Gemeine Fichte (Picea abies, (L.) H.Karst. 1881)

Gemeine Fichte (Picea abies) ist ein großer Nadelbaum der Pinaceae aus Bergwäldern und der Taiga Nord-, Mittel- und Osteuropas. Kennzeichnend sind stechende, einzeln auf kleinen Blattpolstern sitzende Nadeln, rötlich braune Rinde und lange hängende Zapfen, die größten der Gattung Picea. Die häufig forstlich angebaute und als Weihnachtsbaum verkaufte Art liefert auch begehrtes Klangholz für den Instrumentenbau.

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Wissenschaftlicher NamePicea abies
GattungPicea
OrdnungPinales

Gemeine Fichte, Gewöhnliche Fichte, Rotfichte, Rottanne, Norway spruce und Picea de Noruega

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen · Ungiftig : Katzen und Hunde
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Nadelbaum · Baum
Blattart
Immergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
NorwegenSchwedenFinnlandDeutschlandÖsterreichSlowenienFrankreichRussland
Lebensraum
Bergwälder und Taiga; frische bis feuchte, eher saure Böden in kaltem Gebirgs- oder borealem Klima
Jahresverlauf
Jahreszeit
Winter
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Mehrere Jahrzehnte bis zur ausgewachsenen Gestalt und regelmäßigen Zapfenbildung
Vermehrung
Aussaat, Transplantation
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gering, flaches Wurzelsystem und sturmempfindlich
Luftfeuchtigkeit
40–70 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Saurer Boden, Feuchter Boden, Entwässerter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Als Altbaum volle Sonne, als Jungbaum halbschattenverträglich
Außenbereich
Offener Boden, Berggarten
Pflanzgefäße
Großes Becken
Erscheinungsbild
Höhe2000–6000 cmBreite600–1000 cm
Blätter
Grün
Früchte
GrünBraun
Wuchsform
Gemeine Fichte (Picea abies): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Rinde
BraunRot

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Picea abies reicht von den französischen Alpen bis Nordwestrussland und von den Rhodopen in Nordgriechenland bis in den äußersten Norden Norwegens. Die Art bildet ausgedehnte Bergwälder und prägt die nord- und osteuropäische Taiga. Forstliche Pflanzungen außerhalb ihrer natürlichen Höhenstufe sind von den wenigen Gebieten örtlicher Einbürgerung zu unterscheiden.

  • Heimisch8
  • Eingeführt1
  • Norwegen
  • Schweden
  • Finnland
  • Deutschland
  • Österreich
  • Slowenien
  • Europäisches Frankreich
  • Russland
  • Kanada

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Gemeine Fichte (Picea abies (L.) H.Karst., 1881), auch Gewöhnliche Fichte, Rotfichte oder Rottanne, ist ein großer Nadelbaum aus der Familie der Pinaceae und der Gattung Picea. Linné beschrieb die Art 1753 erstmals als Pinus abies. Hermann Karsten stellte sie 1881 zu Picea; diese Kombination ist weiterhin der akzeptierte Name. 1 2

Eine Fichte ist botanisch von der Tanne (Abies) zu trennen, auch wenn beide als Weihnachtsbäume verkauft werden. Der englische Name Norway spruce geht vor allem auf die historische Verwendung in Großbritannien zurück, wohin die Art in großen Mengen eingeführt und gepflanzt wurde. Ihr natürliches Areal umfasst tatsächlich weite Teile Europas und reicht weit über Norwegen hinaus. International findet sich auch Picea de Noruega. 5 7

Erkennung

Stechende, dunkelgrüne Nadeln von 1 bis 2 cm Länge kennzeichnen Picea abies. Sie haben einen quadratischen Querschnitt und sitzen einzeln auf kleinen verholzten Blattpolstern, den Pulvini. Tannennadeln sind dagegen flach und ohne Polster direkt am Zweig befestigt. Nach dem Abfallen der Nadeln bleibt der Fichtenzweig deshalb rau, der Tannenzweig glatt. 7 5

Junge Bäume tragen dünne, rötlich braune Rinde. Mit dem Alter verdickt sie sich und reißt in kleine graue Platten auf. Hängende, zylindrische Zapfen messen meist 10 bis 16 cm, gelegentlich bis 20 cm. Es sind die größten Zapfen der Gattung Picea. Die Zapfen der Weiß-Tanne (Abies alba) bleiben dagegen aufrecht und zerfallen am Baum, statt im Ganzen abzufallen. 7 4

