser verdriftetes Rhizomstück flussabwärts einen neuen Bestand bilden.
Blüht Pfahlrohr tatsächlich?
Ja, doch je nach Population sind die Samen selten keimfähig. Die fedrige Rispe im Spätsommer hat vor allem Zierwert. Die Ausbreitung erfolgt fast immer über Rhizomstücke statt durch natürliche Aussaat.
Ist Pfahlrohr für Katzen und Hunde giftig?
Eine Giftwirkung beim Verschlucken ist für Katzen, Hunde oder Menschen nicht dokumentiert. Die fein rauen Blattränder können allerdings bei kräftiger Berührung die Haut reizen.
Wie unterscheiden sich Arundo donax und Phragmites australis?
Arundo donax besitzt dickere, höhere und deutlich steifere Halme sowie breitere, zweizeilig angeordnete Blätter. Phragmites australis ist feiner und biegsamer und besiedelt häufiger dauerhaft überflutete Bereiche als gestörte Ufer.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.



