Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens, )
Die Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens) ist ein immergrüner Nadelbaum der Cupressaceae aus dem östlichen Mittelmeerraum und Iran. Ihre schmale Säulenform prägt die Provence, die Toskana und weitere Mittelmeerlandschaften; die ausladende Wildform bleibt außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets selten.
WeiterlesenMittelmeer-Zypresse, Echte Zypresse, Italienische Zypresse, Säulen-Zypresse, Italian cypress und Mediterranean cypress
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Taken Jan 1, 1800 by Tela Botanica − Thierry Pernot (cc-by-sa)
Taken Jan 2, 2017 by Yoan MARTIN (cc-by-sa)
Taken Jul 25, 2017 by Rocío Pérez (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal reicht vom östlichen Mittelmeerraum bis Iran, von Kreta und Zypern über den Libanon, Syrien und Israel. Seit der Antike wird die Art im gesamten Mittelmeerraum kultiviert und dort oft für heimisch gehalten. Später wurde sie in vergleichbaren Klimaten mit trockenen Sommern eingeführt, etwa in Kalifornien, Australien, Südafrika und Madagaskar.
- Heimisch5
- Griechenland
- Zypern
- Türkei
- Libanon
- Iran
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens L., 1753), auch Echte Zypresse oder Italienische Zypresse, ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Gattung Cupressus innerhalb der Cupressaceae. Linné beschrieb sie 1753. Das Artepitheton sempervirens, „immergrün“, bezieht sich auf die Schuppenblätter, die im Sommer wie im Winter dunkelgrün bleiben. 1
Beim Zerreiben eines Zweigs fällt ein ungewöhnliches Merkmal auf: Das schuppenförmige Laub riecht nahezu nicht, während Cupressus arizonica sofort einen zitronigen Duft freisetzt. Die Art besitzt zwei Wuchsformen: die ausladende Wildform mit waagerechten Ästen und die schmale Säulen-Zypresse, die heute in mediterranen Landschaften am häufigsten gepflanzt wird. 6 2
Erkennung
Gut besonnte Exemplare von Cupressus sempervirens erreichen ausgewachsen meist 12 bis 25 m, ausnahmsweise bis 35 m Höhe. Junge Bäume wachsen rasch; nach 20 bis 50 Jahren, wenn die ausgewachsene Form erreicht ist, lässt das Wachstum stark nach. 2 4
Die im Handel vorherrschende Säulenform bleibt mit 1 bis 4 m Breite vergleichsweise schmal. Die Wildform horizontalis beansprucht mit ihren ausgebreiteten Ästen erheblich mehr Platz. Ihre graubraune, fein rissige Rinde löst sich im Alter in länglichen Streifen. 3
Männliche und weibliche Zapfen sitzen auf demselben Baum: Die Art ist einhäusig. Die winzigen männlichen Zapfen von 3 bis 5 mm geben im Spätwinter stark allergieauslösenden Pollen ab. Kugelige bis eiförmige weibliche Zapfen messen 2,5 bis 4 cm und werden während ihrer 20 bis 24 Monate dauernden Reife grün bis braun. Mehrere Zapfengenerationen können daher am selben Zweig stehen. 1
Nützliche Taxonomie
POWO und WCVP führen Cupressus sempervirens L. als akzeptierten Namen; Linné veröffentlichte ihn 1753, und IPNI verzeichnet dieselbe Erstbeschreibung. Trotz fünf historischer Varietäten und Formen, die vor allem Wuchsunterschiede beschreiben, wird eine einzige Art anerkannt. 8
- Cupressus sempervirens var. horizontalis (Mill.) A.Camus – historische Bezeichnung
- Cupressus sempervirens var. pyramidalis Nyman – historische Bezeichnung
- Cupressus sempervirens f. stricta (Aiton) Rehder – historische Bezeichnung
- Cupressus sempervirens subsp. indica (Parl.) Silba – historische Bezeichnung
- Cupressus sempervirens var. dupreziana (A.Camus) Silba – historische Bezeichnung
Am Namen dupreziana wird die unterschiedliche taxonomische Behandlung deutlich. Manche Autoren betrachteten ihn als eigene Art aus dem saharischen Tassili-n’Ajjer-Gebirge, wo natürliche Verjüngung fast ausbleibt. POWO ordnet ihn dagegen als Varietät C. sempervirens zu. 1
Lebensraum und Verbreitung
Von Kreta und Zypern über die Türkei, den Libanon, Syrien und Israel bis Iran erstreckt sich das natürliche Areal. Besiedelt werden felsige Hänge an der Küste und in mittleren Berglagen. 1 5
Weltweit bewertet die IUCN die Art als nicht gefährdet. Das große natürliche Areal und die sehr lange mediterrane Kulturgeschichte begrenzen das globale Risiko, obwohl der Zypressenkrebs örtlich Bestände bedroht. 7
Seit der Antike gepflanzt, wirkt die Mittelmeer-Zypresse in vielen Mittelmeerlandschaften heimisch. Später wurde sie in Regionen mit ähnlich trockenen Sommern eingeführt, darunter Kalifornien, Australien, Südafrika und die Hochländer Madagaskars. 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Zu den langlebigsten mediterranen Nadelbäumen zählt die Mittelmeer-Zypresse mit mehreren über 1.000 Jahre alten Exemplaren. Für den Sarv-e Abarkuh in der iranischen Provinz Yazd wird ein Alter von etwa 4.000 Jahren angenommen. 6