Üblich sind Wuchshöhen von 20 bis 40 m; ein Rekordbaum in Slowenien wurde mit 62,7 m gemessen. Trotz der schlanken, kegelförmigen Gestalt typischer Bergwaldbäume bleibt das Wurzelsystem flach. Diese geringe Verankerungstiefe erhöht die Sturmgefährdung. 7

Nützliche Taxonomie

Die heute akzeptierte Kombination Picea abies geht auf Linnés Beschreibung als Pinus abies von 1753 und Karstens Überführung in die Gattung Picea von 1881 zurück. Die Art ist die Typusart der Gattung, die etwa dreißig Nadelbaumarten der Nordhalbkugel umfasst. Zu den wichtigsten Synonymen gehören:

  • Pinus abies L., das Basionym
  • Picea excelsa (Lam.) Link, in Europa lange gebräuchlich
  • Picea vulgaris Link, ein weiterer Synonymname

Verlässlich für die Zuordnung bleibt der akzeptierte wissenschaftliche Name Picea abies. Auch die im Jura, in den Alpen und Karpaten vorkommende Varietät Picea abies var. acuminata wird in der aktuellen Klassifikation anerkannt. 1 2

Lebensraum und Verbreitung

Von den französischen Alpen bis Nordwestrussland erstreckt sich das natürliche Areal von Picea abies. Seine südlichen und nördlichen Grenzen reichen von den Rhodopen in Nordgriechenland bis in den äußersten Norden Norwegens. Die Art bildet ausgedehnte Bergwälder und prägt die Taiga Nord- und Osteuropas. 7 9

Kühle Standorte mit gemäßigten Sommern und frischen bis feuchten, eher sauren Böden entsprechen ihren Ansprüchen. Der ideale pH-Wert liegt zwischen 4 und 6. Nährstoffarme Böden werden vertragen; Kalk verursacht dagegen wachstumshemmende Chlorosen. Das flache, an geringmächtige Gebirgsböden angepasste Wurzelsystem macht die Fichte anfällig für Wind und Trockenheit. 6 4

Forstliche Pflanzungen außerhalb der natürlichen Höhenstufe, auch im Flachland mehrerer europäischer Länder, erwiesen sich im Klimawandel als empfindlich. Dabei übersteht die Art im borealen Winter Temperaturen weit unter −30 °C. Entscheidend ist die Wärmebelastung: Seit 2018 schwächten wiederholte Dürren Millionen Bäume und begünstigten eine schwere Buchdruckerkrise (Ips typographus) in den Fichtenwäldern Mittel- und Osteuropas. 13

Lebenszyklus und Vermehrung

Als einhäusiger Nacktsamer trägt Picea abies getrennte männliche und weibliche Zapfen am selben Baum. Der Wind übernimmt die Bestäubung. Weibliche Zapfen sind zunächst rötlich und aufrecht, neigen sich dann und hängen während der etwa sechsmonatigen Reifung herab. Schließlich geben sie geflügelte Samen frei, die weit vom Mutterbaum fortgetragen werden. 4 5

Mehrere Jahrhunderte Lebensdauer sind für einen einzelnen Baum üblich. Durch vegetative Klonbildung kann die Art noch viel ältere Systeme bilden: Stirbt der Stamm, kann derselbe Wurzelstock einen neuen Spross hervorbringen. Das schwedische klonale Wurzelsystem Old Tjikko wurde mit Radiokohlenstoff auf etwa 9.550 Jahre datiert und gehört damit zu den ältesten bekannten lebenden Organismen. Sein heute sichtbarer Stamm ist jedoch erst einige Jahrhunderte alt. 11

In der Forstwirtschaft erfolgt die Vermehrung durch Aussaat. Kältestratifikation erleichtert die Keimung der geflügelten Samen. Ziersorten werden hingegen auf Unterlagen der Stammart veredelt, damit ihre zwergwüchsige oder hängende Gestalt erhalten bleibt. 6

Nutzen und Risiken

Als Weihnachtsbaum, geschlagen oder im Topf, findet Picea abies jeden Winter in Europa Verwendung. Vorrangig ist sie jedoch ein bedeutender Forstbaum. Ihr weiches, helles Holz dient für Baukonstruktionen, Tischlerarbeiten und Zellstoff. 6 5

