Gemeiner Wacholder (Juniperus communis, )
Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) ist ein immergrünes Nadelgehölz der Familie Cupressaceae aus den gemäßigten und subarktischen Gebieten der Nordhalbkugel. Je nach Standort wächst er als niederliegender Strauch oder kleiner Baum. Seine Nadeln stehen zu dritt; grüne und reife blau-schwarze Beerenzapfen finden sich oft zugleich an einem Zweig.
WeiterlesenGemeiner Wacholder, Gewöhnlicher Wacholder, Heide-Wacholder, Wacholder und Common juniper
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Weltweite Verbreitung
Juniperus communis besiedelt nahezu die gesamte gemäßigte und subarktische Nordhalbkugel, von Alaska und Kanada über ganz Europa bis nach Sibirien und Japan. Unter den Gehölzen besitzt die Art eines der weitesten natürlichen Verbreitungsgebiete überhaupt.
- Heimisch8
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- Vereinigte Staaten
- Japan
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.↗
Identität
Gemeiner Wacholder (Juniperus communis L., 1753), auch Gewöhnlicher Wacholder, ist ein Nadelgehölz der Gattung Juniperus aus der Familie Cupressaceae. Carl von Linné beschrieb ihn in seinem Werk Species Plantarum. Damit gehört er zu den Pflanzenarten, die bereits zur Begründung der modernen binären Nomenklatur benannt wurden. 1
Woher der Name Juniperus stammt, ist umstritten. Nach der verbreitetsten Deutung leitet er sich von keltisch gen, „Busch“, und prus, „scharf“, ab und verweist auf den scharfen Geschmack der Früchte. Eine andere Erklärung verbindet ihn mit lateinisch junior und parere, „gebären“, als Hinweis auf eine frühere medizinische Nutzung. Das Artepitheton communis bezeichnet schlicht eine weit verbreitete Art. 5
Erkennung
Für Juniperus communis sind stechende Nadeln charakteristisch, die in dreizähligen Quirlen stehen. Sie sind 1 bis 2 cm lang und nur 1 bis 2 mm breit. Auf der konkaven Oberseite trägt jede Nadel einen einzigen weißen Spaltöffnungsstreifen. Er unterscheidet die Art von ähnlichen Wacholdern mit zwei Streifen. 7
Standort und Höhenlage beeinflussen die Wuchsform von Juniperus communis stark. Auf windigen Kämmen bildet er flache, kriechende Teppiche, am Waldrand aufrechte Sträucher von 1 bis 3 m, an geschützten Stellen kleine Bäume, die 8 bis 10 m übersteigen können. Bei alten Pflanzen löst sich die rotbraune Borke in dünnen Streifen. 2 6
Die Art ist zweihäusig: Männliche und weibliche Zapfen wachsen auf getrennten Pflanzen. Nach der Bestäubung schließt sich der weibliche Zapfen zu einem fleischigen Beerenzapfen. Im ersten Jahr bleibt er grün; zwischen dem zweiten und dritten Jahr reift er blau-schwarz mit wachsartigem Belag. Deshalb trägt ein Zweig oft gleichzeitig grüne und dunkle Beerenzapfen. 7 4
Nützliche Taxonomie
Mehrere Dutzend Arten gehören zur Gattung Juniperus. Für Juniperus communis werden vier Unterarten nach Verbreitung und Wuchsform unterschieden: communis, eher aufrecht und europäisch; depressa (Pursh) Franco, niederliegend und nordamerikanisch; hemisphaerica (J.Presl & C.Presl) Parl., im Mittelmeerraum; und nana (Baumg.) Syme, eine Zwergform hoher Breiten und Gebirge. 7
Mehrere zunächst als eigene Arten veröffentlichte Namen werden heute als Synonyme von Juniperus communis geführt: Juniperus sibirica Burgsd., Juniperus alpina Suter, Juniperus montana Čelak. und Juniperus oblonga Loudon.