Der geringe Harzgehalt erklärt ihre gegenüber anderen Zypressen höhere Feuerwiderstandsfähigkeit. Nach einem Brand auf 20.000 Hektar in Spanien blieben die meisten als Brandschutz gepflanzten Bäume ohne größere Schäden. Solche Beobachtungen fließen in Programme für Brandschutzpflanzungen in gefährdeten Gebieten ein. 6
Zur Vermehrung dienen Samen oder Stecklinge. Einige Wochen Kaltstratifikation werden empfohlen, damit Samen innerhalb von 3 bis 4 Wochen gleichmäßig keimen. Halbverholzte Zweige für Stecklinge werden im Spätsommer oder Frühjahr geschnitten. 5 2
Nutzen und Risiken
Dichtes, duftendes und nahezu unverrottbares Zypressenholz nutzten bereits Phönizier und Römer für den Schiffbau und für Tempeltüren. Es gehört außerdem zu den traditionellen Hölzern italienischer Cembali. 5
Aus jungen Zweigen und Zapfen gewonnenes ätherisches Öl wird wegen seiner adstringierenden und kreislaufbezogenen Eigenschaften in Kosmetik und Parfümerie geschätzt. Die traditionelle Medizin schreibt ihm zusätzlich hustenstillende und antirheumatische Anwendungen zu. Unverdünnt oder in übermäßiger Menge reizt das Öl und erfordert bei konzentrierter Anwendung eine Verdünnung, auch wenn für das Laub keine Giftigkeit für Katzen und Hunde belegt ist. 5
In mediterranen Gärten setzt die schmale Krone senkrechte Akzente, bildet Windschutz oder streng geformte Hecken. Salz- und Windverträglichkeit erklären auch die traditionelle Küstenpflanzung. Ein Erziehungsschnitt bleibt optional, da die Säulenform ohne regelmäßige Eingriffe erhalten bleibt. 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Gärtnerische Auslesen unterscheiden sich vor allem in Wuchs und Farbe: Stricta ist die klassische Säulenform der Toskana, Swane’s Golden trägt goldgelbes junges Laub und Glauca blaugraues Laub. Die Kulturansprüche entsprechen jeweils denen der Art.
Verwechslungen betreffen besonders Cupressus arizonica und Scheinzypressen der Gattung Chamaecyparis. Zerreiben hilft: Cupressus sempervirens riecht fast nicht, Cupressus arizonica deutlich zitronig. Zweige von Chamaecyparis und Lebensbäumen sind fächerförmig abgeflacht statt rundlich und schnurartig.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Cupressus sempervirens L.
- Royal Horticultural Society, Cupressus sempervirens - Italian cypress
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Cupressus sempervirens
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Cupressus sempervirens
- Plants For A Future, Cupressus sempervirens
- Encyclopaedia Britannica, Italian cypress
- IUCN Red List, Cupressus sempervirens, Bewertung von Farjon (2013)
- International Plant Names Index, Cupressus sempervirens L.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Mittelmeer-Zypresse für Katzen und Hunde giftig?
Das Laub gilt für Katzen und Hunde nicht als giftig. Das konzentrierte ätherische Öl aus Zapfen und jungen Zweigen kann jedoch unverdünnt oder bei Aufnahme größerer Mengen reizen.
Warum stehen Zypressen auf Friedhöfen?
Seit der griechischen Antike symbolisiert die Zypresse Trauer. Damals schmückte man Häuser von Trauernden mit Zypressenzweigen. Diese Verbindung erklärt ihre traditionelle Verwendung auf mediterranen und europäischen Friedhöfen.
Widersteht die Mittelmeer-Zypresse einem Feuer?
Besser als die meisten mediterranen Nadelbäume. Ihr geringer Harzgehalt begrenzt die Entzündlichkeit des Laubs. Nach spanischen Waldbränden wurde sie deshalb für Brandschutzpflanzungen untersucht.
Wie alt wird eine Mittelmeer-Zypresse?
Mehrere Exemplare sind über 1.000 Jahre alt. Das Alter des Sarv-e Abarkuh in Iran wird auf etwa 4.000 Jahre geschätzt.
Wie unterscheidet sie sich von Cupressus arizonica?
Cupressus arizonica trägt stärker bereiftes, oft blaugraues Laub und riecht beim Zerreiben deutlich nach Zitrone. Das dunkelgrüne Laub der Mittelmeer-Zypresse bleibt dagegen fast geruchlos.
Lässt sich die Mittelmeer-Zypresse im Kübel halten?
Ja, besonders Säulenformen wie Stricta, die auf Terrassen als senkrechter Akzent dienen. Ein schwerer, gut drainierter Topf stabilisiert den hohen, schmalen Baum.
Bildet die Mittelmeer-Zypresse Blüten?
Als Nadelbaum bildet sie Zapfen statt eigentlicher Blüten. Männliche und weibliche Zapfen wachsen auf demselben Baum; die Art ist einhäusig.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.




