Koloquinte (Citrullus colocynthis, )
Die Koloquinte (Citrullus colocynthis (L.) Schrad., 1838) ist ein ausdauerndes Kürbisgewächs der Wüste. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum, der Levante und Westasien und reicht in ihrer Verbreitung bis Pakistan und Indien. An kriechenden Trieben wachsen kugelige Früchte, die reif gelbgrün marmoriert sind. Ihr äußerst bitteres, giftiges Fruchtfleisch wurde trotz der Gefahr für Menschen und Vieh lange als Abführmittel gesammelt.
WeiterlesenKoloquinte, Bitter apple, Colocynth und Wild gourd
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Citrullus colocynthis umfasst den Mittelmeerraum, die Levante, die Türkei und Nubien und reicht durch die Sahara, Nordostafrika und Arabien bis Pakistan und Indien. Weit darüber hinaus eingeführt, hat sich die Art in mehreren trockenen Weltregionen eingebürgert, darunter Australien, wo sie zu den überwachten Unkräutern zählt.
- Heimisch6
- Eingeführt1
- Invasiv1
- Ägypten
- Libyen
- Türkei
- Saudi-Arabien
- Indien
- Pakistan
- Vereinigte Staaten
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Koloquinte (Citrullus colocynthis (L.) Schrad., 1838) ist ein ausdauerndes Kürbisgewächs (Cucurbitaceae) der Gattung Citrullus. Zunächst beschrieb Carl von Linné sie 1753 als Cucumis colocynthis. Heinrich Adolph Schrader stellte sie 1838 in die Gattung Citrullus, eine bis heute gültige Zuordnung. 1 5
Vom lateinischen colocynthis und dem altgriechischen kolokynthē leitet sich der Name Koloquinte ab; bereits in der Antike bezeichnete das Wort Kürbisgewächse mit runden, bitteren Früchten. Der englische Name bitter apple benennt eine entscheidende Eigenschaft: Anders als bei Wassermelonen oder Melonen wird das Fruchtfleisch auch vollreif niemals süß und ist roh ungenießbar. 2
Erkennung
Behaarte kriechende Triebe mit einfachen Ranken wachsen bei Citrullus colocynthis innerhalb einer Vegetationsperiode meist 2,4 bis 3 m weit. Die handförmig angeordneten und tief in 3 bis 7 Lappen geteilten Blätter erinnern stark an Kulturwassermelonen. Wer nur das Laub beurteilt, kann beide Pflanzen im vegetativen Stadium leicht verwechseln. 2 3
Bei den Früchten unterscheiden sich die Arten deutlich. Die Koloquinte ist einhäusig: Gelbe männliche und weibliche Einzelblüten entstehen getrennt auf derselben Pflanze. Ein Exemplar trägt häufig 15 bis 30 Früchte. Diese sind kugelig, glatt und 5 bis 10 cm groß; bei der Reife werden sie von grün zu gelb marmoriert. Das weiße, schwammige Fruchtfleisch enthält zahlreiche flache graue Samen von etwa 5 mm Länge. 2
Eine knollig verdickte Pfahlwurzel speichert unter dem Sand Wasser. Damit übersteht die Pflanze mehrere Jahre extremer Dürre, während einjährige Kürbisgewächse des Gartens ohne Wasser schon binnen Wochen eingehen. 2
Nützliche Taxonomie
Innerhalb der Cucurbitaceae führt Plants of the World Online den Namen Citrullus colocynthis (L.) Schrad. als akzeptiert. Die botanische Literatur nennt mehrere untergeordnete Taxa, die heute überwiegend als Synonyme behandelt werden: 1
- Citrullus colocynthis subsp. insipidus (Pangalo) Fursa – historischer Unterartname
- Citrullus colocynthis subsp. stenotomus (Pangalo) Fursa – historischer Unterartname
- Citrullus colocynthis var. wenderothii Alef. – historischer Varietätenname
Lange galt die Koloquinte als mögliche wilde Vorfahrin der Kulturwassermelone (Citrullus lanatus). Molekulare Analysen ordnen sie jedoch einer genetisch eigenständigen Klade zu, getrennt von der Wassermelone und deren nächsten wilden Verwandten. Wer in wilden Wassermelonen nach Resistenzgenen sucht, muss deshalb andere Arten berücksichtigen. 6 5
Lebensraum und Verbreitung
Ihr ursprüngliches Areal erstreckt sich vom Mittelmeerraum und der Levante bis zur Türkei und nach Nubien. Es reicht durch die Sahara, Nordostafrika und Arabien weiter bis Pakistan und Indien. 2 8
Als Standorte dienen Sandwüsten, ausgetrocknete Wadibetten, Brachflächen und Straßenränder zwischen Meereshöhe und 1 500 m. Die Art verträgt Jahresniederschläge von nur 250 mm und mittlere Temperaturen von 15 bis 28 °C; bereits leichter Frost zerstört sie jedoch. 3
Nach ihrer Einführung außerhalb des natürlichen Areals hat sich die Koloquinte in mehreren trockenen Weltregionen eingebürgert. In Australien gab es vor der Einführung keine Wildvorkommen. Heute wird sie in mehreren Bundesstaaten als Unkraut auf gestörten Flächen und an Straßenrändern erfasst. Ihr Status unterscheidet sich damit deutlich zwischen den Kontinenten. 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Während der warmen Jahreszeit öffnen sich gelbe eingeschlechtliche Blüten getrennt auf derselben Pflanze. Bestäubende Insekten ermöglichen die Fremdbefruchtung. Darauf folgt eine über mehrere Monate bis in den Herbst gestreckte Fruchtbildung. 2