Gültig bleibt der Name Juniperus communis L. In Baumschulen führen besonders Sorten unter alten Varietätsnamen zu Verwechslungen. Ein Beispiel ist suecica, das sowohl als synonymer botanischer Rangname als auch als Verkaufsname vorkommt. 1
Lebensraum und Verbreitung
Eines der weitesten natürlichen Areale unter den Pflanzen kennzeichnet den Gemeinen Wacholder. Es umfasst fast die gesamte gemäßigte und subarktische Nordhalbkugel, von Alaska und Kanada über ganz Europa bis nach Sibirien und Japan. 6 2
Auf armen und kalkhaltigen Böden besiedelt der Gemeine Wacholder Heiden, Trockenrasen, Moore und lichte Kiefern- oder Birkenwälder bis hin zur arktisch-alpinen Tundra. Seine Toleranz gegenüber Gischt, Trockenheit und Wildverbiss erleichtert die Ansiedlung auch auf nährstoffarmen Stadtböden, auf denen nur wenige andere Nadelgehölze anwachsen. In Frankreich ist er im gesamten europäischen Staatsgebiet einschließlich Korsikas verbreitet. 3 5
Vor allem Vögel, insbesondere Drosseln und Seidenschwänze, verbreiten die Samen durch den Verzehr der Beerenzapfen. Die Darmpassage soll die Keimung eher fördern als hemmen. In mehreren europäischen Ländern haben der Verlust extensiver Weiden und übermäßiges Sammeln der Früchte die Bestände verringert. In einigen Regionalfloren, unter anderem in Tschechien, zählt die Art deshalb zu den gefährdeten Pflanzen. 6 10
Lebenszyklus und Vermehrung
Zur Blüte im Frühjahr geben die männlichen Zapfen reichlich Pollen ab, den der Wind zu den weiblichen Zapfen trägt. Erst nach einem vollständigen Zyklus von zwei bis drei Jahren entsteht ein reifer Samen. Für ein Nadelgehölz gemäßigter Breiten ist dies ungewöhnlich lang. 7
Reife Beerenzapfen messen 0,6 bis 1 cm im Durchmesser und enthalten meist zwei bis drei Samen in harzigem Fruchtfleisch. Die Keimung ist in der Natur schwierig. Sie verlangt mehrere Monate Kältestratifikation, manchmal nach einer vorgeschalteten Wärmephase. Das erklärt die unregelmäßige, oft über mehrere Vegetationsperioden verteilte Keimung. 4 6
Gärtnerisch wird der Gemeine Wacholder überwiegend durch stratifizierte Aussaat oder halbverholzte Stecklinge vermehrt, die im Spätsommer geschnitten werden. Auch natürliche Absenker kommen vor: Ein bodenaufliegender Zweig kann selbstständig wurzeln. So entstehen manche flächig ausgebreiteten Bestände auf windigen Kämmen. 4 2
Nutzen und Risiken
Als einziger Zapfen eines Nadelgehölzes findet die Wacholderbeere breite Verwendung in der Küche. Getrocknet würzt sie Sauerkraut, Wild und Marinaden. Auf sie gehen außerdem der Name und das harzige Aroma des Gins zurück. 4
Das ätherische Öl enthält viel Alpha-Pinen und Sabinen. Traditionell wird es als harntreibendes Mittel und als Antiseptikum der Harnwege verwendet; neuere pharmakologische Arbeiten dokumentieren diese Nutzung. Innerliche Anwendungen erfordern Vorsicht: Hohe Dosen und längere Einnahme können die Nieren reizen. Während der Schwangerschaft wird von der Anwendung abgeraten. 8 4
Für Tiere gilt der Gemeine Wacholder nicht als stark giftig und steht nicht auf den Listen der besonders gefährlichen Pflanzen für Hunde und Katzen. Größere Mengen an Früchten oder Nadeln können dennoch Erbrechen und Durchfall hervorrufen. Zudem beherbergt er bestimmte Rostpilze der Gattung Gymnosporangium, deren Wirtswechsel Rosengewächse wie Apfel und Weißdorn einschließt. Insgesamt gilt er als weniger anfällig als andere Zierwacholder. 9
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Zahlreiche Gartensorten gehen auf den Gemeinen Wacholder zurück. Hibernica bildet eine schmale, dichte Säule aus irischen Auslesen; Compressa bleibt klein und eignet sich für Kübel und Steingärten. Repanda bildet niedrige Teppiche und stammt aus irischen Wildbeständen. Depressa Aurea ist eine goldlaubige Auslese der niederliegenden nordamerikanischen Form. Verwirrend ist Suecica: Der Name bezeichnet sowohl eine als Synonym geführte botanische Varietät als auch eine separat angebotene säulenförmige Sorte. 7
Im Gelände sind besonders folgende Verwechslungen häufig:
- Juniperus oxycedrus besitzt längere Nadeln mit zwei statt einem weißen Streifen;
- Juniperus sabina trägt nicht stechendes Schuppenlaub, das beim Zerreiben unangenehm riecht;
- Taxus baccata, die Eibe, hat flache, nicht quirlig stehende Nadeln und einen roten Samenmantel statt eines blau-schwarzen Zapfens. Ihre Giftigkeit ist wesentlich höher.