Besonders geschätzt wird zudem ihr Klangholz. Fichten aus hohen Lagen, etwa aus dem italienischen Val di Fiemme, liefern seit Jahrhunderten Holz für Geigendecken, darunter jene Stradivaris. Langsames, gleichmäßiges Wachstum mit sehr engen Jahrringen verleiht dem Holz die gesuchten akustischen Eigenschaften. 12

Bei Aufnahme gilt Picea abies als nicht giftig. Junge Triebe und unreife Zapfen werden gelegentlich für Tee oder Süßwaren genutzt. Wiederholter Kontakt mit dem Harz kann die Haut reizen; hinzu kommen die stechenden Nadeln. Ökologisch schwerwiegend ist die durch Dürren seit 2018 verschärfte Buchdruckerkrise, die zum Absterben ausgedehnter Bestände in Mitteleuropa führte. 6 13

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Für Ziergärten wurden zahlreiche Zwerg- und Hängeformen ausgewählt: Nidiformis mit flachem Vogelnestwuchs, die sehr langsam wachsende Miniatursorte Little Gem, Inversa mit auf Stamm veredelten Hängezweigen sowie Acrocona, die schon jung viele dekorative rötliche Zapfen trägt. 3

Häufigste Verwechslung ist die Weiß-Tanne (Abies alba), gefolgt von der Wald-Kiefer (Pinus sylvestris). Die Tanne besitzt flache, an der Spitze abgerundete Nadeln ohne Blattpolster und aufrechte, am Baum zerfallende Zapfen. Fichtenzapfen hängen und fallen ganz ab. Bei der Wald-Kiefer sitzen die Nadeln paarweise, und die Rinde im Kronenbereich ist orangefarben. 5 7

Unter gepflanzten Fichten können auch Picea sitchensis und Picea omorika zu Verwechslungen führen. Blattpolster, Zapfenform und Rinde bleiben die zuverlässigsten Merkmale, um Picea abies zu bestätigen.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist die Gemeine Fichte eine Tanne?

Nein. Auch als Weihnachtsbaum gehört Picea abies zur Gattung Picea, die von den echten Tannen der Gattung Abies getrennt ist. Nadeln auf Blattpolstern und hängende, im Ganzen abfallende Zapfen erleichtern die Unterscheidung.

Ist die Gemeine Fichte giftig?

Nein, bei Aufnahme gilt die Art nicht als giftig; junge Triebe werden gelegentlich sogar für Tee genutzt. Wie bei vielen harzreichen Nadelbäumen kann lediglich wiederholter Harzkontakt die Haut reizen.

Warum sterben seit einigen Jahren so viele Fichtenwälder ab?

Wiederholte Dürren seit 2018 schwächten Millionen Bäume in Mitteleuropa. Dies begünstigte Massenangriffe des Buchdruckers, eines kleinen Käfers, der unter der Rinde Gänge anlegt und den Baum binnen weniger Wochen töten kann.

Wie alt kann eine Gemeine Fichte werden?

Ein einzelner Stamm lebt häufig mehrere Jahrhunderte. Durch vegetative Erneuerung aus dem Wurzelstock kann das gesamte Klonsystem wesentlich älter sein: Old Tjikko in Schweden wurde auf etwa 9.550 Jahre datiert.

Warum ist Fichtenholz für Geigen begehrt?

Langsam gewachsene Fichten aus Hochlagen mit gleichmäßigen Jahrringen liefern geschätztes Klangholz für Resonanzdecken. Geigenbauer wie Stradivari bezogen es unter anderem aus dem italienischen Val di Fiemme.

Wie unterscheidet man Fichte und Tanne?

Fichtennadeln sitzen einzeln auf kleinen Blattpolstern; die Zapfen hängen und fallen als Ganzes ab. Tannen haben flache, direkt am Zweig sitzende Nadeln und aufrechte Zapfen, die am Baum zerfallen.

Kann die Gemeine Fichte im Flachland wachsen?

Ja, sie wird forstlich weit außerhalb ihrer natürlichen Gebirgshöhenstufe gepflanzt. Dort ist sie jedoch empfindlicher gegen Trockenheit und Sommerhitze, was ihre zunehmende Anfälligkeit im Klimawandel erklärt.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.