Auf trockenem Wüstenboden keimen die Samen unregelmäßig. Kriechende Triebe bewurzeln sich bei Kontakt mit feuchtem Sand häufig wirksamer, als sich die Art durch Samen ausbreitet. In Kultur gelingt die Direktsaat dagegen leicht, sobald genügend Wärme und Feuchtigkeit vorhanden sind. 7
Nutzen und Risiken
Die getrocknete, von Samen befreite Frucht liefert die pflanzliche Droge Koloquinte als pflanzliche Droge, die seit der Antike als drastisches Abführmittel verwendet wurde. Diese Nutzung ist gefährlich: Die US-amerikanische FDA verbot den Verkauf in den Vereinigten Staaten 1991, nachdem bereits anderthalb Löffel Pulver tödliche Vergiftungen verursacht hatten. 4
Sämtliche Pflanzenteile enthalten Cucurbitacine. Diese Triterpene verursachen Bitterkeit und Giftwirkung. Bei Vieh führt eine Vergiftung zu Durchfall, Koliken sowie Leber- und Nierenschäden. Versuche zeigten, dass schon tägliche Gaben von 0,5 bis 10 g getrockneter Pflanze je kg Lebendgewicht eine Ziege innerhalb von ein bis zwei Wochen töten können. 3
Vom Fruchtfleisch getrennte und sorgfältig gekochte Samen weisen diese Giftigkeit nicht auf. Sie liefern ein lokal für Beleuchtung, Seife oder begrenzt auch als Tierfutter verwendetes Öl. Archäologische Funde etwa 3 800 Jahre alter Samen an ägyptischen und nahöstlichen Fundstätten belegen eine lange Nutzung durch Menschen, deren Anfänge bis ins Neolithikum zurückreichen. 7 2
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Anerkannte gärtnerische Sorten gibt es bei der Koloquinte nicht. Anders als die Wassermelone wurde sie nie für den unmittelbaren Fruchtverzehr selektiert. Ihr Anbau bleibt auf agronomische und pharmakologische Forschung beschränkt. 6
Häufige Verwechslungspartnerin ist die Kulturwassermelone (Citrullus lanatus), deren Jungpflanzen einen sehr ähnlichen Wuchs und ähnliches Laub besitzen. Erst die reife Frucht unterscheidet beide eindeutig: Bei der Koloquinte wird sie höchstens 10 cm groß und bleibt ungenießbar bitter, während Wassermelonen deutlich größer werden und vollreif süß schmecken. 2 Der französische Name „concombre amer“, sinngemäß Bittergurke, kann außerdem zu einer Verwechslung mit Ecballium elaterium, der Spritzgurke, führen. Auch sie ist ein giftiges Kürbisgewächs, gehört jedoch einer ganz anderen Gattung an und besitzt Früchte, die ihre Samen herausschleudern. 5
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Citrullus colocynthis (L.) Schrad.
- Plants For A Future, Citrullus colocynthis
- Feedipedia, Koloquinte (Citrullus colocynthis)
- PMC, Citrullus colocynthis (L.) Schrad. – potenzielle pharmazeutische Ressource
- Integrated Taxonomic Information System, Citrullus colocynthis (L.) Schrad.
- Journal of the American Society for Horticultural Science, genetische Vielfalt der Wüstenmelone Citrullus colocynthis
- Purdue University NewCROP, Citrullus colocynthis
- GBIF, Citrullus colocynthis (L.) Schrad.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Koloquinte dasselbe wie eine Wassermelone?
Nein. Citrullus colocynthis und die Kulturwassermelone (Citrullus lanatus) gehören derselben Gattung an, sind aber genetisch getrennte Arten. Das Laub ähnelt sich; die reife Koloquintenfrucht bleibt jedoch klein und äußerst bitter.
Ist die Koloquinte essbar?
Fruchtfleisch und rohe Samen sind giftig. Nur die vom Fruchtfleisch getrennten und sorgfältig gekochten Samen werden in manchen Regionen traditionell gegessen. Die ganze Frucht darf niemals probiert werden.
Ist die Koloquinte für Katzen und Hunde giftig?
Ja. Die gesamte Pflanze enthält Cucurbitacine, die für Haustiere und Vieh giftig sind. Nach dem Verschlucken können Erbrechen, Durchfall und weitere Verdauungsstörungen auftreten.
Woher stammt der Name Koloquinte?
Er geht auf das lateinische colocynthis und davor das altgriechische kolokynthē zurück. Damit bezeichnete man bereits lange vor der modernen botanischen Beschreibung Kürbisgewächse mit runden, bitteren Früchten.
Ist die Koloquinte die wilde Vorfahrin der Kulturwassermelone?
Nein. Diese lange vertretene Annahme gilt als überholt. Innerhalb der Gattung Citrullus gehört die Koloquinte einer genetisch eigenständigen Linie an, getrennt von der Gruppe der Kulturwassermelone und ihrer engsten wilden Verwandten.
Kann die Koloquinte mit der Spritzgurke verwechselt werden?
Der französische Name „concombre amer“, also Bittergurke, kann zu Verwechslungen mit Ecballium elaterium führen. Die Spritzgurke ist ebenfalls ein giftiges Kürbisgewächs, schleudert ihre Samen jedoch aus der Frucht und gehört einer völlig anderen Gattung an.
Warum ist die Koloquinte in den USA als Arzneimittel verboten?
Die US-amerikanische FDA verbot ihren Verkauf 1991 nach mehreren schweren Vergiftungen durch die Verwendung als Abführmittel. Bereits die Einnahme von anderthalb Löffeln Pulver hatte Todesfälle verursacht.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