Am zuverlässigsten helfen die Zahl der Spaltöffnungsstreifen, die dreizählige Quirlstellung der Nadeln und die Farbe reifer Beerenzapfen bei der Bestimmung.
Hauptquellen
- International Plant Names Index, Juniperus communis L.
- Royal Horticultural Society, Juniperus communis - Gemeiner Wacholder
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Juniperus communis
- Plants For A Future, Juniperus communis
- Tela Botanica / BDTFX, Juniperus communis L.
- US Forest Service FEIS, Juniperus communis Artübersicht
- Trees and Shrubs Online, Juniperus communis
- PMC, phytopharmakologische Übersicht zu Juniperus communis
- Ohio State University Extension, Wirtsliste zum Wacholder-Apfelrost
- Wikipedia (cs), Jalovec obecný — regionaler Gefährdungsstatus
Häufig gestellte Fragen
Ist Gemeiner Wacholder für Hunde und Katzen giftig?
Er zählt nicht zu den für Tiere besonders gefährlichen Pflanzen. Größere Mengen an Früchten oder Nadeln können bei Hunden und Katzen aber Erbrechen und Durchfall verursachen.
Warum reifen Wacholderbeeren so langsam?
Der Beerenzapfen bleibt im ersten Jahr grün und wird erst im zweiten bis dritten Jahr blau-schwarz. Deshalb trägt ein Zweig oft gleichzeitig grüne und reife dunkle Beerenzapfen.
Wie unterscheidet man Juniperus communis von Juniperus oxycedrus?
Juniperus communis hat auf jeder Nadel einen einzigen weißen Spaltöffnungsstreifen. Juniperus oxycedrus besitzt dagegen zwei Streifen und zudem längere, steifere Nadeln.
Kann Gemeiner Wacholder Apfelbäumen schaden?
Er kann Rostpilze der Gattung Gymnosporangium beherbergen, die zwischen ihm und Rosengewächsen wie Apfel oder Weißdorn wechseln. Insgesamt gilt er aber als weniger anfällig als andere als Ziergehölze verwendete Wacholder.
Muss Gemeiner Wacholder im Garten gegossen werden?
Nach dem Einwurzeln nur selten. Die Art verträgt Trockenheit gut und reagiert empfindlicher auf einen vernässten Boden als auf vorübergehenden Wassermangel.
Woher stammt der Name Gin?
Name und harziges Aroma des Gins gehen auf Wacholderbeeren zurück. Die getrockneten Früchte des Gemeinen Wacholders werden seit Jahrhunderten zur Aromatisierung bei der Destillation verwendet.
Wächst Gemeiner Wacholder auf der gesamten Nordhalbkugel?
Ja, sein Areal reicht von Alaska und Kanada über ganz Europa bis nach Sibirien und Japan. Damit zählt er zu den weltweit am weitesten verbreiteten Gehölzarten.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.


